Sonntag, 29. September 2019

Zum Erzengelfest, die Lesungstexte haben es in sich, das Fest der Faulenzer ist vorbei

Heute ist und das Fest der heiligen Erzengel für das wir die ganze Zeit die Novene gebetet haben, gekommen.
Man sollte nun meinen, die Texte des heutigen Festes seien irgendwie gut, tröstlich, eine frohe Botschaft.
Aber auch und wenn  es theologisch so ist dass das Wort des guten Gottes eine Frohe Botschaft ist, ist es nun mal so, dass einem manches schon erschrecken kann und soll.
Dazu gehören die heutigen Texte
da geht es zum einen auf die fröhlich Feiernden, nein nicht unter irgendwelchen Götzenbäumen, sondern auf dem Zion, und denen das Schicksal ihrer Glaubensgenossen total egal ist und naja wie sag ich's nur, mir erschreckend aktuell vorkommt
Dann geht es bei dem Brief an Timotheus um den Kampf des Glaubens der zu kämpfen ist und im Evangelium um den armen Lazarus und den reichen Prasser.



Lange Jahre in der Kirche haben mich gelehrt, dass die meisten, auf die man denken sollte das diese Texte auf sie zuträfen, eine sichere Methode entwickelt haben davon zu abstrahieren.
Ich kenne Leute die wirklich mit tränenerstickter Stimme die Fürbitten für die Ausgegrenzten, auch bei uns beten können und sich dann nach der Messe wirklich überzeugt darüber aufregen können, dass sie nun, um zur Post zu kommen, durch die Straßen mit dem sozialen Wohnungsbau fahren müssen.
Ich kenne Leute denen es wirklich gut geht, die aber meinen, da sie geizig sind, nicht zu den Reichen gezählt zu werden und ihren Geiz als Sparsamkeit titulieren und denken deshalb gilt das für sie nicht.
In Diskussionen, im Reallife, über genau solche Themen muss ich mir oft und oft anhören, ich würde die Bibeltexte einfach zu persönlich nehmen!
Ja, Herr im Himmel, was soll ich denn sonst mit den Texten machen?
Vergessen wir eins nicht, auch die Israeliten des AT, hielten sich mehrheitlich für fromm und gottesfürchtig, und genau das war ja das Problem der Pharisäer, dass die wirklich sich mehr an die Vorschriften Gottes gehalten haben, als die Zöllner (die übrigens nicht die armen, in Hütten wohnenden, und deshalb ausgegrenzten  armen Würste waren, sondern reich, sehr reich, heißt es bei dem Zachäus, das ist der mit dem Maulbeerfeigenbaum). Auch die Sünderin, die Christi Füße salbt, kann, mal eben, einige zehntausend Euro auf die Füße Jesu kippen. Man soll das nicht vergessen!
Dennoch richten sich die Worte Gottes nicht an die, die sie eh nicht hören, sondern an die, die sie hören (alles andere wäre ja auch irgendwie merkwürdig)
Quintessenz der heutigen Texte scheint mir zu sein, dass es darum geht, dass man vor lauter, lauter das eigentliche Ziel des Lebens aus den Augen verliert.
Es ist nun mal so,. dass die Straßenbahn den ich, wenn ich zu lange am Computer sitze, verpasse, viel realer ist, als Christus dem zu begegnen ich die Straßenbahn benutzen will.
Dass ich Christus dann, wenn ich die Straßenbahn doch erreicht habe, in der Messe begegne, dass das wirklich Gott ist, das ist nur etwas was sich im Glauben abspielt und wenn ich in der Messe im Zug sitze, weil das Fenster offen ist, nervt mich das mehr, als mich der Empfang der Kommunion erhebt.
Windzug, Straßenbahn usw erscheinen nun mal realer, wirklicher, aller Frömmigkeit aller Religionen die es irgendwie mit der Transzendenz und der möglichen Erfahrung selbiger, haben zum Trotz, als das Göttliche um das es, wiederum bei fast allen Religionen, geht.

Diese Widersprüche sind uralt, aber gerade in unsere Zeit scheint man als wirklich Glaubender jemand zu sein, der nicht ganz dicht ist und es gehört zu den Dramen unserer Zeit, dass man sich, bei dem blasierten, rein innerweltlich aufgestellten Christentum unserer Breiten und Zeiten, gar nicht mehr vorstellen kann, dass jemand wirklich aus Glauben handelt.
Und zumindest im christlichen Glauben ist es so, dass der Zweifel, wie die Literatur und schon das Neue Testament zeigt, der ständige Begleiter des Glaubens ist.
Gereinigt wie Gold im Schmelzofen werden wir angeblich dadurch.
In einem gewissen Sinn sind die heiligen Engel diejenigen die durch diesen Prozess schon durch sind, die einen für ewig abgefallen in die Unterwelt, die anderen stehend vor Gottes Thron und seine Boten (Angelus = der Bote) für uns seiend.
Beten wir einfach weiter!



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