Montag, 2. Juli 2018

Ein Fundstück der besonderen Art

Friedrich Neitzsche ist schon ein seltsamer Kauz, aber irgendwie ein faszinierender Kauz, finde zumindest ich.

Irgendwann einmal ist mir folgende Beschreibung des "letzten Menschen" untergekommen und ich finde es immer noch frappierend wie es auf unsere Zeit und unsere Breitengrade zutrifft

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.
Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen.
»Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern« – so fragt der letzte Mensch und blinzelt.
Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar, wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.
»Wir haben das Glück erfunden« – sagen die letzten Menschen und blinzeln.
Sie haben den Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man braucht Wärme.
Krankwerden und Misstrauen-haben gilt ihnen sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Thor, der noch über Steine oder Menschen stolpert!
Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen Sterben.
Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt dass die Unterhaltung nicht angreife.
Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in's Irrenhaus.
»Ehemals war alle Welt irre« – sagen die Feinsten und blinzeln.
Man ist klug und weiss Alles, was geschehn ist: so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich noch, aber man versöhnt sich bald – sonst verdirbt es den Magen.
Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.
»Wir haben das Glück erfunden« – sagen die letzten Menschen und blinzeln – 

(aus: Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Zarathustras Vorrede, 5. Kapitel)


Nur erhebt sich dann die Frage, was tun wir und da gibt es ebenfalls im Zarathustra eine interessante Antwort, die überhaupt nicht so originell ist, sondern eine Antwort ist, die Christen schon immer gefunden haben:


Frei steht noch grossen Seelen ein freies Leben. Wahrlich, wer wenig besitzt, wird um so weniger besessen: gelobt sei die kleine Armuth!

Quelle hier ,

Dieses Lob der Armut hat die Kirche in der ersten Verfolgungszeit in der Wüste überleben lassen, es war das was die Kirche durch den Zusammenbruch des römischen Weltreiches rettete, es war dieses sich nicht binden an den Besitz, sich nicht binden an das Sichtbare.

Es sei hier mal hingeschrieben, auch und wenn einem, gerade heutzutage in jeder Fürbitte, das Lob der Armut, und die Geißelung des Egoismus, des Strebens nach egal was, um die Ohren geschlagen wird, es dennoch so,. ist dass das keiner freiwillig tut, sondern alle und jeder nach Besitz strebt, einfach weil der alte Kalauer einfach stimmt, nach dem Geld nicht glücklich macht, aber beruhigt, sprich für Sicherheit steht, die ja ebenfalls ein Grundbedürfnis des Menschen ist.
Der andere Punkt ist, dass es leicht ist das rein materielle zu geißeln, Werte und Spirituelles anzumahnen, aber dennoch wenn es hart auf hart kommt der Spatz in der Hand besser ist als die Taube auf dem Dach.

So ist es komplett klar dass all diese Versuche und teilweise auch erzwungenen Zustände wo Christen versuchten ihr ganzes Sein alleine im Vertrauen auf Gott zu leben, nicht immer so abliefen, wie es in frommen KIndergeschichten dargestellt wird, und romantisch veranlagte Erwachsene es gar zu gerne glauben wollen.

Dennoch wurde in den damals neuen Klöstern nach der Regel des heiligen Benedikt versucht nach dem  Ideal der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit zu leben und so gelang es die dunkle Zeit vom Zusammenbruch des römischen Reiches bis hin zu dem was man üblicherweise Mittelalter nennt, als Christen zu überstehen und immer noch da zu sein, als die Wirren der Völkerwanderung sich beruhigt hatten.

Später drohte die Kirche, im ausgehenden Mittelalter nunmehr fest etabliert und wichtig, wieder vor die Hunde zu gehen, diesmal vor lauter Macht und Geld und Wichtigsein, da kamen die Orden der Franziskaner und Dominikaner die Bettelorden wieder mit den Ideal der Armut, dem sich völlig in die Hände Gottes begeben und  retteten so die Kirche und damit den Glauben.

Und nun um eine lange Geschichte -  die sich durchaus nicht so einfach, gut und widerspruchslos abspielte, wie man es rückblickend gerne darstellt - um eine lange Gesichte kurz zu machen, auch diesmal ist wohl die Armut des Nichtbesitzens um nicht besessen zu werden, das was uns Papst Benedikt hinterlassen hat, 

Ich meine die Entweltlichung die er in der Konzerthausrede in Freiburg angemahnt hat (hier klicken, runterscrollen, dann kommt man zum Text der Rede)

Es sei hier eine kurze Passage hergeschrieben, wo der Papst klar sagt, es geht nicht um irgendwelche neuen Strategien, sondern darum als Kirche wieder zu sich selber zu kommen.

die nicEs geht hier nicht darum, eine neue Taktik zu finden, um der Kirche wieder Geltung zu verschaffen. Vielmehr gilt es, jede bloße Taktik abzulegen und nach der totalen Redlichkeit zu suchen, ....[um den Glauben]  ganz zu sich selbst [zu bringen] , indem sie das von ihm abstreift, was nur scheinbar Glaube, in Wahrheit aber Konvention und Gewohnheit ist.

Ich denke immer noch, dass man nur von daher, den, zumindest für mich, immer noch verstörenden Rücktritt Benedikts verstehen kann, einfach weil er gesehen hat, alles kluge Reden nutzt nichts,

Aber lassen wir das und versuchen uns darauf einzustellen, alles, wirklich alles dem lieben Gott zu überlassen.
Das hört sich so einfach an, ist aber, wenn man es mal ehrlich versucht gar nicht mal so leicht.




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