Montag, 7. Mai 2018

Über die Unfähigkeit zu trauern und zu trösten

Man merkt es auf jeder Beerdigung, keiner kann mehr richtig damit umgehen.
In meiner Kindheit heulte immer mindestens die gesamte erst Bank wie die Schlosshunde, manchmal auch die ersten drei Bänke, manchmal machte die komplette Kapelle ein betroffenes Gesicht und hatte verdächtig gerötete Augen. Man wankte geschlossen zum Leichenschmaus und gerade die Beerdigungen wo die Hauptleidtragenden schier getragen werden mussten, ob ihres Kummers, gerade die endeten oft in fröhlichem Gesang.

Fast jeder dem ich das erzähle, mit dem Hinweise wie gut diese Art der Trauerbewältigung funktionierte, der erzählt mir "Ja aber als die und die, der und der  starb, da wollte ich keine Gesellschaft, da wollte ich alleine sein" und es zeigt nur, dass wir nicht mehr trauern können, dass wir keine Rituale mehr haben, um mit dem Schmerz umzugehen.
Die Pfarrersleut die meinen ja immer, dass die Leute deshalb heulen, weil ihnen die mit 107 endlich friedlich eingeschlafenen Großmutter, die man während ihrer langen Jahre im Altersheim nie besucht hat, fehlen würden, was ich für einen grundlegenden Irrtum halte.
Man heult einfach deshalb, weil einem  auf der Beerdigung unmissverständlich vor Augen geführt wird, dass alle Menschen sterblich sind, und wenn der Verstorbenen wirklich ein guter Mensch war, und für einem selbst sehr wichtig, dann heult man erst recht, weil  man merkt, dass all das nichts nutzt, also auch das Gutsein, das Wichtigsein usw, nichts hilft, vor dem Tod, und in den Gräbern keine Reichen und keine Schönen liegen, sondern nur die Toten!




 Und weil die Pfarrersleut auf der Beerdigung immer so daneben liegen, was die Ursache der Trauer angeht, so traut man sich nicht mehr, wenigstens mit denen über die wahre Ursache der Trauer (früher hieß das über  'die letzten Dinge') zu reden und das ist ein seltsamer Zustand.
Ich denke es hat viel damit zu tun, dass aus der Kirche die echatologische Dimension, zugunsten rein innerweltlichem Aktivismuses, abhanden gekommen ist.
Man weiß nicht mehr, dass das Ziel des Christen nicht auf dieser Welt zu finden ist, weil das Ziel des Christen das Reich Gottes ist, und dieses nicht von dieser Welt ist,

Man hat sich innerkirchlich um die Frage nach den sogenannten letzten Dingen, auch um dem Vorwurf zu entgehen, die Leute aufs Jenseits zu vertrösten, seit dem 2ten vtikanum gedrückt. Immer wieder hört man, "man müsse sich verheutigen, sich um das Hier und Jetzt kümmern u.s.w . Deshalb sind Beerdingung auch so eine seltsame Angelegenheit geworden, es sterben ja lauter Heilige. Aber der Kirche ist die Fähigkeit abhanden gekommen zu trösten, gerade die Leidenden, weil sie eben auch unisono mir der Welt schreit " da muss doch einer Schuld sein, und wenn wir den finden und die Verhältnisse ändern., dann geschieht das nicht mehr!"
So richtig es ist, Dinge die schief laufen, zu ändern (wenn man denn kann) so wahr ist es, das im Aufstand kein Trost steckt.
Und so toben die Einen nun in ihrem Schmerz und sorgen dafür, das die, die vom Tröster wissen, darüber schweigen, was dazu führt, das die Leut noch verzweifelter werden..

Bei uns zuhaus gab es bis vor einigen Jahren zwei Friedhöfe, einen alten der bis in die 70er belegt wurde und einen neuen, der ab den 70ern belegt wurde.
Der Unterschied ist spürbar.

Ein kluger Mensch schrieb mal, der modernen Kirche sei die Fähigkeit zu trösten abhanden gekommen, das stimmt, aber dem modernen Menschen ist die Fähigkeit sich trösten zu lassen abhanden gekommen.

Wer soll uns da helfen, wenn nicht Jesus der Christus, der Gott und Mensch zugleich ist?

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