Mittwoch, 21. November 2018

Zufälle auch im Internet? oder: Ja das Vaterunser ist wirklich unzureichend übersetzt, aber es ist nicht die Stelle mit der Versuchung

Ich denke schon lange darüber nach, etwas zu den Übersetzungen des Vaterunser zu schrieben, wo wirklich was verkehrt ist, nämlich das tägliche Brot, da steht im griechischen ein Wort das sonst nirgendwo vorkommt und bestimmt nicht "täglich" heißt. Und nun ist mir im eigenen Blog dieser Beitrag der Mitblogerin, wo Sandro Magister sich über die von Papst Franziskus gewünschte Falschübersetzung des Vaterunsers auslässt  untergekommen und nun schreib ich den schon lange vor mir her geschobenen Artikel einfach:
Also: irgendwann ist mir einer der komischen Typen, die man ab und an in der Kirche Gottes trifft, über den Weg gelaufen, wir haben über dies und das geredet und das meiste habe ich vergessen,  nur nicht, dass er mir erklärt hat, dass im griechischen Urtext des Vaterunsers ein Wort stünde, das einmalig sei, und zwar dort,. wo der normale Mensch (in Übersetzung) betet "tägliches Brot" das uns heute gegeben werden soll.....
Da stünde ein Wort in dem wieder was anders drinstecke und das man mit "dieses Brot, dass dein Wesen ist" also klar und eindeutig auf die Eucharistie bezogen übersetzen könne.
Leider habe ich das Wort vergessen, aber das Gespräch kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich davon lese,. dass das Vaterunser betreffs der Bitte nicht in Versuchung bzw Erprobung geführt zu werden verkehrt übersetzt sei.
Wobei letzteres ja nicht damit begründet wird, dass irgendwelche Urtexte, uralte Übersetzungen oder ehrwürdige, gelehrte Kirchenväter dazu irgendwas hergäben, sondern man argumentiert mit der mittlerweile fast klassisch zu nennenden, modernen Zirkelschlussargumentation, die da lautet:
"Wir wissen aus der Tradition, dass Gott gut ist, da er nun gut ist, muss er so gut sein, wie wir uns einen guten Gott denken und ein solcher kann natürlich nicht sagen: "Okay du reißt deine Klappe ja immer so auf, wie klasse du bist und wie schlimm besonders deine Altvorderen im Glauben gewesen sind, und du selber hast  natürlich nie irgendwelcher Anflüge  von Neid, Stolz, Geiz, Völlerei, Wollust, Zorn, Trägheit.also der bekannten Quellsünden. Ja wenn du so klasse bist, dann beweis es doch!"



was zumindest für mich etwas ist, was Gott auch aufgrund dessen was er über sich im AT sagt, durchaus tun kann und auch tut, und wo Jesus uns einfach lehrt dass wir darum beten sollen, dass Gott nicht so an uns handelt,. wie wir es  aufgrund unsere großen Klappe und der innewohnenden Selbstgerechtigkeit verdient haben. Allerdings sollen wir nicht darum beten vor der eigenen Falle bewahrt zu werden, damit wir so weiter machen können, sondern damit wir uns vom hohen Ross herunterschwingen.
Das ist so im Wesentlichen meine Erklärung der Bitte.
Nun wie gesagt es ist aber dennoch interessant dass die eigentlich problematische Übersetzung, die durchaus bekannt ist, wie man hier bei katholisch.de nachlesen kann.
Da steht klar und eindeutig, dass schon Hieronymus übersetzt hat, dass es sich um ein übernatürliches Brot, dass uns heute gegeben werden soll, handelt.
Hier hätten wir eine Übersetzung von einem hebräisch Dozenten da ist die Rede vom Brot das uns verheißen ist, auch was anderes als das tägliche Brot.
In Evangelikalen Kreisen, die ja auch oft mit den Übersetzungen sehr unzufrieden sind, soll sich die Version zu beten "gib uns heute das Brot das wir brauchen" einiger Beliebtheit erfreuen, und damit hält man sich an die Übersetzung von Lukas  11,3 , was die Parallelstelle zu Matthäus 6,9ff ist, wo die üblicherweise verwendete Form des Vaterunsers her ist.
Die Interlinear Übersetzung der Stelle bei Matthäus liefert "unser Brot für den heutigen Tag, gib uns heute" also eigentlich das was bei Lukas steht, wobei ich natürlich nicht weiß, da des Altgrichischen nicht mächtig, wie es nun richtig heißt.
Hier hätten wir einen Link zum Vater Unser auf Altgriechisch 

auf jeden Fall hier die Vulgata des Hieronymus liefert bei Matthäus 6,9 ff eindeutig panem nostrum supersubstantialem da nobis hodie also das Wort supersubstanatialem also  über, außerhalb  der Substanz und nicht das in der lateinischen Form übliche cotidianum was wirklich täglich, alltäglich, gewöhnlich bedeutet.

Ich muss ehrlich sagen, ich weiß nicht wie ich das finden soll.
Ich frage mich ob nicht auch damals ein Papst beschlossen hat, dass das mit dem übersubstanziellen Brot doch nicht sein könne, oder zu kompliziert sei, ober was weiß ich was und wir nun seit, ja wie lange eigentlich schon verkehrt beten?

