Mittwoch, 4. März 2026

Papst Pius XII und die Musik

Massimo Scapin berichtet bei OnePeterFive über die Liebe des mit Hilfe einer vom KGB lancierten Schwarzen Legende noch immer verleumdeten Pastro Angelicus zur Musik.
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"PIUS XII: TIEF MIT DER MODERNEN MUSIK VERBUNDEN"

Vor 150 Jahren, am 2.März 1876 wurde Eugenio Pacelli in Rom geboren- der zukünftige Papst Pius XII
(1939 - 1958). An diesem wichtigen Geburtstag wenden wir unsere Aufmerksamkeit einer weniger bekannten aber sehr charakteristischen Facette seines Charakters zu: der intensiven, kultivierten, und spirituellen Verbindung zu Musik.

          

Eugenios Liebe zur Musik zeigte sich früh. Die Familie Pacelli besaß eine Theaterloge, und der Junge besuchte die Vorstellungen regelmäßig, gebannt von dem, was er sah und hörte. Doch er war kein passiver Zuschauer. Er beobachtete aufmerksam, machte sich Notizen, dachte nach und studierte. Zu Hause begann er Geige zu spielen. „Er genoss auch Musik“, erinnerte sich sein Neffe Carlo Pacelli (†1970), „und ich erinnere mich, zwei Geigen zu Hause gesehen zu haben, die ihm gehörten. Ich weiß nicht, welche Musik er in seiner Jugend bevorzugte, aber später, während seiner Zeit in Deutschland, waren seine Lieblingsmeister die großen deutschen Komponisten: Bach, Beethoven und Wagner.“    

Vor allem war es Richard Wagner (†1883), der seine Phantasie beflügelte. Wagners Musik - mit ihrer metaphysischen Spannung und nahtlosen Verschmelzung von Wort und Klang- übte eine machtvolle und andauernde Faszination auf ihn aus. Eine typische Episode ereignete sich 1954, als Pius XII die gefeierte Sopranistin Maria Callas (†1977) in Privataudienz empfing. Der Papst hatte 1950 mit großer Begeisterung Parsifal in einer Übertragung des Italienischen Rundfunks gehört und wollte seine Bewunderung persönlich ausdrücken. "Sie haben mich tief bewegt" sagte er zu ihr "und deshalb wollte ich Sie treffen."

Dem folgte eine lebhafte und inspirierte Unterhaltung über Wagner-Opern. "Es ist schade" bemerkte der Ponrifes " daß Sie nicht in der deutschen Originalversion gesungen haben. Wagner verliert viel in der Italienischen Übersetzzung"  "Die Sendung war für ein Italienisches Publikum gedacht" erwiderte Marria."Hätten wir auf Deutsch gesungen. hätte es wenige verstanden." "Das ist wahr" gab Pius XII zu, "Aber Wagners Musik ist außer mit den Worten, die er selbst geschrieben hat, undenkbar. Die Musi ist mit ihnen geboren- deshalb untrennbar". "Ich stimme Ihnen nicht zu" erwiderte Callas. "Die Original-Version ist natürlich vollständiger- aber die Italienische Übersetzung ist ihr ebenbürtig.Um die Musik wirklich zu verstehen, ist es wichtig, die Bedeutung der worte zu verstehen." Die UNterhaltung wurde lebhaft- Maria gab nich leicht nach- und der Papst schien amüsiert zu sein." 

Das war sicher kein oberflächliches Interesse. Pius´XII Verhältnis zur Musik war in tiefer ästhetischer und spiritueller Reflektion verankert.

