Freitag, 12. Februar 2021

Hausfrauentheologie oder über das Licht und den Dreck (Joh3,19)

 Heute war ein wunderschöner Tag, die Sonne schien, trotz der Kälte draussen, hell und klar wie im Frühling durch die Fenster und in ihrem Licht sah man jeden Fleck und jedes Staubkorn auf dem Boden.

Und da ging es mir, wie es mir immer geht, ich dachte "Nein was ist das alles so dreckig hier!" Dabei hatte ich gestern meinen Putzteufelischen gehabt und mich raumpflegerisch um die Böden bemüht.

Gut ich bin wahrhaftig kein gelernter deutscher Putzteufel und den Ehrgeiz unterm Sofa  auf dem Boden frühstücken zu können den habe ich noch nie gehabt, aber eigentlich würde  ich meine raumpflegerischen Fähigkeiten mit 2 bewerten und deren praktische Anwendung mit 2-3.

Aber wenn die helle Frühlingsonne durch die Fenster scheint, denke ich jedes Jahr aufs Neue "Ach du lieber Himmel, das darf doch nicht wahr sein!"

Man sieht dann alles, jedes Staubkorn und jeden Fettfleck, und gerade dieses Jahr hat der der Kältewelle vorhergehende Sahrastaub auf den Fenstern sichtbare Spuren hinterlassen und bei diesen Minusgraden ist es ein ziemlich dummes Unterfangen die Fenster zu putzen. Da friert einem ja das Putzwasser auf den Scheiben und kalte Finger gibt es obendrein.

Okay ich will jetzt aufhören die doch jedem bekannten Effekte zu beschreiben, es ist halt nur so, wenn es draussen trüb ist, dazu noch dunkel, dann sieht man den Dreck nicht, überhaupt nicht.

Das Fenster vor meiner Nase, das mich vor einigen Stunden noch entsetzt hat, sieht jetzt ganz sauber und ordentlich aus. 

Es gibt auch noch einen ähnlichen Effekt, man wohnt so jahrelang vor sich hin,  und auch einmal beschließt man zu tapezieren, Man macht sich also ans Werk und stellt dann fest, dass die Türrahmen auch ganz schon  fertig aussehen, dann lässt man die Türen neu machen, nur um festzustellen, dass der Boden auch schon 40 Jahre da liegt und man ihm das nun aber wirklich ansieht und wenn man das gemacht hat, dann stellt man fest, dass die Heizkörper auch mal dringend gesäubert werden müssten, und wenn man das auch noch gemacht hat, so fällt einem auf, dass die Zimmerdecke dringend neu gestrichen werden müsste und sollte das vollendet sein, so stellt man fest, dass die Möbel ganz schön abgewohnt sind und man fragt sich erstaunt, wie man es nur in so einer Siffburg ausgehalten hat.

Der Punkt ist einfach der, dass man im Licht halt besser sieht, und ein neuer, unbenutzter Gegenstand eben einfach im Wortsinn makelloser ist, als ein alter, benutzter.

So und was hat das nun alles mit dem lieben Gott zu tun?


Nun es ist eigentlich ganz einfach, so sehr wir es gerne hätte, wenn alles schön und ordentlich wäre, so wenig mögen wir es, wenn wir im Licht unsere eigenen Unzulänglichkeiten und Versäumnisse sehen.

Und mit der neuen Tapete ist es eben auch wie mit dem Neuen das durch Christus gekommen ist, wir haben es gerne, finden es gut, müssen aber doch feststellen, dass mit der neuen Tapete das andere so bleibt wie es schon vorher war, und da, im Vergleich, eben alt aussieht.

Im Licht der Wahrheit sieht man eben die Wahrheit und die Wahrheit ist, dass man eben ein sündiger Mensch ist, der aus eigener Kraft aus der Nummer nicht raus kommt.

Das für mich absolut faszinierende ist hier das Verhalten der evangelischen Kirche, wir erinnern uns, der große Krach zwischen den Kirchen ist der um die Rolle der Gnade, also darum was die Gnade Gottes bewirkt.

