Freitag, 21. Juni 2019

Verdrehte Welt

Ich bin der Ansicht, dass die Kleriker ihren Job machen sollten, damit die Nichtkleriker den ihrigen machen können.
Leider steh ich damit innerkirchlich gegen alle Kleriker, die ich mittlerweile kollektiv in dem Verdacht habe, einfach faul zu sein.
Weil, all diese Apologeten des "Laien an die Front" hegen ja keinerlei Absichten selber einer wie auch immer gearteten lohnsteuerpflichtigen, oder auch rein ehrenamtlicher Arbeit nachzugehen, oder fühlen sich gerufen, während der Laie am Altar ihren Job macht, für ihn, den Laien, den Garten umzugraben,  die Schwiegermutter zum Frisör zu fahren, sowie endlich die Küche zu tapezieren.

Völlig ernsthaft:
Jedesmal wenn mir diese "viri probati" über den Weg laufen, frage ich mich, woher die kommen sollen?
Oder anders gefragt, in welchem Kitschroman, aus dem vorletzten Jahrhundert, die Apologeten der viri probati gefangen sind?
Liebe Bischöfe und Kardinäle die ihr so wild drauf sei, euren Job von denen machen zu lassen, die mit Beruf und Familie genug zu tun haben und deren Engagement für "die Gemeinde" die Familie exorbitant belastet, wie wir alle wissen, die wie unsereins als cradle catholics Eltern hatten, die genau das gemacht haben, Kolping, Kirche schmücken, PGR Sitzung und dann noch Hand anlegen beim Gemeindefest und beim Bau von dem und dem. Lasst euch gesagt sein: Macht einfach euren Job und betet, feiert Messe, hört Beichte, erteilt religiösen Unterricht anstatt eure Zeit damit zu verschwenden, den eh schon geplagten Schäfelein noch mehr Lasten aufzuerlegen!

Weil aber alle Argumente der Normalos bei denen da oben nicht ankommen, und es im Gegenteil auch, immer noch genug gelangweilte Hautevolee in den Gemeinden gibt, die für sich selber natürlich viel zu fein sind, auch nur einen Stuhl zu tragen, aber, weil es halt chique ist, dafür sind, dass die anderen noch mehr arbeiten. Weil diese Leute dafür sind, den Normalos den einzigen ihnen verbliebenen  Ruhetag, den Sonntag, wo man sich mal ausruhen kann, im gottesdienstlichen Ritual ausruhen kann, ohne beständig aufzuschrecken, wegen irgendwelcher "kreativer Einlagen", also diesen Sonntag auch noch zu verhunzen mit wildem Aktivismus, deshalb müssen wir das tun, was die geistlichen Herren und Damen  tun sollten und nicht mehr tun, nämlich beten.
(Diejenigen aus der Hautevolee die sich nicht zu fein sind, einen Stuhl zu tragen, sind nicht die, die dafür sind, dass die Laien dem Pfarrer die Arbeit abnehmen, das nur zur Klarstellung)

Hier habe ich mir zu dem Thema beten schon mal Gedanken gemacht und hier zum Thema der praktischen Aspekte der verdrehten klerikalen Welt

3 Kommentare:

  1. Leitbild „moderner“ Pfarrer scheint mir oft eher der unverbindlich Rat gebende Therapeut zu sein, der selbst keinen Standpunkt vertritt oder diesen derart abstrahiert hat, dass er kaum mehr zu fassen ist. Nach einem Seelsorger-Gespräch wegen konkreter Sorgen, bei dem viel von abstrakter „Liebe“, „Barmherzigkeit“ und „Gewissensentscheidung“ die Rede ist, ist man oft genau so weit wie vorher. Weitschweifiges Gelaber, dass keinerlei Hilfe bietet, sondern lediglich alles zurück spiegelt. Hat man als Pfarrer dieses Therapeuten-Selbstbild erstmal kultiviert, erscheinen natürlich Messe-lesen, Beichthören (sofern im Beichtstuhl nicht Eimer und Putzmittel stehen...) oder Beerdigungen als unnatürliche Zumutungen, Lösung: Beichte fällt flach, Messe immer öfter aus, stattdessen laiengeleiteter Wortgottesdienst und die Toten bringt auch die Gemeindereferentin unter die Erde.
    Und die zeitraubende Gemeindeleitung erledigen demnächst auch Laien, die ersten „Pilotprojekte“ laufen schon in den Diözesen München und Osnabrück.

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  2. Ja das ist wohl wirklich das Problem.
    Mich nervt an den modernen Pfarrern eher deren Menschenbild, nach dem die Christen sowieso die allerbesten und allertollsten sind, die überhaupt keine eigenen Probleme haben und deshalb allen und jedem helfen können und müssen.
    Ich glaube schlussendlich dass es diese absolute Selbstüberschätzung ist, die von den Gemeinden freudig aufgenommen worden ist, die mit schuld ist, dass der Karren Kirche gerade krachend an die Wand fährt.

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    1. Eigentlich logisch, ein Pfarrer braucht ein Berufsbild/Selbstbild, insoweit wie jeder andere Beruf auch (Priestersein ist Berufung und im Kern unvergleichbar, klar). Indem man das Jahrtausende alte Bild des Opferpriesters nach den 60ern verschwinden lies und nun auch noch die Verwaltung samt Beerdigungen und Pastoralem laiisiert, bleibt Pfarrern nicht mehr viel. Ein bißchen Therapeut, ein bißchen Conferencier und Moderator – der im Pilotprojekt (d.h. die Zukunft, nur bis auf weiteres im Kleinformat) herumreisende Priester im Bistum Osnabrück heißt wohl nicht umsonst „moderierender Priester“. Und die Gemeinde jubelt dazu enthusiastisch: „Wir schaffen das!“.

      Apropos: Derzeit ist in aller Klarheit zu betrachten, warum „die Deutschen“ ihren europäischen Nachbarn schon sehr lange unheimlich waren. Irrationale Ideen bekommen hier plötzlich eine ungeheuere Zugkraft, man fühlt sich zum Neugestalter Europas/der Welt berufen und absolut berechtigt, den Rest notfalls zum Glück zu zwingen. Hysterisch rennen erwachsene Menschen einer jugendlichen, von Panikattacken geplagten Asperger-Patientin hinterher und nehmen deren altkluges Geplapper als neues Evangelium auf – Führerin befiehl, wir (tragen die) Folgen!

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