Samstag, 11. Juni 2022

Programm für ein Leben als ernsthafter und kämpferischer Christ

Roberto de Mattei kommentiert für die Lepanto-Foundation "Gelebtes Christentum", das von Dom Francois de Sales Pollien verfaßte Handbuch für ein spirituelles christliches Leben. 
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"EIN SPIRITUELLES HANDBUCH DES CHRISTLICHEN KAMPFGEISTES"

Ein prägnantes und tiefgründiges Handbuch des spirituellen Lebens, ohne Rhetorik und ohne Kompromisse: ein Gegengift zur modernen, nebulösen und sentimentalen Pseudo-Spiritualität. Das ist "Lived Christianity", der großartige Text von Dom François de Sales Pollien, gerade erschienen bei Calx Mariae Publishing in der ersten englischen Ausgabe (London: 2022).

Joseph Pollien wurde am 1. August 1853 in Chèvenoz, in der Nähe von Annecy, Haute-Savoie (Frankreich), in eine tief christliche Familie geboren. Er wurde 1877 zum Priester geweiht und trat am 4. Oktober 1884 als Postulant in die Grande Chartreuse in Grenoble ein, wo er am 1. November 1885 seine ersten Gelübde ablegte und den Namen Franz von Sales (1567-1622) in Verehrung für den großen Savoyer Heiligen annahm. Er war Koadjutor (d.h. Gastmeister und geistlicher Berater) in mehreren Kartäuserklostern, wurde 1901 Prior in Mougères und 1911 in Pleterjé (heute in Slowenien).

1914, bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914-1918) wurde er in das Kartäuserkloster Serra San Bruno in Kalabrien (Süditalien) versetzt, wo er bis zu seinem Tod am 12. Februar 1936 blieb. Bruder Benoît du Moustier (1898-1974), der ihn in Serra San Bruno kannte, liefert eine aufschlussreiche Beschreibung der Persönlichkeit und kontemplativen Seele des Kartäuser-Schriftstellers:

- In den letzten Jahren seines Lebens hatte Pater Pollien keine Stimme mehr, um am Singen der   Messen seines Ordens teilzunehmen. Aber wenn das Glaubensbekenntnis in der Konventualmesse angestimmt wurde, schüttelte sich der hochgewachsene alte Mann, stand aufrecht und sang mit trüben Augen, als wäre sie auf Schönheiten gerichtet, die für andere Sterbliche unsichtbar sind, ekstatisch mit dem, was von seiner Stimme übrig war, sein Glaubensbekenntnis, das für ihn die eindrucksvolle Zusammenfassung jener Mysterien war, die er während seines langen Lebens mit so viel Fleiß und Liebe studiert, meditiert und betrachtet hatte.


Die Heilige Schrift und die Heiligen Augustinus, Thomas von Aquin und Franz von Sales, aber auch die Meister der konterrevolutionären Schule wie Graf Joseph de Maistre (1753-1821) waren seine bevorzugte Lektüre. Er war Autor zahlreicher Werke, darunter "La Vie intérieure simplifyée [er bevorzugte unifiée] et ramenée à son fondement", herausgegeben 1894 von Joseph Tissot (1840-1894). Es war ein spiritueller Klassiker, der wesentlich zur Erneuerung der asketischen und mystischen Lehre im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts beigetragen hat.

In Gelebtes Christentum bietet Dom Pollien jenen ein Lebensprogramm an, die ernsthafte und kämpferische Christen sein wollen: 

 - Es darf keine halben Sachen, keine mittelmäßigen Menschen, keine halben Christen geben: es geht   um alles oder nichts. Wir beschäftigen uns mit Gewissheiten, rigorosen Schlussfolgerungen, Ursache   und Folge, und wir akzeptieren alles, ohne mit der Wimper zu zucken, wobei wir mit der Kühle der   Vernunft und mit der Glut des Glaubens vorgehen. Keine Berechnung von Zinsen! Schändliche   Vorwände und ängstliche Unterscheidungen sind verboten. Prinzipien, absolute Prinzipien! Integrales   Christentum in der absoluten Fülle seiner Wahrheit (S. 12).

