Sonntag, 26. Januar 2020

Bibellesen, Genesis erster Abschnitt Teil 2

Fortsetzung von hier 

 Ich schrieb neulich, ich wolle versuchen hier im Blog wirklich Abschnitt für Abschnitt die Schrift betrachten, einfach weil ich mit schon lange denke ich sollte das mal wieder tun, weil man so das Gefühl hat, jeder weiß was in der Schrift ist, jeder weiß was Gott will nur weiß da jeder was anderes.
Hier also der Link zu Teil 1, Genesis 1, 1-5 und im Folgenden einige, weitere Betrachtungen dazu:

Einer unserer Leser hat im Kommentar zu den ersten Versen von Genesis folgende Fragen gestellt:

- Wenn Gott erst nach der Erschaffung sah, dass das Licht gut war: was war dann seine Motivation, es zu schaffen?
- Wenn Finsternis die Abwesenheit von Licht ist: warum sammelte Gott das Licht sozusagen an einem Ort (bzw. zu einer Zeit) und schied Licht von Finsternis, oder anders gefragt: wozu wollte er Finsternis übriglassen?
- Von welcher Art Licht sprechen wir eigentlich, wenn Sonne, Mond und Sterne erst am vierten Tag erschaffen werden?
- Woher kommt die Zeit, d.h. wenn Gott nur Tag und Nacht benannte, wie kommt es dann zum Wechsel, wer verursacht Abend und Morgen?

Es seien hier noch mal die ersten Verse hergeschrieben, einfach, damit man weiß um was es geht:

  I. Die Urgeschichte
1. Die Schöpfung der Welt in sechs Tagewerken
a) Erstes Tagewerk: Die Urschöpfung und die Erschaffung des Lichts

1 Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde;

2 die Erde war aber eine Wüstenei und Öde, und Finsternis lag über der weiten Flut (= dem Urmeer), und der Geist Gottes schwebte (brütend) über der Wasserfläche.

3 Da sprach Gott: »Es werde Licht!«, und es ward Licht.

4 Und Gott sah, daß das Licht gut war; da schied Gott das Licht von der Finsternis

5 und nannte das Licht »Tag«, der Finsternis aber gab er den Namen »Nacht«. Und es wurde Abend und wurde Morgen: erster Tag.





Man könnte das alles irgendwie retten, wenn man Vers 5 als Zusammenfassung nimmt,
Zuerst ist Licht und Finsternis vermischt, zuerst ist sowieso alles vermischt, untrennbar, so wie die Zutaten für eine Mahlzeit wirr im Einlaufwagen herumliegen, der Himbeersaft neben den Essiggurken,die Marmelade neben dem Katzenfutter, der Honig neben dem Spülmittel usw,
Das würde aber bedeuten dass im Anfang wirklich gleich alles geschaffen wurde, und alles was später folgt lediglich Ausdiffernzierung ist, und das was Gott und Christus (Joh5,17 und Prolog des Johannesevangeliums ) seit dem tun, ist nichts, wie weiter ausdifferenzieren,
Oder um ein anderes Bild zu bemühen, auf der Baustelle des Himmels wurde alles abgeladen, die Steine für die Fundamente, die Steine für das Haus, Türen und Fenster, aber auch Möbel und selbst die Deckchen für unter die Blumenvasen, und das meint das Geschehen "im Anfang" also bevor es Tage, als Synonym für die Zeit gab und seitdem wird gebaut und geräumt.
Das nun entspricht dem,. was wir eigentlich auch mit der Urknall Theorie meinen:.alle Materie und alle Energie, die in dem Urknallmodell nur verschiedene Erscheinungsformen voneinander sind, (wegen der berühmten Formel von Albert Einstein (E = mc²) die besagt dass Materie sich in Energie umwandeln lässt und Energie in Materie) also alles ist schon zu Beginn da, und explodiert dann, verteilt sich, ballt sich zusammen, wird Sonne und Planeten, auf denen dann wieder sich Oberflächen, Landschaften bilden usw, usw.
Es ist nicht der Raum das auszuführen, aber es ist schon interessant, dass die moderne Naturwissenschaften,  eigentlich nur das Bild, welches sich aus dem Schöpfungsbericht ergibt, ebenfalls aufgreifen, auch und wenn ihre Formeln nicht annähernd so poetisch sind, wie die ersten Kapitel des Buches Genesis.


