Sonntag, 20. Januar 2019

Seltsame Exegese, wenn aus Reichen arme Schlucker werden, oder Bibeln für den Klerus

Ich war heute in der Messe, so wie es sich gehört und das Evangelium war auch das, was dran war, nämlich die Hochzeit von Kanaa.
Soweit so gut, aber irgendwie hat sich Hochwürden dann in der Predigt so richtig vergaloppiert.
Zunächst wollte er uns weismachen, dass die bei der Hochzeit zuwenig Wein hatten, weil sie sich nicht mehr Wein haben leisten können, was ja mit dem Rest des Textes gar keinen Sinn macht, immerhin müssen die ein so großes Haus gehabt haben, dass da Leute die 600 Liter Wein saufen können Platz haben, und das entspricht nicht dem Bild eines armen Brautpaares, dass in einer armen Hütte den Bund fürs Leben eingeht und durch die zufällige Anwesenheit des Wunderrabbis aus Nazareth mitsamt Jüngern und Mutter in die Bredouille gerät.
Ständige Diener haben sie auch gehabt, und reich genug für die steinernen Wasserkrüge waren sie auch.
Ich habe ein bisschen herumgegoogelt und man findet viel zu dem armen Brautpaar, das sich noch nicht mal genug Wein leisten kann und immer wieder wird die Menge Wein, die Jesus gemacht hat relativiert, indem man sagt "Ach da kam das ganze Dorf, das war nicht viel"
Nur wer das ganze Dorf verköstigen kann, der ist danach entweder pleite, oder Mitglied einer Dorfgemeinschaft wo die Kosten für die Hochzeit und die eingehenden Geschenke sich in einem bewährten und erprobten System, welches uns schon seltsam vorkommt, durchaus decken, oder er ist so reich, dass er sich ein solches Fest tatsächlich leisten kann.
Im konkreten Fall findet man hier die lapidare Feststellung: Vielleicht staunen wir über die Größe der Krüge, sechs große Krüge, wer sie sich leisten kann, ist reich.


und hier wird darauf herumgeritten, dass die urtextlichen Worte für Diener eigentlich Sklave  bedeuten würde und der Speisemeister eben der Obersklave ist.
Soweit ich das kapiert habe, steht dort ein Wort das sich anhört wie Diakon und üblicherweise mit Minister übersetzt wird und wie es halt so ist, waren in früheren Zeiten die Minister noch wenigstens bemüht so zu tun, als wären sie die Diener der Leute, so will heut alle Welt, besonders der weibliche Teil selbiger, katholische Diakonin werden, weil auch Minister nicht mehr dienen.
Auf jeden Fall steht in dem griechischen Matthäus Text bei der bekannten Stelle "wer unter euch der größte sein will, der soll der Sklave aller sein" auch das Wort diakonoi, aber man muss das verstehen, je länger es her ist, dass die Leute altgriechisch, aramäisch und Latein als lebendige Sprache sprachen um so besser verstehen die schlauen Leute an den Fakultäten, was die eigentlich haben sagen wollen, die dieses Sprachen gesprochen haben (das ist jetzt leicht zynisch gemeint von mir)
Mal so ganz nebenbei, nach meiner Lebenserfahrung entspricht es sowieso eher einem reichen Paar, dass zuwenig Wein da ist, als einem armen Paar, weil von den Reichen lernt man das Sparen und von den Armen das Kochen, wie der Volksmund weiß  und Astrid Lindgren beschreibt in ihrem Michel von Lönneberga doch sehr gut die reiche Frau Petrell  die sich bei den doch ärmeren Lönnebergern immer gut durchfuttert und selbst, wenn diese zu Besuch kommen, nur eine dünne Suppe vorsetzt.
Aber dem mag sein wie es will, mir persönlich gefällt ein Jesus, der nicht auf den Geldbeutel, sondern auf die Not, auch und wenn sie, wie im gedachten Fall, aufgrund von Geiz und Knickerigkeit selbst verschuldet ist, schaut und hilft, hilft in Fülle und Überfülle und so vielleicht den Leuten geholfen hat, großzügig zu sein, besser, als die Geschichte von einem Jesus, der nur den Armen hilft, und dennoch Gott ist, der die Welt so eingerichtet hat, dass es immer Arme gibt, wie Jesus selber zu Judas Iskarioth sagt.
Wenn wir dem gängigem Narrativ folgen, auch, so leid es mir tut, gängigem amtierenden päpstlichem Narrativ, dann ist die Welt eigentlich einfach gestrickt, die Armen, Kranken und sonstwie nicht so ganz dazugehörenden, vulgo die Ausgegrenzten, sind die Guten und die, die daran schuld sind, sind definitiv immer die Reichen und Mächtigen, die damit die Bösen sind.
Immer noch dem Narrativ folgend ist Christus nun gekommen, um den Armen, Kranken usw gegen die bösen, sündigen Reichen beizustehen und ihnen zu helfen.
Ich lass jetzt mal den Verweis auf die Theodizee, oder dass man sich, wenn das das einzige Anliegen Christi gewesen ist, ernsthaft fragen muss, ob Gott nicht vielleicht doch irgendwie damals, als er seine Kirche gründete, etwas falsch gemacht hat, weil auch und wenn eine mir bekannte fromme Frau davon ausgeht, dass man alle Krankheiten heilen können würde, wenn man sich nur strikt an Hildegard von Bingen halten und kräftig beten würde, sowie in einem Umfeld leben täte, dass das auch alles tun täte, was übrigens dem, was Hildegard schreibt, so gar nicht entspricht, so ist es doch so, dass aller medizinischer Kunst zum Trotz, es immer noch Krankheiten gibt und nicht zu knapp und auch es mit den Erfolgen der sich zum Heilen gerufenen Charismatiker aller Konvenienz nun ja nicht so gut aussieht.
Persönlich kannte ich eine Frau, die mir voller Stolz erzählte, sie würde demnächst Zeugnis ablegen von ihrer Krebsheilung, die war so vollständig, dass wir ein halbes Jahr später an ihrem Grab standen.

