Donnerstag, 19. April 2018

Wie mit Meldungen Meinungen gemacht werden

Wir haben hier im Blog ja mehrmals über den Fall englischer Kinder, wo höchstrichterlich ein Therapieabbruch, dessen Folge der Tod ist, angeordnet wurde, berichtet.
Es würde den Rahmen eines Blogbeitrags sprengen, den ganzen Themenkomplex umfassend darzustellen, und deshalb will ich da auch gar nicht anfangen.

Dennoch ist, wenn man so die Medien verfolgt, da schon etwas Seltsames im Gang, da wurde eine Frau angeklagt, die ihrem, eh im Sterben liegenden Mann, die Beatmungsschläuche durchgeschnitten hat  hier z.B klicken

Soweit so gut, gleichzeitig titelte die FAZ heute,  mehr oder weniger reißerisch "Arzt muss für lebensverlängernde Maßnahmen Schmerzensgeld zahlen". Hier klicken

Um den Artikel ganz zu lesen, muss man die Zeitung kaufen, und nur in einem Halbsatz wird das wahre Problem, und der Grund für die Schmerzensgeldzahlung, aufgeführt, der Arzt hat nämlich nicht aufgeklärt über die Folgen der künstlichen Ernährung und die Alternativen.

Das kann man hier beim Pflegeschutzbund etwas genauer nachlesen, wenn auch hier in der Überschrift auf die lebensverlängernden Maßnahmen, als Ursache der Verurteilung zu Schmerzensgeld, hingewiesen wird.
Im Text allerdings wird ordungsgemäß darüber berichtet, dass das Oberlandesgericht München, genau nicht der Argumentation des Sohnes gefolgt sei, sondern den Arzt deshalb verurteilt hat, weil dieser mit keiner der beteiligten Personen ein gründliches Aufklärungsgespräch geführt hat.

Ganz anders, aber wohl von der Sache her richtig, liest sich der Fall hier 

Lesen wir hier dass das Gericht die Klage wegen des "Behandlungsfehlers"  lebensverlängernden Maßnahmen, sogar abgewiesen habe,  jedoch, und das m.E. zu recht , festgestellt hat, dass der Arzt seiner Aufklärungspflicht nicht nachgekommen ist.



Wir haben hier also einen recht typischen Fall, dass nicht richtig gelogen wird, aber einfach ein bisschen der Fokus anders gesetzt wird, und schwuppdiwupp kann man seinen Lesern etwas ganz anderes suggerieren, als was gewesen ist.

Fakt ist, das ganze Thema ist exorbitant schwierig, auch und weil keiner weiß, was nach dem Tod kommt und der Überlebenswille einer der stärksten Triebe im Menschen ist, aber gleichzeitig es sicher ist, dass wir alle einmal sterben müssen, todsicher ist, nicht umsonst, eine umgangssprachliche Verstärkung des Wortes "sicher" und andererseits, man sich bei manchen Geschichten, die man so hört und vielleicht auch sieht, wirklich fragt, ob man wirklich alles tun muss, was medizinisch möglich ist.

Dennoch scheint es mir, als habe das Oberlandesgericht München den zentralen Aspekt des Problems aufgegriffen, es fehlt in der ganzen Diskussion an Aufklärung.





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