Freitag, 27. November 2015

A. Socci zu Vatileaks 2

Antonio Socci fragt in seinem blog Il Straniero bei Il Foglio, wie es wohl mit der Reaktion der Medien auf die Veröffentlichungen und den jetzigen Prozess aussähe, wäre Benedetto noch Papst.
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"DIE INQUISITION IST ZURÜCK, ABER DIE LAIENPRESSE IDOLISIERT PAPST BERGOGLIO IMMER NOCH (WENN DAS BENEDIKT XVI GEWESEN WÄRE!)"

Der Prozess, der im Vatican gegen die Journalisten Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi begonnen hat, läßt - wie es aussieht - die (sonst so fiebrigen) Paladine der Pressefreiheit, die Sänger des Rechts und vor allem so viele der Säkularen indifferent.
Intellektuelle, Journalisten und Politiker erscheinen abgelenkt und stumm: keine Gegenrede, noch weniger Appelle oder Proteste. Offensichtlich finden sie, daß alles normal ist.
Aber sind wir sicher, daß es das ist?
Bei einer Begegnung mit Nuzzi oder Fittipaldi kann jeder von ihnen Sympathie oder Antipathie erzeugen, man  kann sich ein Urteil darüber bilden, was man in ihren Büchern über die Vaticanfinanzen glauben will.
Aber ist es normal, daß zwei italienischen Journalisten von einem fremden Staat  (der der Vatican ist) der Prozess gemacht wird, weil sie ihre Arbeit unter Beachtung des italienischen Rechts getan haben?

SELBSTZENSUR
Tatsache ist, daß Papst Bergoglio der wahre Protagonist und Herr dieses Prozesses ist.  Und dann kommt der Verdacht auf, daß es eine Art schweigende Selbstzensur gibt, die der Kollektivjournalist und der Kollektivintellektuelle - wie Giuliano Ferrara sie nennt - sich heute in ihrem konformistischen Medienchor eingerichtet haben, in dem jede noch so kleine kritische Anmerkung zu Papst Bergoglio unter Bann steht.
Das ist nur die letzte Episode.
Es sind Monate und Monate vergangen, seit ich als Katholik - vergeblich in der italienischen Presse Spuren eines laizistischen Restes, kritischen Denkens, von Objektivität und manchmal sogar gesunden Menschenverstandes suche.
Nichts zu machen, die Informationen über den Vatican Papst Bergoglios sind ein dichter Weihrauchnebel. Sie nähern sich den idolatrischen Tönen des Personenkultes und das tut nicht gut - weder dem Papst noch der Kirche, die alles von einer Konfrontation mit einer wirklich freien Presse zu gewinnen hätte.

Im Fall Nuzzi-Fittipaldi erhebt sich in den Medien hier und da ein Widerpruch, halblaut, über die Absurdität eines solchen "Scoop-Prozesses"  gegen zwei Journalisten - ohne auch nur je die Rolle des argentinischen Papstes zu diskutieren, der sich - in diesem Fall - wie der Souverän eines theokratischen Staates benimmt, der weder das Recht einer freien Presse noch das international geltende Prozess-Recht anerkennt.




EINE SCHWACHE STIMME
Gestern hat Luigi La Spina in La Stampa seine schüchterne - darüberhinaus isolierte - Stimme erhoben, um festzustellen, daß es inakzeptabel ist, daß zwei italienische Bürger von einem fremden Staat einem Prozess unterworfen werden - und im Prinzip bis zu 8 Jahre Gefängnis riskieren, weil sie in Italien dokumentierte "Nachrichten, Fakten und Daten" öffentlichen Interesses veröffentlicht haben, deren Veröffentlichung von der Italienischen Verfassung Art. 21 zugestimmt wird.
La Spina weist besonders auf die Art hin, wie diese Prozesse geführt werden: die beiden Journalisten werden eines nicht klar definierten Vergehens beschuldigt und es wird ihnen verweigert, sich von einem Rechtsvertreter ihres Vertrauens helfen zu lassen, sie sind statt dessen auf Pflichtverteidiger angewiesen.
Dem könnte man noch andere unerhörte Aspekte hinzufügen: sie konnten ihre Prozessakten nicht einsehen,
Trotzdem wagt es La Spina nicht, Papst Franziskus in den Fall einzubeziehen. Er schafft es nur, summarisch auf den "dramatischen Kommunikations-Bumerang" hinzuweisen, den dieser umstrittenen Prozess auf die von Papst Bergoglio gewollte Transparenz  haben wird.

Aber da ist keiner, der das Gesagte zu Papier bringt und sich direkt fragt, wie zu erklären ist, daß ein progressistischer, moderner und toleranter Papst der freien Presse einen solchen Prozess inszenieren kann.
Kratze am Jesuiten - finde den Inquisitor?

