Samstag, 3. April 2021

Mein Osterfeuer,

 Ich war dieses Jahr das erste mal nicht in der Osternacht. Ich halte das dumme Gebabbel einfach nicht aus, ich halte dieses Vorgesinge von Leuten, die nicht singen können nicht aus  und diesen ganzen Hype, mit Registrieren, Maske, Abstand und dergleichen.

Sorry mal in unserer Pfarrkirche haben die Hochwürden jahrzehntelang dagegen gepredigt, dass die Leute bei Gottesdiensten, die nicht so gut besucht waren, wie Josephstag, Peter und Paul, die Frühmesse, als es sie noch gab, die Vorabendmesse, ebenfalls als es sie noch gab usw., sich halt auf ihre angestammten Plätze setzten und sich damit in der doch großen Kirche so nett verteilten, dass man dem obligatorischen shake hands entgehen konnte. Die diversen Hochwürden haben das immer nett begründet, biblisch, soziologisch, psychologisch und dergleichen und auch einmal gilt das einstmals permanent gegeißelte Verhalten als das nonplusultra?

Wie schnell sich angeblich universal gültige Kriterien ändern können, erstaunlich, sehr erstaunlich!

Aber selbst das halte ich aus,  wenn  die Messe sonst in Ordnung ist, der Pfarrer ausstrahlt, dass er an das glaubt was er da treibt und man auch sonst das Gefühl hat, es wird sich um eine würdige Messfeier bemüht.

Also nachdem, wie ich vermute, zum  Leidwesen der Hochwürden dann doch bei uns die Ostergottesdienste erlaubt wurden, hat man vor Ort leider nur Wortgottesdienste organisiert und das von dem Diakon wo man auf dummes Gebabbel wetten kann, Ergo habe ich beschlossen, zuhause zu bleiben, das erste mal seit Jahrzehnten!

Nun habe ich es zuhause aber nicht ausgehalten und bin vorhin, in der Dämmerung, oben am Berg, am Waldrand spazieren gewesen. Die Sonne war gerade am Untergehen, die Bäume im ersten, ganz verhaltenen, sehr zartem Grün, der Himmel blau und rot gefärbt, der Wald sehr still und der Blick ging ins Weite in die ausgestreckte, im Blau der Dämmerung verschwimmende Ebene.

Dann hatte da jemand Feuer gemacht, ein leuchtendes Holzfeuer, keine Ahnung warum, ich habe nicht gefragt, aber es war plötzlich ganz feierlich, ganz ergreifend, und voller Hoffnung, voller Schönheit und es hat mich mal wieder das gepackt, was mich manchmal packt, die Idee, dass die alten Kirchenbauten, versuchen eine ganz bestimmte, flüchtige, sakrale Stimmung in Natur und Landschaft in Stein festzuhalten.

Die Idee, dass auch die Rituale der Kirche etwas erhöhen was schon ist, aber dort nur flüchtig, erahnbar ist, dass die Kirche wirklich in ihren Ritualen erklären will, dass wir einen Körper haben werden, dass die Erde, die ganze Schöpfung erlöst sein wird, und deshalb auch noch sein wird.

Die Idee, dass Feuer, Wasser, Öl, Wein und Brot dann im neuen Leben, beim lieben Gott nicht einfach nicht mehr sein werden, sondern,  genauso wie wir Menschen, zu ihrem eigentlichen Sein gekommen sein werden und dass man das nicht richtig sagen kann.

Die Idee, dass die Kirche nicht mehr wahrhaben will, dass man vieles zwar zerreden kann, aber das meiste was Gott, den Menschen und das Sein angeht  in der Sprache nur annähern kann und dadurch dass man es versucht mehr Missverständnisse, als Klarheit schafft, auch und wenn die Sprache nun mal das Mittel der Verkündigung ist und uns auch noch aufgetragen ist.

Es mag sein, dass das Wissen um Gott verloren geht und auch  die Kirche in ihrem modernen Machbarkeitswahn, in ihrer intellektuellen Besoffenheit der Zeiten nach dem Konzil, hat daran ihren Anteil,. weil auch sie meinte es machen zu können, was man nicht machen kann. 
Wobei hier unbedingt bemerkt werden muss, dass das Konzil, seine Theologen und die danach völlig begeistert, unter dem Applaus des Volkes, alles auf den Müll werfenden Pfarrersleut nicht vom Himmel gefallen sind, sondern schon vorher sozialisiert worden sind. 
Alles Tun der Menschen führ nur bis zur Wand, sagt Martin Mosebach in "Häresie der Formlosigkeit", und das muss man wissen, dass es Gott ist der kommt und das weil er will und nicht weil der Mensch ihn meint zwingen zu können. Von daher könnte man schon auf den Gedanken kommen, dass die nachkonziliaren Verwirrungen auch eine Zulassung Gottes sind. Weil er ein Gentlemen ist, der sich nicht aufdrängt und wenn man meint es besser zu wissen als er, dann lässt er einen halt machen, weil er die Freiheit des Menschen will.
So drängt sich heute an diesem Tag, wo wir, bis zu Morgendämmerung an den toten Christus im Grab, an den Tod Gottes denken, doch der Gedanke auf, dass dieser Tod von Gott angenommen wurde, weil sie, die Menschen, ihn, Gott, halt nicht gewollt haben.
Für die, die ihn aber angenommen haben, die, wie es im Prolog des Johannesevangeliums heißt, die aus Gott geboren sind, weil sie es wollen, für die ist er auferstanden von den Toten. 
Und von denen lässt er sich finden, zu denen kommt er.
Und wenn man uns alles genommen hat, was Gott verhüten möge, aber nach Lage der Dinge leider  nicht vollständig und  kategorisch auszuschließen  ist, dann wird er sich von den Seinen finden lassen in einem Feuer das jemand anzündet, in einer Blume, einer Stimmung 

Wir wollen beten, dass es soweit nicht kommt, wir wollen beten, dass die Kirche sich wieder besinnt, aber mir war das Erlebnis heute ein Zeichen dass auch wenn der worst case des Glaubens eintritt und der Klerus sich wirklich in das verwandelt was seine Feinde ihm schon immer unterstellen, dass selbst dann, wenn alles liturgische Tun nirgendwo mehr ist, dass dann das was aller Liturgie zugrunde liegt, immer noch ist, und Gott sich immer noch mitteilt wem er will und wann er will.

In diesem Sinne ja Bonhoeffer hat recht, Wer Ostern kennt, der kann nicht verzweifeln

1 Kommentar:

  1. Ich empfinde ähnlich. Ich und meine Frau als Konvertitin sind schon lange heimatlos geworden. Hierzulande, wo die Richtung hin zum Protestantismus zeigt sowieso. Aber selbst Petrus- und Piusbruderschaft beugen sich dem Verbot und der Christenverfolgung durch den Staat. Soll die Natur unsere Kathedrale werden?

    AntwortenLöschen

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.