Samstag, 7. November 2026

Begrüßung durch die örtlichen Autoritäten und Hl. Messe in Paysandu

 

              

Die Predigt

                               Liebe Brüder und Schwestern,

das ist die erste Messe meines Besuchs in Uruguay, vielen Dank, das ihr da seid. Die Lesungen, die wir gehört haben, beschreiben uns die Gestalt eines gerechten Mannes, dem der Herr beisteht und Kraft schenkt, damit er den ihm anvertrauten Auftrag erfüllen kann. Der heilige Paulus dankt in seinem Brief an die Philipper der Gemeinde für die Unterstützung bei seiner missionarischen Aufgabe, in dem Bewusstsein, dass in seiner Armut Gott sein ganzer Reichtum ist und sich die göttliche Vorsehung durch die Brüder zeigt, zu denen er gesandt wurde. 

Der Psalm wiederum preist denjenigen selig, der das Gesetz des Herrn liebt und dessen Taten im Einklang mit seinem Glauben stehen. Ebenso hebt Jesus im Evangelium den rechtschaffenen Menschen hervor, der Gott dient und ihn in den Mittelpunkt seines Lebens stellt und der in allem, was ihm anvertraut wird, treu ist, sei es im Großen wie im Kleinen. 

Heute, da wir hier in Paysandú versammelt sind, um die Eucharistie zu feiern – voll Freude darüber, so viele Gläubige der Kirche in Uruguay wie auch Pilger aus Nachbarländern an ein und demselben Altar versammelt zu sehen –, ruft uns der Wortgottesdienst die Anwesenheit so vieler gläubiger Menschen in diesen Ländern des Río de la Plata in Erinnerung, die seit den Anfängen der Evangelisierung des Kontinents im Namen des Herrn hierherkamen, um die große Freude zu verkünden, die sie selbst bei der Begegnung mit Christus erfahren hatten. Wie die Engel den Hirten (vgl. Lk 2,10) verkündeten auch sie voller Freude die frohe Botschaft des Evangeliums und brachten ihren Glauben durch Werke der Nächstenliebe und Barmherzigkeit zum Ausdruck.

Würdigung Bischof Veras

Bei dieser Feier möchten wir auch an das Leben und Wirken eines Sohnes dieser Region erinnern und Gott dafür danken: den seligen Jacinto Vera, Bischof von Montevideo, der ein konsequenter Zeuge des Glaubens war, den er verkündete, großherzig in der Nächstenliebe und ganz der apostolischen Mission hingegeben. Er entfaltete seinen pastoralen Eifer in alle Richtungen und scheute dabei keine Opfer. So ritt er beispielsweise auf seinem Pferd zu den Kranken, um ihnen beizustehen – trotz der großen Entfernungen, der Gefahren auf dem Weg und der Unbilden des Wetters. Der „Gaucho-Bischof“ durchquerte dreimal das uruguayische Staatsgebiet und brachte den Einwohnern Glauben und Hoffnung. Während der historischen Verteidigung von Paysandú im Jahr 1864 ließ sich Bischoff Vera auf der Isla de la Caridad gegenüber der belagerten Stadt nieder, um Flüchtlinge und Verwundete beider Seiten zu versorgen. Dort blieb er bis zum Ende der Belagerung, um seinem Volk beizustehen, und flehte im Namen Gottes darum, dass sich diese Armeen von Brüdern auch brüderlich umarmen mögen. m

Liebe Brüder und Schwestern: Heute ist es an uns, das Erbe fortzuführen, das uns diese Sämänner des Evangeliums hinterlassen haben, und wir müssen es so tun, wie es uns das Wort Gottes sagt: mit Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Treue, im Bewusstsein, dass die Botschaft, die wir verkünden, nicht uns gehört. Sie ist ein Schatz, den wir vom Herrn empfangen haben, und wir tragen ihn in zerbrechlichen Gefäßen (vgl. 2 Kor 4,7).

Drei Symbole für Land und Leute - und den Glauben

Es gibt drei Symbole, die diese Region prägen und die uns helfen können, über den Schatz des Glaubens, der uns geschenkt wurde, und über den Auftrag, der uns heute anvertraut ist, nachzudenken. Das erste ist die Brücke, das zweite die Palmen und das dritte der Mate.

In dieser Stadt Paysandú befindet sich die internationale General-Artigas-Brücke, die den Fluss Uruguay überquert und zwei Nachbarländer miteinander verbindet. Es fällt nicht schwer, sich die Vorteile vorzustellen, die eine Brücke mit sich bringt: Offenheit, Kommunikation, Austausch. Wie wichtig ist es daher, Brückenbauer zu sein! Das ist unser aller Berufung: Brücken zu bauen, Bindungen zu stärken, zu vereinen, in Verbindung zu treten und die Freude am Glauben weiterzugeben, wie es der selige Jacinto tat, ob es nun »gelegen oder ungelegen« war (2 Tim 4,2).

1. Die Brücke

Zudem muss die Brücke über ein solides Fundament verfügen, damit sie selbst den heftigsten Strömungen standhält. So wie das auf Fels gebaute Haus inmitten des Sturms fest steht und das auf Sand erbaute Haus Gefahr läuft, einzustürzen (vgl. Mt 7,24–27), so braucht auch eine Brücke geeignete Stützen, um nicht unter der Gewalt des Windes und des Wassers zusammenzubrechen. Denkt jedes Mal, wenn ihr an die Küste geht und die Brücke erblickt, daran, dass dieses Symbol für uns steht und uns die Bedeutung einer soliden christlichen Bildung vor Augen führt. Wir müssen gut vorbereitet sein, um jedem, der uns danach fragt, Rechenschaft über unseren Glauben ablegen zu können (vgl. 1 Petr 3,15), und dürfen uns nicht von »vieldeutigen und fremden Lehren« (Hebr 13,9) mitreißen lassen. Nur so werden wir zu Werkzeugen der Einheit und zu Bindegliedern der Liebe.

2. Die Palmen

Ein weiteres Symbol, das diese Gegend prägt und verschönert, sind die Palmen. Im Buch der Psalmen heißt es: »Der Gerechte sprießt wie die Palme« (Ps 92,13). Dieser Baum widersteht der Kraft der Winde, besitzt tiefe Wurzeln, reckt sich auf der Suche nach Licht gerade zum Himmel empor und bringt die süße Frucht des Yatay hervor. Dies ist ein wunderschönes Bild für den Ursprung und für das Ziel, zu dem wir berufen sind: uns in Christus zu verwurzeln, dem Alpha und Omega, dem Anfang und Ende unseres Lebens, damit wir vereint mit ihm gute Früchte tragen (vgl. Joh 15,5).

Zugleich sehen wir, dass die Palmen in dieser Region nicht isoliert wachsen, sondern Palmenhaine bilden – das heißt, es gibt viele von ihnen, sie stehen weder allein noch weit voneinander entfernt. So ist auch die Kirche eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, die ihre Wurzeln schlägt und aus einer gemeinsamen Quelle trinkt: dem Wort Gottes, den Sakramenten, dem Gebet und dem karitativen Handeln; und ihre Gläubigen erheben die Augen, um gemeinsam Christus zu preisen, die Sonne aus der Höhe, deren Licht die Schritte der Menschheit auf den Weg des Friedens lenkt (vgl. Lk 1,78–79). 

