Mittwoch, 14. November 2018

Was tun? Oder zum Beten braucht man keine Erlaubnis

Nun es häufen sich die Meldungen darüber, dass Klöster geschlossen, Orden lahmgelegt werden und all das, weil die zugehörigen Ordensleute im Ruch stehen, fromm sein zu wollen.
Und dem Herrn sei's geklagt, all das geht nicht von wildgewordenen Kirchenfeinden aus, sondern von den eigenen Leuten.
Man fragt sich von daher, was man einem etwaigen  Menschen raten sollte, der den Wunsch äußert, in einen Orden einzutreten?
Gut, es gibt da und dort noch Klöster, von denen man Gutes hört und da und dort wachsende Gemeinschaften, aber so im Großen und Ganzen scheint der ursprüngliche Sinn der Orden nicht mehr gegeben.
Was ist denn der ursprüngliche Sinn der Orden?
Nun der ist ganz pragmatisch, Leute zu haben, die sich in wirren Zeiten ganz Gott übergeben, in der Stille und dem Gebet leben und zu versuchen, das zu tun, was der normale Mensch nicht tun kann, auf Gott zu hören, weil der Mensch eben nicht vom Brot alleine lebt.
Da aber diejenigen, die alleine aus dem Wort aus Gottes Mund leben, auf dieser Erde nicht anzutreffen sind und selbst Christus, als er noch auf Erden wandelte, Leute hatte, die ihn und seine Jünger materiell unterstützten, dafür sorgten, dass sie was zu essen hatten, war die alte Absprache, dass die Leute eben die Mönche und Nonnen mit Brot versorgten.
Man kann das nun lang und breit untersuchen, wie das im Detail durch die Jahrhunderte hinweg gelaufen ist, aber darum geht es nicht.
Es scheint sowiesot als sei diese Verbindung nicht mehr präsent, man schätzt zwar die stillen Tage im Kloster, mag auch die eine oder andere Ordensschwester in der Klinik, weil man davon ausgeht, dass die einfach mehr Zeit hat, obwohl sie die gleichen Dienste, Schichten und Aufgaben wie die normale Krankenschwester hat, oder man findet es einfach gerecht, dass die Ordensleute sich nicht auf Kosten der normalen Leute einen faulen Lenz in der Kapelle machen, sondern auch was schaffen müssen.....um mal zu versuchen, das. was man so denkt, auf den Punkt zu bringen.
Wobei mir scheint, dass auch die sogenannten tätigen Orden immer weniger werden und auch das keiner besonderes dramatisch zu finden scheint.

Also was schlagen wir nun einem Menschen mit Ordensberufung vor?



Vor 30 Jahren noch schlug man einem solchen Menschen vor, doch dahin zu gehen, wo er meinte hin gerufen zu sein, und dort "Sauerteig" zu sein, aber schon damals gab es Stimmen die davon redeten, dass aus dem Sauerteig nur ein Mürbeteig werden würde.
Es gab dann die verschiedenen Neugründungen, Neuaufbrüche undsoweiter, die, naja wie sag ich's? sagen wir so, aus einer ganzen Reihe durchaus verschiedener Gründe sind alle diese Versuche über ein gewisses Stadium nicht hinausgewachsen und das, was es dennoch geschafft hat, muss nun aufpassen, dass es nicht in den Focus gewisser Leute gerät,. die die Macht haben, ganze Orden einfach zu schließen.
Ich muss sagen, mich schockt z.B immer noch an der Schließung des Klosters Maria Wald, dass man da die alten Mönche einfach in umliegende Altersheime gestopft hat, bzw die dortigen Mönche aufgefordert hat, sich selber was anderes zu suchen, so als könne einer, nach 20, 30, 50, 60 Jahren kontemplatives Kloster einfach so  mir nix dir nix wieder in die Welt zurückkehren..
Zur Geschichte der Auflösung des Klosters Maria Wald kann man hier beim Bloggerkollegen TuDomine nachlesen.
Man hört auch immer wieder von alten Pfarrern  die ihren Lebensabend nicht mit Aushilfsgottesdiensten und seelsorgerischer Tätigkeit, sowie Beichthören und dergleichen zubringen, sondern die man, sofern sie nur fromm genug sind, dazu nötigt, im Wortsinn, wieder nach Hause, also dahin wo sie hergekommen sind, zu gehen.
Dazu muss man wissen, dass es eine alte und bewährte Praxis der Kirche ist, Priester nicht da Priester sein zu lassen, wo sie aufgewachsen sind, sondern woanders.

Also erhebt sich die Frage, angesichts all dessen: Was tun?

