Dienstag, 13. August 2019

Vielleicht ist noch Hoffnung

Das ist der Titel eines Vortrages den die Äbtissin von Mariendonk (das ist eine Benediktinerabtei im Bistum Aachen) vor Priestern und Diakonen des Bistums gehalten hat.

Es ist ein wunderbarer Text, nicht frömmelnd, und nicht im üblichen 08/15 Anklagestil geschrieben, ein guter Text, den ich hier einfach mal verlinke

Die Äbtissin gibt dorrt einen kurzen geschichtlichen Abriss über Nachkriegszeit und Konzil, beschreibt, dass die Zeichen eines, vornehm ausgedrückt, Desinteresses am Glauben schon früh auftauchten, aber man selber hielt sich, wie sie wörtlich sagt, nicht gerade für den heiligen Rest, aber doch für die, die die Schätze der Kirche bewahrten, um sie für die neue Zeit bereit zu haben - ähnlich wie es die Klöster in der Zeit der Völkerwanderung taten.
das ist in der Tat ein Trost, ein Wort, dass wir uns selber auch immer wieder sagen, aber irgendwie ist das alles nicht so einfach, wie man dachte und vor allem scheint es, wie die Äbtissin sagt, wohl noch eine lange, lange Durststrecke zu werden.

Interessant auch, dass sie zugibt, dass in ihrer Familie keiner mehr zur Kirche geht, das ist neu.
Gut, ich kenne das aus dem Ort aus dem ich stamme, wo doch die eine oder andere Familie eine Ordensfrau, den einen oder anderen Priester vorzuweisen hat, und sobald dieser am Horizont dräute, man so tat, als sei man viel frömmer als man in Wirklichkeit war.

Ich war als Kind immer bass erstaunt, wie sehr der Tenor der Gespräch sich änderte, wenn der Pfarrersonkel auftauchte. Lange Zeit habe ich mich gefragt, "merkt der das eigentlich?" und das gleiche habe ich mich gefragt, wenn der Bischof zur Firmung kam und mit den Leuten redete, ob der das merkte, dass man ihm da was vormachte.
Nun ja, die Äbtissin erklärt, dass sie sich da keinerlei Illusionen mehr hingibt und ihr auch keine mehr vorgespielt werden,
Und sie zitiert einen Professor Dassman : 50 Jahre als Priester gearbeitet und das Ergebnis: Leere Kirchen und immer weniger Menschen, die glauben.


Was dieser Mensch schon gesagt hat, bevor der Missbrauchsskandal über die Kirche hineingebrochen ist und zu einer Zeit, als alles sich noch im beflissenen Optimismus, (wir erinnern und noch an die vielen Aufbrüche im Umbruch und die vielen, vielen Chancen, die ganzen Tröstungen die das Klagen nicht zulassen wollten, weil doch alles so wunderbar sei...)

Die Äbtissin weist dann auf die üblichen Methoden damit umzugehen hin, da ist zum einen die Methode "früher war alles besser" dann die "die und die sind schuld" und zum dritten "wir müssen nur... ",wobei heute das und morgen dieses als Heilmittel angeboten wird.

Und dann kommt unter Punkt 4 eine ganz interessante Feststellung, zum einen die bange Frage, die sich wohl jeder ernsthafte Katholik neuerdings stellt, nämlich ob man in der Kirche Jesu des Christus oder in einem Verbrechersyndikat gelandet ist und schleunigst aus diesem verderbten Babylon hinausziehen solllte?

Sie sagt dann "Als Äbtissin fühle ich mich einerseits verpflichtet, die Kirche zu verteidigen, andererseits deprimiert mich das alles ungemein, weil ich sehe, dass es nichts zu verteidigen und zu beschönigen gibt. Wogegen ich mich allerdings wehre, ist die in meinen Augen oft künstliche, aufgesetzt wirkende Betroffenheit, die mir mit Tränen in den Augen sagen will, hier geschehe etwas völlig Unerhörtes, nie Dagewesenes. 

 und um dann den folgenden Satz zu sagen, der es einfach auf den Punkt bringt:

"Wenn ich die Heilige Schrift lese. finde ich in ihr im Grunde alles wieder. Gerade die Texte, die oft Anstoß erregen - ich denke vor allem an die Psalmen -, höre ich 2019 ganz neu und frage mich, ob wir nicht in den letzten Jahrzehnten eine reichlich naive Anthropologie vertraten, die nicht ernsthaft mit der Realität des Bösen rechnete. Dass die Stärkeren die Schwächeren unterdrücken, dass die Reichen den Armen nichts abgeben wollen, dass Männer Frauen vergewaltigen, ist das Normale, erst Christus hat uns die Augen dafür geöffnet, dass das Sünde ist und nicht sein darf. "

Das ist jetzt in seiner Tiefe wirklich genial und trifft es.
Der Mensch ist doch gut, und nur wer das nicht glaubt und deshalb Regeln, Verbote, Grenzen und Kontrolle haben will, der ist schlecht-so lautet, kurz zusammengefasst die moderne Botschaft.

