Mittwoch, 5. September 2018

Über das Geschwätz und den Segen der Stille, besonders beim Beten.

Jedesmal wenn ich das zweifelhafte Vergnügen habe, in der Kirche zugut zuzuhören, fällt mir das alte Arbeiterkampflied wo es heißt "es macht uns ein Geschwätz nicht satt, das bringt kein Essen her...." ein.
Nun geht man ja nicht in die Kirche um was zu essen für den Körper zu bekommen, auf jeden Fall nicht bei uns und nicht derzeit, sondern man geht, als anständiger Katholik, in die Kirche damit die Seele satt wird, um die Speise für das ewige Leben zu erhalten.

Nun leiden die handelsüblichen Gottesdienste an ausufernder Rederitis und scheinbar, weil man dem normalen Volk nicht zutraut mit seinen ganz eigenen Sorgen, Problemen und Fragen sich vor den lieben Gott zu stellen, maßt man sich auch gleich noch die Rolle des heiligen Geistes an, von dem Paulus ja schreibt da wir  nicht wissen, wie wir in rechter Weise beten sollen, so tritt der Geist mit Flehen und Seufzen für uns ein

Mich ärgert schon langte, wenn es heißt, dass nun der Punkt der Messe gekommen sei, wo wir alle unsere Sorgen und Nöte vor den Herrn tragen und dann wird man mit so nullachtfünfzehn Fürbitten zugetextet.
Und das nicht mit unaussprechlichen Seufzern, wie es vom heiligen Geist heißt, sondern mit fester Stimme die jeden klar macht, dass der Leser und Verfasser der Fürbitten den totalen Durchblick hat, genau weiß wer die guten und wer die bösen sind und was zu tun ist.
Da das ganze schon seit Jahrzehnten geht, wundert mich, dass noch niemand der Sprecher und Verfasser auf die Idee gekommen ist, dass da etwas schief läuft,. weil offensichtlich, da die Fürbitten ja seit Jahrzehnten immer die gleichen fast dieselben sind, der liebe Gott entweder nicht hört, auf jeden Fall nicht erhört und man sich fragt, ob es ihn vielleicht gar nicht gibt.

Das ist vielleicht die fatalste Folge der ganzen Rederitis, wenn man dann vom Liturgiearbeitskreis immer wieder erzählt bekommt wie lieb und nett der liebe Gott doch ist, und sich dann, anhand der Geschichtsbücher die man gelesen hat, oder auch anhand der Nachrichten, mit der alten Theodizee* herumschlägt., dann  kommt einem recht schnell der Gedanke, dass es Gott vielleicht gar nicht gibt.



Nur scheint mir die Lösung darin zu liegen, dass das wortreich beschworene Gottesbild einfach falsch ist, das ist das was man spöttisch Weißbrotevangelium nennt und das mag man nett finden, hat aber mit dem Evangelium nichts zu tun.
Nun ist es nicht so, dass die immer wieder bemühten Bibelstellen die von der Fürsorge, der Liebe Gottes usw, erzählen falsch sind, das steht da so drin! Nur steht da auch anderes drin, und schlussendlich erzählt die Schrift von Gott der eben Gott ist und vom Mensch der Mensch ist und der aus eigenem Entschluss die paradiesische Nähe zu  Gott aufgegeben, wollte sein eigenes Ding ( es werden euch die Augen aufgehen, und ihr werdet wie Gott sein und wissen....) machen und seitdem ist die Welt Gottes und die Welt der Menschen halt getrennt und das Verständnis (im Wortsinn) zwischen dem Mensch und Gott halt gestört.

Von daher kann man die Schrift nicht einfach verstehen, wie ein Lehrbuch, oder so, sondern sie ist, in der Tat voller Widersprüche, voller Dinge die nicht so einfach zusammengehen, und über dieses Widersprüche, von denen die oben erwähnte Theodizee einer der bekanntesten  ist, sind ganze Bibliotheken voll geschrieben worden und das nicht erst seit neulich.

Und weil das so ist, und weil es nicht erst der superschlauen ganz modernen historisch, kritischen  Theologen bedurfte um das zu sehen, wobei diese Leute ja auch keine Antworten haben, sondern nur den Glauben, den sie nicht verstehen, zerstören können, deshalb kann man sich dem Geheimnis, also dem Sein Gottes nur im Gebet und in der Stille nähern.
Dann ist es so, dass in den Brüchen und Widersprüchen der Schrift das Göttliche durchscheint, was schon manchen zu der Aussage geführt hat "Ich glaube, weil es absurd ist!" nur gilt der Umkehrschluss, dass in jeder Absurdität auch der Glaube durchkommt nun wirklich nicht.

