ALLERSEELEN: DIE PAPSTPREDIGT IM WORTLAUT
Liebe Brüder und Schwestern,
wir haben uns an diesem Ort des Gebets, des liebevollen Gedenkens und der Hoffnung versammelt, um miteinander die Eucharistie zu feiern. Wir bringen diese heilige Messe für unsere Verstorbenen dar, besonders für jene, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, und für alle, die wir im Herzen tragen.Seine väterlichen und schützenden Hände mögen sie für immer bewahren, damit sie jene tiefe und lebensspendende Gemeinschaft erfahren dürfen, die der Herr seinem Volk im Buch der Offenbarung verheißt: „Sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein“ (Offb 21,3). Unser Gebet gilt der Erfüllung dieser ewigen Lebensgemeinschaft, die der Gute Hirt seinen Schafen verheißen hat: Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie seiner Hand entreißen (vgl. Joh 10,28).
Meine Lieben, wir haben das Evangelium von den Seligpreisungen gehört (Mt 5,1–12). Sie sind gleichsam ein Selbstporträt Jesu, das er seinen Jüngern vor Augen stellt, wenn er ihnen zuruft: „Selig seid ihr!“ (V. 11). Die Seligpreisungen weisen uns den Weg zu einem Leben in Fülle und Vollendung – schon jetzt und in Ewigkeit. Wenn sie in der Liturgie verkündet werden, dann wissen wir: Es ist der auferstandene Herr selbst, der zu uns spricht. Diese Frohbotschaft des Heils, die in den Seligpreisungen aufscheint, erklingt auf einem Friedhof mit besonderer geistlicher Kraft. Denn ein Friedhof ist gleichsam ein Ort an der Schwelle zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen unserem irdischen Dasein und der anderen Wirklichkeit, die uns erwartet. Der auferstandene Jesus sagt uns: Selig sind, die diesem Weg folgen, denn ihnen gehört das Himmelreich.
Von den acht Seligpreisungen des Matthäusevangeliums berührt uns heute eine ganz besonders: „Selig, die Trauernden; denn sie werden getröstet werden“ (Mt 5,4). In diesem Augenblick wollen wir besonders für all jene beten, die erst vor kurzem einen geliebten Menschen verloren haben – vor allem für die, denen er durch die unsinnige Gewalt des Krieges entrissen wurde. Mögen die Tränen so vieler Mütter, so vieler Kinder und so vieler älterer Menschen die Gewissen all jener aufrütteln, die die Macht haben, die Waffen zum Schweigen zu bringen!
Zum 800. Todestag des Franz von Assisi kommt uns ganz selbstverständlich jene „Seligpreisung“ in den Sinn, die der Heilige dem Sonnengesang hinzufügte, als er spürte, dass sein Ende nahte: „Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod; ihm kann kein Mensch lebend entrinnen. Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben. Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.“
Liebe Brüder und Schwestern, der Glaube an Christus sagt uns, dass unsere Verbundenheit mit den Verstorbenen nicht unterbrochen, sondern verwandelt wurde. Durch unser Gebet für die Verstorbenen begleiten wir unsere Lieben auf ihrem Weg zur vollen Gemeinschaft mit dem Herrn: dieser Gemeinschaft, die wir im Sakrament der Eucharistie schon hier verkosten dürfen. Gestärkt durch diesen Glauben voller Hoffnung gehen wir unseren irdischen Weg weiter, in Erwartung jenes Tages, an dem Gott alle Tränen abwischen wird und „der Tod nicht mehr sein wird, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen“ (Offb 21,4)."
Quelle: vaticannews
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.