Dann sagt sie einen interessanten Satz, den ich schon mal, vor Jahren, gehört habe, damals als die erste Welle des Missbrauchsskandal losbrach und auch der Gründer der Legionäre Christi von dem Label "fast ein Heiliger" hinabstürzte zu dem der der damnatio memoria anheimfallen sollte,
zunächst stellt sie fest:

"Nicht dass die Kirche bis in den Klerus hinein aus Sündern besteht, ist das Neue, sondern dass es sich nicht mehr verheimlichen lässt, dass endlich geschieht, was Jesus vorausgesagt hat:

und dann kommt das, was mir einer damals gesagt hat, dass es eigentlich gut ist, weil sich nun das Wort Christi erfüllt:  

 "Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und nichts Geheimes, das nicht bekannt wird und an den Tag kommt" (Lk 8,17), denn "nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird"

Mein Gesprächspartner sagte damals, es ist gut, was geschieht, es ist die große Reinigung Gottes an seiner Kirche, die Passion am dürren Holz, auf dass es wieder grüne wird, das Schneiden der Reben.
Es ist gut, dass wir wieder lernen, dass Sünde nicht nur ein unfreundliches Gesicht ist, sondern Realität.

Das betrachtet die Äbtissin dann auch in den folgenden Kapiteln, die von Schriftzitaten nur so strotzen und damit etwas an sich haben, was einem die Krise deutlichst vor Augen führt.
1. haben wir geistliche Ansprachen, die mit der Schrift argumentieren schon lange nicht mehr gehört, wir sind gewohnt mittels aus dem Zusammenhang genommenen Schriftzitaten rein weltliches Verhalten gelehrt zu bekommen. und dennoch 2 geht es zumindest mir so, dass selbst ich denke "Ach nee, das kenn ich doch alles schon und deshalb fast nicht hinhöre.

Es geht uns allen, die wir uns mühen, fromm zu sein, auch nicht anders, als den vielgescholtenen, jüngeren  Wohlstandsbürgern, so wie die davon ausgehen, dass das Geld aus dem Automat, der Strom aus der Steckdose und das Wasser aus der Wand, sowie die vegane Sojamilch aus nachhaltigem Sojanbau mit Schutz der Pandabären an den  Hängen des Himalaya, von selber in den Biosupermarkt kommt, sprich etwas komplexes einfach voraussetzt, so  geht es uns mit der Schrift, wir kennen das, das ist ein alter Hut, das weiß man doch, das ist einfach da.
Und was halt einfach da ist, das nimmt man nicht so wichtig.

Wir setzen, um es mal mit Hans Urs von Balthasar (in einem Brief an Professor Josef Ratzinger, zitiert in "Salz der Erde") den Glauben einfach voraus und deshalb nicht mehr vor.

Die Äbtissin erkennt das auch und wird dann ganz konkret, weil es ist eins, über nicht mehr zu verheimlichende Sünden anderer Leute zu reden, ein anderes sich selber als das zu sehen, als was Christus einen sieht, als Sünder.
Und genau das sind wir ja nicht.
Wir sind es ja wirklich nicht, aber so sagt sie:

Wie steht es aber um diese unsere Heiligkeit? Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich oft denke: Na ja, eine Heilige bin ich nicht, aber eine Sünderin? - ich tue schließlich mein Bestes, mehr kann niemand, auch Gott, nicht von mir verlangen. Charles Péguy sprach von der großen und trägen Schar der "guten Sünder" und meinte uns Christen, die mit einem notorisch guten Gewissen herumlaufen. Diese Haltung nennt man Pharisäismus,

So und damit will ich diesen Beitrag hier schließen und noch mal den Link zur ganzen Rede setzen
also hier klicken! 

P.S Danke an den Bloggerkollegen TuDomine für den  Tipp




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