Mittwoch, 17. April 2019

Notre Dame und was das Feuer überstanden hat

Es ist und war schon eine bedrückende Nachricht, der Brand von Notre Dame.
Vor einigen Jahren waren wir in Paris und standen da ca eine Dreiviertelstunde an, um dann, inmitten von Touristen, durch diese Kirche zu gehen, die trotz all der herumschlendernden Touristen einen sehr sakralen Eindruck machte und so wie ich moderne Kirchenarchitektur kenne bin ich froh, dass ich das alte Notre Dame noch habe sehen dürfen.
Sie werden schon irgendwas potthässliches wieder aufbauen, wo irgendwelche Leute mit gelehrter Miene einem erklären werden wie klasse und großartig der verhunzter Neubau ist und irgendwelche Eminenzen werden die Hässlichkeit mit irgendwelchen Bibelstellen, die angeblich drin verbaut sind, auch noch rechtfertigen. Kennt man ja, lohnt sich nicht sich drüber aufzuregen und ich hoffe natürlich, dass ich mich diesmal irre!

Was aber faszinierend ist, sind die Bilder des intakten Hochaltars mit dem Kreuz über der Pieta, der stehengeblieben ist und jetzt erst, wo alles andere verbrannt ist, so recht zur Geltung kommt.
Hier ist es recht gut zu sehen und es sei mir die nächste unpassende Bemerkung gestattet: Ich war früher öfter in der Gegend um Paris unterwegs und dort finden sich einige original gotische Kirchen, die, ohne dass akut ein international beachtetes Feuer gewütet hat, in ähnlich beklagenswertem Zustand sind.
Meist sieht man den Kirchen an, dass sie mal wunderschön waren, aber man sieht ihnen auch an, dass die Gläubigen sich mühselig bemühen die Kirchen vor dem Verfall zu retten und genau das nicht gewollt ist.



Teilweise sind Türen und Fenster mit Vorhängen verhängt und kleine Heizlüfter stehen drin, um die feuchte Kälte ihr Zerstörungswerk am Jurakalk nicht tun zu lassen. In einer Kirche waren wir mal, da sah das Kirchenschiff aus, wie in Notre Dame, nur ohne verkohlte Balken: das Dach war eingestürzt und überall lagen Trümmer herum und vorne war ein wunderschöner Hochaltar aus hellem Jurakalk mit blauen Blumen und ein freundlicher Herr erzählte mir, dass sie mühselig eine private Initiative gegründet hätten und die Kirche erworben hätten und nun versuchten die Kirche wieder herzustellen, was auf vielfältige Schwierigkeiten stoße. Hierzu muss man wissen, dass in Frankreich alle Kirchengebäude dem Staat gehören, dem getreu seiner Idee der Säkularisation die Kirchengebäude recht egal sind und deshalb auch die Gemeinden in einer merkwürdigen Lage sind und sich gar nicht selber um ihre Kirchen kümmern können, sondern im Gegenteil genau das nicht wirklich dürfen.

Aber zurück zu Notre Dame wo der französische Staat beschlossen hat, sich zu kümmern, was löblich ist. Sehr interessant ist  die folgende Aufnahme, wo das Kreuz in der zerstörten Kathedrale regelrecht leuchtet hier klicken 

Ich denke es wird nicht bleiben, auch der intakte Hochaltar wird auf Jahre hinter Bauzäunen verschwinden und so in das nachfolgende Ambiente eingebaut werden, das seine Botschaft, das Kreuz, möglichst nicht mehr zu den Menschen spricht. Das Kreuz, welches  den Tod und  die Trauer,  aber auch  das Leid,  den Schmerz überwindet, wird deshalb nicht so gemocht, weil es gegen all die hektische Freude die hierzulande en vogue ist steht und diese eigentlich deshalb so populär ist, weil sie hilft die innere Leere, deren Realisierung der erste Schritt zur Gottessuche ist,  nicht wahrnehmen zu müssen.

Dennoch kann man, fast poetisch, sagen, dass in der gestrigen, dunklen Nacht das Kreuz, richtig im Wortsinn, hell aufgestrahlt ist und auch die Mutter, die den erstorbenen Christus im Schoss hält nicht vernichtet worden ist.
Und genau hier wird der tiefere Sinn der Pietadarstellungen und der daraus resultierenden Marienverehrung klar.
Es geht nicht darum bei den nicht von Sorgen geplagten Betrachtern (übrigens  ein Narrativ, dass so weit verbreitet wie grundfalsch ist, weil es suggeriert dass Christen Menschen zu sein haben die keine eigenen Probleme haben dürfen) den Geldbeutel für Spenden zu öffnen, sondern es zeigt, dass die Mutter Maria auch den in uns erstorbenen Christus in ihre Arme nimmt und wir deshalb gute Hoffnung haben dürfen, dass er wieder aufersteht, wenn wir den Vater nur machen lassen.



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