Sonntag, 24. März 2019

Bach in the subways oder spirituelle Erfahrung am Hauptbahnhof

Es gehört zu den sich hartnäckig haltenden Irrtümern des nachkonziliaren Bildersturms, dass man meint, die Leute würden ihren grauen Alltag so gerne haben, dass sie das gleiche Feeling auch Sonntags in der Kirche brauchen täten, um sich von Gott angenommen zu fühlen.

Wegen dieser Prämisse baut man neuerdings die Kirchen abgrundtief hässlich und sollte eine Denkmalkschutzbehörde der Verhässlichung alter Kirchen  einen Riegel vorschieben, so hängt man doch, voller Stolz und  gut sichtbar, irgendwelche Kritzeleien und mit viel gutem Willen aber wenig Können gestaltete Plakate, auf, damit der Mensch nicht in der Schönheit alter Kirchen zur Ruhe kommt, oder so.
Wo all das nicht fruchtet, hat man immer noch die Liturgie an der herumgestrickt wird,  sowie diese ausufernde Rederitis, die einem die schönste Kirche gründlich verleiden kann.

Es gibt Gottesdienste die so schrecklich sind, dass einem nur der Gedanke an Christus hilft und zwar der Gedanke wie der mit seinem Kreuz durch eine Menge, die absolut nicht begreift was da geschieht, aber wo jeder meint seinen Senf zu dem Geschehen geben zu müssen, hindurchgeht.
Allerdings bin ich nicht so fromm, dass ich das hinbekommen würde auch das sei gesagt.

Es ist nunmal so, dass sakrale Räume, also Kirchen eine gewisse Heiligkeit ausstrahlen und das besonders für das liturgische Geschehen und besonders für die Messe gelten sollte, "Heiden sollen auf ihr Angesicht fallen, wenn sie in eure Versammlungen kommen" so lässt sich das 14. Kapitel des 1 Korintherbriefs, ab Vers 23 durchaus zusammenfassen.
In besagtem Korintherbrief geht es zwar um das ausufernde Zungenreden, und das dann, wenn so richtig Chaos herrscht, weil jeder meint je chaotischer er sich aufführt desdo frömmer sei er, dann ein Ungläubiger hereinkommt, sich selbiger, zu Recht, mit Grausen abwendet.
Deshalb sei es besser, schreibt Paulus, wenn prophetisch geredet wird, und damit meint er nicht, der immer wieder verschobene Weltuntergang verkündet wird, oder obskure Texte mit obskuren Botschaften verlesen werden, sondern, so steht es in Vers 22, so geredet wird, dass sich jeder angeklagt (nehmt das ihr Leute von der Frohbotschaft vs Drohbotschaft, sorry musste sein) fühlt!

Es geht darum, so kann man die Stelle auch interpretieren, dass man spürt, die Wahrheit die wahre Wahrheit nicht die gerade en vogue seiende Meinung, die ist in der Mitte dieser Leute und diese wahre Wahrheit ist  Christus, wie er es selber sagt.

Wie gesagt, es ist mehr als bedauerlich, dass man genau das, anscheinend, innerhalb der Herren und Damen Wichtig der Kirche vergessen hat und meint den Leuten in der Liturgie, all den alltäglichen Käs zu servieren, den sie  sowieso schon haben.

Es dürfte klar sein, um was es geht, aber dennoch weht der Geist wirklich wo er will, und so wurde mir eine spirituelle Erfahrung zuteil an einem Ort, wo man sie wirklich nicht vermutet.

Ich war am Hauptbahnhof einer deutschen Stadt um in eine andere zu fahren und dachte nur "Was ist denn das????" als ich von ferne irgendwelche ungewohnten Musiktöne hörte.
Näher gekommen standen da Musiker, mitten in der Bahnhofshalle,  die so aussahen, als verstünden sie ihr Fach und Sänger mit Noten und ich hörte nur, dass es Klassik sein muss, fromme Klassik und es war auch ein Pastor dabei mit dickem Kreuz umhängen.

Ich bin dann näher und stellte fest, die sangen gerade "O Haupt voll Blut und Wunden" und ja es war komisch, weil es wirklich Klassik war, mit alle Verzierungen und Feinheiten, die in der Partitur vorgesehen ist.
Dennoch bin ich stehen geblieben und dann sangen die "Jesu bleibet meine Freude"

Mir schienen bei den Sängern auch teilweise Leute dabei zu sein, die einfach spontan beschlossen hatten, mitzusingen und ja eigentlich habe ich keinen Zugang zu klassischer Musik, ich halte es da eher mit Wilhelm Busch (Musik wird als störend oft empfunden, da sie  mit Geräusch verbunden).

Man merkte  den Sängern schon die Anspannung an, weil eben die meisten doch nur vorbei eilten und eben viele ihrem Bildungsbanausentum und ihrer Missachtung dessen, was man so unter christlich-abendländischer Kultur versteht, lautstark Ausdruck verliehen.

Dennoch, auf einmal war alles anders, es war, als entfalte die Musik ihren Zauber. Es war wie wenn sich der Kreis der Singenden und Zuhörenden nicht mehr so ganz auf dieser Welt befände, als gehörten wir alle zusammen.
Und auf einmal lächelten wir alle, es war eine heitere, gelöste, frohe Stimmung um es etwas pathetisch auszudrücken, Gottes Geist war zu spüren.




Ich habe dann ein wenig gegoogelt, um herauszufinden, in was ich da eigentlich geraten war, und es handelt sich um diese Initiative Bach in the subways 

Es ist, wie man auf der homepage  lesen kann, so, dass sich jedes Jahr um den Geburtstag von Johann Sebastian Bach herum Musiker auf der ganzen Welt darin vereinen, dass sie versuchen den Samen für eine zukünftige Generation von Liebhabern klassischer Musik zu legen und ihre Freude an dieser Musik öffentlich, eben an Bahn und U-Bahn Stationen, mitteilen.

Johann Sebastian Bach unterschrieb übrigens immer alle seine Werke mit "Soli Deo Gloria" allein Gott zur Ehre,

Sagen wir einfach so, die Schönheit wird die Welt retten und deshalb dürfen wir Hoffnung haben, auch und wenn man mittlerweile die paradoxe Lage hat, das man manchmal  auf Bahnhöfen bessere, geistliche Musik hören kann, als in den Kirchen!


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