Ich bin nun auch mit der Benedikt Option fast durch und unter Berücksichtigung dessen, was hierzulande innerkirchlich so los ist und des oben gesagten, muss man wohl feststellen, man kann sich nicht drauf verlassen, dass man bei einem der guten Bischöfe ein größeres Projekt des Zusammenlebens gläubiger Laien, im Sinn der BenOp langfristig auf die Beine stellen kann.
Es sei hier auch an alte Geschichten erinnert, wo einer der oben erwähnten Neugründungen unter dem einen Bischof ein altes Kloster zur Verfügung gestellt wurde, dass mit viel Elan, Spendengeldern und Material angefangen wurde zu renovieren, bis dann der Nachfolger der Ansicht war, diese Leute, die kann er in seiner Diözese nun gar nicht brauchen!

Dem Gründer dieser Neugründung bin ich mal anlässlich eines Vortrages begegnet und da sprach er auch über die ungute Situation und darüber was die Zukunft bringen könne und meinte, man müsse sich drauf einstellen, dass man dahin kommen könnte, dass sie für ihren Lebensunterhalt selber sorgen müssten und meinte zur Not würde er auch den Taxischein machen.
Auch hier ist das Grundprinzip ebenfalls uralt, und gerade die Benediktiner in ihren großen Klosteranlagen wie z.B Maulbronn versuchten, mehr oder weniger autark zu leben, und die Zisterzienser als Reformorden der Benediktiner, versuchten diese Regel wieder streng zu beachten.

Und nun sind wir da, wo ich hinwollte, ich halte es aktuell für unwahrscheinlich,. dass die alten Orden die Kraft aufbringen, zur alten Größe wiederzukehren, gut, Gott ist schon immer für eine Überraschung gut, aber im allgemeinen lässt er die Dinge schon laufen. Dazu kommt, dass zur Zeit die Bedingungen unter denen die Leute so leben, neu sind, Stichwort Industriegesellschaft, was auch bedeutet,. dass alle großräumig miteinander verflochten ist, und Mönche und Nonnen die tätig sind, das in dem tun, was man als Deinstleistungsektor kennt, oder eben sich finanzieren mit der Produktion von teuren Seifen, Schnäpsen oder Kerzen, wobei ich nicht sicher bin, ob das das jeweilige  Kloster wirklich trägt,
Manche Klöster finanzieren sich durch Seminare auch und besonders für wichtige Wirtschaftsleute usw,
aber auch hier fürchte ich, hat das keine rechte Zukunft, weil die Leute zwar Stille suchen, aber mit dem Drumherum, dem Glauben nicht soviel zu tun haben wollen und ohne den Glauben der Klosterleute ist das halt nicht die Stille, die die Leute eigentlich suchen und wie gesagt, auch ohne die römischen Knüppel zwischen die Beine sieht es, was den Ordensnachwuchs angeht, schlecht aus.

Hier hätten wir einen hochoffiziellen Beitrag von katholisch.de zum Thema, wie gewohnt wird am Ende des Artikels beschwichtigt, allerdings als Perspektive gesehen, das übliche halt "Wir sind so wenig, ihr seid so wenig, tun wir uns zusammen, dann fällt es nicht so auf!" wird schon lange praktiziert, hilft aber auch nicht wirklich.
Insgesamt denke ich, wir denken immer noch zu groß und in den alten Strukturen, die doch keiner mehr leben will.
Vielleicht sollten wir einen anderen Weg gehen?
Was hindert eine Gruppe junger Leute, die meinen zum Ordensleben gerufen zu sein, das einfach zu machen?
Jeder hat seinen Beruf, man mietet gemeinsam eine Wohnung und trifft sich im Gemeinschaftsraum nicht um Fernsehzugucken, sondern um zu beten!
Was hindert jemanden, der niemanden findet, aber dennoch sich zu einem Leben nach den sogenannten evangelischen Räten zu leben, das einfach zu tun?
Wenn jemand  Brevier betet, jeden Tag zur Messe geht, und beschlossen hat, alleine zu bleiben, um Christi willen, dann macht diese Person das, was die ersten Mönche, die Wüstenväter auch gemacht haben, nur mit dem Unterschied, dass heutzutage "in deiner Stadt deine Wüste ist" wie es der Titel eines Buches aussagt, das ich auch noch nicht gelesen habe, wo ich aber finde, der Titel sagt schon alles.s
Ich glaube, wir müssen lernen, dass es nur um Gott und die Seele geht und dass Gott die ganze Schöpfung, die ganze Heilsgeschichte und das Leben und Leiden, Sterben und die Auferstehung Christi auch dann ins Werk gesetzt hätte, wenn nur eine einzige Seele dadurch hätte gerettet werden können und ich denke, wenn die, die den Glauben leben wollen und Nachts nicht schlafen können, ob der Zustände in Kirche und Welt, das einfach mal einsehen, dass das alte, die alte Größe,  der alte Prunk, die alte Pracht vergangen ist, und erst mal nicht wieder kommt, und das tun,. was sie tun können, dann wird der liebe Gott aus der Tiefe seiner Vorsehung Türen öffnen, die die ganze Zeit da waren, die man nur einfach nicht gesehen hat, weil es noch nicht Zeit war.
Und dann mag es sein, dass die Kirche noch einmal die Kraft aufbringt, das zu tun, wovon wir schon viel zu lange hören, nämlich die Kraft zu einer erneuten Blüte, einem neuen Frühling, aber auch hier gilt "die Zeiten und Fristen weiß niemand, nur Gott alleine"
Aber beten so gut man kann, zur Messe gehen, so gut man kann, die 10 Gebote zu versuchen zu leben, besonders das erste und das zweite, dazu braucht es keine Ordensberufung, das können und sollen auch normale Leute tun, und wer weiß, das alte Sonett von Reinhold Schneider ist immer noch aktuell, und es ist mal wieder so, dass selbst im Dom die Beter sich verhüllen müssen, aber es ist Gott, der aus dem Opfern Segen wirken kann, damit die dürren Brunnen sich mit Leben füllen.










