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Samstag, 9. Juli 2022

Medien & Katholizismus. Wenn ein Kardinal zu katholisch ist, oder wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?"

Nico Spuntoni kommentiert für La Nuova Bussola Quotidiana den Aufruhr, den ein Interview und das Titelbild mit Kardinal Sarah in der Redaktion von Paris Match verursacht hat. 
Hier geht´s zum Original:  klicken

"SARAH AUF DEM TITELBILD. DIE REDAKTION VON PARIS MATCH REBELLIERT" 

Der emeritierte Präfekt der Liturgie-Kongregation ist von einem (katholischen) Journalisten des Paris Match interviewt worden- nach dem Willen und mit Zustimmung des Managements. Und was macht die Redaktion? Er ist empört über die "Einmischung" und die "riskante Wahl". Ist Kardinal Sarah schuld? Zu katholisch sein. Und was macht die Redaktion ? Sie empört sich über "die Einmischung" und die "riskante Auswahl". Was hat sich Kardinal Sarah zuschulden kommen lassen? Er ist zu katholisch. 

"Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?" heißt ein altes Spiel auf der Straße, bei dem das Kind, das den schwarzen Mann spielt, Angst verbreitet, die anderen müssen so schnell wie möglich fliehen. Es geht nicht um Rassismus, aber in Frankreich begann die Polemik mit dem Erscheinen einer Wochenzeitung mit dem Titelbild, das Kardinal Sarah zeigt, der als "einflussreicher Mann des Friedens" beschrieben wird, die ein bißchen wie das Remake dieses alten Spiels erinnert.  Ein Remake, bei dem der schwarze Mann -nur symbolisch und ohne jeden Bezug zur Hautfarbe- der emeritierte Präfekt des Liturgie-Kongregation ist, der in seinem Interview mit der Zeitschrift Paris Match die Redaktionsabordnung dermaßen erschreckt hat, daß sie sich veranlaßt sah, eine Erklärung zu verfassen, in der sie ihre Empörung darüber ausdrückt, eine derart "riskante Auswahl" getroffen zu haben, d.h. einem Prälaten Raum zu geben, der dem großen Publikum wenig bekannt ist, der sich selbst als "radikal" bezeichnet und "sehr spaltende Positionen" verteidigt. 

Die Bemerkung der Journalisten richtet sich -außer daß das offensichtlich zu katholische Profil Sarahs ins Visier genommen wird- vor allem gegen die Herausgeber- die Lagardère-Gruppe, die heute von der Vincent Bollorés Vivendi-Gesellschaft kontrolliert wird. Die Abordnung der Redaktion hat tatsächlich von "Einmischung" der Direktion gesprochen, als der Chefredakteur vergeblich versuchte, den Beschluss zu blockieren, das Titelbild dem Purpurträger aus Guinea zu widmen. 

Die Stimmung derer, die sich mit den Journalisten von Paris Match solidarisiert haben, wurde auch durch die Tatsache angeheizt, daß es Philippe Labro war, der das Interview geführt hat, ein Journalist und Schriftsteller, dem vorgeworfen wird, Bolloré nicht nur zu nahe zu stehen, und sein Ratgeber zu sein, sondern ihn auch als Vizepräsident beim Abenteuer des Fernsehsenders Direct 8 begleitet zu haben – der aber auch ein Katholik mit Tradi-Sensibilität ist.

In den empörten Kommentaren zum Titelbild wurde darauf hingewiesen, daß die Auswahl nicht Caroline Pigozzi übertragen wurde, der Korrespondentin, die sich für die Wochenzeitung regelmäßig mit religiösen Themen befasst. Der Ton der Pressemitteilung ist eher alarmistisch und erhöht das Risiko, daß diese "redaktionelle Änderung“ die "Unabhängigkeit“ der Zeitung in Frage stellen könnte und daß das Cover "dem seit mehr als 70 Jahren aufgebauten Image schaden“ wird.

Die Kritiker der Redaktionsabordnung haben jedenfalls eine Antwort von der Leitung der Lagardère-Gruppe bekommen: Arnaud Lagardère, stellvertretender Leiter, und Constance Benqué, Präsidentin von Lagardère-News haben die Entscheidung verteidigt, die erste Seite Kardinal Sarah zu widmen und bekräftigt, daß die "jüngsten Meldungen über die Schwäche von Papst Franziskus das Thema der Nachfolge wieder belebt haben, das in diesem Sommer während des Konsistoriums allgegenwärtig sein wird." Und das Interview ist nichts anderes als die Chronik einer Begegnung des französischen Journalisten und dem guineischen Purpurträger im Vatican, bei der jedoch die unbequeme Position  nicht verborgen bleibt, weil Sarah als "ein von den Konservativen verehrter und von den Progressisten bekämpfter Prälat" beschrieben wird. 

Das Redaktionskomitee äußerte sich dagegen besorgt darüber, daß "die umstrittensten Positionen von Kardinal Sarah verschwiegen wurden":  es ergibt sich jedoch nicht, daß der emeritierte Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung jemals Positionen unterstützt hat, die sich von denen unterscheiden, die sich seit jeher in der Lehre der katholischen Kirche befinden." 

Quelle: N. Spuntoni, LNBQ 

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