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Freitag, 17. Juni 2022

Papst Franziskus und die us-amerikanische Kirche

Jayd Henricks kommentiert für firstthings kritisch die Ansichten des amtierenden Pontifex über die us-amerikanische Kirche, die ihn zu Entscheidungen veranlassen, die dieser Kirche schaden.  
Hier geht´s zum Original:  klicken

"PAPST FRANZISKUS VERSTEHT DIE AMERIKANISCHE KIRCHE NICHT"

Jemand muß es öffentlich sagen: " Der Hl. Vater versteht die Katholische Kirche in den USA nicht und er fügt ihr schweren Schaden zu. In einem Interview, das am 14. Juni veröffentlicht wurde, sagte er: "In den USA gibt es viele "Restaurierer" die das II.Vaticanische Konzil nicht akzeptieren... Restaurationismus knebelt das Konzil. Die Zahl der Gruppen von "Restaurieren"- in den USA gibt es z.B. viele davon - ist signifikant." Die Äußerung des Hl. Vaters sind -außer für ideologisch Blinde- für so gut wie jeden verblüffend, der die Kirche in den USA kennt,. Unglücklicherweise hat er etwas derartiges so oft gesagt, daß es nicht länger als Ausrutscher entschuldigt werden kann. Klar ist, daß er das glaubt.

Vielleicht gibt es hier in den USA einige Katholiken, die das II. Vaticanische Konzil ablehnen- aber ihre Zahl ist sehr klein, man könnten sagen zu vernachlässigen. Sie mögen in einer entfernten Ecke des internets (wo sie ignoriert werden und am Wein verdorren sollten) sein, aber sie nehmen nicht die Kirchenbänke in den Gemeinden ein und sie haben sicher nicht leitende Positionen in der Kirche inne. Hier in den USA gibt es keinen einzigen Bischof, der das II. Vaticanum ablehnt und man muß sehr lange suchen, um einen Priester zu finden, der in irgendeiner präkonziliaren Zeitschleife feststeckt. Solche Priester gibt es, aber es sind sicher nicht "viele". 

Es gibt im rechten Lager in den USA einige (u.a. Fr. James Altmann und Church Miltitant) deren Stimmen schneidend und spaltend sind, aber mir ist nicht bekannt, daß sie das II.Vaticanum ablehnen. Man sollte sie nach ihrem eigenen Recht behandeln, aber sie haben relativ wenige Anhänger und keinen Einfluss auf die Leitung der Kirche. Ihnen einen derartigen Einfluß zuzutrauen, würde ihnen zu viel Glaubwürdigkeit zubilligen. Das selbe kann auch über die auf der Linken gesagt werden, die ebenso wenig repräsentativ sind und erpicht darauf, zu denunzieren.


Nach allen seriösen Berichten ist das II. Vaticanum von den Kirchen in den USA wie in jedem anderen Land akzeptiert worden. Der Novus Ordo ist die Messe, die von 99% der Römischen Katholiken besucht wird. Latein ist weitgehend abgeschafft. Der Klerikalismus der präkonziliaren Periode und die blinde Loyalität gegenüber Priestern und Bischöfen sind nur Erinnerung. Der Manualismus der Katholischen Moral ist tot. Zeitgenössische Musik in der Messe ist die Norm. Ökumenische und interreligiöse Dialoge werden erst genommen. Die religiöse Freiheit wird gepriesen. Die Liste ist praktisch endlos. 

Es gibt sicher einen lebendigen Traditionalismus, der für manche attraktiv ist, aber nichts, was dem Konzil entgegengesetzt ist. Dieser Zugang hält an der zeitlosen Schönheit als Ausdruck des Glaubens fest, aber lehnt nichts vom II. Vaticanum ab. Er ist Teil des Mosaiks  des Katholizismus, der die Diversität innerhalb des eigenen bezeugten Glaubens zuläßt; die als die Vielfalt des Glaubens beschrieben worden ist. Vielleicht feiert sie nicht die Akustik-Gitarre, aber sie lehnt auch nicht den  Glauben der letzten 60 Jahre ab. 

Wenn der Hl. Vater glaubt, daß es hier in den USA viele gibt, die den "Geist des II. Vaticanums" - was immer das ist- abgelehnt haben, mag er einen Punkt gemacht haben, aber das ist etwas ganz anderes, als das Konzil selbst abzulehnen. Der "Geist des II. Vaticanums" kam nicht vom Konzil und hat sich selbst als steril erwiesen. Die Kirche von 1978, ihre liturgischen Experimente und moralische Verwirrung waren und sind ein gescheitertes Projekt, aber nicht die Kirche des II. Vaticanischen Konzils. Karl Rahner zur einzigen und entscheidenden Stimme der postkonziliaren Kirche zu ernennen, ist genau so lähmend wie die arroganteste Form des präkonziliaren Scholastizismus.

Jene, die die klaren Lehren des Katechismus der Katholischen Kirche (1992) oder den CIC (1983) oder die vielen Enzykliken der Pontifikate des Hl. Pauls VI (1963-1978), des Hl. Johannes Pauls II (1978-2013), oder Benedikts XVI (2005- 2013) ablehnen, die alle als Früchte des Konzils betrachtet werden müssen, scheinen die zu sein, die am meisten gegen das II. Vaticanum sind. Sie sind es, die verdienen würden, gescholten zu werden. 

Und dennoch preist Papst Franziskus die Analysen von Leuten, wie Fr. Antonio Spadaro, S.J., der in seinem Artikel "Evangelikaler Fundamentalismus und Katholischer Integralismus: ein überraschender Ökumenismus"  etwas geschrieben hat, was man nur als einen peinlich oberflächlichen Bericht über die Situation in den USA beschreiben kann. Er hat Prälaten befördert, die in der USCCB in keine Führungsposition gewählt werden können, weil sie den sensus fidelium der Katholischen Kirche in den USA in keiner Weise wiedergeben. 

Vielleicht hört der Hl.Vater auch einfach nur auf wenige ausgewählte Stimmen, die ihre eigenen kirchlichen Vorurteile und Agenda haben. Aber nach 9 Jahren, seit er der Nachfolger Petri wurde, ist das nicht länger eine Entschuldigung. Wem er zuzuhören beschließt. ist in sich ein Akt der Unterscheidung. Es gibt lautstarke Jesuiten, die eine Sicht auf die Kirche hier in den USA haben, die zutiefst unrepräsentativ und ein verzerrtes Bild der Amerikanischen Kirche ist.

Der Hl. Vater sagt, daß er eine zuhörende Kirche will. Wenn das so ist, sollte er der großen Vielfalt der Stimmen in den USA zuhören bevor er Steine wirft und behauptet, daß es in diesem Land eine bedeutende Zahl Katholiken gibt, die das II.Vaticanum ablehnen. Die Fakten stützen diese Behauptung nicht und jene, die dieses Narrativ verbreiten, zeigen gegenüber der Kirche der USA Voreingenommenheit. Das scheint von einer Ekklesiologie der Exclusion gesteuert zu werden, die jede Form von Katholizismus ablehnt, die nicht zu ihren theologischen und ästhetischen Vorlieben passt. Diese enge Einseitigkeit ist für jeden Katholiken unglücklich, aber gefährlich, wenn sie vom Hl. Vater kommt. "

Quelle: J. Henricks, firstthings

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