Freitag, 9. Oktober 2020

Wallfahrten heutzutage

Ich war in Altötting und ja es war sehr schön, es war sehr tief, es war wunderschön in aller Herrgottsfrühe aufzustehen und zu nachtschlafender Zeit zur allerersten Messe in die Gnadenkapelle zu gehen, es war erhebend am Abend dort den Rosenkranz zu beten und überhaupt ist es ein faszinierender Ort dieses Altötting.

Ich hatte ja immer das Gefühl, naja, das ist was für alte Omas, die ihre Wallfahrten nach dem Motto Ludwigs Thomas betreiben, welches da lautet "denn von hocherhabner Stelle grüßt die Kneipe nebst Kapelle!" auch und wenn es sich bei der Kneipe meist, was die Omas angeht, um ein Cafe und ein Restaurant handelt, aber das reimt sich halt so schlecht.

Irgendwann hat es das Beiboot dann auf den Spuren Benedikts XVI's nach Altötting verschlagen und da haben wir alle feststellen zu müssen, dass allzuoft die Vorstellung und die Realität gewaltig differieren, so eben auch was Altötting angeht.

So waren wir dann letztes Jahr auch dort und damals habe ich mir Gedanken über das Gnadenbild gemacht, dass doch ganz anders ist, als man so meint.

Es ist ein sehr schönes Gesicht, aber dennoch ein Gesicht das Leid erfahren hat und das Sorge, tiefe Sorge, sehr tiefe Sorge ausdrückt.

Seltsamerweise schaut das Kind auf ihrem Arm so nicht aus, es sieht eigentlich älter aus, und schaut unbekümmert, ein Cleverle durch die Gegend, während die Mutter es anschaut mit diesem Blick, voll tiefer Sorge, großer Angst und voller Zweifel ob das alles auch gut geht, und voll tiefem Schmerz darüber dass das Kind, überhaupt keiner Sinn für den Ernst der Lage hat. Wobei, das schrieb ich schon, das aber eigentlich gar kein Kind ist, sondern ein Erwachsener! Hier sieht man es m.E. ganz gut.

Es ist also nicht das Christuskind dass sie auf dem Arm trägt, sondern es sind wir!

 

Auf jeden Fall ist das meine ganz subjektive Interpretation und ich vermute mal so abwegig ist sie gar nicht, weil die Leute ja, und das nachweislich schon über 500 Jahre, zu ihrer Gnadenmutter von Altötting pilgern.

Es steht ja auch im Buch der Offenbarung, dass der Drache geht und Krieg führt gegen die anderen Kinder der Frau, und dieser Krieg wird dann so geschildert, dass die "anderen Kinder" Null Chance haben, da in irgendeiner Form zu bestehen. Von daher kann man den Blick dieser uralten Marienfigur sehr, sehr gut verstehen, und dennoch ist es ein Ort, wo man Trost findet, ein Ort der einem Ruhe verschafft für die Seele!

Ich habe mich ja schon immer gewundert, warum dieses Buch, ausgerechnet dieses Buch Offenbarung heißt, weil ich immer finde, es offenbart genau nichts, oder anders ausgedrückt, sobald man anfängt, sich damit zu beschäftigen, wird es nur immer unklarer, was gemeint ist.

Früher nannte man das Buch deshalb "die geheime Offenbarung des Johannes" was so eine Konstruktion ist wie ein schwarzer Schimmel oder ein im Schneckentempo daherrasendes Auto ist, und damit trifft es die Sache, meines Erachtens besser, als die heutige gebräuchliche Redensart von der Offenbarung des Johannes.

Nun aber wieder zum eigentlichen Anliegen des Beitrags.

Ein Teil der Beibootbesatzung, bis auf die Bordwache, war also zur Hauptsaison, in Altötting.

Letztes Jahr waren wir auch schon dort und es war brechend voll! Der Korb mit den Kerzenspenden, war permanent voll, es kamen andauernd Fußwallfahrer an und die Gnadenkapelle war permanent voll. Dicht an dicht stand oder kniete man auf dem Boden, Zeit und Muße dort herumzugucken gab es nicht, einfach wegen der vielen Menschen die dort beteten! Die Cafes und  Restaurants waren gut besucht und auch die Devotionalienhändler hatten gut zu tun!

