Freitag, 29. Juni 2018

Kommunionstreit, einige Gedanken dazu

also bitte zunächst erinnert das Wort an wirklich große Streitfragen in der Kirche, wie an  den Gnadenstreit, den Armutstreit und so Zeug, und im Vergleich dazu finde ich den Bergriff Streit echt daneben.
Ich persönlich frage mich ja schon seit Jahrzehnten, ob die Bischöfe und ihre Berater nicht wissen, wie es vor Ort aussieht oder es nicht wissen wollen.
Ich gehe allerdings davon aus, dass sie nicht blöd sind, und genau wissen, dass ihnen bei Visitationen und Firmungen Theater vorgespielt wird, und eigentlich die Zahlen kennen und wissen, dass sich kaum mehr einer für die Kirche interessiert.

Und genau das ist, bei Licht betrachtet, doch gar kein Problem.

Ich kenne eine wirklich sehr belesene, sehr engagierte, sehr fromme, nicht frömmlerische Frau, die sehr, sehr besorgt ist, über die Lage in der Kirche  und ihre Ausführungen gipfeln regelmäßig in dem Satz:
"Ich weiß worauf das hinausläuft auf die kleine Herde, wie es in der Schrift steht!"
Ich sag dann immer, wo denn das Problem sei? Wenn es in der Schrift steht, dass es auf die kleine Herde, die nicht verzweifeln soll, hinausläuft., dann ist doch alles gut, weil es so läuft, wie Gott es will, bzw zugelassen hat.



Da besagte Dame aber etwas älter ist, kann sie mit solcherlei Gedanken nichts anfangen, weil sie,irgendwie, die Idee einer Volkskirche verinnerlicht hat,
dabei hat es die nie, auf jeden Fall nicht so, wie die Leute es retrospektiv gerne hätten, gegeben, sondern der Glaubenden sind es immer nur eine Minderheit gewesen, so dass das Wort von der kleinen Herde, die nicht verzweifeln soll, in allen Zeiten seine Gültigkeit gehabt hat.

Ich vermute nun einfach die Bischöfe wissen eigentlich um die Situation, nur kriegen diesen gedanklichen Spagat nicht wirklich hin, der besteht nämlich darin ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum zu sein, und in diesem auserwählten, königlichen Priestertum zu den Ersten, den Primussen zu gehören.
Nur  schreibt Paulus,.  dass er denkt, dass "Gott die Apostel an den letzten Platz gesetzt hat" (1 Kor 4,9)
und an anderer Stelle sagt Paulus, wenn es keine Auferstehung von den Toten gäbe, so wären wir Christen die ärmsten und allerletzten aller Menschen.

Also es ist nicht einfach Christ in der Welt zu sein, insbesondere da man ja, als solcher Anteil an Gottes Sein erhält, aber wenn wir uns angucken, wie die Welt mit Gott umgeht, so kann man schon erstehen, dass die Welt, die mit Gott nichts anfangen kann, "er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf" nein sie brachten ihn sogar ans Kreuz!, dass also diese Welt mit denen die zu ihm gehören wollen noch weniger anfangen kann.

Es ist also eine ungeheure Spannung, und in einer Welt die nur noch das rein Materielle das rein gute Gefühl als Wert hat, was soll da schon ein Gott?
Also es ist klar, dass das Christentum für die Mehrheit der westlichen Bevölkerung als, endlich und glücklich überwundene Stufe auf dem Weg vom Fetischismus, über den Polytheismus und hin zu Monotheismus gilt. das sagen gängige Religionsgeschichtliche Theorien aus und der moderne Mensch hält dann auch den Monotheismus als etwas zu überwindendes und damit ist dann auch das Interesse am Christentum erloschen, man lässt es höchstens noch gelten wegen als Institution, die sich, nach Möglichkeit unendgeldlich um die Abgehängten des Systems zu kümmern hat und fordert genau das lautstark.

Nun, wie gesagt, ich halte die Bischöfe eigentlich nicht für so dumm,. wie man manchmal meinen könnte und vermute, dass sie die Zahlen und ihre Extrapolationen viel besser kennen, als es einem selber in seiner Pfarrgemeinde vor Ort so vorkommt.

Von daher denke ich,. ist es schon folgerichtig, dass die Kirche sich als fürs Soziale zuständige NGO unverzichtbar machen will, einfach weil sie im Gespräch bleiben will.
Der emeritierte Freiburger Bischof R. Zollitisch hat das mal in einer langen Erklärung recht klar gesagt, es komme darauf an, dass die Kirche im Gespräch bleibe um weiter an die staatlichen Gelder zu kommen. Man versteht sich also selber als eine Art Konzern, der seine Mitarbeiter weiter bezahlen will und damit ist auch gut.
Die Sache ist nun die, dass es bei den Evangelischen auch nicht besser aussieht.
Neulich hat mir jemand berichtet, die für das evangelische! Krankenhaus zuständige Pfarrerin habe den Organisten gekündigt, die Gottesdienste gestrichen mit der Begründung "Lohnt sich nicht für die paar die da kommen!"
Nun ja, bei uns macht man das nicht so direkt, aber man macht es ja auch nicht anders.

Nun ist es unter solchen Prämissen komplett klar, dass unter diesen Prämissen die Kommunion einfach nur noch so einen Art seltsames, antiquiertes, folkloristisches Ritual ist, das eben Kennzeichen der Gemeinschaft, ist, vergleichbar jedem anderen Ritual, an dem man festhält.
Ich denke hier ab manche Ferienorte wo irgendwelche Leute, irgendwelche Tänze, in irgendwelchen Trachten vortanzen, das schafft schon eine gewisse Atmosphäre, aber keiner läuft mehr im Alttag so rum und wenn man dann tanzen geht, dann tanzt man auch nicht Schuhplattler oder den Regentanz, das macht man nur für die Touristen,

Unter diesem Aspekt ist es eigentlich total klar, dass  man die Kommunion an alle und jeden verteilt, der bereit ist mitzumachen beim Dienst an dem Menschen und der Welt.
Und genau das ist auch der Punkt, Dienst am Menschen und Dienst an der Welt ist nichts spezifisch christliches, sondern das Erfordernis jeder funktionieren wollenden Gesellschaft.

Das spezifisch christliche ist und bleibt der Gottesdienst und aus dem Gottesdienst erst entspringt die Nächstenliebe die in jedem Menschen, den der liebe Gott einem vor die Nase stellt den Nächsten sieht, den man, genauso wie sich selber, lieben soll, und das kann man, nach christlicher Überzeugung eigentlich nur dann tun, wenn  man mit all seiner Kraft, alle seinem Herzen,seiner ganzen Seele und all seinem Denken den lieben Gott versucht zu lieben.

Und wir müssen uns vielleicht endlich mal ernsthaft mit dem auseinandersetzen, was Guradini schon 1951! schrieb, nämlich:

Die Einsamkeit im Glauben wird furchtbar sein. Die Liebe wird aus der allgemeinen Welthaltung verschwinden (Mt 24,12). Sie wird nicht mehr verstanden noch gekonnt sein. Um so kostbarer wird sie werden, wenn sie vom Einsamen zum Einsamen geht; Tapferkeit des Herzens aus der Unmittelbarkeit zur Liebe Gottes, wie sie in Christus kund geworden ist. 



dieses Passage stammt aus dem Büchlein "Vom Ende der Neuzeit" und dessen Lektüre kann ich jedem nur ans Herz legen.


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