Vor diesem Hintergrund erleben wir eine »besorgniserregende Rehabilitierung des Krieges als Instrument der internationalen Politik« (ebd., 190). Damit wird die Erinnerung an das 20. Jahrhundert und das sinnlose Gemetzel von Millionen Menschenleben verraten. Erneut erscheint – wie es im Katechismus der Katholischen Kirche heißt – »die Anhäufung von Waffen […] vielen als ein paradoxerweise geeignetes Vorgehen, mögliche Gegner vom Krieg abzuhalten. Sie sehen darin das wirksamste Mittel, um den Frieden zwischen den Nationen zu sichern« (Nr. 2315). Gerade in diesen Zeiten einer Kultur der Macht ist es notwendig, den Geist von Assisi weiter wachsen zu lassen: Dieser lehnt die religiöse Legitimierung des Krieges ab, er ist ein Geist der Vermittlung und des Dialogs, der kontemplativen Erfahrung und des kreativen Handelns für eine Zukunft in Frieden. Ja, denn der Frieden muss wieder zum gemeinsamen Ideal der Völker werden, zum Leitstern, der alle unsere Entscheidungen leitet, zum Maßstab, der Ungerechtigkeit entlarvt, zum gemeinsamen Horizont aller Völker.
Wir müssen überall den Frieden wiederherstellen, statt weitere Kriege vorzubereiten! Krieg darf niemals im Namen Ich danke dem Dikasterium für den interreligiösen Dialog und der Gemeinschaft Sant’Egidio dafür, dass sie diesen von meinen Vorgängern eingeschlagenen Weg engagiert weiterverfolgt haben. Es tröstet mich, dass in diesen Jahren ein langer und treuer Weg zurückgelegt wurde, der viele Früchte getragen hat. Papst Franziskus sagte über diesen unvergesslichen Tag im Oktober 1986: »Das konnte und durfte kein vereinzeltes Ereignis bleiben. Ihr seid diesen Weg weitergegangen und habt dessen Impulse noch stärker werden lassen.«
Tatsächlich rief der heilige Johannes Paul II. nach jenem ersten historischen Treffen dazu auf, „den Geist von Assisi weiterhin zu leben“. Damals war es die Zeit des „Kalten Krieges“, ein Szenario, das sich stark von dem heutigen unterschied. Nach 1989 vertraten nicht wenige die Ansicht, dass die Globalisierung der Welt einen stabilen Frieden sichern würde. Leider hat man sich, wie ich in Magnifica humanitas geschrieben habe, »fast blind darauf verlassen, dass die Märkte Wohlstand, Demokratie und Stabilität schaffen können, während die Globalisierung in Wirklichkeit nicht automatisch Einheit und Frieden hervorgebracht, sondern fundamentalistische, identitäre und nationalistische Reaktionen ausgelöst hat« (Enzyklika Magnifica humanitas, 201).
„Gerade in diesen Zeiten einer Kultur der Macht ist es notwendig, den Geist von Assisi weiter wachsen zu lassen“
Vor diesem Hintergrund erleben wir eine »besorgniserregende Rehabilitierung des Krieges als Instrument der internationalen Politik« (ebd., 190). Damit wird die Erinnerung an das 20. Jahrhundert und das sinnlose Gemetzel von Millionen Menschenleben verraten. Erneut erscheint – wie es im Katechismus der Katholischen Kirche heißt – »die Anhäufung von Waffen […] vielen als ein paradoxerweise geeignetes Vorgehen, mögliche Gegner vom Krieg abzuhalten. Sie sehen darin das wirksamste Mittel, um den Frieden zwischen den Nationen zu sichern« (Nr. 2315). Gerade in diesen Zeiten einer Kultur der Macht ist es notwendig, den Geist von Assisi weiter wachsen zu lassen: Dieser lehnt die religiöse Legitimierung des Krieges ab, er ist ein Geist der Vermittlung und des Dialogs, der kontemplativen Erfahrung und des kreativen Handelns für eine Zukunft in Frieden. Ja, denn der Frieden muss wieder zum gemeinsamen Ideal der Völker werden, zum Leitstern, der alle unsere Entscheidungen leitet, zum Maßstab, der Ungerechtigkeit entlarvt, zum gemeinsamen Horizont aller Völker.
Wir müssen überall den Frieden wiederherstellen, statt weitere Kriege vorzubereiten! Krieg darf niemals im Namen Gottes geführt werden! Für uns Gläubige bedeutet »im Namen der Religion zu kämpfen […] in Wirklichkeit, die Religion selbst anzugreifen« (Magnifica humanitas, 223). Es gibt keinen heiligen Krieg: Nur der Friede ist heilig!
„Wir wenden uns an Gott, der den Frieden schenkt: Er möge die Herzen derer berühren, die Krieg und Terrorismus wollen“
Deshalb ist der Weg, der in Assisi im gemeinsamen Streben nach Frieden eingeschlagen wurde, in erster Linie der Weg des Gebets. Das Gebet mag angesichts der weltlichen Mächte schwach erscheinen, doch es ist die demütige Kraft der Gläubigen. Wir wenden uns an Gott, der den Frieden schenkt: Er möge die Herzen derer berühren, die Krieg und Terrorismus wollen. Und vergessen wir nicht: Man betet niemals vergeblich!
Das Gebet ist eine Schule des Dialogs mit Gott, mit den Menschen und mit allen Geschöpfen. Denken wir an den heiligen Franziskus, dessen 800. Todestag wir gefeiert haben. Die Welt braucht den Dialog. Der Weg von Assisi verpflichtet die religiösen Oberhäupter dazu, ein Klima des Dialogs unter den Gläubigen und in der Gesellschaft zu fördern, damit die Sprache der Arroganz durch die Sprache des Friedens, der Verhandlung und des Verständnisses ersetzt wird. Dies kann »die Menschheit schrittweise aus der Spirale der Gewalt herausführen« (ebd., 221).
Brüder und Schwestern, mögen unsere Gebete von Gott den ersehnten Frieden für alle Länder der Welt erwirken! Er mache uns zu unbewaffneten Werkzeugen seines Friedens. »Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden« (Mt 5,9).
Quelle: vaticannews
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