Kehren wir zurück zum Text, Gott ruft also das Licht irgendwie, entweder aus der Finsternis, dem Tohuwabohu heraus, das würde zu obigem Bild passen, oder aber er schafft es, indem er es sagt, zusätzlich und zwar in der Finsternis und dann sieht Gott, auch total seltsam und ungewohnt, dass das Licht gut ist, und scheidet es von der Finsternis.
 Es wird also zuerst dämmerig, zwielichtig, diffus, also Abend, dann scheidet Gott das Licht von der Finsternis, es wird Nacht und dann eben dort wo, besser wann, das Licht ist, eben Morgen und Tag.
Das wäre dann der erste Tag der mit der Erschaffung des Lichtes, und am Abend, beginnt.
Auch das ist eigentlich etwas ungewohntes, sind wir gewohnt unsere Tage am Morgen beginnen zu lassen oder eben um Mitternacht, aber nicht am Abend, wobei die Juden das heute noch tun und die Kirche es auch (wieder)  tut, indem der Sonntag schon am Samstagabend anfängt, weswegen ein Vorabendgottesdienst überhaupt erst "gilt" . Es gibt dazu eine Enzyklika von Johannes Paul II "Dies Domini"  weil, das muss fairerweise geschrieben werden, die Kirche in früheren Zeiten sich was die Bestimmung von Tagen anging, an den Gepflogenheiten der Welt orientiert hat und erst mit dem Vatikanum II wieder zur biblischen Praxis zurückgekehrt ist.
Was der Text nun genau nicht aussagt, ist woher das alles kommt, und warum das alles geschieht.
Was wir nun sagen können ist, dass das Fleisch, also die Materie des Menschen, sein Leib wie es altmodisch hieß, der Tempel des heiligen Geistes sein soll und wir am Ende nicht als geistige Wesen im Himmel sein werden, sondern auch das Fleisch, ja die ganze Schöpfung erlöst wird, die zunächst gut geschaffen war, aber mit dem Menschen gefallen ist.
Gott schafft, das ist zumindest die einfachste Interpretation aus dem Nichts, aber das was er schafft, soll ewig sein.
Eigentlich komplett unlogisch, ist jedoch der Vers 2. Da ist die Rede von der wüsten und wirren Erde, wo man sich irgendwie wirr übereinanderliegende Gesteinsbrocken und ausbrechende Vulkan mit Lavaströmen, sowie unregelmäßige offene Löcher wie aus einem Tagebergbau und das alles in der Dunkelheit vorstellt.  Dann heißt es aber im folgenden Satz, dass die Finsternis über der Urflut lag, wobei sich das nur so erklären lässt, dass das Wasser der Urflut die ganze Erde bedeckte und das wüste und wirre somit darunter lag. Anders ergeben die folgenden Verse, wo das Firmament gemacht wird, und dann das Wasser unter dem Firmament zusammenfließt und dann erst der Boden sichtbar wird, keinen Sinn.
Oder man sagt, dass uns hier unsere Vorstellung irre führt, dass wüst sich auf Wasserwüste und wirr auf wirre Wellen (auf den Wind kommen wir gleich noch) bezieht.
Ich meine bis ins Neue Testament zieht sich ja die Vorstellung vom Meer als bösem Ort, und noch in den Endzeitreden Jesu heißt es, dass die Menschen so bestürzt sein werden, über das Toben und Donnern des Meeres, dass sie den Geist aufgeben werden (Luk 21,25).

Dann berichten uns die ersten Verse der Genesis, darüber, dass es einen Gott gibt aber auch einen Geist Gottes, und dass Gott spricht, also es auch ein Wort Gottes gibt.
Dieser Geist Gottes schwebt über den Wassern, sind wir gewohnt zu lesen, jedoch scheint mir richtiger das Wort "brütet über den Wassern" zu sein, so sagen auf jeden Fall die Hebräischkenner
Man könnte das nun auch wieder so verstehen, dass der heilige Geist das eben ausbrütet, so wie ein Vogel das Ei, was Gott da angelegt hat.
Interessanterweise taucht der Mythos eines Welteis, eines Eis am Ursprung, das sich teilt, woraus dann schöpferische Mächte entspringen, in vielen Kulturen auf, siehe hier.
Wären nicht die folgenden Verse könnte man annehmen der heilige Geist, also Gott selber brüte das in der Finsternis keimhaft liegende Licht aus, und hätte damit eine wundervolle Analogie zum menschgewordenen Gottessohn der  in der Finsternis der Welt das Recht errichtet wie es in Jesaja 42, 1-7 heißt, oder wie man auch sagen könnte sozusagen in der Finsternis der Welt wächst, bis Gott ihn zum Heil und Licht selbiger Welt aus dem Tod dieser Welt auferweckt.
Ich habe jetzt das gemacht, was mich an vielen Predigten aufregt, Gedanken entwickelt, die zur betrachteten Bibelstelle passen, nur leider nicht zum Zusammenhang.
Wobei sich mir manchmal der Gedanke aufdrängt, ob es nicht vielleicht doch so,  ist, dass die Schrift Satz für Satz gelesen, betrachtet und meditiert werden will?

Wir sehen es ergeben sich, je länger wir drüber Nachdenken  nur immer mehr Fragen.
Dazu kommt noch die einfache Frage: ja wenn es das Licht ist, welches Tag und Nacht bestimmt, woher kommt denn dann das Licht, wenn die Sonne noch nicht erschaffen wurde, oder anders gefragt, wie harmonisieren wir den ersten Schöpfungstag mit dem vierten (da werden dann Sonne. Mond und Sterne geschaffen)?
Man könnte nun wieder den Prolog des Johannes Evangeliums zu Hilfe nehmen wo es heißt:

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dieses (Wort) geworden, und ohne dieses ist nichts geworden (von allem), was geworden ist. 4 In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis, doch die Finsternis hat es nicht ergriffen.

 Hier ist das Licht eindeutig das Leben anundfürsich und wird konkretisiert als Christus, für den bzw das Johannes der Täufer Zeugnis geben soll hier 

8 Er war nicht selbst das Licht, sondern Zeugnis sollte er von dem Licht ablegen. 9 Das Licht war da, das wahre, das jeden Menschen erleuchtet, es kam gerade in die Welt;

nur wie kriegen wir das mit dem Tag und der Nacht in Verbindung? Meint im Kontext des Vers Genesis 1, 4 Tag und Nacht was anderes, als wir so meinen?
Man könnte ja nun sagen, hier sei Tag und Nacht rein metaphorisch gemeint, der Tag, das Licht, eben die Zeit des lebendigen Lebens, und die Finsternis, die Nacht eben die Zeit des Todes, des Winters, des Niedergangs, so wie das die Menschen schon immer erleben und auch in der Natur, egal ob mit oder ohne Menschen schon immer so gewesen ist.
Nur passt das wiederrum nicht zum biblischen Befund, nachdem der Tod der Sünde Lohn ist, also erst durch die Sünde der ersten Menschen in die Welt kam



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