Denken wir schließlich an ein Symbol, das in jedem Haushalt dieses Landes, an jedem Ort des Lernens und der Arbeit, bei jedem Treffen unter Freunden präsent ist. Ich meine den Mate, dieses für Südamerika so typische Getränk, dessen tiefe Bedeutung ihr besser erklären könnt als ich. Sicherlich hat euch der Mate auch heute auf der Reise zu dieser Feier begleitet und wird euch auf dem Rückweg begleiten. Auch in Rom hat der Mate Einzug gehalten!*

3. Das Mate-Getränk

Der Mate ist ein Zeichen der Vertrautheit, der Freundschaft und der Begegnung. Er lehrt uns, zu teilen und zusammen zu sein, die Bande zu stärken, die uns verbinden und zu Brüdern und Schwestern machen. Er ist ein Zeichen der Gastfreundschaft, der Integration und gemeinsamer Werte. „Mate trinken“ ist ein Brauch voller Symbolik, bei dem man ohne Worte miteinander in Verbindung tritt und jedes Detail eine eigene Bedeutung besitzt. Ich denke auch an die Mate-Tassen, die man trinkt, wenn man allein ist, und die einen Moment der Stille und des Gebets begleiten. Wie oft werden viele von euch in diesen Momenten der Einsamkeit Gott ihre Sorgen und Nöte, ihre Wünsche und tiefsten Sehnsüchte anvertraut haben.

Glauben mit kreativem Mut weitergeben

Liebe Brüder und Schwestern: Wir müssen über diese Symbole nachdenken, die uns gemeinsam sind, die uns Identität und ein Zugehörigkeitsgefühl verleihen, die uns von unseren Ursprüngen erzählen und uns die Zukunft weisen. Auch der Glaube ist seit jeher Teil des uruguayischen Volkes, und es ist notwendig, ihn mit kreativem Mut an die künftigen Generationen weiterzugeben. 

Jesus erinnert uns im heutigen Evangelium daran, wie wichtig es ist, den empfangenen Gaben treu zu bleiben: »Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen« (Lk 16,10). Diese Worte haben viele Männer und Frauen mit Leben erfüllt, wie beispielsweise Bischof Jacinto Vera. Sie sind ihrer Berufung treu geblieben und haben die Samen des Evangeliums in die Seele des uruguayischen Volkes gesät. Diese Samen leben in der Gemeinschaft weiter, doch es ist notwendig, weiterhin die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, damit sie wachsen und ihr ganzes Potenzial entfalten können. Es ist nötig, Kinder und Jugendliche weiterhin im Glauben zu unterweisen, Familien zu begleiten, ältere Menschen zu unterstützen und die Werke der Nächstenliebe zu vollbringen. 

Liebe Brüder und Schwestern, ich ermutige euch, die Aufgabe der Verkündigung mit Begeisterung fortzusetzen. Seid Brücken, damit viele Jesus begegnen können. Seid eine geschwisterliche Gemeinschaft, die zusammenkommt und das Leben sowie die Projekte, Träume und Hoffnungen teilt, insbesondere mit den Bedürftigsten. Seid eine betende Gemeinschaft, die den Dialog mit dem Herrn pflegt, „wie ein Freund mit einem anderen Freund spricht“ (vgl. Joh 15,15). Christus zählt auf euch! Christus zählt auf dich!

Möge unsere himmlische Mutter, die Virgen de los Treinta y Tres, euch auf eurem Lebensweg beschützen und euch stets zur Begegnung mit ihrem Sohn Jesus führen.


Quelle: vaticannews

Die Vesper

 in der Metropolitankathedrale Der Unbefleckten Empfängnis

             

Wortlaut der Predigt während der Vesper

                        "Liebe Brüder und Schwestern in Jesus Christus,"

es ist mir eine Freude, mit euch das Abendgebet in dieser Kathedrale zu feiern, die so viele Erinnerungen an das Leben ihres Volkes bewahrt. Dazu gehört auch das Taufbecken, in dem José Gervasio Artigas getauft wurde – ein Zeichen für den fruchtbaren Beitrag der Kirche zum Wohl des Landes. Dort begann für ihn ein neues Leben als Kind Gottes. Dieselbe Gnade steht auch am Anfang unserer eigenen Geschichte. Durch die Taufe hat Christus uns an seinem Leben teilhaben lassen und er lädt uns ein, ihm immer ähnlicher zu werden, bis wir lernen, so zu sehen, zu hören und zu lieben wie er.


Der Psalm, den wir gerade gesungen haben, enthält eine überraschende Warnung. Nach der Beschreibung der Götzen aus Gold und Silber, die Werke von Menschenhand sind, heißt es dort: »Ihnen werden gleich, die sie machen, alle, die auf sie vertrauen« (Ps 135,18). Die Menschen machten diese Bildnisse und wurden ihnen schließlich ähnlich. So ist es mit dem menschlichen Herz: Nach und nach nimmt es die Gestalt dessen an, was es liebt und worauf es sein Vertrauen setzt. Deshalb sagt uns Jesus: »Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz« (Mt 6,21).


Wo ist unser Herz?

Auch wir, die wir unser Leben dem Herrn geschenkt haben, müssen uns fragen, wo unser Herz ist. Manchmal bleibt es vielleicht einem Werk verhaftet, das wir als unser eigenes betrachten, der Anerkennung, die wir erhalten, oder der ruhigen Gewissheit, alles unter Kontrolle zu haben. Und ohne es zu merken, beginnen wir, andere aus einer Perspektive zu betrachten, die auf diesen Sorgen beruht. Die Treue zu unserer Berufung erfordert, dass wir immer wieder zu Jesus Christus zurückkehren; dass wir ihn zu unserem Schatz machen, zu dem, dem wir nacheifern wollen.


Die Götzen, so heißt es weiter im Psalm, »haben einen Mund und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und hören nicht« (135,16-17). Sie sind aus Gold und Silber, aber es fehlt ihnen das Leben. Wie anders ist doch der Gott, auf den wir unser Vertrauen gesetzt haben! Er sieht das Leid seines Volkes und hört sein lautes Rufen. So offenbarte er es Mose am brennenden Dornbusch: »Ich habe das Elend meines Volkes […] gesehen und ihre laute Klage […] habe ich gehört« (Ex 3,7).


Das göttliche Mitfühlen

Und als der Sohn Gottes Mensch wurde, zeigte sich dieses göttliche Mitfühlen in einem menschlichen Antlitz, in Augen, Ohren und Händen wie den unseren. Jesus richtete seinen Blick auf Zachäus, der sich zwischen den Ästen eines Baumes versteckt hatte (vgl. Lk 19,5). Er hörte Bartimäus, als viele ihn zum Schweigen bringen wollten (vgl. Mk 10,48-49). Er streckte die Hand aus, um einen Aussätzigen zu berühren (vgl. Mk 1,41), und segnete die Kinder, die zu ihm kamen (vgl. Mk 10,16). Aus seinem Mund kam das Wort, das Dämonen austrieb (vgl. Mk 1,25-26), und vom Kreuz herab die Bitte um Vergebung für seine Peiniger (vgl. Lk 23,34). So ist unser Gott. In Jesus haben wir erfahren, wie er uns ansieht und wie sehr er uns liebt (vgl. Joh 14,9).