Die katholische Antwort lautet;: Die Gnade versetzt den Menschen in den Zustand, dass er anfangen kann mit selbiger mitzuarbeiten und dadurch gottfähig (vulgo heilig) wird. 

Die Antwort Luthers lautet "der Mensch ist und bleibt ein Miststück und alles was die Gnade tut, ist diesen Mithaufen so zudecken, dass der Gestank nicht durchkommt und man die Miststückigkeit nicht mehr sieht!"

Gut mittlerweile ist die evangelische Kirche irgendwie zu der Ansicht gekommen, dass man das tun muss,. was ihr Gründer radikal abgelehnt hat, nämlich fleißig am Paradies bauen, ohne auch nur auf die Gnade zu warten und das  in der festen Überzeugung, dass die Menschen das schaffen können, sofern sie  nur der Obrigkeit gehorchen. Wobei die Idee einer Obrigkeit von Gottes Gnaden noch nicht einmal gedacht wird. (Dabei ist das schon ein spannendes Thema, wenn man sich mit der Passion Christi beschäftigt,. der zu Pilatus sagte "Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben worden wäre! Also der heidnische Statthalter Pilatus, hat Macht über Gottes Sohn, weil sie ihm, wie jede Macht, von oben gegeben worden ist!? Ich denke unser Denkproblem hier besteht darin, dass wir uns daran gewöhnt haben, dualistisch zu denken. Also da ist die Welt, die Menschen, die Gegebenheiten und dann gibt es da noch Gott, Und dieser Gott hat gefälligst dafür zu sorgen, dass alles gut wird. Und die fast nicht zu denkende Tatsache, dass alles was ist, nur deshalb ist, weil Gott es so gewollt hat, dass es ist,  das hören wir zwar, sofern wir in die Kirche gehen, aber wir glauben es überhaupt nicht! aber das weiter zu betrachten führt hier zu weit) 

Aber auch  den Katholiken ist es zu dumm geworden auf den lieben Gott und seine Gnade  zu warten um mit dieser zusammen an der eigenen Heiligung zu arbeiten, mit der Aussicht dass es nach den Tod, wenn man den Reinigungsgang im Fegefeuer absolviert hat, dann endlich nur noch gut ist! Also beide  Fraktionen sind sich einig, dass der Mensch doch gut ist, und sowas wie Gotte Gnade nun gar nicht braucht auch und überhaupt keinen lieben  Gott, weil man selber ja so schlau ist, das man alles besser weiß.

Diese Thematik von Licht und das Licht nicht wollen findet sich in den ersten Kapiteln des Johannes Evangeliums, wir lesen dort im 3. Kapitel (Gespräch mit Nikodemus) folgendes: 

Denn so  hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richtet, sondern dass die Welt durch ihn gerettet wird. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des einzigen Sohnes Gottes. 19 Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 20 Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden; 21 wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.

Man kann da zwei Sachen draus ablesen: 1. Gott weiß dass wir böse sind, und weil er es weiß will er nicht dass die Welt richtig wird, sondern dass sie gerettet wird. Um gerettet zu werden muss ich glauben an ihn, an Christus, an seinen Namen, heißt es, auch so was geheimnisvolles, meint der Name doch eigentlich das Wesen eines Dinges erkennen, Und von diesem Christus wird hier gesagt, wir sollen an seinen Namen glauben und der Name ist der Name des einzigen Sohnes Gottes, also des Messias, des Retters, Seltsame Sache, bei Licht betrachtet, wir sollen glauben was wir nicht verstehen, aber das ist nun mal das Wesen des Glaubens!

2. zunächst ist es so wie beschrieben, im Licht sieht man nun mal den Dreck, man erkennt die Wahrheit über sich und nun kommt der springend Punkt, erst im Licht kann ich anfangen den Dreck richtig wegzuputzen.

Genrationen von Hausfrauen haben den Winter über geputzt und gedacht es sei alles gut, sogar sehr gut, so wie ich gestern nur um dann im Frühlingslicht feststellen zu müssen, dass es nur mangelhaft bis ausreichend war.  Aber so ist es halt man sieht nur im Licht gut. 


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