Das ist verstörend, weil es sich bei diesem Prozess, der (und sei es nur als Karikatur) an die alten Absolutismen erinnert, darum handelt, daß man die Verantwortung nicht wieder auf die üblichen Sündenböcke abwälzen kann, die bösen Konservativen der Kurie, weil es Bergoglio ist, der befiehlt und entscheidet. Nur er.
Gestern schrieb Carlo Tecce im "Fatto" : "Es wird detailliert angegeben, daß der Hl. Stuhl nach der Anordnung Bergoglios gehandelt hat."
Es war eben dieser Bergoglio, der die Hauptbeschuldigung während des Angelus am 8. November formuliert hat: "Diese Dokumente zu stehlen ist ein Verbrechen".
Auch wenn Nuzzi heute  bei Prozessbeginn zurückschlagen kann: "Der Papst spricht von gestohlenen Dokumenten, aber niemand wurde des Diebstahls oder Raubes bezichtigt."
Tatsächlich ist es die Position Bergoglios - als Staatsoberhaupt des Vaticans und seines Rechtssystems, diesen absurden und peinlichen Prozesse gewollt und vorangetrieben zu haben.
Dürfen wir darüber diskutieren?

DIE GEGENÜBERSTELLUNG
Die Frage wird noch interessanter, wenn wir das Verhalten Bergoglios dem von Benedikt XVI zu Zeiten von Vatileaks I gegenüber stellen. Im Gegenteil zu dem was der "Progressistenpapst" tut , hat Ratzinger, der der "konservative Papst" sein mußte, nicht den Journalisten (immer Nuzzi)  in die Schranken gerufen - und gegenüber dem schuldigen Paolo Gabriele war er ein Beispiel von Menschlichkeit, Väterlichkeit und Barmherzigkeit.
Offensichtlich ist diese Gegenüberstellung der beiden Päpste für unsere Presse äußerst unbequem und sprengt alle Schemata. Deshalb zieht man vor, so zu tun, als ob nichts sei.
Aber stellen wir uns einmal vor, was im umgekehrten Fall passiert wäre, wenn Benedikt XVI den Journalisten und der Pressefreiheit den Prozess gemacht hätte.

Eine Welle der internationalen Empörung hätte den Hl. Stuhl überschwemmt. Man hätte von Theokratie gesprochen, hätte Vergleiche mit dem Iran der Ayatollahs und Saudi-Arabien gezogen. 
Handelt es sich aber um einem als progressistisch angesehenen Papst, pfeift keiner.
Das Schweigen der großen Medien und der "großen Direktoren" ist symptomatisch, und besonders interessant ist das Schweigen von Eugenio Scalfari zu dieser Frage, der sonst jede Wochen die Gesten Bergoglios lobpreist und verherrlicht.
Am vergangenen Sonntag ist Scalfari sogar so weit gegangen, zu schreiben" einen Papst wie ihn hat es noch nie gegeben. Ich sage noch mehr: einen Hirten, einen Propheten, einen Revolutionär."
Hoffen wir, daß er nicht auch noch vorher oder nachher sagt, er habe ihn auf dem Wasser schreiten sehen.
In der Zwischenzeit sieht der laizistische Journalist Scalfari den Prozess gegen die Pressefreiheit nicht, den der "Hirte, Prophet und Revolutionär" Bergoglio im Vatican hat entwerfen lassen.

DIE REGIE
Bisher hat der Prozesse nur die einzige Wirkung, daß er die Aufmerksamkeit der Berichterstatter auf die Bücher von Nuzzi und Fittipaldi gelenkt hat, die von den Berichten über ISIS überschattet worden waren.
Ist das eine vom Vatican ungewollte Wirkung? Oder wollte irgendwer in Oltretevere genau das?
Wenn man das Schlechte denkt,  macht sich der schmutzig, der trifft.
In der Tat benehmen sie sich in Oltretevere wie die besten Promoter der beiden beklagten Bücher.
Sie werden mit dieser Verhaftung drei Tage vor ihrem Erscheinen einen geräuschvollen planetarischen Start der beiden Bücher bewirkt haben, und verleihen ihnen heute Aktualität.
Auch zur Regie des Prozesses kann man eine Hypothese aufstellen. Warum solche Hast, ihn noch vor dem 8. Dezember zu beenden, bis dahin, der Verteidigung nicht die Zeit zu geben, die Akten zu studieren?

Weil am 8. Dezember das "Jubiläum der Barmherzigkeit" nach der einzigartigen bergolgianischen Formulierung beginnt.
Dann erscheint offensichtlich, daß der argentinische Papst Instruktionen erteilt hat, daß es während der Hl. Jahres, in dem er das Vergeben feiern sollte, keine Prozesse und Angeklagten gibt.
Nicht nur.
Ich nehme eine Vorhersage, die gestern auf Radio Radicale von Massimo Bordin gemacht wurde, auf: "der Prozess sollte vor dem 8. Dezember enden, um so Papst Bergoglio die " schöne Geste" der Generalamnestie zu ermöglichen und dann als der große, barmherzige Papst gefeiert zu werden."
Alle glücklich und zufrieden so.
Das läßt allerdings den Prozess wie eine Inszenierung erscheinen, die nichts mit dem Recht und der Justiz zu tun, sondern viel von einer Komödie hat.
Hier also das Problem: in diesen Tagen übertreibt man es in Oltretevere mit den Inszenierungen und Komödien. Auch bei den Heiligen Dingen, bei denen das nicht erlaubt sein sollte.
A, Socci

Quelle: Il Straniero, A, Socci,



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