Liebe Brüder, diese Liebe Christi wollte auch durch euch so viele Menschen erreichen. Eure Augen haben ganze Generationen aufwachsen sehen und Tränen entdeckt, die sonst unbemerkt blieben. Eure Ohren haben vertrauensvolle Worte gehört, die schwer auszusprechen waren. Wie viele Menschen haben voller Furcht den Beichtstuhl betreten und sind voller Freude wieder herausgekommen, weil sie Vergebung erfahren haben! Dasselbe gilt für eure Hände: Sie haben so oft den Leib Christi emporgehoben, sie haben den Kranken geholfen, sie haben eine Mahlzeit zubereitet oder jemanden gestützt, der nicht mehr allein gehen konnte. Diese Hände, die durch das Charisma eurer Ordensgemeinschaften so vielen Menschen die Güte Gottes nahegebracht haben. Manche sind gezeichnet von Alter und Arbeit. Wie schön sind solche Hände, die Gutes tuend gealtert sind!


Der Herr bewirkt eine Verwandlung in demjenigen, der ihm nahe bleibt. Die Kurzlesung hat uns daran erinnert, dass die Prüfung unseres Glaubens Geduld bewirkt (vgl. Jak 1,3). Die Ähnlichkeit mit Christus reift auch in den Schwierigkeiten: wenn die Arbeit fruchtlos erscheint, wenn die Kräfte nachlassen, wenn man von vorne beginnen muss. Die Beständigkeit hinterlässt Spuren. Im Laufe der Jahre kann ein Blick barmherziger werden, können Hände dienstbereiter werden und ein Wort trostreicher. Bitten wir, dass wir in allen Prüfungen stets mit Jesus verbunden bleiben und wir in der Liebe zu ihm wachsen!


Der selige Jacinto Vera

Unter den Gewölben dieser Kathedrale ruht der selige Jacinto Vera. In diesem Grab warten auf die Auferstehung seine Füße, die die Straßen Uruguays durchwanderten, um seinem Volk das Evangelium zu bringen; seine Hände, die segneten, den Armen halfen und die Sakramente spendeten; seine Ohren, die unzählige vertrauensvolle Worte aufnahmen, und seine Augen, die diejenigen erblickten, die Hilfe brauchten. Eine Ordensschwester, die ihn jahrelang begleitet hatte, bezeugte in Erinnerung an seine einfache Art zu sprechen und auch an seinen Gang: »Schon vom Äußeren her schien es, als befände er sich immer im Gebet» (Positio, I,154). Die Beziehung zu Gott hatte sein Gesicht, seine Gesten und seine Art, unter den Menschen zu sein, geprägt. Wer sich ihm näherte, spürte etwas von der Güte Christi, noch bevor er ein Wort seiner Predigt hörte.


Liebe Brüder und Schwestern, dies ist eines der Geheimnisse der Evangelisierung: ihm ähnlich zu sein, den wir verkünden. In diesem Land, wo viele unserer Zeitgenossen Jesus Christus kaum kennen und so viele junge Menschen fernab vom kirchlichen Leben aufgewachsen sind, hat dieses Zeugnis eine besondere Kraft. Mögen sie sich, wenn sie uns beobachten, wie wir auf andere blicken, wie wir zuhören oder wie wir uns den Leidenden zuwenden, die Frage stellen: Woher kommt diese Liebe? Und wenn wir ihnen von Jesus erzählen, so möge das dazu führen, dass sie denselben Herrn entdecken, dessen Güte sie – trotz unserer Armut – durch uns bereits anfänglich erfahren haben.


Gebet um Berufungen

Dieser Wunsch, dass andere Jesus kennenlernen und ihm nachfolgen, fand auch im Gebet um Berufungen einen Ausdruck. Als das interdiözesane Priesterseminar im Jahr 2024 keine neuen Kandidaten hatte, begannen viele Gläubige, sich zu Gebets- und Fastentagen zu versammeln, um den Herrn zu bitten, Arbeiter in seine Ernte zu senden (vgl. Mt 9,38). Seitdem haben sie treu weiter darum gebetet, dass Menschen seinen Ruf hören. Und heute sind wir dankbar, dass mehrere junge Menschen ihren Weg im Priesterseminar und im geweihten Leben begonnen haben und nun hier unter uns sitzen. Was für eine Freude zu wissen, dass weiterhin großherzige Antworten auf die Liebe Christi entstehen! Ich danke von ganzem Herzen all jenen, die dieses Gebet unterstützt haben, und ermutige sie, darin nicht nachzulassen. Seht in diesen Früchten den Beweis dafür, dass unser Gott das Gebet seines Volkes erhört.


Ich würde mir wünschen, dass diese Erfahrung aus Uruguay in der gesamten Kirche ein Echo findet. Von dieser Kathedrale in Montevideo aus lade ich meine Mitbrüder im Bischofsamt in aller Welt ein, in ihren Diözesen Gebets- und Fastentage für mehr Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben anzuregen. Pfarreien, Familien und Ordensgemeinschaften mögen sich zu diesem Gebet zusammenfinden. Das Beispiel dieses Landes ermutige auch andere dazu, mit demselben Vertrauen zu bitten!


Der Weg der Hingabe

Liebe Seminaristen, Novizen und Novizinnen, schaut auf diejenigen, die vor euch den Weg der Hingabe gegangen sind: auf ihre gezeichneten Hände, ihre beharrliche Liebe, ihre Art, mit Jesus umzugehen. Lernt von ihnen diese Vertrautheit mit dem Herrn. Und diejenigen, die schon seit vielen Jahren im pastoralen Dienst oder im geweihten Leben stehen, bitte ich, immer wieder zum Wesentlichen zurückzukehren. Bewahrt die Stille des Gebets, das Hören auf das Wort Gottes, die Begegnung mit Christus in der Eucharistie. In dieser Vertrautheit erneuert sich die Liebe, die euch dazu bewegt hat, ihm euer Leben zu übergeben, und unser Herz nimmt immer mehr die Gestalt seines Herzens an.


Es gibt noch ein Bild aus dem Psalm, an das ich erinnern möchte. Von jenen Götzen heißt es: »Auch ist kein Atem in ihrem Mund« (135,17). Der auferstandene Herr hingegen hauchte seine Jünger an und sprach zu ihnen: »Empfangt den Heiligen Geist!« (Joh 20,22). Derselbe Geist haucht diesem Staub, aus dem wir bestehen (vgl. Gen 2,7), Leben ein und vereint uns zu einem einzigen Leib. Lasst euch von ihm leiten und tut alles vereint durch das Band der Liebe, vor allem wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet (vgl. Jak 1,2). Auch wenn euch oft viele Kilometer trennen, unterstützt euch gegenseitig und bleibt stets in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri, der ebenfalls die Unterstützung durch eure Gebete braucht.


In Kürze werden wir das Magnifikat singen. Im Schoß der allerseligsten Jungfrau Maria bildeten sich jene Augen voller Barmherzigkeit, jene Ohren, die unsere Bitten erhören, und jene Hände, die sich rettend ausstrecken. Möge Unsere Liebe Frau von den Dreiunddreißig uns helfen, dass unser Herz ihrem Sohn nahe bleibt, auf dass wir in der Stunde, in der sich unsere Augen für immer schließen, die Stimme des Herrn hören dürfen, die uns beim Namen ruft, und wir uns vertrauensvoll seinen Händen überlassen können. Amen."