Kommentare:

  1. Das Wort, um das es geht, ist "epiousios". Du hast völlig Recht, "täglich" heißt das wirklich nicht. Es bedeutet in etwa "zum Leben notwendig". "epi" heißt (unter anderem) "über", "oberhalb", "drüber"; "ousia" heißt "Wesen", "Dasein", "Wirklichkeit", aber auch "Eigentum" oder "Besitz". Ein sehr vieldeutiges Wort also, und deshalb auch ein sehr schwieriges. Offenbar hatte schon Hieronimus seine liebe Not damit, denn "supersubstantialis" ("super" = "über"[nicht "außerhalb"], "substantia" = "Wesen", "Beschaffenheit", manchmal auch "Besitz, der zum Leben nötig ist") ist eine ziemlich wörtliche Lehnübersetzung aus dem Griechischen und ist meines Wissens nur in dieser Vaterunser-Stelle belegt. Das deutet darauf hin, dass Hieronimus da ein ganz neues lateinisches Wort erfunden hat, weil es nicht einmal im Lateinischen ein genau passendes Adjektiv gab. Das "Mittellateinische Glossar von Haberl und Gröbel gibt übrigens als Bedeutungen von "supersubstantialis" an: "zum Lebensunterhalt nötig", "bis zum anderen Tag reichend", aber auch "überirdisch". Also auch hier totale Verlegenheit, was die Bedeutung betrifft.
    Die Übersetzung "das Brot, das wir brauchen" ist aber recht gut, finde ich, auf jeden Fall besser als "tägliches Brot". Wie es wirklich genau gemeint war, können wir aber schon deshalb nicht sagen (das gilt auch für die Versuchung/Probe), weil Jesus aramäisch gesprochen hat, und deshalb schon die altgriechische Fassung eine Übersetzung ist.

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    1. Danke, wie gesagt alte Sprachen sind wirklich nicht meins, aber ich finde das spannend, seitdem es mir das erste mal untergekommen ist, und es ist auch nicht ein einfaches "notwendig" damit gemeint, weil das Wort ja ein Hapax legomenom ist, also nicht ein Wort, das man so einfach mit einem gebräuchlichen übersetzen kann. Von daher finde ich es, bei Licht betrachtet schon fast wahnsinnig, dass man aus dem supersubstantialis, wo das überirdische mitschwingt, also ein Wort das über das was einfach nötig im profanen Sinn ist hinausschwingen will, einfach ein cotidianus gemacht hat, was laut dem Lateinwörterbuch die Neben- bzw Mitbedeutung gewöhnlich hat.
      Man hat also sozusagen die Richtung des Wortes umgedreht, aus dem Wort das vom lebensnotwenigen auf das sakrale zielt, wie die ganze Rede im AT vom Brot ja tut, ein Wort gemacht das vom lebensnotwendigen aufs profane, das gewöhnliche, das so gewöhnliche dass es nicht der Rede wert ist, zielt und verkauft das noch als das was Christus gelehrt hat.
      Gut es gibt kein Wort das das epiousios richtig abbildet, das ist mir schon klar, aber jede Predigt und Kathechese die ich zum Vaterunser bislang gehört und gelesen habe reflektiert auf das gewöhnliche Brot, auf das gewöhnliche Essen und dabei zeigt eine einfache Suche im Internet, dass es eigentlich jeder weiß, der mal, wie es Theologen tun sollten, Altgriechisch gehabt hat!
      Es macht mich fassungslos, ich werde ab sofort versuchen bei jedem Vater Unser das überirdisch mitzudenken

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  2. Im Alten Testament (Sprüche 30,8) heißt es: „Gib mir weder Armut noch Reichtum, nähr mich mit dem Brot, das mir nötig ist“ (Einheitsübersetzung) bzw. „Lass mich aber mein Teil Speise dahinnehmen, das du mir beschieden hast“ (Luther 2017).

    Die Begründung folgt in Vers 9: „damit ich nicht, satt geworden, dich verleugne und sage: Wer ist denn der HERR?, damit ich nicht als Armer zum Dieb werde und mich am Namen meines Gottes vergreife.“

    Wörtlich lautet diese Bitte Salomos: Laß mich genießen Brot meines Maßes, d. h. das mir zugemessene, das für mich richtige Maß an Brot - hebräisch: „lechem chuqqi“.

    Es liegt für mich auf der Hand, daß Jesus diese Bitte Salomos in sein Gebet aufgenommen hat. Spekulationen über die Bedeutung von „epiousios“ werden damit unnötig.

    Genauso verstehen auch die israelischen Christen diese Bitte und beten im Vaterunser um „lechem chukkenu“ – unser Maß an Brot.

    Dieses richtige Maß an Brot kann manchmal auch Fasten bedeuten: „Durch Hunger hat er dich gefügig gemacht und hat dich dann mit dem Manna gespeist, das du nicht kanntest und das auch deine Väter nicht kannten. Er wollte dich erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was der Mund des HERRN spricht“ (Dt 8, 3).

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