Mario Galgano veröffentlicht bei vaticannews ein Schreiben Papst Leos XIV an den Präfekten des Liturgie-Dikasteriums Kardinal A. Roche zum Thema der Liturgischen Bildung der Gläubigen. Hier geht´s zum Original: klicken
"PAPST: LITURGISCHE BILDUNG ALLER GLÄUBIGEN SOLL GESTÄRKT WERDEN"
Anlässlich einer Tagung in der US-amerikanischen Abtei Mount Angel hat sich das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem Brief an den Präfekten des Gottesdienst-Dikasteriums gewandt. Im Zentrum des Schreibens steht die Vermittlung und Praxis des Gottesdienstes auf allen Ebenen der kirchlichen Gemeinschaft.
Unter Bezugnahme auf das Apostolische Schreiben „Desiderio desideravi“ verweist der Papst auf die Notwendigkeit einer dauerhaften Schulung von Klerikern und Laien. Bei dieser Form der Unterweisung handle es sich „nicht um eine Spezialisierung für einige wenige Experten, sondern um eine innere Haltung des gesamten Gottesvolkes“. Zugleich wird hervorgehoben, dass der Ausbildung der geweihten Amtsträger eine vorrangige Stellung zukomme, da sie die Gläubigen bei der Einführung in die kirchlichen Handlungen begleiten.
Als praktischer Ausgangspunkt für die liturgische Praxis wird die wöchentliche Sonntagsmesse im Rhythmus des Kirchenjahres genannt. Ziel sei die Förderung des Verstandes für die „ars celebrandi“, welche nicht allein durch den Zelebranten, sondern von der gesamten Versammlung getragen werde
Einhaltung genehmigter Texte und Bestimmungen
Ein weiterer Aspekt der Ausführungen betrifft die Ausgestaltung der gottesdienstlichen Feiern. Das Schreiben betont die Notwendigkeit der Einhaltung der genehmigten Texte und Bestimmungen. Mit Verweis auf die Konstitution „Sacrosanctum concilium“ wird festgehalten, dass die für die Vorbereitung Verantwortlichen den Riten der Päpste Paul VI. und Johannes Paul II. Respekt entgegenzubringen haben. Diese Haltung solle „aus einer inneren Haltung der Offenheit und des Vertrauens in Gott erwachsen“ und „Demut vor seiner Größe sowie aufrichtige Treue zur kirchlichen Gemeinschaft zum Ausdruck bringen“.
Hintergrund
Nach der Vollversammlung des Gottesdienst-Dikasteriums im Februar 2024 und im Nachgang zum Apostolischen Schreiben „Desiderio desideravi“ von Papst Franziskus aus dem Jahr 2022 organisiert die vatikanische Behörde ein internationales Treffen. Vom 14. bis 19. August 2026 kommen dazu Kardinäle, Bischöfe und Laien unterschiedlicher Herkunft in der Benediktinerabtei Mount Angel im US-Bundesstaat Oregon zusammen. Ziel der Zusammenkunft sei die Ausarbeitung gemeinsamer, praktischer Vorschläge zur liturgischen Schulung, teilte das zuständige Dikasterium an diesem Freitag in einer Pressemitteilung mit. Der gewählte Ort soll dabei als gebetvoller Rahmen dienen, um die Beratung als geistliche Unterweisung im Sinne der Konzilskonstitution „Sacrosanctum concilium“ zu gestalten.
Wortlaut des Briefes (Arbeitsübersetzung)
An Seine Eminenz Kardinal Arthur Roche
Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung
Ich sende herzliche Grüße an Sie und an alle, die sich in der Abtei Mount Angel in Oregon versammelt haben, während Sie über das wichtige Thema der liturgischen Bildung des Volkes Gottes beraten.
In seinem Apostolischen Schreiben Desiderio desideravi, in dem die Schönheit der theologischen und geistlichen Tiefe der Liturgie beschrieben wird, betonte Papst Franziskus die Notwendigkeit einer aufmerksamen und fortwährenden Bildung von Klerus und Laien gleichermaßen, um das liturgische Leben der Universalkirche neu zu beleben (vgl. Nr. 38). Später erinnerte er uns daran, dass es bei dieser Art der Bildung „nicht um eine Spezialisierung für einige wenige Experten, sondern um eine innere Haltung des gesamten Gottesvolkes“ geht (Ansprache an die Teilnehmer an der Vollversammlung des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, 8. Februar 2024). Ich möchte Sie daher ermutigen, konkrete Wege für die liturgische Bildung auf allen Ebenen im Leib Christi zu erkunden. Gleichzeitig dürfen wir „nicht aus[schließen], dass es eine Priorität hinsichtlich der Bildung derjenigen gibt, die durch das Weihesakrament berufen sind, Mystagogen zu sein, das heißt, dass sie die Gläubigen bei der Erkenntnis der heiligen Geheimnisse an die Hand nehmen und sie begleiten sollen“ (ebd.).
Die ersten praktischen Gelegenheiten zur liturgischen Bildung ergeben sich aus unserer regelmäßigen Praxis, uns jeden Sonntag zu versammeln, um die Eucharistie zu feiern. Diese Feiern sind im jährlichen Rhythmus des Kirchenjahres verankert, in dessen Mittelpunkt das Paschamysterium steht. Aus diesem Grund ist es wesentlich, dass sie auch zutiefst bildend wirken und ein immer tieferes Verständnis der ars celebrandi fördern, die nicht nur vom Zelebranten der Liturgie, sondern auch von der gesamten Versammlung zum Ausdruck gebracht wird (vgl. Desiderio Desideravi, Nr. 54). Auf diese Weise werden die Katholiken durch eine angemessene Bildung und eine ehrfürchtige Gottesverehrung sowohl zur Liturgie hin als auch von der Liturgie her gebildet (vgl. ebd., Nr. 34).
Darüber hinaus müssen wir, um eine würdige Feier der heiligen Geheimnisse zu fördern, die Notwendigkeit der Treue gegenüber den approbierten Texten und Vorschriften betonen. In den jüngst von mir gehaltenen Katechesen zur Konstitution über die Heilige Liturgie, Sacrosanctum Concilium, habe ich darauf hingewiesen, dass alle, die berufen sind, die Feier der göttlichen Geheimnisse vorzubereiten – insbesondere die Priester –, den von den heiligen Päpsten Paul VI. und Johannes Paul II. promulgierten Riten Achtung entgegenbringen müssen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass diese Achtung „aus einer inneren Haltung der Offenheit und des Vertrauens in Gott erwächst und Demut vor seiner Größe sowie aufrichtige Treue zur kirchlichen Gemeinschaft zum Ausdruck bringt“ (Katechese, 27. Mai 2026).
In diesem Sinn vertraue ich ihre Beratungen Maria, dem Sitz der Weisheit, an und erteile Ihnen und allen Anwesenden bei dieser Zusammenkunft gerne meinen Apostolischen Segen als Unterpfand der Weisheit und des Friedens im Herrn.
Aus dem Vatikan, am 29. Juni 2026
LEO PP. XIV
Quelle: M. Galgano vaticannews