Quelle: vaticannews

Freitag, 6. November 2026

Die Ankunft, der Empfang

 in Montevideo,  

              

Restaurationsarbeiten in Santa Maria Maggiore

Wie vaticannews berichtet, beginnen am 16. November die Restaurationsarbeiten in der Cappella Paolina in Santa Maria Maggiore, die deshalb für 90 Tage für die Besucher gesperrt bleibt.  
Hier geht´s zum Original:  klicken

"SANTA MARIA MAGGIORE: DIE KAPELLE MIT DER BERÜHMTEN MARIENIKONE WIRD RESTAURIERT."

(...) Rund 18 Monate sind für die Arbeiten veranschlagt. Sie werden von der Papstbasilika mit dem Governatorat des Staates der Vatikanstadt gemeinsam organisiert.

Nach einer komplexen Planungsphase beginne nun eines der bedeutendsten Restaurierungsprojekte zum Schutz und zur Erhaltung eines historisch-künstlerischen Erbes von außergewöhnlichem Wert, heißt es in der Pressemitteilung aus dem Vatikan. Die Cappella Paolina wurde nach einem Entwurf des Architekten Flaminio Ponzio erbaut und als monumentaler Aufbewahrungsort für das heilige Bildnis der Jungfrau Maria, bekannt als „Salus Populi Romani“, das Papst Franziskus besonders am Herzen lag, konzipiert. Um die verehrte Ikone, die der Überlieferung zufolge aus der Hand des Evangelisten Lukas stammt, besonders zur Geltung zu bringen, beauftragte der damalige Papst Paul V. (1605–1621) einige der bedeutendsten Künstler der Zeit. (...)

Quelle: vaticannews

 

Fundstück

In einem lesenswerten Gastbeitrag für kath.net kommentiert Thorsten Paprotny die unverhohlene Kritik, die vom ehemaligen Vorsitzenden der DBK, dem Limburger Bischof Georg Bätzing- natürlich öffentlich und in unverhohlener teutonischer Patzigkeit, an Papst Leo geübt wird.  
Hier geht´s zum Original: klicken

Unter dem Titel:

      "DER ANDERSKATHOLISCHE PAPSTKRITIKER"

beginnt der Artikel so:  ZITAT

"Der Limburger Bischof Georg Bätzing, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hat sich mit provinzkatholischem Eigensinn nicht nur im Zuge des deutsch-synodalen Weges einen Namen gemacht. Er wollte künftig anders katholisch sein, strebte regionale Kirchenreformen und adressierte mehrfach im Tonfall empörter Patzigkeit kritische Einwendungen an die deutsche Hörerschaft. Nun kehrt Bätzing auf die mediale Bühne des katholischen Papst-Bashings zurück und kritisiert als regionaler Suffraganbischof den Heiligen Vater. Das ist weltlich erlaubt, aber ebenso peinlich wie ungebührlich."  (...)

Quelle: T. Paprotny, kathnet

Die Reise beginnt...

 

             

vaticannews, KNA etc. berichten: 

Den 11.100 Kilometer weiten Transatlantikflug nach Uruguay legt der Papst in einem Airbus A330-900 zurück. An Bord sind neben dem 71-jährigen Kirchenoberhaupt, seinen geistlichen Beratern und Sicherheitsleuten auch rund 80 Vertreterinnen und Vertreter internationaler Medien.  (...)

Abend in Montevideo: Treffen mit Staat und Zivilgesellschaft sowie Kirchenvertretern


Nach seiner Ankunft am Flughafen Montevideo-Carrasco „General Cesáreo L. Berisso“ und der offiziellen Begrüßungszeremonie um 20:30 Uhr MEZ wird Papst Leo XIV. in Montevideo beim Treffen mit Vertretern von Staat und Zivilgesellschaft ab 21.20 MEZ auf der „Plaza Independencia“ seine erste Rede in Uruguay halten. Um 22:15 MEZ trifft das katholische Kirchenoberhaupt Uruguays Staatspräsidenten Yamandú Orsi. Seine zweite Ansprache in Uruguay hält Leo XIV. dann um 23 Uhr MEZ bei der Begegnung mit Vertretern der katholischen Kirche des Landes, mit denen er eine Vesper in der Metropolitankathedrale der Unbefleckten Empfängnis und der Heiligen Philippus und Jakobus feiert.  (....)


Quelle: vaticannews

Donnerstag, 5. November 2026

Die Predigt

des Hl. Vaters während der heutigen Hl. Messe zum Gedenken an die verstorbenen Kardinäle und Bischöfe. Hier geht´s zum Original bei vaticannews:  klicken

„Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein“ (Joh 12,26). Diese Worte Jesu sprechen direkt zu unserem Herzen und laden uns ein, ihm auf dem Weg zu folgen, den er selbst gegangen ist: dem Weg der Herrlichkeit durch das Kreuz. Auf diesem Weg, auf dem uns Prüfungen und Leid nicht erspart bleiben, führt und trägt uns eine Verheißung: die Verheißung einer Gemeinschaft, über die der Tod keine Macht hat. Denn wer Christus nachfolgt, wird zu seinem Diener, und er wird immer dort sein, wo der Herr ist – gerade weil er seinem Weg gefolgt ist. Darum sagt der heilige Paulus: „Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben“ (2Tim 2,11). Meine Lieben, diese Gewissheit des Glaubens und der Hoffnung trägt unsere heutige Eucharistiefeier, in der wir der Kardinäle und Bischöfe gedenken, die im vergangenen Jahr von uns gegangen sind. 
Für sie wollen wir zum Herrn beten und ihn bitten, dass er seinen treuen Dienern den verheißenen Lohn gewähre. (ANSA) „Über den spirituellen Wert des Gedenkens nachdenken“ Unser heutiges Gebetsgedenken lädt uns ein, über den spirituellen Wert des Gedenkens nachzudenken. Als die heilige Monika kurz vor ihrem Tod von ihren Söhnen Augustinus und Navigius Abschied nahm, sagte sie: „Nur darum bitte ich: gedenket meiner am Altare Gottes, wo ihr auch seid“ (Augustinus, Bekenntnisse, IX, 11, 27). Das Geheimnis des Todes wird hier mit dem Gebet für die Verstorbenen verbunden, das die Kirche seit ihren Anfängen stets als eine ihrer grundlegenden Pflichten verstanden hat. Im Licht des Wortes Gottes können wir daher kurz über zwei Wahrheiten nachdenken, die unserem Gebet für die Verstorbenen zugrunde liegen: die Hoffnung auf die Auferstehung und die Gemeinschaft der Heiligen. 

