des Hl. Vaters bei der heutigen Generalaudienz--veröffentlicht von vaticannews. . Hier geht´s zum Original: klicken
"GENERALAUDIENZ: DIE KATE CHESE IM WORTLAUT"
Liebe Brüder und Schwestern,
wir setzen unsere Katechesen über die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils fort, insbesondere über die Konstitution „Sacrosanctum Concilium“ (SC) über die heilige Liturgie.
Wenn der heilige Augustinus den Neugetauften das Geheimnis des Leibes Christi erklären will, greift er die Stelle des heiligen Paulus auf, die wir eben gehört haben: „Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm“ (1 Kor 12,27). Und er fügt hinzu: „Euer Geheimnis empfangt ihr. Zu dem, was ihr seid, antwortet ihr Amen. Diese Antwort ist eure Unterschrift. Du hörst: Leib Christi, und antwortest: Amen. Sei ein Glied am Leib Christi, damit dein Amen wahr sei!“ […] Seid das, was ihr seht, und empfangt das, was ihr seid“ (Predigt 272, PL 38, 1247).
Unmittelbar nach der Erinnerung an das Letzte Abendmahl Jesu spricht die Konstitution über die Liturgie mit diesen augustinischen Akzenten von der Eucharistie. Für die Christen bedeutet die Teilnahme am Tisch des Herrn nämlich, „sich durch das Wort Gottes formen lassen, am Tisch des Herrenleibes Stärkung finden und Gott danksagen“ (SC, 48). Indem wir ihn in seinem Wort und in der Eucharistie empfangen, werden wir zu dem, was wir empfangen. Wir werden zu dem Leib, dessen Haupt der auferstandene Christus ist, der zur Rechten des Vaters sitzt (vgl. Kol 1,18) und uns einen Platz im Himmel bereitet (vgl. Joh 14,3): Die Eucharistie ist somit das Sakrament des kommenden Reiches. Sie ist das Brot für den Weg, das uns zur himmlischen Heimat führt, bis zu jenem seligen Tag, an dem „Gott alles in allen sein wird“ (1 Kor 15,28).
Die liturgische Versammlung bringt das Opfer „nicht nur durch die Hände des Priesters, sondern auch gemeinsam mit ihm“ dar (SC, 48). In dieser Perspektive ist die Eucharistie die Gestalt des geistlichen Opfers der Christen (vgl. Hebr 13,16; Röm 12,1), da sie der Weg zur Vereinigung mit Gott und zur gegenseitigen Vereinigung ist. Durch die Teilnahme daran lernen sie, „sich gemeinsam mit ihm und dadurch sich selber darzubringen. So sollen sie durch Christus, den Mittler, von Tag zu Tag zu immer vollerer Einheit mit Gott und untereinander gelangen, damit schließlich Gott alles in allem sei“ (ebd.). So lehrt uns die Eucharistie, indem sie uns in Christus einverleibt, den Lebensstil des Herrn Jesus selbst anzunehmen, der durch die unentgeltliche Selbsthingabe gekennzeichnet ist. Diese Hingabe lässt uns daher in die Dynamik der Einheit eintreten, die ein wirksames Gegenmittel gegen die Spaltungskräfte darstellt, die unsere Welt, unsere Gemeinschaften, unsere Familien und unser Herz untergraben (vgl. SC, 47).
Meine Lieben, wenn wir an der Eucharistie teilnehmen, sind wir eingeladen, das Wort Gottes zu hören und uns am Tisch des Herrn zu stärken, wo er sich selbst dem Vater darbringt. Diese beiden Teile der Messe, die Wortgottesdienstliturgie und die Eucharistiefeier, „sind so eng miteinander verbunden, dass sie einen einzigen Kultakt ausmachen“ (SC, 56).
Was das Wort betrifft, so muss man bedenken, dass es nicht nur darum geht, intellektuelles Wissen über die Heilige Schrift zu erwerben, sondern das „lebendige und wirksame“ Wort (Hebr 4,12) zu empfangen, das Gott an alle und zugleich an jeden Einzelnen richtet – ein Wort, das uns zusammen mit dem eucharistischen Brot nährt und stärkt und uns vom Verfall der Sünde zum neuen Leben in Christus führt.
„Die Eucharistie öffnet uns für das Verständnis der Heiligen Schrift, ebenso wie die Heilige Schrift ihrerseits das eucharistische Geheimnis beleuchtet und erklärt“ (Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Verbum Domini, 55).
Das Zweite Vatikanische Ökumenische Konzil forderte, dass „die Schatzkammer der Bibel weiter aufgetan werden soll, so dass innerhalb einer bestimmten Anzahl von Jahren die wichtigsten Teile der Heiligen Schrift dem Volk vorgetragen werden“ (SC, 51). Die Liturgiereform hat diese Forderung in jenem Schatz umgesetzt, der das Lektionar ist, also das Buch, das alle biblischen Lesungen für die liturgischen Feiern sammelt. Diese Fülle wurde aus der reinsten Quelle der lebendigen Tradition geschöpft, die die „Treue zur Tradition“ mit der Offenheit für einen „berechtigten Fortschritt“ verbindet (SC, 23).
Der Anfang von Kapitel II der Konstitution über die Liturgie ist durchzogen von Verweisen auf den großen Strom der Tradition, der von den Kirchenvätern bis zu uns reicht. Ich zitiere: „Unser Erlöser hat beim Letzten Abendmahl in der Nacht, da er überliefert wurde, das eucharistische Opfer seines Leibes und Blutes eingesetzt, um dadurch das Opfer des Kreuzes durch die Zeiten hindurch bis zu seiner Wiederkunft fortdauern zu lassen und so der Kirche, seiner geliebten Braut, eine Gedächtnisfeier seines Todes und seiner Auferstehung anzuvertrauen: das Sakrament huldvollen Erbarmens, das Zeichen der Einheit, das Band der Liebe, das Ostermahl, in dem Christus genossen, das Herz mit Gnade erfüllt und uns das Unterpfand der künftigen Herrlichkeit gegeben wird“ (SC, 47).
Liebe Brüder und Schwestern, schöpfen wir im Glauben aus dieser Quelle des göttlichen Lebens und lassen wir uns von dem Geheimnis, das wir feiern, verwandeln."
Quelle: vaticannews