A. Gagliarducci kommentiert bei Monday at the Vatican die Ernennung von Erzbischof Vittorio F. Viola zum Erzpriester der Peters-Basilika als weiteren Schritt des Übergangs zwischen den Pontifikaten. Hier geht´s zum Original: klicken
"LEO XIV UND DIE NEUE GENERATION"
Mit der Ernennung von Erzbischof Vittorio Francesco Viola zum Erzpriester des Petersdoms und von Kardinal Luis Antonio Tagle zum Dekan des Kardinalskollegiums markierte Leo XIV. den Übergang zu einer neuen Generation und – wahrscheinlich – zu einer neuen Ära für die Kirche.
Nicht nur diese beiden Personalentscheidungen kamen weitgehend unerwartet; dies galt letztlich für alle Entscheidungen, die Leo XIV. bislang getroffen hat. Diese beiden Ernennungen zeigen, dass das Problem nicht einfach darin besteht, den Papst mit alten Kategorien zu deuten. Vielmehr liegt es in der Annahme, dass diese alten Kategorien nach wie vor Gültigkeit besitzen.
Bemerkenswert ist zudem, dass diese Ernennungen kurz vor der überraschenden Ankündigung erfolgten, der Papst werde sich noch in dieser Woche einer Operation unterziehen, nachdem in seiner Lunge ein Knoten entdeckt worden war. Offenbar möchte der Papst sein Haus wohlgeordnet hinterlassen, wenngleich es sich um einen unkomplizierten Eingriff zu handeln scheint und Leo womöglich schon nächste Woche wieder seine Amtsgeschäfte aufnehmen kann.
Letztlich ist Leo XIV. selbst ein Papst der neuen Generation. 1982 geweiht, hat er die heftigen Auseinandersetzungen um das Zweite Vatikanische Konzil nicht mehr unmittelbar miterlebt. Er ist ein Priester, der einer soliden Liturgiepraxis verpflichtet ist, wenngleich er aus dem Geist des Konzils hervorgegangen ist; er hat nie die überlieferte Liturgie gefeiert oder auch nur eine Neigung dazu verspürt. Leo XIV. ist kein progressiver Papst im Sinne der Definitionen, die in den letzten Jahren für diese Strömung geprägt wurden. Ebenso wenig ist er ein „Papst der Dritten Welt“, ungeachtet seiner Erfahrungen in der Mission. Doch offensichtlich liegen die Sympathien und Neigungen dieses Papstes bei einer neuen, anderen Generation mit anderen Prioritäten – einer Generation, die völlig außerhalb der Debatten um das Konzil steht.
Inwiefern bestätigen diese beiden Ernennungen durch den Papst diese Einschätzung?
Beginnen wir mit der Ernennung des neuen Erzpriesters der Petersbasilika, der zugleich als Generalvikar des Papstes für den Staat der Vatikanstadt fungiert. Vittorio Francesco Viola trat sein Amt als Sekretär des Dikasteriums für den Gottesdienst mit dem Ruf eines progressiven Priesters an, der die von traditionalistischen Kreisen scharf kritisierte Liturgiereform Annibale Bugninis befürwortete. Damit verkörperte er jenen Bischofstypus, den Papst Franziskus bevorzugte, um all jene zum Schweigen zu bringen, die weiterhin die Liturgie im alten Ritus – also in der Form vor der Reform durch Paul VI. – feiern wollten.