Die Erzählung von Judas Makkabäus, die wir in der ersten Lesung (2Makk 12,43-46) gehört haben, lädt uns ein, über die Auferstehung nachzudenken. Nachdem einige seiner Gefährten, die sich des Götzendienstes schuldig gemacht hatten, im Kampf gefallen waren, vertraute Judas sie der Barmherzigkeit Gottes an und ließ für sie ein Sühneopfer darbringen, damit sie von der Sünde befreit würden. Diese Geste gründet in der Gewissheit, dass die Gemeinschaft, die wir hier auf Erden miteinander leben, trotz aller Grenzen, aller Schuld nicht zerbricht, wenn wir sie in Gottes Hände legen. So wird das Zeugnis der Makkabäer zu einer Vorwegnahme dessen, was in der christlichen Liturgie seine volle Entfaltung findet. Wenn wir nämlich am Altar des Herrn unserer verstorbenen Brüder gedenken, so tun wir dies im Vertrauen auf die Verheißung, dass unser Leben in Christus nicht verloren geht, weil es erlöst wurde. (ANSA) „Getragen von dieser großen Hoffnung, die uns im Ostergeheimnis geschenkt wurde“ Die Geste des Judas ist vor allem ein Akt des Glaubens. Denn er bringt sein Opfer dar „in der festen Erwartung, dass die Toten auferstehen werden“ (V. 44). Im Licht Jesu, der selbst der Urheber der Auferstehung ist, beten auch wir für unsere Verstorbenen, getragen von dieser großen Hoffnung, die uns im Ostergeheimnis geschenkt wurde. 
Denn wenn es, wie die Heilige Schrift betont, keine Auferstehung gäbe, wäre auch das Gebet für die Verstorbenen vergeblich (vgl. V. 44). So stellt auch der Apostel Paulus mit Nachdruck fest: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube“ (1Kor 15,13–14). Meine Lieben, für die Verstorbenen zu beten bedeutet, das Leben zu feiern! Vor allem das Leben des auferstandenen Christus, unseres Herrn, und – durch seine Gnade – auch unser eigenes Leben, das in ihm aufersteht. Das eucharistische Opfer ist das Gedächtnis seines Pascha, durch das er uns gerettet hat, indem er sich selbst hingegeben hat für uns. Lassen wir daher nicht zu, dass das Gedenken an unsere Verstorbenen zu bloßer Wehmut verkommt. Im Glauben wollen wir ohne Furcht über das Geheimnis des Todes nachdenken, denn der Herr lebt, er erwartet uns und hat im Haus seines Vaters bereits einen Platz für uns bereitet (vgl. Joh 14,2-3). 
 (ANSA) „In eine gegenseitige Verbundenheit hineingenommen“ Die Kirche feiert diesen Akt der Hingabe und der Hoffnung in der Gemeinschaft der Heiligen. Wenn wir für die Verstorbenen beten, tun wir dies nämlich nicht nur für sie, sondern auch mit ihnen. So sind wir in eine gegenseitige Verbundenheit hineingenommen, die der Heilige Geist in unseren Herzen lebendig werden lässt. Die Kirche ist Geheimnis der Gemeinschaft zwischen Christus, dem Haupt, und uns, seinen Gliedern. Von ihm empfangen wir das Leben. Diese Gemeinschaft verbindet die seligen Geister, die bereits das Angesicht Gottes schauen, mit all jenen, die im Himmel oder auf Erden noch unterwegs sind zu diesem lichtvollen Ziel. Meine Lieben, in Christus löst der Tod die Bande der Verbundenheit nicht auf, sondern verwandelt sie in eine neue Dimension. Diese erschließt sich uns allein im Geheimnis seiner Liebe, die er am Kreuz bis zur Vollendung geschenkt und nach seinem Ostersieg über uns ausgegossen hat. Wenn wir also in der heiligen Eucharistie die Liebe des auferstandenen Herrn empfangen, bewahren und pflegen wir diese Gemeinschaft auf unserem Weg, damit auch wir – wenn unsere Stunde gekommen ist – das fürbittende Gebet unserer pilgernden Brüder und Schwestern empfangen und gemeinsam mit allen Heiligen die Freude der himmlischen Heimat verkosten können."

Quelle: S. Kritzenberger, vaticnnews

Hl. Messe

 zum Gedenken an die verstorbenen Kardinäle

               

Mittwoch, 4. November 2026

Besuch auf dem Campo Santo Teutonico

 Nach der Generalaudienz hat Papst Leo XIV den Campo Santo Teutonico besucht. 

              

 Rektor Peter Klasvogt hat gegenüber Radio Vatikan berichtet:

„Er ist nach der Generalaudienz auf unseren Friedhof gekommen, hat die Gräber gesegnet, ein Gebet gesprochen, mit unseren Mitarbeiterinnen und Kollegiaten der Erzbruderschaft gesprochen und so das Anliegen deutlich gemacht: Wir sind mit der Kirche des Himmels verbunden, und wir sind gleichzeitig auch mit unseren Verstorbenen verbunden, die uns vorausgegangen sind. Wir beten für sie und wir vertrauen sie der Liebe und der Barmherzigkeit Gottes an!“

Quelle: vaticannews

Die Katechese

vaticannews veröffentlicht den Wortlaut der Ansprache des Hl. Vaters während der heutigen Generalaudienz. Hier geht´s zum Original :  klicken

                "Liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen und herzlich willkommen!"

Die soziale Dimension ist nicht nur ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Natur, sondern auch unseres Glaubens an Jesus Christus – als kostbares Erbe, das wir durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes empfangen haben. Die Konstitution „Gaudium et spes“ (GS) erinnert daran in den Kapiteln III und IV des zweiten Teils, die dem wirtschaftlichen und sozialen Leben sowie dem Leben der politischen Gemeinschaft gewidmet sind. Auch in diesen Bereichen bietet der christliche Glaube Kriterien zur Urteilsfindung.

Die Konzilsväter heben vor allem die Gefahr für den Weltfrieden hervor, die sich aus den Ungleichgewichten ergibt, die mit einer ungerechten und die Schöpfung missachtenden wirtschaftlichen Entwicklung verbunden sind (vgl. GS, 63). Eine weitsichtige Sichtweise, die leider am Ende des letzten Jahrhunderts Bestätigung fand und die wir heute noch stärker feststellen. Um den Kurs zu korrigieren – so warnt das Dokument –, reicht die technische Entwicklung nicht aus: „Daher werden vielfältige institutionelle Reformen in der Wirtschaft wie auch eine allgemeine Umstellung der Gesinnung und Verhaltensweise gefordert“ (ebd.).

Deshalb stellt „Gaudium et spes“ zusammenfassend die christliche Sicht der wirtschaftlichen Entwicklung dar, die stets im Dienst des Menschen stehen und unter seiner Kontrolle stehen muss (vgl. GS, 64–65). Schon hier wird das Konzept der ganzheitlichen Entwicklung deutlich, das der heilige Paul VI. später in den Mittelpunkt seiner Enzyklika „Populorum progressio“ (1967) stellen wird. Aktueller denn je sind zudem die Aufrufe, sich für die Beseitigung von Diskriminierungen zum Nachteil der schwächsten sozialen Gruppen und der Migranten einzusetzen (vgl. GS, 66).