Was für ein Unterschied zu diesem Jahr, die Cafes und Restaurants waren, trotz der vorgeschriebenen Halbierung der Gästezahlen, nicht annähernd ausgelastet, in den Kirchen war, trotz der vorgeschriebenen Abstandsregel noch üppig Platz, und in der Anbetungkapelle, letztes Jahr immer gut besucht, war immer Platz, und das obwohl dort nur 6 Personen zugelassen waren.

Die Gnadenkapelle war offen, allerdings konnte man wieder nicht in Ruhe und Muse herumgucken, einfach weil immer so ein Aufseher herumschlich, der einen ermahnte, ja nicht zu lange zu beten, wegen der Vorschriften.

Zu den  Messen und zu den Rosenkränzen war die Anzahl beschränkt und die Sitzbänke waren nur zum Gottesdienst und dem Rosenkranz besetztbar, sonst waren sie abgesperrt und ein Aufseher sah zu, dass sich keiner vor der Muttergottes ins Gebet versenken konnte, weil wo kommen wir denn da hin, wenn in schlechten Zeiten, oder am Horizont dräunenden schlechten Zeiten die Leute mit ihrer Angst an die uralten Stätten wallfahrten würden? (das ist jetzt fast sarkastisch gemeint).

Auf jeden Fall  war es teilweise so, dass doch einige Leute draußen standen beim Rosenkranz, bei den Messen, die dann per Lautsprecher nach daußen übertragen wurden.

 

Nur mehrheitlich sah so aus:  


Klar kann ich die Leute verstehen, dass sie unter diesen Umständen halt zuhause bleiben, aber es war in Altötting das zu spüren, was auch sonst zu spüren ist, diese Mutlosigkeit, dieses Gefühl der Hoffnungslosigkeit und das, ich ringe schon den ganzen Beitrag und eigentlich seit Wochen und Monaten  mit dem Wort und schreib es doch hin, es war das Versagen der Kirche zu spüren.

An einem Abend, kamen nicht nur die zugelassenen 2 handvoll Leutchen sondern noch 3/4 weitere, die vom übereifrigen Ordner aus der Kapelle getrieben wurden. Aus einem der so Verscheuchten brach es heraus "Wenn ihr so weiter macht, dann könnte ihr grad alleine beten!"

Es mag sich jetzt ungemein gemein anhören, aber man hat so das Gefühl, dass die meisten Hirten ganz glücklich damit sind, dass sie aktuell so wenig Geschäft mit ihren Schäfchen haben und die Kohle dennoch weiter regelmäßig auf das Konto kommt, so dass sie auch noch auf diejenigen losgehen, die sich in der aktuellen Zeit doch mühen, das zu tun, wofür sie geweiht sind.

Auf jeden Fall hört man seltsame Geschichten aus der innerkatholischen Gerüchteküche.

Um aber den Beitrag nicht ganz so negativ enden zu lassen, es hat auch sein Gutes, man hatte die wunderschönen Kirchen mehr oder weniger für sich alleine, konnte in aller Ruhe den Blick über die schönen Bilder und Figuren schweifen lassen, konnte dabei verwundert den Kopf über sichtbar nachkonziliare Erneuerungen schütteln und sich zum wiederholten Male fragen, ob das Absicht ist, oder ob das wirklich keiner der Verantwortlichen gesehen hat, dass in eine Rokokokirche nun mal kein Stahlgestell als Altar passt.

Gottesdienst und Rosenkranz waren so schwach besucht, dass man ganz nahe am Gnadenbild mitfeiern konnte und in der Anbetung war man fast alleine mit dem HERRN.

Daher -ja es war merkwürdig, aber die Chronik von Altötting berichtet, dass die Wallfahrt immer wieder mal eingeschränkt wurde, und immer wieder aufblühte, hoffen wir, dass es auch diesmal so kommen wird und unsere Oberhirten mitsamt ihren Unterhirten auch mal einsehen, was sie angerichtet haben, mit ihrer unkreativen Art die aktuelle Herausforderung zu meistern, weil "Losse mer es hald, wann mer so ned derfe wie mers gewehnt sin!" ist nicht das, was uns permanent als das Merkmal moderner Kirche vorgestellt wird.

Wie gesagt beten wir!


 


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