So lautet der Titel des Schreibens, das Papst Leo XIV heute anläßlich der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Italien veröffentlicht hat.. U.a. wiedergegeben bei vaticannews: klicken
SCHREIBEN DES HEILIGEN VATERS LEO XIV.
DAS LEBEN IN FÜLLE
ÜBER DIE BEDEUTUNG DES SPORTS
Liebe Brüder und Schwestern!
Anlässlich der Feier der XXV. Olympischen Winterspiele, die vom 6. bis 22. Februar in Mailand und Cortina d’Ampezzo stattfinden, und der XIV. Paralympischen Spiele, die vom 6. bis 15. März an denselben Orten abgehalten werden, möchte ich allen direkt Beteiligten meine besten Wünsche übermitteln und gleichzeitig die Gelegenheit nutzen, einige diesbezügliche Überlegungen mit allen zu teilen. Der Sport kann, wie wir wissen, professionell ausgeübt werden und ein sehr hohes Maß an Spezialisierung aufweisen: In dieser Form entspricht er der Berufung einiger weniger, weckt aber Bewunderung und Begeisterung in den Herzen vieler, die mit den Siegen oder Niederlagen der Athleten mitfiebern. Sportliche Betätigung ist jedoch eine weit verbreitete Aktivität, die allen offensteht und für Körper und Geist gesund ist, sodass sie ein allgemeiner Ausdruck des Menschlichen ist.
Sport und Stiftung von Frieden
Anlässlich vergangener Olympischer Spiele haben meine Vorgänger deutlich gemacht, in welcher Weise der Sport eine wichtige Rolle für das Wohl der Menschheit spielen kann, insbesondere für die Förderung des Friedens. So zitierte beispielsweise der heilige Johannes Paul II. 1984 in seiner Ansprache an junge Sportler aus aller Welt die Olympische Charta,[1] die den Sport als einen Beitrag betrachtet zu »einem Geist des besseren gegenseitigen Verständnisses und der Freundschaft, der dazu beiträgt, eine bessere und friedlichere Welt zu schaffen«. Er ermutigte die Teilnehmer mit folgenden Worten: »Lasst eure Begegnungen ein vielsagendes Zeichen für die gesamte Gesellschaft und einen Auftakt zu einem neuen Zeitalter sein, in dem die Völker „nicht das Schwert, Nation gegen Nation“ (Jes 2,4) erheben.«[2]
In diesem Zusammenhang ist auch die Olympische Waffenruhe zu sehen, die im antiken Griechenland als Vereinbarung diente, um vor, während und nach den Olympischen Spielen alle Feindseligkeiten auszusetzen, damit die Sportler und Besucher frei reisen und die Wettkämpfe ohne Unterbrechungen stattfinden konnten. Die Einführung dieser Waffenruhe entspringt der Überzeugung, dass die Teilnahme an geregelten Wettkämpfen (agones) einen individuellen und kollektiven Weg zu Tugend und Vortrefflichkeit (aretē) darstellt. Wenn der Sport in diesem Sinne und unter diesen Bedingungen ausgeübt wird, dient er dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und dem Gemeinwohl.
Der Krieg entsteht demgegenüber aus einer Radikalisierung von Uneinigkeit und aus der Weigerung, miteinander zu kooperieren. Der Kontrahent wird dann als Todfeind angesehen, den es zu isolieren und möglichst zu beseitigen gilt. Die tragischen Belege dieser Kultur des Todes liegen vor unseren Augen – zerbrochene Leben, zerschlagene Träume, Traumata der Überlebenden, zerstörte Städte –, so als ob das menschliche Zusammenleben in oberflächlicher Weise auf das Geschehen eines Videospiels reduziert worden wäre. Doch dies darf uns niemals vergessen lassen, dass die Aggression, die Gewalt und der Krieg »immer eine Niederlage der Menschheit« sind.[3]
Zu Recht wurde die Olympische Waffenruhe unlängst vom Internationalen Olympischen Komitee und der Generalversammlung der Vereinten Nationen wieder vorgeschlagen. In einer Welt, die nach Frieden dürstet, benötigen wir Instrumente, die »dem Machtmissbrauch, der Zurschaustellung von Stärke und der Gleichgültigkeit hinsichtlich des Rechts ein Ende«[4] setzten. Ich ermutige alle Nationen nachdrücklich, anlässlich der bevorstehenden Olympischen und Paralympischen Winterspiele dieses Instrument der Hoffnung, das die Olympische Waffenruhe darstellt, wiederzuentdecken und zu respektieren, ein Zeichen und eine Verheißung für eine versöhnte Welt.