Das Herzstück der Wirtschaft ist die Arbeit. Durch sie entfaltet sich der Mensch als Person, sorgt für die Bedürfnisse seiner Familie, bringt seine Begabungen zum Ausdruck, nimmt am gesellschaftlichen Leben teil und baut eine bessere Welt auf, indem er am Schöpfungswerk Gottes mitwirkt. Die Arbeit darf niemals zum Nachteil der Menschen, des Gemeinwohls oder der Schöpfung verzerrt werden. Die wahre Herausforderung besteht darin, allen die Möglichkeit zu bieten, ihre Fähigkeiten zur Geltung zu bringen: Arbeitslosigkeit, Ausbeutung und Arbeitsbedingungen, die die Gesundheit und das Leben selbst gefährden, sind nicht hinnehmbar (vgl. GS, 67). Die Arbeitnehmer haben das Recht und die Pflicht, an den Entscheidungen mitzuwirken, die ihre Tätigkeit betreffen, auch im Rahmen von Vereinigungen, und Konflikte durch Dialog und gewaltfreie Maßnahmen zu lösen (vgl. GS, 68).

In diesem Zusammenhang verweist das Konzil auf eines der Grundprinzipien der Soziallehre, nämlich die universelle Bestimmung der Güter der Erde (vgl. GS, 69), und wendet es auf den Finanzbereich an, indem es bekräftigt: „ Alle, die über diese Investitionen und über die Ausrichtung der Wirtschaft zu entscheiden haben, seien es Einzelne, Gruppen oder öffentliche Gewalten, sind gehalten, … ihrer strengen Verpflichtung eingedenk zu sein, einerseits den derzeitigen Bedarf menschenwürdiger Lebenshaltung sowohl der Einzelnen als auch des gesellschaftlichen Ganzen zu decken, andererseits den Blick auf die Zukunft zu richten und für ein ausgewogenes Verhältnis zu sorgen zwischen dem, was zur Deckung der derzeitigen privaten und öffentlichen Verbrauchsbedürfnisse bereitgestellt wird, und den notwendigen Investitionen zugunsten der nachfolgenden Generation“ (GS, 70).

Gaudium et spes wendet sich anschließend der politischen Gemeinschaft zu und würdigt verschiedene positive Zeichen der heutigen Zeit, insbesondere die Tatsache, dass aus einem lebendigeren Bewusstsein für die Menschenwürde in verschiedenen Regionen der Welt das Bestreben entsteht, eine politisch-rechtliche Ordnung zu schaffen, in der die Rechte der Person im öffentlichen Leben besser geschützt werden (vgl. GS, 73).

Die politische Gemeinschaft existiert im Dienste des Gemeinwohls, das darin besteht, in der Gesamtheit jener Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens, die es den Menschen, den Familien und den Vereinigungen ermöglichen und erleichtern, ihre Vollkommenheit in vollem Umfang zu verwirklichen (vgl. GS, 74). Und stets muss die Ausübung politischer Autorität auf das Gemeinwohl ausgerichtet sein; sie strukturiert sich und wirkt entsprechend den lokalen und historischen Gegebenheiten, hat jedoch stets das Wohl der gesamten Menschheitsfamilie im Blick (vgl. ebd.).

Gaudium et spes bekräftigt: „Die politische Gemeinschaft und die Kirche sind auf je ihrem Gebiet voneinander unabhängig und autonom. Beide aber dienen, wenn auch in verschiedener Begründung, der persönlichen und gesellschaftlichen Berufung der gleichen Menschen. Diesen Dienst können beide zum Wohl aller um so wirksamer leisten, je mehr und besser sie rechtes Zusammenwirken miteinander pflegen.“ (GS, 76).

Meine Lieben, sich in Wirtschaft und Politik nach diesen Kriterien zu engagieren, ist ein Weg, Frieden zu stiften. Wie Papst Franziskus in Erinnerung rief: „Krieg ist ein Versagen der Politik und der Menschheit, eine beschämende Kapitulation, eine Niederlage gegenüber den Mächten des Bösen“ (Enzyklika Fratelli tutti, 261). Im Gegensatz dazu bietet eine Politik, die sich um die Wunden der Völker und um all jene kümmert, die Ungerechtigkeit erleiden, Anlass zur Hoffnung für die Zukunft der Menschheit.

Deshalb ermutige ich die jungen Menschen, dem Beispiel jener Männer und Frauen zu folgen, die in diesen Bereichen ein gutes Zeugnis abgelegt haben. Und ich erneuere meine Aufforderung an die christlichen Gemeinschaften, die Ausbildung in der Soziallehre der Kirche wiederzubeleben."

Quelle:  vaticannews

Generalaudienz

 auf dem Petersplatz

              

Dienstag, 3. November 2026

Papstbotschaft an die Jugend

Wie Stefan Kempis bei vaticannews berichtet, hat der Vatican heute eine Botschaft des Hl. Vaters an die Jugend veröffentlicht.  Hier geht´s zum Original:  klicken

Unter dem Titel:

"PAPSTBOTSCHAFT AN JUGENDLICHE: NICHT MUTLOS WERDEN"

beginnt der Bericht so- ZITAT

"Der Text, der an diesem Dienstag veröffentlicht wurde, ist keine Reaktion auf die jüngsten Jugendproteste in vielen europäischen Ländern, sondern gilt dem Weltjugendtag, der am 22. November, dem Christkönigs-Sonntag, in den einzelnen Bistümern weltweit begangen wird. Papst Leo beschäftigt sich mit den Worten Jesu „Habt Mut: Ich habe die Welt besiegt!“ (Joh 16,33). Er wisse um die „Fragen und Sorgen“ vieler junger Menschen heute, darunter um ihre „Angst vor der Zukunft”. Doch Christi Gegenwart könne uns Mut machen. Dabei sei „christlicher Mut kein Mut ‚gegen‘ etwas oder jemanden, sondern ein Mut ‚zu etwas‘: zum Leben, zur Wahrheit, zur Freiheit, zur Gerechtigkeit“. (...)

Quelle: S.v.Kempis, vaticannews

Das Spalter-Virus Luther 1517

ist in Deutschland immer noch virulent und hat wenige Tage nach dem Reformationstag in der DBK  einen erneuten Ausbruch ausgelöst. Wie aus Agenturmeldungen zu erfahren ist, hat Bischof Bätzing es für angebracht gehalten, den Hl. Vater offen zu kritisieren und in nicht ganz neuer Selbstüberschätzung belehren zu wollen. Hier ein Ausschnitt aus der Stellungnahme des ehemaligen Vorsitzenden der DBK im Bistumsblatt der Diözese Limburg, in der der Monsignore seine Irritation manifestiert.  
Veröffentlicht u.a hier

"Auszüge aus der Stellungnahme des Bistums:

„Wir wissen heute sehr viel darüber, wie sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche möglich wurde, warum er über Jahrzehnte vertuscht werden konnte und welche kirchlichen Strukturen ihn begünstigt haben. Dieses Wissen verdanken wir vor allem den Betroffenen, die trotz aller Widerstände ihre Stimme erhoben haben. Und wir verdanken es unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchungen, die schonungslos offengelegt haben, wie sehr individuelles Versagen und institutionelle Bedingungen miteinander verwoben waren. Hinter diese Erkenntnisse dürfen wir nicht zurückfallen. "Umso mehr haben mich Äußerungen von Papst Leo XIV. irritiert. Auf dem Rückflug von seiner Frankreichreise wollte er der Aussage von Betroffenen nicht zustimmen, er habe den systemischen Charakter sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche anerkannt. Er bevorzuge eine andere Formulierung, sagte der Papst. Bei seinem Gespräch mit Betroffenen in Lourdes habe er von bestimmten Organisationen innerhalb der Kirche gesprochen, die zuweilen als System missbräuchlich gehandelt hätten. Zugleich erklärte er: ‚Sexueller Missbrauch ist in erster Linie ein menschliches Problem.‘ (…) Die Frage nach systemischen Ursachen ist keine sprachliche Spitzfindigkeit. Sie entscheidet darüber, ob wir die richtigen Konsequenzen aus den Verbrechen der Vergangenheit ziehen. (…) Eine Kirche, die glaubwürdig das Evangelium verkünden will, muss bereit sein, auch ihre eigenen Strukturen kritisch zu hinterfragen. Sie darf ihre institutionellen Interessen nicht über die Würde des Menschen stellen. Und sie muss akzeptieren, dass geistliche Autorität niemals von Rechenschaft und Kontrolle entbindet. Wer Missbrauch wirksam verhindern will, muss deshalb mehr verändern als das Verhalten Einzelner. Er muss auch die Strukturen verändern, die Missbrauch begünstigen. Daran muss sich unsere Kirche messen lassen – in Deutschland, in Rom und überall auf der Welt."