Ich bin eigentlich der Ansicht das Jesuswort "eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein Reicher in das Himmelreich kommt" bezieht sich nicht darauf, dass die Reichen die Bösen sind, sondern darauf,  dass  Leute, denen es gut geht, gar zu leicht vergessen, dass wir nur Gast auf Erden sind und auf Erden Gott erkennen, ihn lieben und ihm dienen sollen.  Und  Leute, die reich und mächtig sind,  vergessen gar zu leicht,  dass  auch sie eine ewige, unsterbliche Seele haben und ihre Talente nur geschenkt bekommen haben, fallen also gar zu leicht dem Hochmut, dem Geiz und seltsamerweise dem Neid  anheim und auch um der Völlerei und der Wollust hemmungslos zu fröhnen, fehlen den Armen ja oft und oft einfach die Mittel und  auch der Trägheit sollen Leute, die nicht wirklich arbeiten müssen, also die Reichen, leichter anheimfallen als die die halt morgends raus und zur Maloche müssen, damit die Butter auf die Brötchen kommt. (zu diesen  Quellsünden siehe hier)
Die Sache ist nur die, wenn Christus wirklich gekommen ist, um Sünder zu rufen und zu retten und wenn das aktuelle Narrativ stimmt, dann ist es doch nur logisch, dass Christus sich auch um die bösen Reichen kümmert und damit hebt das aktuelle Narrativ vom Sinn der Sendung Christi sich wunderschön, dialektisch auf und wir haben gar keine Probleme damit, dass das Brautpaar von Kanaa zu den Betuchten gehörte, die vielleicht einfach wirklich dem Herrenwort aus Lukas 14 folgen wollten das da lautet:

Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten.
Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten

und damit wäre es eine Geschichte mit richtig Tiefgang 

Um dem geneigten Leser, der mir bis hierher gefolgt ist, noch mit dem Rest der Predigt zu erfreuen, also nachdem uns das Brautpaat als sicher arm vorgestellt wurde, ging der Pfarrer in den Sturzflug der Behauptung, dass genau das der rote Faden des Lebens Christi wäre und dass er ein besonderes Herz für die Armen habe, das würde man daran sehen, dass er sich besonders um die Zöllner gekümmert habe.
Das war dann der Moment wo ich echt nicht mehr wusste, ob ich lachen oder weinen soll und wenn ich ehrlich bin, habe ich es in dem Moment echt bedauert, dass ich, was Predigten angeht, irgendwie die alte Schülertugend verlernt habe, nämlich einfach nicht zuzuhören.

Vom Zöllner Zacharias, bei dem Jesus durchaus zu Gast war, heißt es "er war der oberste Zollpächter und sehr reich" von der Sünderin die Jesus die Füße salbt heißt es, das Nardenöl mit welchem sie Jesus die Füße salbte haben einen Wert von 300 Denaren gehabt, das entspricht dem Gehalt für 10 Monate eines Tagelöhners, und wenn wir das einfach mit dem Mindestlohn gleichsetzen, konnte die Sünderin es sich leisten Öl für 15.930 € zu verschwenden, also wer sowas tun kann ist einfach nicht arm.
Wenn ich ganz ehrlich bin, finde ich es fast belustigend, dass ausgerechnet die Apologen des "für alle" irgendwie doch von vorneweg davon ausgehen, dass Christus nur für viele gekommen ist.

1 Kommentar:

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