Montag, 6. Juli 2020

Bischof Bätzing will widerstehen, indem er zurückweicht.

Ich habe mir ja wiederholt geschworen mich nicht mehr um  das zu kümmern, was unsere Oberhirten so verbraten und was die Unterhirten angeht, die alte Schülertugend zu reaktivieren mit interessiertem Gesichtsausdruck genau nicht zuzuhören.
Aber ab und an wird das nichts mit den guten Vorsätzen.

So hat der neue Vorsitzende der DBK mal wieder gesprochen und ich habe mich mal wieder gründlich geärgert über die Arroganz die aus seinen Worten trieft.

Ich frage mich zunehmend, in welchem merkwürdigen katholischen Kinderbuch unsere Hochwürden steckengeblieben sind, aber der Reihe nach:

Zunächst scheint der Herr DBK-Vorsitzende der irrigen Ansicht zu sein, dass die Kirche überall und an allen Orten sei, er sagt so wörtlich:

Dass wir überall sind, an jedem Ort in weiten Territorien, das allein trägt keine Früchte mehr..

Hochwürden scheint entgangen zu sein, dass die Kirche die letzten 4 Monate auf Tauchstation war und da immer noch nicht wirklich aufgetaucht ist, und auch vorher nicht "an jedem Ort in weiten Territorien" war.
Wie schaut es denn z.B in den neuen Bundesländern aus? Wie in Norddeutschland und selbst auf dem Land ist es mittlerweile so, dass viele, viele Kirchen geschlossen, umgewidmet und sonstwas werden.

Sollte man das Pech haben, zu sterben und eine katholische Beerdigung wünschen, so kann man das mehr oder weniger vergessen. Es kommt im günstigsten Fall die Pastoreuse und erklärt der staunenden Gemeinde, nach evangelischem Vorbild, was für ein guter Mensch da von uns gegangen ist. Frei nach dem Witz: Kommt ein Mann zur Wahrsagerin und die sagt "Oh ich sehe in 4 Wochen werden sie viele Blumen geschenkt bekommen und alle werden nur Gutes von ihnen reden!" Der Mann freut sich, fragt nach dem "Warum" und die Wahrsagerin antwortet "Nun das ist auf Beerdigungen nun mal so üblich!"


Ich finde das ja immer einerseits verständlich, andererseits denke ich dann immer "und nachdem du da vorne nun kräftig gelogen hast und alle es wissen, brauchst du dich aber wirklich nicht zu wundern, dass man dir auch anderweitig nichts glaubt!"
Mir sind die alten Beerdigungsrituale lieber, die es auch auf evangelisch gibt, wo davon ausgegangen wird, dass der werte Verblichene ein Mensch war, der Schuld auf sich geladen hat und an dem auch andere schuldig geworden sind.
Dachte eigentlich immer gerade, daß die Vergebung der Schuld das Kernthema des Christentums sei, aber wie man auf jeder Beerdigung erfährt, ist dem genau nicht mehr so.

Wenn wir uns nun weiter dem Statement des Herrn DBK Vorsitzenden zuwenden, so leidet auch er an dieser Verkennung der Tatsachen, so schwadroniert er davon, dass die aus dem letzten Loch pfeifende Kirche doch den "suchenden Menschen" das geben solle, was diese gerade brauchen.
Der Herr DBK Vorsitzende träumt davon, dass auf den rauen Wegen dieser Welt die Kirche so eine Art Schloss aus dem Märchen darstellt, wo der müde, geschundene Wanderer ein weiches Bett, einen gedeckten Tisch und wir leben ja im 21 Jahrhundert eine Dusche und frische Klamotten vorfindet, vielleicht noch, wie es im Märchen so ist, einen Zwerg, der ihm das Wunderding gibt oder erklärt wie und wo es zu finden ist, welches der Wanderer braucht, um die Prinzessin vorm Drachen zu retten.

Nachdem er das, gut nicht ganz so krass, formuliert hat, "ermuntert" der Herr DBK Vorsitzende die Christen, doch noch dynamischer zu werden, um- und das erstaunt wiederum- dem "Veränderungsdruck etwas entgegen zu halten" so wörtlich.
Ei verbibscht, na sowas,  redet nicht die Kirche hierzulande permanent von Umbrüchen, Aufbrüchen, Neuland, alles muss neu gemacht werden, alles was alt ist, taugt nichts, und auf einmal ist der Veränderungsdruck was Schlechtes???
Also bitte, was denn nun?
Man muss auch konstatieren, dass in diesem Halbsatz schon das aufscheint, was mich seit Jahren auf die Palme bringt, die oberhirtliche Unterscheidung zwischen Menschen und Christen.
Also die Christen, die müssen sich permanent ändern, die müssen dynamischer werden, die müssen, die müssen, die müssen,  und damit denen die unter dem permanenten Müssen und rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln, leiden "helfen".
Sie selber werden aber in den oberhirtlichen und auch den zahlreichen unterhirtlichen Predigten, Ansprachen, Fürbitten als die dargestellt, die keinerlei Probleme haben.
Und das bestätigt er in dem folgenden Halbsatz, die Kirche soll das nämlich machen, so dynamisch werden, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen ist (meine Interpretation) weil es Menschen gibt, die unter dem permanenten Veränderungsdruck leiden.
Also auch hier wieder eine als Demut und Nettigkeit getarnte Arroganz.
Man selber leidet natürlich nicht und die die innerhalb der Kirche unter dem permanenten Veränderungsdruck leiden, die wissen was sie von ihren Ober- und Unterhirten zu erwarten haben, nämlich im günstigsten Fall genau nichts, im schlechtesten Fall wüste Beschimpfungen.
Wobei es auch hier den einen oder anderen Ober- bzw Unterhirten gibt und gab, der nachdem er nicht mehr in Amt und Würden war, erklärte dass er auch leide!
Es sei hier nur, damit es nicht vergessen geht, das geistliche Testaments des unermüdlichen für Veränderungen streitenden Karl Kardinal Lehmann erwähnt.
Er teilt die Bedenken Christi, der da sagt "Wird der Menschensohn, wenn er denn kommt noch Glauben finden" und konstatiert, dass es eine reale Gefahr ist, dass der Menschensohn, wenn er denn kommt, keinen Glauben mehr vorfindet, weil sich die Kirche und auch der Karl Kardinal Lehmann zu sehr ins Diesseits verkrallt habe.
Und so will der Herr aktuelle DBK Vorsitzende die  Folgen der Verkrallung ins Diesseitige abmildern, indem er sich noch mehr ins Diesseitige verkrallt, also  widerstehen, indem er zurückweicht, wenn  man die Sache bei Licht betrachtet.
Man könnte es noch schlimmer sehen, dass er nämlich die paar verbliebenen Gläubigen verheizen will, anstatt sie zu stärken, zu trösten, die Wunden, die diese sich in der Auseinandersetzung mit dem permanenten Veränderungsdruck geholt haben, zu verbinden und sich schützend vor diese zu stellen, wie es die Aufgabe eines Hirten nun mal ist.
Hirten sollen dafür sorgen, dass die Herde Futter kriegt und nicht, dass die Herde Futter wird!

Ja und genau deshalb wird die Frage, die Karl Kardinal Lehmann sich am Ende seines Lebens stellte, wird immer dringender!


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