Auch heute setzt Fr. J. Zuhlsdorf bei OnePeterFive seine Katechese zur Bedeutung der Liturgie für die Sonntage im Kirchenjahr fort. Hier geht´s zum Original: klicken
"IN JENER ZEIT: DER VIERTE SONNTAG NACH OSTERN"
Der vierte Sonntag nach Ostern steht im Zeichen der Vorbereitung auf Christi Himmelfahrt. Wir befinden uns nun in der zweiten Phase der Osterzeit. Die erste Phase richtete unseren Blick zurück auf das leere Grab und führte uns in die Sakramente der Taufe und der Eucharistie ein. Nun richten die Messformeln ihren Blick nach oben und nach vorn, auf Christi Himmelfahrt, die Herabkunft des Heiligen Geistes, die Geburt der Kirche in apostolischer Kraft und das Sakrament der Firmung. Die Heilige Mutter Kirche führt uns erneut in den Abendmahlssaal, in jene ergreifende Intimität des Letzten Abendmahls, wo der Herr seine Apostel auf Geheimnisse vorbereitet, die sie ohne den kommenden Paraklitus noch nicht ertragen können.
Christi Himmelfahrt wird mitunter vernachlässigt, was bedauerlich ist. Man könnte wohlwollend argumentieren, dass die Verlegung Christi Himmelfahrt vom Donnerstag auf den Sonntag dazu diente, das Fest zu betonen und es für die unter der Woche arbeitende Gemeinde zugänglicher zu machen. In solchen Angelegenheiten wird üblicherweise die pastorale Absicht angeführt. Doch wenn Bischöfe die Verpflichtungen unter der Woche aufheben und wichtige Wendepunkte des Kirchenjahres wie Epiphanias und Christi Himmelfahrt verlegen, wird mit ziemlicher Sicherheit eine unbeabsichtigte Lehre vermittelt. Die Gläubigen lernen, dass unsere Feste verhandelbar sind, dass der Heilsplan nicht mit dem Plan des Mammons kollidieren muss, dass zeitliche Opfer optional sind, wenn die Religion unbequem wird. Glücklicherweise besteht im Vetus Ordo weiterhin die Möglichkeit, Christi Himmelfahrt am Donnerstag zu begehen und ihn zusätzlich als externes Fest am Sonntag zu feiern
Am vergangenen, diesem und dem kommenden Sonntag, den drei Sonntagen vor Christi Himmelfahrt, stammen die Lesungen aus dem Johannesevangelium, Kapitel 16. Christus bereitet die Seinen auf einen tiefgreifenden Wandel vor. Er wird gehen, und Trauer wird ihre Herzen erfüllen. Doch sein Weggang ist zu ihrem Besten, denn mit seinem Abschied wird der Paraklitus kommen. Der Herr sagt ihnen, dass ihre Trauer verwandelt werden wird, so wie die Angst einer Frau bei der Geburt der Freude über die Geburt ihres Kindes weicht. Dieses Bild ist treffend: Wenn der Heilige Geist herabkommt, wird die Kirche in sichtbarer Kraft geboren, vom Geist erfüllt, der mystische Leib Christi, belebt für seine apostolische Sendung.
Im Evangelium dieses Sonntags, Johannes 16,5–14, spricht der Herr über verborgene Dinge. Es sind Geheimnisse. Er spricht vom Tod, vom Gericht, von der Sünde, von der Gerechtigkeit, vom Herrscher dieser Welt und vom Heiligen Geist, der die Apostel in alle Wahrheit führen wird. Die Jünger hören zu, begreifen es aber noch nicht. Deshalb brauchen sie den Geist der Wahrheit, der es der Kirche ermöglicht, in das einzudringen, was ihr aus eigener Kraft verschlossen bliebe.
Die lateinische Vulgata nennt ihn „Paraklitus“, abgeleitet vom griechischen parakletos , zusammengesetzt aus para („neben“) und kaleo („rufen“). Er ist der Beistand, der Fürsprecher, derjenige, der berufen ist, beizustehen, Fürbitte einzulegen und zu verteidigen. In Matthäus 2,18 und 5,4 finden wir passive Formen desselben Verbs, παρακαλῶ , im Kontext von Trauer und Trost. Dort bedeutet es „getröstet werden“. Dies ist von Bedeutung, da auch in Johannes 16 die Trauer im Vordergrund steht. Christus geht fort, und ihre Herzen sind voller Kummer. Das hebräische Äquivalent für parakletos , menahhem , bedeutet „Tröster“. Die RSV und die KJV geben jeweils „Beistand“ an. Beide Übersetzungen sind korrekt, da parakletos ein vielschichtiger Titel ist.
„Tröster“ ist besonders treffend, wenn wir bedenken, dass das englische Wort „comfort“ vom lateinischen „ fortis “ (stark) abstammt . Trösten bedeutet stärken. Ein wahrer Ratgeber stärkt. Ein Fürsprecher stärkt. Ein Verteidiger stärkt die Sache und den Betroffenen. Der Geist der Wahrheit ist der Stärkende, der Befestigende. In diesem Licht verstehen wir, warum das Evangelium in diese Zeit der Osterzeit gehört und warum das Sakrament der Firmung in den Vordergrund rückt. Christus fährt auf. Der Heilige Geist kommt herab. Die Verängstigten werden gestärkt. Die Getauften sind für den Kampf gerüstet.