Im Leben der Menschen und im Leben der Gesellschaften muß alles immer auf Prinzipien zurückgeführt werden.

 - Die christliche Gesellschaft muss wieder aufgebaut werden; und um sie wieder aufzubauen, ist das   erste, was erforderlich ist, die eigenen Ideen zu ordnen. Solange wir keine rechten Vorstellungen   haben, werden wir in die Irre gehen, weil der Mensch seinen Vorstellungen folgt. Es ist die Idee, die   den Menschen ausmacht.

Laut Pollien gibt es heute keine Männer mehr, weil es keine Ideen mehr gibt, nur Worte.

 -Willst du ein Mann sein? Entferne dich von Worten und hab´ Ideen. d.h. profunde Visionen von den   Dingen. Und um profunde Visionen der Dinge zu haben, ist es nötig, zu versuchen, sie zu sehen, wie   sie sind und wie Gott sie gemacht hat und wie sie von Gott geführt wird. (S.58) 

Der Appell wird auf seinen Seiten wiederholt : "Ich bitte dich, sei ein Mann von Prinzipien; das ist der einzige Weg, jemand zu sein und etwas zu tun" (S.92) . "Nur Prinzipien machen Männer-  und Dinge- nichts wird ohne Prinzipien getan" (S.185) "Festigkeit in den Prinzipien, Sanftheit bei den Mitteln: dss ist das Siegel der Wahrheit. Prinzipien, absolute Prinzipien! Vollständiges Christentum in der absoluten Fülle seiner Wahrheit." (S.185) 

Der Mensch von Prinzipien ist ein einfacher Mensch, der sich nicht in Details verliert, weil er die Priorität der Dinge kennt, den Unterschied zwischen Zweck und Mitteln. Sein Gebet und seine Meditation sind keine komplizierten verbalen Werke, weil Gebet im Wesentlichen keine Formelsammlung ist, es ist eine Bewegung der Seele und nicht eine Bewegung der Lippen. 

 - Im Wesentlichen ist das Gebet – der Geist des Gebets – der Impuls zu und die Rückkehr zu Gott, es   ist das Empfangen von Gott und das Leben mit Gott. Und in diesem Sinne hat Unser Herr gesagt, daß   das Gebet immer weitergehen und niemals aufhören muss (Lk 18,1). Soweit Sie mich verstehen,   müssen Sie danach streben, ein nachdenklicher und betender Mensch zu werden, der den ganzen Tag   über routinemäßig Reflexion mit Gebet verbindet. Und Sie müssen dazu in einer Bewegung des   einfachen, leichten, praktischen Lebens kommen, ebenso frei von Naturalismus und Sentimentalität,   wie weit von Übertreibung und Verschwendung (S. 172).

Im Herzen der Spiritualität von Dom Pollien ist eine fortwährende Gewisssensprüfung- durch einen einfachen Blick ins Herz. 

 - Um die Einfachheit dieses spirituellen Vorgehens zu verstehen, die nötig ist, um einen guten Weg für   das Leben zu finden, muß man sich erinnern, daß das Ziel im Wesentlichen ist, Gott zu rühmen: daß der Weg im Wesentlichen einer ist: dem Willen Gottes zu folgen; daß die vielen Eigenschaften und   Bewegungen der Seele von Gnade beherrscht werden müssen und daß die wichtigste prägende   Disposition Ihrer Frömmigkeit die Fügsamkeit gegenüber Gott ist. Was also muss dir der Blick   versichern? Von der Existenz dieser dominanten Disposition in dir, die alles befiehlt (S. 179).

Dom Pollien will Soldaten Gottes formen, aktiv und kontemplativ, die auf der Erde kämpfen, um den Himmel zu erobern. 

 - Gott und die Kirche bitten um Verteidiger, aber wirkliche Verteidiger, die niemals zurückweichen, die   wissen, wie man bis zum Tod treu ist, die in allen Härten der Disziplin geübt sind, um für den ganzen   heroischen Kampf bereit zu sein (S. 192)."

Quelle: R.d.Mattei, Lepanto Foundation


 

 

 

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