Kommentare:

  1. Ja nu, in der kirchlichen Struktur ist die „anthropozentrische Wende“ nunmehr halt komplett vollzogen. Der Glaube ist nicht mehr länger auf Gott bezogen (und damit theozentrisch), sondern offenkundig auf den Menschen (also anthropozentrisch), er fragt nicht mehr „Was muß ich tun, um gerettet zu werden?“, sondern „Was kann Gott sonst für mich tun? Retten kann ich mich selbst“. Dreh- und Angelpunkt dieser Entwicklung ist das Welt- und Gottesbild der „geistigen Väter“ des 2. Vatikanischen Konzils (die Jesuitenpatres de Lubac, Rahner und Teilhard de Chardin) welches sowohl grundlegend für die Interpretation des Konzils als auch die Gestaltung der Liturgiereform war und Generationen von Theologen geprägt hat. Danach ist der Mensch das Zentrum, auf dass sich die Totalität der kosmischen Evolution richtet. Seine vollkommene Entwicklung als menschliche Person ist ein Teil dieses Fortschritts (Teilhard de Chardin). Pater Karl Rahner konzipierte darauf fußend die Vorstellung eines anonymen Christentums. Der Mensch als anonymer Christ ist, bereits weil er als Mensch auf Gott bezogen ist, erlöst. Mit dieser Nouvelle Théologie hat man sich vom überlieferten theozentrischen Glauben ab- und einem neuen, nunmehr klar anthropozentrischen, Glauben zugewandt.

    Demzufolge müssen geradezu zwingend Gemeinschaften, welche theozentrisch leben wollen, indem sie „sich in wirren Zeiten ganz Gott übergeben, in der Stille und dem Gebet leben und (…) auf Gott“ hören, lästig und störend wirken, zeigen sie doch auf, was den christlichen Glauben im Kern ausmacht: Gott. Auf der menschlichen Ebene wiederholt sich also mit glaubenstreuen Mönchen und Nonnen, was zuvor Ende der 1960er und in den 1970ern flächendeckend mit „überständigen“ Kniebänken, Heiligenfiguren, „zu prunkvollen“ Hochaltären etc. passierte: man entsorgt sie diskret.

    Es geht in der Tat „nur um Gott und die Seele“. Der geniale Pfarrer Milch führte einmal dazu aus: „Und die Menschen werden sich auch nicht bessern! Die Menschen werden keinen Fortschritt erfahren! Es wird keine "bessere Welt" geben! Das alles ist weder verheißen noch in Aussicht gestellt! Das ist wichtig zu wissen. Man löse sich von dieser Vorstellung: "die Menschen". In dem Zusammenhang oft das dumme Gerede: "Jetzt haben wir schon zweitausend Jahre Christentum und die Menschen haben sich noch lange nicht gebessert." Die werden sich nicht bessern bis zum Jüngsten Tag! Laß also diese Hoffnung fallen! Das ist Zeitvergeudung, da irgendwelche Hoffnung dranzusetzen!“ (https://kirchfahrter.wordpress.com/2016/08/10/niederschrift-der-predigt-von-pfarrer-hans-milch-14-sonntag-nach-pfingsten-1985-spes-unica-de/)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eben das ist es ja, und das ganz verrückte ist, dass man hier im Westen glaubt, dass das was man selber an Verbesserungen erreicht hat, das was man unter dem Wort Menschenrechte zusammenfasst, sowas sei wie ein physikalisches Naturgesetz. Ein Naturgesetz ist da, ob ich es nun ausformuliert habe, oder nicht und alles was die Physik macht ist diese Naturgesetze entdecken. Und so tut man im Westen als sei das Christentum die Ideologie gewesen, die verhindert habe, dass man das zugrundeliegende menschlich-irdische Naturgesetz nicht gesehen habe, dass nämlich genug für alle da ist, alle doch gut sind und alle doch schon so weit erlöst sind, dass man mit ein bisschen Solidarität und Geld, das Paradies viel schöner als es im Garten Eden war, errichten kann und sogar muss.
      Das ist im Grunde der alte Sophismus, der davon ausgeht, dass die ganzen Strukturen und Ordnungen, die Polis, nur verhindern, dass man zum Wahren, Schönen, Guten gelangt.

      Löschen

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.