Montag, 24. Mai 2021

Das Schiff der Kirche oder so originell ist das alles, was wir erleben nicht

Neulich ist mir ein Gedichtband von Joseph von Eichendorff untergekommen und ich musste feststellen, der konnte mehr als um sein Käthchen klagen.

So schrieb er vor gut 170 Jahren ein Gedicht, welches den Titel "Die Altliberalten" trägt und dessen letzter Vers wiederum heißt "Das Schiff der Kirche".


es heißt da 


Das Schiff der Kirche

 

Die alten Türme sah man längst schon wanken,

Was unsre Väter fromm gebaut, errungen,

Thron, Burg, Altar, es hat sie all verschlungen

Ein wilder Strom entfesselter Gedanken.

 

Der wühlt sich breit und breiter ohne Schranken,

Ein Meer, wo zornigbäumend aufgeschwungen

Die trüben Fluten Fels um Fels bezwungen,

Und alle Rettungsufer rings versanken.

 

Doch drüberhin gewölbt ein Friedensbogen,

Wohin nicht reichen die empörten Wogen,

Und unter ihm ein Schiff dahingezogen,

 

Das achtet nicht der Wasser wüstes Branden,

Das macht der Stürme Wirbeltanz zuschanden –

O Herr, da laß uns alle selig landen!



wahrhaftig so originell ist unser Problem mit der Kirche und der Welt wirklich nicht. Im Grunde kündet die Literatur von dem drohenden Untergang dessen, was wir als so fest gebaut erachteten, den Untergang dessen, was wir als "unsere Kultur" sahen und deshalb automatisch als sicher, von wegen das muss ja jeder doch einsehen, ansahen, trotz aller Gegenbeispiele.
Eigentlich sagt mir Kunst nicht viel, bin da schon ein Banause, aber wir hatten uns mal in Frankreich verfahren, waren in einem kleinen Dorf gelandet und fanden dort eine verfallene, original gotische, kleine Kirche vor, die  Leute auf eigene Kosten  gekauft hatten und die teilweise, soweit das Geld reichte renoviert hatten. Der Chorraum leuchtete wieder in diesem hellen Jurakalk, die Ornamentik war ausgeführt in dazu wunderschön passendem  Blau, also ein heller Altar aus Jurakalk mit ausgehauenen, blau angemalten Blumen, das ganze im Licht der original gotischen Fenstern, zum Heulen schön und das Schiff total verfallen, weil, wie der freundliche Herr uns erklärte, sie dazu kein Geld hätten und der franz, Staat ja nicht....... Wie gesagt zum Heulen schön, aber wie wir ja alles wissen, hatten die glorreichen Revolutionäre nichts besseres zu tun, als das Kind mit dem Bade auszuschütten, und die Schönheit der kleinen Kirche ist zerfallen und was übrig geblieben ist, sorgt nur bei dem Frommen für einen Kloß im Hals.

Ja man versteht dann plötzlich auch, woher der Pessimismus, gebildet redet man da von Kulturpessimismus, den ein Romano Guardini vertreten habe, kommt. Und nun ja ich möchte hier keine wohlfeile Konzilskritik bringen, aber das Konzil trat an, oder besser gesagt es wurde so rezipiert, dass all der Kulturpessimismus der Romantik und auch eines Guardinis nicht recht habe. Man verstand diese ganzen Anfragen, Feststellungen und Mahnungen nicht mehr als Fragen, ernsthafte Aufrufe zur Umkehr, also weg von der menschengemachten Burg hin aufs wackelige Schiff, das seinen Weg fährt, sondern versuchte in einer Art Befreiungsschlag, sich all der immer wieder andrängenden, mahnenden Stimmen zu entledigen. Wobei all diese Stimmen eigentlich an die Herrn und Damen der Kirche "nur" die Gretchenfrage richtete. Die Gretchenfrage lautet "sagt mal, wie haltet ihr es denn wirklich mit der Relischion?"
Und zwar will Gretchen wissen, wie es wirklich ist, und wie der halbwegs gebildete Mitteleuropäer weiß schwallt der Doktor Faust ja wortreich rum, weil er nicht sagen mag "halt ich nix von, der Mephistoteles ist mir lieber, von dem hat man wenigstens ganz praktisch und handfest was. Und außerdem mein liebes Kind, mich reizt deine schöne Gestalt (ja ich weiß, das ist aus dem Erlkönig aber der ist ja auch von Goethe). 
Naja könnte man sagen: so ist es halt geblieben, nur dass die Rumschwallerei noch ausgeuferter ist.
Uns aber bleibt nichts, als zu beten, so gut wie wir es halt vermögen.


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