Montag, 6. April 2020

Doch glauben in dieser seltsamen Fastenzeit

Im heutigen Evangelium wird uns aus dem Johannes Evangelium berichtet, wie Maria von Betanien die Füße Jesu mit einem Pfund kostbaren Nardenöls salbte, Judas sauer wurde, wegen der Verschwendung und von Jesus zurechtgewiesen wird  mit der, eigentlich frustrierenden, Mitteilung, dass es die Armen immer geben werde (damit die Reichen immer wenigstens etwas Gutes tun können, ist meine, zugegeben sarkastische Begründung dafür).

Noch eine Zwischenbemerkung: die Tradition hat aufgrund dieser Stelle immer Maria von Bethanien mit der Sünderin die die Füße Jesu salbte gleichgesetzt, Es gibt nun neuerdings eine Menge Leute die sagen "ei das ist ja gar nicht so, das kann ja gar nicht sein!" Fakt ist aber dass der Ort der Salbung, eben Bethanien auch in der Parallelstelle bei Markus der Ort ist, dass es sich auch dort um Nardenöl handelt, genauso wie bei Lukas, der sich allerdings über den Ort nicht äußert.
Nur bei Markus ist Jesus im Haus Simon des Aussätzigen und bei Lukas "bei einem Pharisäer" zu Gast. Allerdings sagt auch Johannes definitiv nicht, dass Jesus bei Martha, Maria und Lazarus zu Gast war, ganz im Gegenteil, es heißt auch bei Johannes "Jesus kam nach Bethanien......... dort bereiteten sie (wobei unklar ist, wer mit "die" gemeint ist) ihm ein Mahl.... Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren" von daher kann man das meines Erachtens schon gleichsetzen und ich habe mich schon immer gewundert, warum die gleichen Leute, die sich so über die angeblich rigide Sexualmoral der Kirche aufregen damit Problem haben, dass Maria von Bethanien eben eine Sünderin, der die Sünde zu äußerst gutsituierten Verhältnissen verholfen hat, gewesen sein soll.
Um die Dimensionen zu verdeutlichen. Ein Denar war damals der Tageslohn eines Tagelöhners. Der geringste Lohn hierzulande ist der Mindestlohn, das sind 9,35€ pro Stunde und ergibt einen Nettojahreslohn von 15600€.
Da die Tagelöhner damals nur den Sabbath frei hatten, also die 6 Tage Woche hatten, kann man das durchaus vergleichen.
Aber kehren wird zum Text zurück und schauen uns mal den letzten Satz an, der lautet nämlich: 

Es erfuhr nun die zahlreiche Volksmenge der Juden, daß Jesus dort sei; und sie kamen hin nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte.
 Die Hohenpriester aber hielten Beratungen ab in der Absicht, auch Lazarus zu töten,
weil viele Juden seinetwegen dorthin gingen und zum Glauben an Jesus kamen.

Eigentlich ist das Vorhaben der Hohenpriester komplett unlogisch, da hat Jesus den Lazarus von den Toten auferweckt und dann werden die Hohenpriester sauer und beschließen, den Lazarus erneut zu töten, obwohl Christus sich als der Herr über den Tod erweisen hat.
Und Herr über den Tod, sofern es einen solchen Herrn gibt ist eben nur der, der auch das Leben gibt, also Gott.
Man sieht aber an der Stelle sehr gut, wie man sich verrennen kann und die Befürchtungen der Hohepriester, dass die Dinge sich ändern, waren ja, so verkehrt nicht.

Im 11. Kapitel des Johannsevangeliums lesen sich dieser Überlegungen so:

Infolgedessen beriefen die Hohenpriester und Pharisäer eine Versammlung des Hohen Rates und sagten: »Was sollen wir tun, da dieser Mensch so viele Wunderzeichen vollführt?
48 Lassen wir ihn so weiter gewähren, so werden (schließlich) noch alle an ihn glauben, und dann werden die Römer kommen und uns die Stätte (d.h. unser Heiligtum) und unser Volkstum beseitigen.«
49 Einer aber von ihnen, nämlich Kaiphas, der in jenem Jahre Hoherpriester war, sagte zu ihnen: »Ihr seid ganz ohne Einsicht
50 und bedenkt nicht, daß es besser für euch ist, daß ein einzelner Mensch für das Volk stirbt, und nicht das ganze Volk zugrunde geht.«
51 Dies sagte er aber nicht von sich selbst aus, sondern als Hoherpriester jenes Jahres weissagte er (unbewußt), daß Jesus (zum Heil) für das Volk sterben würde,
52 und zwar nicht für das (jüdische) Volk allein, sondern auch, damit er die (unter den Völkern) zerstreuten Gotteskinder zu einem einheitlichen Ganzen vereinigte.

Es sind seltsame Zeiten in denen wir leben, nicht erst seit gestern, Und ganz seltsam ist, dass uns dieses Jahr die Feier der zentralen Wahrheiten des christlichen Glaubens, ohne nennenswerten Widerstand der Bischöfe, genommen wurden. Dennoch ist es geschehen und es ist für uns alle eine Glaubensfrage, glauben wir dass Christus für unser aller Heil gestorben ist, oder glauben wir das nicht?
Und gerade weil uns im Moment, im Konkreten, die Mitfeier nicht möglich ist, geht es uns wie dem, doch oft als kleingläubig, titulierten Thomas "wie sollen wir glauben, wenn wir nicht sehen, nicht tun können, nicht mitsingen, und noch nicht mal direkt hören können?"
Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben, sagt Christus.



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