Sonntag, 29. Dezember 2019

Zum Fortlaufen

war die Messe heute vor Ort. Gut normalerweise bin ich wählerisch und tue das, was die Frommen seit Jahrzehnten tun, ich wähle aus wo ich hingehe und komm mir dabei nicht richtig vor.
Nicht richtig, weil es doch überall der gleiche, sogar derselbe Christus ist, der trotz der Schwächen, Fehler und Sünden seiner Priester sich auf dem Altar in der Hostie inkarniert und wenn, er Christus das tut, ohne auf das jeweilige dumme oder intelligente oder fromme oder nichtfromme Gerede der Priester zu gucken, wer bin ich da irgendwie davonzulaufen?

Nun ja, die einfache Antwort auf solcherlei Fragen lautet: ER ist Gott, ich bin es nicht!
Das wird gerne vergessen, wenn man so ventiliert was Christen angeblich alles machen können sollen.

Davon aber nochmal abgesehen bin ich der völlig antiquierten und dem Zeitgeist mit der Bartwickelmaschine aus den  50ern diametral entgegengesetzten Ansicht, dass es einen signifikanten Unterschied zwischen profan und sakral gibt, geben soll, und die Kirche in ihren Gottesdiensten dazu da ist, den das ganze Jahr mit profanen Problemen geplagten Menschen, zu erzählen, dass es auch noch den lieben Gott und seine Herrlichkeit gibt und wir für diese göttliche Herrlichkeit gemacht sind und gottseidank diese Erde nicht der Weisheit und des Lebens letzter Schluss ist.

Ich lege Wert darauf im Gottesdienst auf den verwiesen zu werden, der es wirklich weiß, auf den verwiesen zu werden, der alles geschaffen hat und sich was dabei gedacht hat und der uns, obwohl man das kaum nachvollziehen kann, warum er es getan hat, erlöst hat und der will, dass wir das annehmen.
Jedesmal wenn ich den glorreichen Rosenkranz bete, finde ich die Abfolge der Gesäzze fast ironisch.
Der von den Toten auferstanden ist und der danach in den Himmel aufgefahren ist. Ja das kann man durchaus nachvollziehen, dass Jesus der Christus nach der absolut schlechten Behandlung, die ihm hier auf Erden widerfahren ist, sich von dieser Erde entfernt hat. Man muss das mal richtig sehen, es gibt in  allen Kulturen mehr oder weniger ausgeprägt, eine immanente  Differenz zwischen weltlichen und geistliche Zuständigkeiten. Im Falle der Passion Christi hat diese sich dahingehend dialektisch aufgelöst, dass alle zusammen, in wundervoller Eintracht, mitsamt dem Volk, welches ebenfalls in allen Kulturen und Zivilisationen in einem gewissen Widerspruch zur Macht steht, den Christus ans Kreuz genagelt haben. Im Grunde hat sich um die Passion Christi das ereignet wovon alle Zivilisation eigentlich träumt, nämlich die Überwindung aller immanenten Widersprüche, es wurde damals wirklich von allen an einem Strang gezogen, alle waren sich einig: die alten Herrscher die Hasmonäer auf die die Pharisäer sich beriefen, die alten Feinde, die Idumäer, also die biblischen Edomiter aus denen Herodes hervorging, der zum Judentum zwangsbekehrt wurde, aber dennoch nie als solcher anerkannt wurde, obwohl er sich mühte, die modern gesinnten Sadduzäer, die an kein Leben nach dem Tode glaubten, also so ne Art religiöse Atheisten waren, das Volk, die Römer, außer vielleicht der angebliche Zelot Judas Iskarioth, dem ob der Folgen des von ihm ins Rollen gebrachten Geschehens jegliche Hoffnung unmöglich schien.
Wir haben in der Passion Christi die seltsame Situation, dass sich dabei das ereignete was eigentlich erstrebenswert ist, dass sich die Leute vertragen, dass man miteinander redet, und doch ist es die ultimative  Katastrophe der Menschheit, das Versagen der Menschheit anundfürsich gewesen.
Man könnte es also verstehen, mehr als verstehen, wenn der Christus nie mehr irgendwas von diesen Menschen habe wissen wollen, insbesondere deshalb weil er ja mit dem Vater und dem heiligen Geist in vollkommener Seligkeit und Harmonie, umgeben von Legionen von Engeln lebt!
Aber dennoch hat Gott uns nicht aufgegeben, nein, er sendet seinen Geist, er hat es erlaubt, dass die Kirche sich bildete, auch und wenn einem zwischendrin mehr als berechtigte Zweifel überfallen, ob wirklich der Heilige Geist in der Kirche, die sich die seine nennt, am Werk ist.
Aber wenn wir den glorreichen Rosenkranz weiterbeten, zeigt es sich dass in einem ganz gewissen Sinn, Gott wirklich es aufgegeben zu haben scheint, diese Welt besser zu machen, Maria wird in den Himmel aufgenommen, dort wird sie gekrönt. Damit zeigt sich das Wirken der Erlösungstat Jesus des Christus. Sie wird erst in der kommenden Welt, im Himmel, Wirklichkeit.
Und an der Gestalt der Maria wir klar, dass diese Erlösungstat nicht vergeblich war, wie man bei einem tiefergehenden Blick ins Geschichtsbuch, in die Zeitung oder in den Spiegel durchaus meinen könnte.
Es ist nicht so, dass mit dem Erstgeborenen der Schöpfung und der Toten wie Paulus schreibt, der zur Rechten Gottes sitzt, der einzige Mensch, nämlich Christus, der ja wahrer Mensch und wahrer Gott ist,  dauerhaft im Reich Gottes gelandet ist  und alle anderen genau da nicht hinkommen, wie man meinen könnte. Nein an Maria sehen wir wo das Ziel des Lebens ist und auch dass sich das nicht unbedingt in dieser Welt sichtbar manifestieren muss. Auch und wenn es wohl vielen auf den Wecker gegangen ist, mir zumindest, haben zahllose Prediger heute die Steilvorlage des Evangeliums von Tage benutzt, um klar zu machen, dass das Leben der heiligen Familie sich nicht auf Wolke sieben abspielte  und die heilige Familie nicht, wie es teilweise in der Kunst dargestellt wurde, sozusagen über dem Boden schwebend durch ihr Leben schwebte.
Gut das ist alles nicht besonderes originell und die Künstler haben Christus nicht deshalb über dem Boden schwebend gemalt, gebildhauert, weil sie dachten, dass deren Leben sozusagen immer nur eine nicht ganz zielgenaue Projektion aus dem Himmel auf unsere Erde gewesen ist, sondern um genau das klarzumachen, was ich in der Predigt heute vermisst habe, nämlich wer es ist, der da Mensch geworden ist. Auch gehört das Buch Hiob zum Kanon und dort wird explizit mit der Vorstellung aufgeräumt, dass es den Frommen des HERN immer gut gehen müsse. Überhaupt gibt eine Schriftlektüre, sofern man über die einschlägigen Stellen hinausgeht, die landläufige Vorstellung eines Wellnessgottes gerade nicht her.
Erfrischend ehrlich, wenn auch nicht so gewollt, und deshalb fast komisch, ist die Übersetzung des 23. Psalmes nach Martin Luther, wo es heißt "du schenkest mir voll ein!" ja das habe ich heute wieder gemerkt! Aber genau deshalb besteht Hoffnung auch und wenn es innerhalb der Kirche zum Fortlaufen ist.

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