Sonntag, 14. Oktober 2018

Begegnung am Bahnhof, oder warum glauben?

Gestern bin ich irgendwo aus dem Bahnhof gekommen, da sprach mich eine Frau an, und fragte mich:
"Denken Sie dass es heutzutage noch vernünftig ist an Gott zu glauben?"

Ich habe gesagt, dass das die falsche Frage sei, weil es ausschließlich darum ginge ob Gott sei.
Wenn Gott nämlich ist, dann ist die Frage ob es vernünftig ist an ihn zu glauben, ja irgendwie sinnlos.
Ist Gott allerdings nicht, so stellt sich die Sache schon anders an, ist Gott nämlich nicht, so gibt es nur Vernunftsgründe an ihn zu glauben,



Das mag heutzutage sich erstaunlich anhören, wo wir doch alle angesteckt sind von  der Idee, dass Religon Opium für das Volk ist und an allem Übel schuld ist.
Dennoch um bei dem Marx'chen Diktum zu bleiben, so gibt es durchaus Fälle wo die Gabe von Opiaten mehr als angezeigt ist.
Religion wäre nach dieser Idee ausgesprochen vernünftig, solange es Lebenslagen gibt, die schmerzhaft, bzw so schlimm sind, dass der davon Betroffene dringend einer Dämpfung seiner Wahrnehmung bzw eine Auszeit mittels Betäubung braucht.
Noch vernünftiger wäre es allerdings, sofern es keinen Gott gibt, Zustände zu schaffen, die die Gabe des Opiates Religion überflüssig machen.
Nun gibt es vernünftige Leute, die genau das seit ca 200 Jahren versuchen und naja alles was man erreicht hat, ist dass die Leute sich ihre kleinen und großen Fluchten selber zusammenbasteln müssen.

Ein anderer vernünftiger Grund an Gott zu glauben, obwohl es ihn nicht gibt, ist, dass so ein anständiger christlicher Glaube doch sehr gut geeignet ist ein funktionierendes Sozialsystem in dem die Starken für die Schwachen einstehen, ideologisch zu untermauern.
Und dazu kommt dass die in den Leuten, besonders in den Schlauen, Cleveren, Starken, Gerissenen verankerte Idee, dass es eine höhere Instanz gibt, die alles sieht, alles weiß und der man am Ende des Lebens Rechnung legen muss, und die man nicht bemogeln kann, doch dazu führt, dass diese Leute wenigstens noch ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie alle anderen ausnutzen, belügen, betrügen und sich selber bereichern, und man als Betroffener ein konsistentes Denksystem hat, um solcherlei Unrecht als Unrecht anzuprangern.

Es gibt also,. unter der Prämisse, dass es Gott nicht gibt, eine Menge Gründe an einen solchen zu glauben.
Nur haben wir hierzulande eben das Problem, dass der christliche Glaube so kulturprägend war, dass wir seine Ideale einfach vorraussetzen.
Man muss sich das mal ernsthaft durch den Kopf gehen lassen, was für ein Selbstbild die Kirche von sich selber hat und wie sie wahrgenommen wird, und woran die Kritik sich entzündet.

Mich nervt das schon lange, dass das eigentliche Bild des Christen das eines perfekten Meschen ist, der immer nett, immer freundlich, immer engagiert,. an keiner Phobie leidend, immer bereit zu helfen und dazu auch in der Lage, was bedeutet, dass es ihm gut, sogar sehr gut, geht.
Und damit macht man etwas was man gar nicht will, man überfordert die Leute.
Aber je mehr die Leute überfordert sind, was sich ja auch an den steigenden Kirchenaustrittszahlen bemerkbar macht, umso mehr hält man die Ideale hoch.
Nur kommt dann ein anderer Effekt zum Tragen, wer kennt das nicht man redet über dies und das, und dann kommt da irgendeine, die das Glück hat, von den Sorgen die die anderen haben, verschont zu sein, und sagt arrogant, überheblich "Also ich, ich mach das so und so, und so ist es gut und überhaupt, warum macht ihr das nicht auch so" wobei regelmäßig die Tatsache übersehen wird, dass die Grundvoraussetzungen halt andere sind.

Und bei so jemand wird man geradezu genüsslich beim Tratschen, wenn denn ruchbar wird, hinter der perfekten Fassade ist auch nicht alles so perfekt, wie es aussieht.

Nun bin ich ja nicht nur zu meinem Vergnügen aus diesem Bahnhof gekommen, sondern habe mich mit einigen Leuten getroffen, und wir haben über die dramatisch schlechte Lage der Kirche und des Glaubens hierzulande geredet.
Es ging aber immer darum was das Christentum so großartiges hierzulande vollbracht habe, was für barbarische Zustände sich seit der Ausbreitung des Christentums doch grundlegend geändert hätten und wie gut die Ideen eines christlichen, geeinten Europas von so Leuten wie Adenauer, de Gasperi und Schuhmann doch gewesen seien.
Es ging also um die Vernunftsgründe doch zu glauben!

Es ist hier nicht der Raum um das alles aufzudröseln, und auch nicht der Raum auch die Ansichten, ob das was da in der Vergangenheit so gut gewesen ist, auch nicht schon den Keim seiner Auflösung transportiert hat, genauer  zu untersuchen. Richtig ist einfach, jede gute Idee ist nur so gut, wie die Leute die sie umsetzen und hier zeigt sich, dass die Kirche der Beichtstühle irgendwie vergessen hat für was diese seltsamen Kästen in den Kirchen eigentlich gut sind, um es mal etwas spöttisch zu formulieren, sonst würde sie nicht immer noch denken, dass das Paradies auf dieser Erde dauerhaft zu etablieren wäre.

Aber mir scheint das ganz große Problem der Kirche unserer Zeit zu sein, dass sie das Grundwesen der christlichen Botschaft, dessen absolutes Querstehen zu allem was man so meint, denkt und fühlt, aus lauter Vernunftgründen für das Christentum gar nicht mehr sieht und, was noch schlimmer ist, nicht mehr sehen will.

So oberflächlich und verkürzend sei gesagt, nur weil sich irgendwelche Leute haben anstecken lassen von dem was dieser Christus so verkündet hat, hat sich hierzulande das etablieren können, was wir christliche Kultur nennen und was, trotz aller wohlfeilen Kritik einfach schön ist,
Musik, Malerei, Architektur, alles ist hierzulande, sofern es alt und schön ist, christlich inspiriert und es ist doch ersichtlich dass in dieser nichtmehrchristlichseinwollenden Zeit in der wir leben, es mit der Schönheit nicht mehr so weit her ist,. was wiederum bei vielen, gerade gebildeten Leuten dazu führt,. dass sie zwar nicht in die Kirche gehen, aber wollen dass sie weiter zum Weihnachtsoratorium von J.S Bach gehen können.
Aber die Geschichte des Christentums hierzulande ist eine Geschichte von Ablehnung und Martyrium,
Es war nicht so, dass da irgendwelche, entlassene römische Legionäre oder später dann  iroschottische Wandermönche kamen und alles schrie "Hurra" sondern eher das Gegenteil war der Fall.

Um nun endlich zu einem Ende zu kommen, als Glaubende gehen wir davon aus, dass Gott ist, und dass er dreifaltig ist und wenn wir das glauben,. dann ist es unerheblich ob es vernünftig, sinnvoll, hilfreich, nett oder wohltuend ist, dann ist es halt einfach so und ich denke einfach, wenn wir zu diesem Grund wieder zurückkommen, dann wird das auch was mit der Neuevangelisation Europas von der schon JPII sprach.

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