Quelle: X, J. Kraschel OFM

Montag, 2. November 2026

Allerseelen: Hl. Messe

   auf dem  Verano-Friedhof in Rom

             


    ALLERSEELEN:  DIE PAPSTPREDIGT IM WORTLAUT                            

                                 Liebe Brüder und Schwestern,

wir haben uns an diesem Ort des Gebets, des liebevollen Gedenkens und der Hoffnung versammelt, um miteinander die Eucharistie zu feiern. Wir bringen diese heilige Messe für unsere Verstorbenen dar, besonders für jene, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, und für alle, die wir im Herzen tragen.

Das Gedenken an die Verstorbenen am Tag nach dem Hochfest Allerheiligen gibt unserem heutigen Gebet seine besondere Ausrichtung. Wir wenden uns an den Vater im Himmel und bitten ihn, dass das Leben der Heiligkeit und der ewigen Seligkeit, dessen sich bereits so viele seiner Söhne und Töchter erfreuen, auch den Seelen all jener zuteil werde, die im Frieden entschlafen sind.

Unser Glaube wird erhellt durch das Wort Gottes, das uns verkündet wurde und unser Vertrauen in die Hand Gottes stärkt. Sie vermag die Seelen der Gerechten zuverlässig zu bewahren, wie es im Buch der Weisheit heißt: „Keine Folter kann sie berühren“ (Weish 3,1). Das ist die Verheißung des Heils, die gerade an diesem Tag zum Mittelpunkt unseres Bittgebets wird, das wir für alle verstorbenen Gläubigen zum Herrn des Lebens erheben.

Seine väterlichen und schützenden Hände mögen sie für immer bewahren, damit sie jene tiefe und lebensspendende Gemeinschaft erfahren dürfen, die der Herr seinem Volk im Buch der Offenbarung verheißt: „Sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein“ (Offb 21,3). Unser Gebet gilt der Erfüllung dieser ewigen Lebensgemeinschaft, die der Gute Hirt seinen Schafen verheißen hat: Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie seiner Hand entreißen (vgl. Joh 10,28).

Meine Lieben, wir haben das Evangelium von den Seligpreisungen gehört (Mt 5,1–12). Sie sind gleichsam ein Selbstporträt Jesu, das er seinen Jüngern vor Augen stellt, wenn er ihnen zuruft: „Selig seid ihr!“ (V. 11). Die Seligpreisungen weisen uns den Weg zu einem Leben in Fülle und Vollendung – schon jetzt und in Ewigkeit. Wenn sie in der Liturgie verkündet werden, dann wissen wir: Es ist der auferstandene Herr selbst, der zu uns spricht. Diese Frohbotschaft des Heils, die in den Seligpreisungen aufscheint, erklingt auf einem Friedhof mit besonderer geistlicher Kraft. Denn ein Friedhof ist gleichsam ein Ort an der Schwelle zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen unserem irdischen Dasein und der anderen Wirklichkeit, die uns erwartet. Der auferstandene Jesus sagt uns: Selig sind, die diesem Weg folgen, denn ihnen gehört das Himmelreich.

Von den acht Seligpreisungen des Matthäusevangeliums berührt uns heute eine ganz besonders: „Selig, die Trauernden; denn sie werden getröstet werden“ (Mt 5,4). In diesem Augenblick wollen wir besonders für all jene beten, die erst vor kurzem einen geliebten Menschen verloren haben – vor allem für die, denen er durch die unsinnige Gewalt des Krieges entrissen wurde. Mögen die Tränen so vieler Mütter, so vieler Kinder und so vieler älterer Menschen die Gewissen all jener aufrütteln, die die Macht haben, die Waffen zum Schweigen zu bringen!

Zum 800. Todestag des Franz von Assisi kommt uns ganz selbstverständlich jene „Seligpreisung“ in den Sinn, die der Heilige dem Sonnengesang hinzufügte, als er spürte, dass sein Ende nahte: „Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod; ihm kann kein Mensch lebend entrinnen. Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben. Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.“

Liebe Brüder und Schwestern, der Glaube an Christus sagt uns, dass unsere Verbundenheit mit den Verstorbenen nicht unterbrochen, sondern verwandelt wurde. Durch unser Gebet für die Verstorbenen begleiten wir unsere Lieben auf ihrem Weg zur vollen Gemeinschaft mit dem Herrn: dieser Gemeinschaft, die wir im Sakrament der Eucharistie schon hier verkosten dürfen. Gestärkt durch diesen Glauben voller Hoffnung gehen wir unseren irdischen Weg weiter, in Erwartung jenes Tages, an dem Gott alle Tränen abwischen wird und „der Tod nicht mehr sein wird, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen“ (Offb 21,4)."

Quelle: vaticannews

Generalaudienz am 2. Nobember 2011

In seiner Katechese während der Generalaudienz am 2.11. 2011 befasste sich Papst Benedikt XVI. anlässlich von Allerseelen mit dem Gedenken an die Verstorbenen.                                                      Hier geht´s zum Original: klicken

                      "Gedenken an die verstorbenen Gläubigen" 
Liebe Brüder und Schwestern,

Nach der Feier des Hochfestes Allerheiligen lädt die Kirche uns heute ein, aller verstorbenen Gläubigen zu gedenken, unseren Blick den Gesichtern der vielen Menschen zuzuwenden, die uns vorausgegangen sind und den irdischen Weg beendet haben. In der Audienz an diesem Tag möchte ich euch daher einige einfache Gedanken über die Wirklichkeit des Todes vorlegen, die für uns Christen von der Auferstehung Christi erleuchtet ist, um unseren Glauben an das ewige Leben zu erneuern.