Man sieht man kommt nicht zum lieben Gott indem man viel liest, wie schon Kohelet feststellte, lautet der letzte Satz dortselbst doch:

Und ferner noch8: laß dich warnen, mein Sohn; des vielen Bücherschreibens ist kein Ende, und das viele Studieren verursacht dem Leibe Ermüdung. –
13 Laßt uns das Endergebnis des Ganzen hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote! Denn das kommt jedem Menschen zu.
14 Denn Gott wird in dem Gericht, das über alles Verborgene ergeht, das Urteil über alles Tun sprechen, es sei gut oder böse (gewesen).


Also es ist gut, wenn man in der Stille sich vor Christus hinknien kann und seine eigenen Gedanken zur Ruhe kommen lassen kann und um nun ganz konkret zu werden, in so eine Anbetung bin ich gestern abend, mehr oder minder aus Versehen, gestolpert und dort habe ich gemerkt wie sehr das ganze Gerede und das noch beten, und sell noch, und diese Andacht noch einem,. so gut gemeint es sein mag, irgendwie die Anbetung verleidet.
Und so sehr im nichtmehrsoganzgläubigen Volk die Auffassung vertreten wird, dass man genauso gut im Wald beten könne, auch dort sei es ja so schön still, so ist hier zu sagen, ja manchmal weht einem beim Spazierengehen etwas davon an, aber das ist doch anders, eine Ahnung einer Ahnung die in der Anbetung Realität wird

So denke ich, sollten wir vielleicht nicht vergessen, da wo wir es können, und das sind ja nicht mehr so superviele Orte uns einfach vor den Herrn zu knien und dort wo wir nicht mehr in rechter Weise beten können, hoffen dass der heilige Geist die Sehnsucht danach vor Gott bringt.






*das ist der Fachbegriff für die Frage wie es sein kann, dass Gott der doch alles gut geschaffen hat und dazu allmächtig und allwissend und dazu gut und gutmeinend, uns, den Menschen seinen Geschöpfen mit unendlicher Liebe zugetan, doch anhand des Leids und Elends das ist, einfach nix macht. Also die Frage nach dem Leid)

1 Kommentar:

  1. Richtige Beobachtungen, Ester. Mit persönlich fiel erst nach dem Kontakt mit der überlieferten Form der Messe auf, wie chronisch hyperaktiv die „Neue Messe“ ist und man eigentlich keinen Moment für die persönliche Betrachtung hat. Ständig wird zusammen gesungen, gesessen und gestanden. Exakt sind die vorgestanzten Frage-Antwort-Hülsen (sog. „aktive Teilnahme“) zu repetieren - Eucharistiefeiern degenerieren flächendeckend zu perfekt choreographierten Kollektivversammlungen mit einem durchgestalteten Gruppenanimationsprogramm. Nicht der Kontakt zu Gott steht dort zu oft im Mittelpunkt, sondern eine systematische Pädagogisierung und penetrante Indoktrinierung der Gottesdienstbesucher. „Das Ritual wird zur Gleitschiene der Bevormundung. Die Unterordnung des Rituals unter die Wortverkündigung konstituiert einen ideologisierend-disziplinierenden Zwang ...“ (A. Lorenzer: „Das Konzil der Buchhalter – Die Zerstörung der Sinnlichkeit. Eine Religionskritik“, 1988, S. 81f.).

    Wie Sie richtig bemerken, ist das persönliche Gespräch mit Gott gar nicht erwünscht, sondern die Inzenierung eines „kreativ gestalteten" Gemeinschaftskults, bei dem man fortwährend den spontanen liturgischen Einfällen der Pfarrer und dem Selbstdarstellungsdrang ambitionierter Laien ausgesetzt ist. Flüchtige bis fehlende Ehrfurcht der oft in legerer Freizeitkleidung erscheinenden Laien vor dem Tabernakel, lächerliche „meet&greet“-Aufführungen beim routiniert abgespulten sog. „Friedensgruß“ (angestrengte Rumpfbeugen über mehrere Bänke und unverbindlich-allgemeines Herumwinken inklusive).

    Der oftmals anzutreffende Schuß-Applaus für Organisten, Messdiener oder sonstige „Mitwirkende" spricht, ebenso wie die lärmige Bushaltestellen-Atmosphäre vor Messbeginn, eher für ein Bühnenprogramm. Papst Benedikt XVI. führt in seinem Buch „Der Geist der Liturgie" (2. A., 2007) auf Seite 170 dazu aus: "Wo immer Beifall für menschliches Machen in der Liturgie aufbricht, ist dies ein sicheres Zeichen, dass man das Wesen der Liturgie gänzlich verloren und sie durch eine Art religiös gemeinter Unterhaltung ersetzt hat. Solche Attraktivität hält nicht lange; auf dem Markt der Freizeitangebote , der zusehends Formen des Religiösen als Kitzel einbezieht, ist die Konkurrenz nicht bestehen."

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