Samstag, 1. Juni 2019

Was glauben wir denn eigentlich noch?

Dass wir als gläubige Katholiken ein Problem haben, ist so originell nun auch wieder nicht, und daß das als Konzil schon damals gedacht war, die kranke Christenheit einer Therapie zu unterziehen, ohne daß die es merkt, dürfte eine recht zutreffende Beschreibung sein.
Nur sind mündige Christen zwar ein überstrapazierter Bergriff, weswegen er auch nicht mehr verwendet wird, jedoch war dieses Wort, damals nach dem Konzil in aller Munde, dass man nun mündigen Leuten nicht einfach OP's. Medikamente und krankheitsbedingte Verhaltensänderungen einfach so unterjubeln sollte, sollte sich eigentlich von selber verstehen.
Dennoch hat man genau das gemacht und wundert sich noch nicht mal, dass es nichts geholfen hat, im Gegenteil, die Krankheit mangelndes Glaubenswissen, mangelnde Praxis, und überhaupt völlige Gleichgültigkeit gegenüber der Lehre bis hin zum aktiven Widerspruch, hat seit dem nur noch zugenommen.
Dennoch geistert seit dem Konzil das Wort von den österlichen Christen durch die Gegend, die genau kein Kreuz mehr brauchen und auch nicht aufhängen, und es gibt genug Beispiele moderner Kirchen, wo man zwar ein Kreuz aufgehängt hat, selbiges jedoch genau nicht als solches erkennbar ist, ich sag nur das Cover des neuen Gotteslob!


In logischer Folge sterben seit dem Konzil nur noch gute Leute und die Pfarrersleute verlieren ob der am Sarg verbreiteten unwahren Geschichten über den Verblichenen den letzten Rest an Glaubwürdigkeit, woran die pure Tatsache, dass die wenigsten Pfarrer die von ihnen Beerdigten noch gekannt haben und deshalb nicht wissen können, dass das nicht stimmt, hier nicht zählt, nichts ändert. Man erwartet von einem Pfarrer immer noch soviel Menschenkenntnis, dass sie merken wenn man ihnen Stuss erzählt, aber und das kann man zwar verstehen, sie wollen halt den Menschen gefallen.

Es heißt nun oft, dass die sichtbare Unerlöstheit, erkennbar an Unentspanntheit und ungelösten Problemen, sowie das Mackenbehaftetsein der Gläubigen Ursache der zusammengebrochenen Mission seien, frei nach Nietzsche "Sie müssten freudigere Gesichter haben, wenn ich an ihren Gott glauben sollte!"
Nietzsche hat so Unrecht nicht, aber um Leuten, die nicht glauben können, zu gefallen ist es wenig hilfreich, ihnen das vorzuspielen, was sie gerne hätten, ohne es zu sein und soweit ich den Zarathustra verstanden habe, geht es Nietzsche mit seiner Kritik ja gerade um die fehlende Ernsthaftigkeit des Glaubenden,
Es ist ja nicht so, wie man erwarten sollte, dass die Fixierung der Christen auf das Kreuz sie so unfroh und biestig, macht, ich denke es ist eher anders herum,
Man will  von Kreuz und Erlösung nichts mehr wissen, sondern meint, so tun zu müssen, als sei man schon erlöst und nicht erst in der Hoffnung!
Die frühe Christenheit rekrutierte sich aus denen, die sowieso nicht mehr in dieser Welt auf Besserung hofften, noch der unheilige Augustinus warf seiner Mutter vor, einer Sklavenreligion anzugehören!
Auf diesem Hintergrund des sicheren Wissens um die realen Zustände der Welt bekam erst die Darstellung des guten Hirten, die in der Tat einer der frühen Christus-Darstellungen ist, ihren Sinn.
Heute sind wir der Ansicht, dem lieben Gott helfen zu müssen bei der Erlösung der anderen, und dabei zeigen wir genau diese aufgesetzte Fröhlichkeit, aufgesetzte Erlöstheit, aufgesetzte Lockerheit, die jedem, der nicht ganz blind ist, als Maske erscheint.
Wir müssten wieder begreifen, dass wir es sind, wegen denen Christus gestorben ist, und dass wir deshalb und nur deshalb Grund zu Hoffnung und Freude haben.
So besteht die christliche Verkündigung darin, dass man den Leuten erzählt, was man selber nicht erfahren hat, aber da wir 2000 Jahre Christentum auf dem Buckel haben, tun wir halt so als ob und wundern uns, dass uns keiner glaubt, wo wir doch selber der Botschaft von Kreuz und Erlösung nicht mehr glauben, sondern uns einbilden, die Dinge dieser Welt besser hinkriegen zu müssen als diese Welt, damit dieses Welt glaubt, was wir schon lange nicht mehr glauben!

Sprich wir müssen wieder selber glauben! Und wie der heilige Augustinus schreibt "Lasst uns glauben, um zu beten! Um aber glauben zu können, lasst uns beten!"
Oder um es mit der BenOp zu sagen, "wir müssen anfangen, uns um uns selber zu kümmern!"

2 Kommentare:

  1. Was glauben wir denn eigentlich noch?
    Gute Frage. Wenn man ehrlich ist, beurteilt auch der Kern der sonntäglichen Kirchgänger seine Umwelt ebenso wie Nichtgläubige: wichtig ist, dass das eigene Kind eine respektable Position auf der sozialen Leiter erklimmt – mit welchen Mitteln auch immer (Mord und Totschlag mal ausgenommen). Wichtiger als dies ist höchstens noch, dass dies Kinder anderer „gut katholischer“ Familien nicht schaffen – dann kann man diese nämlich mit honigsüßer Stimme bedauern. Meist kommt dann vergiftetes Lob wie „Zu gut für diese Welt“, heißt: psychisch labil. Oder man repetiert Phrasen, die man aus den Medien gehört hat: „nicht belastbar“. Dass sich heutzutage (anders als früher) Soziopathen nicht mehr tarnen müssen, sondern für ihr krankes Verhalten auch noch gepriesen werden („Brennt für den Job“, „Extremer Einsatz“, „Das Projekt ist mein Baby“), fällt ihnen nicht auf. Ich mag mich täuschen, aber die meisten älteren Semester urteilen aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen in einer mittlerweile spurlos untergegangenen Arbeitswelt der 1980er und -90er.

    Selbstverständlich wollen katholische Eltern auch Großeltern werden - Mitteilungen von Einzelkindern, man erwäge, ins Kloster zu gehen, kommen da ganz schlecht. Dies und die Umsetzung christlicher Glaubensgrundsätze im realen Leben (Feindesliebe oder zumindest der Versuch um Verständnis, den Mantel verschenken etc.) werden (genauso wie bei nicht-gläubigen Familien) als psychischer Defekt betrachtet, den es zu heilen gilt.
    Denn: Der Bub/das Mädel soll doch einmal was werden, nicht wahr?

    AntwortenLöschen
  2. Ja genau so ist es, leider, man glaubt an das Bankkonto und daran dass Christus gekommen ist, damit das gut gefüllt ist, so gut, das einem der Steuerberater empfiehlt doch eine größere Spende zu machen!
    Und anstatt uns gegenseitig zu helfen, ziehen wir übereinander her und schlagen auf die ein, die versuchen einen Ausweg zu finden. Erinnert irgendwie sehr an Platons Höhlengleichnis, dieses Verhalten.
    Am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch letzten Enden alles, lässt Goethe seinen Mephistoteles sagen und die katholischen noch klassisch gebildeten Bildungsbürger tun alles dafür dass ihm Recht gegeben wird.

    AntwortenLöschen

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.