Wie ich bereits gestern beim Angelus sagte, geht man in diesen Tagen zum Friedhof, um für nahestehende Menschen zu beten, die von uns gegangen sind, gleichsam um ihnen einen Besuch abzustatten, ihnen noch einmal unsere Liebe zu bekunden, ihre Nähe zu spüren. Auf diese Weise erinnern wir uns auch an einen Artikel des Glaubensbekenntnisses: In der Gemeinschaft der Heiligen besteht eine enge Verbindung zwischen uns, die wir noch auf dieser Erde wandeln, und den vielen Brüdern und Schwestern, die bereits in die Ewigkeit eingegangen sind. Schon immer hat der Mensch für seine Toten Sorge getragen und versucht, ihnen durch die Aufmerksamkeit, die Fürsorge, die Liebe eine Art zweites Leben zu schenken. In gewisser Weise möchte man ihre Lebenserfahrung bewahren; und wie sie gelebt, was sie geliebt, was sie gefürchtet, was sie gehofft und was sie verabscheut haben, das entdecken wir paradoxerweise gerade an den Gräbern, vor denen die Erinnerungen in Fülle wach werden. Sie sind gleichsam ein Spiegel ihrer Welt. Warum ist das so? Weil der Tod – obwohl er oft ein fast verbotenes Thema in unserer Gesellschaft ist und ständig versucht wird, den bloßen Gedanken an den Tod aus unserem Bewußtsein zu vertreiben – einen jeden von uns betrifft, er betrifft den Menschen jeder Zeit und an jedem Ort. Und angesichts dieses Geheimnisses suchen wir alle, auch unbewußt, nach etwas, das uns einlädt zu hoffen, nach einem Zeichen, das uns Trost spendet, das uns einen Horizont öffnet, das uns noch eine Zukunft gibt. Der Weg des Todes ist in Wirklichkeit ein Weg der Hoffnung, und wenn wir über unsere Friedhöfe gehen und auch die Inschriften auf den Gräbern lesen, dann legen wir einen Weg zurück, der von der Hoffnung auf Ewigkeit geprägt ist.

Wir fragen uns jedoch: Warum empfinden wir Angst vor dem Tod? Warum hat die Menschheit zu einem großen Teil sich nie damit abgefunden zu glauben, daß jenseits des Todes einfach nur das Nichts ist? Ich würde sagen, daß es vielfältige Antworten gibt: Wir fürchten den Tod, weil wir Angst haben vor dem Nichts, vor dem Aufbrechen zu etwas, das wir nicht kennen, das uns unbekannt ist. Daher verspüren wir in uns eine Ablehnung, weil wir nicht akzeptieren können, daß all das Schöne und Große, das in einem ganzen Leben verwirklicht wurde, plötzlich ausgelöscht wird, in den Abgrund des Nichts fällt. Vor allem spüren wir, daß die Liebe Ewigkeit verlangt und erbittet, und wir können unmöglich akzeptieren, daß der Tod sie in einem einzigen Augenblick zerstört. Auch fürchten wir uns vor dem Tod, weil wir gegen Ende des Lebens spüren, daß es ein Urteil über unser Handeln gibt, darüber, wie wir unser Leben geführt haben, vor allem über die dunklen Punkte, die wir oft geschickt aus unserem Gewissen verdrängen können oder zu verdrängen versuchen. Ich würde sagen, daß gerade die Frage des Gerichts oft der Sorge zugrunde liegt, die der Mensch aller Zeiten den Verstorbenen erweist, der Aufmerksamkeit gegenüber den Personen, die ihm etwas bedeutet haben und die auf dem Weg des irdischen Lebens nicht mehr bei ihm sind. In gewissem Sinne sind die Gesten der Zuneigung, der Liebe, mit denen der Verstorbene umgeben ist, ein Schutz, der ihm erwiesen wird, in der Überzeugung, daß er auf das Urteil nicht ohne Wirkung bleibt. Das können wir in den meisten Kulturen sehen, die die Geschichte des Menschen prägen. Heute ist die Welt, zumindest scheinbar, viel rationaler geworden, oder besser gesagt hat sich die Tendenz verbreitet zu meinen, daß man jeder Wirklichkeit mit den Kriterien der empirischen Wissenschaft begegnen muß und daß man auch auf die große Frage des Todes nicht so sehr mit dem Glauben, sondern von erfahrbaren, empirischen Kenntnissen her antworten sollte. Man führt sich jedoch nicht ausreichend zu Bewußtsein, daß man gerade so in Formen des Spiritismus verfallen ist, bei dem Versuch, mit der Welt jenseits des Todes irgendwie in Kontakt zu stehen, gleichsam mit der Vorstellung, daß es eine Wirklichkeit gibt, die letztlich ein Abbild des Diesseits wäre.

Liebe Freunde, das Hochfest Allerheiligen und der Gedenktag Allerseelen sagen uns, daß nur wer im Tod eine große Hoffnung erkennt, auch ein Leben leben kann, das von der Hoffnung ausgeht. Wenn wir den Menschen ausschließlich auf seine horizontale Dimension verkürzen, auf das, was empirisch wahrnehmbar ist, dann verliert das Leben seinen tieferen Sinn. Der Mensch braucht Ewigkeit, und jede andere Hoffnung ist für ihn zu kurz, zu begrenzt. Der Mensch läßt sich nur erklären, wenn es eine Liebe gibt, die jede Isolierung überwindet, auch die des Todes, in einer Ganzheit, die auch Raum und Zeit übersteigt. Der Mensch läßt sich nur dann erklären, findet nur dann seinen tieferen Sinn, wenn es Gott gibt. Und wir wissen, daß Gott aus seiner Ferne herausgetreten und zu uns gekommen ist, daß er in unser Leben eingetreten ist und zu uns sagt: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben« (Joh 11,25–26).

Denken wir einen Augenblick an die Szene auf dem Kalvarienberg, und hören wir noch einmal die Worte, die Jesus vom Kreuz herab an den Verbrecher richtet, der zu seiner Rechten gekreuzigt ist: »Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein« (Lk 23,43). Denken wir an die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus, als sie ihn, nachdem sie ein Stück des Weges mit dem auferstandenen Jesus gegangen sind, erkennen und noch in derselben Stunde nach Jerusalem aufbrechen, um die Auferstehung des Herrn zu verkündigen (vgl. Lk 24,13–35). Mit neuer Klarheit kommen ihnen die Worte des Meisters wieder in den Sinn: »Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?« (Joh 14,1–2). Gott hat sich wirklich gezeigt, er ist zugänglich geworden, er hat die Welt so sehr geliebt, »daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat« (Joh 3,16), und im erhabensten Akt der Liebe am Kreuz, indem er in den Abgrund des Todes hinabgestiegen ist, hat er ihn überwunden, ist er auferstanden und hat er auch uns die Tore der Ewigkeit geöffnet. Christus trägt uns durch die Nacht des Todes, durch die er selbst hindurchgegangen ist; er ist der gute Hirt, dessen Führung man sich ohne jegliche Angst anvertrauen kann, denn er kennt den Weg gut, auch durch die Finsternis hindurch. Jeden Sonntag bekräftigen wir, wenn wir das Glaubensbekenntnis sprechen, diese Wahrheit. Und wenn wir auf die Friedhöfe gehen, um mit Zuneigung und Liebe für unsere Verstorbenen zu beten, dann sind wir erneut eingeladen, mutig und kraftvoll unseren Glauben an das ewige Leben zu erneuern, ja mit dieser großen Hoffnung zu leben und sie der Welt zu bezeugen: Jenseits der Gegenwart ist nicht das Nichts. Und gerade der Glaube an das ewige Leben gibt dem Christen den Mut, unsere Erde noch mehr zu lieben und uns dafür einzusetzen, ihr eine Zukunft aufzubauen, um ihr eine wahre und sichere Hoffnung zu schenken. Danke." (...)

Quelle: La Santa Sede, Benedikt XVI