Während seines Pontifikats transzendierte die Musik das Persönliche und durchdrang die Räumlichkeiten des Vatikans. Sie wurde zum Medium der Erinnerung, der Schönheit und der Versöhnung. Unvergesslich war das Konzert vom 2. Juli 1945, als Verdis Requiem unter der Leitung von Tullio Serafin (†1968) mit dem Tenor Beniamino Gigli (†1957) als einem der Solisten durch den Hof des Belvedere erklang. Ebenso bewegend war das Konzert vom 26. Mai 1955, als das Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Paul Kletzki (†1973) Auszüge aus Beethovens Siebter Sinfonie im Konsistoriumssaal des Apostolischen Palastes aufführte. Die Veranstaltung war ein Zeichen des Dankes „für die großen humanitären Bemühungen Seiner Heiligkeit, während des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Juden zu retten.“ 

Die Katechese

vaticannews veröffentlicht den Wortlaut der Katechese des Hl. Vaters bei der heutigen Generalaudienz. Hier geht´s zum Original:  klicken

WORTLAUT: DIE PAPSTKATECHESE BEI DER GENERALAUDIENZ AM 4.3.2026

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag und herzlich Willkommen! Wir setzen heute unsere Vertiefung der Konzilskonstitution Lumen gentium, der Dogmatischen Konstitution über die Kirche, fort.

Im ersten Kapitel, in dem vor allem die Frage beantwortet werden soll, was die Kirche ist, wird sie als „eine komplexe Wirklichkeit” beschrieben (Nr. 8). Nun fragen wir uns: Worin besteht diese Komplexität? Jemand könnte antworten, dass die Kirche komplex ist, weil sie „kompliziert” und daher schwer zu erklären ist; jemand anderes könnte denken, dass ihre Komplexität daher rührt, dass sie eine Institution ist, die auf eine zweitausendjährige Geschichte zurückblickt und sich in ihren Merkmalen von jeder anderen sozialen oder religiösen Vereinigung unterscheidet. Im Lateinischen bedeutet das Wort „komplex” jedoch eher die geordnete Vereinigung verschiedener Aspekte oder Dimensionen innerhalb derselben Realität. Aus diesem Grund kann Lumen gentium behaupten, dass die Kirche ein gut strukturierter Organismus ist, in dem die menschliche und die göttliche Dimension ohne Trennung und ohne Vermischung miteinander bestehen.

Die erste Dimension ist sofort erkennbar, da die Kirche eine Gemeinschaft von Männern und Frauen ist, die die Freude und die Mühen des Christseins mit ihren Vorzügen und Fehlern teilen, das Evangelium verkünden und Zeichen der Gegenwart Christi sind, der uns auf unserem Lebensweg begleitet. Doch dieser Aspekt, der sich auch in der institutionellen Organisation manifestiert, reicht nicht aus, um das wahre Wesen der Kirche zu beschreiben, denn sie besitzt auch eine göttliche Dimension. Letztere besteht nicht in einer idealen Vollkommenheit oder einer spirituellen Überlegenheit ihrer Mitglieder, sondern in der Tatsache, dass die Kirche aus dem Liebesplan Gottes für die Menschheit hervorgeht, der in Christus verwirklicht wurde. Die Kirche ist daher zugleich irdische Gemeinschaft und mystischer Leib Christi, sichtbare Versammlung und spirituelles Geheimnis, in der Geschichte gegenwärtige Realität und zum Himmel pilgerndes Volk (LG, 8; CCC, 771).

Die menschliche und die göttliche Dimension ergänzen sich harmonisch, ohne dass sich die eine über die andere stellt; so lebt die Kirche in diesem Paradox: Sie ist eine zugleich menschliche und göttliche Realität, die den sündigen Menschen aufnimmt und ihn zu Gott führt.

Um diese kirchliche Verfasstheit zu erhellen, verweist Lumen gentium auf das Leben Christi. Denn wer Jesus auf den Straßen Palästinas begegnete, erlebte seine Menschlichkeit, seine Augen, seine Hände, den Klang seiner Stimme. Wer sich entschloss, ihm zu folgen, wurde gerade durch die Erfahrung seines gastfreundlichen Blicks, durch die Berührung seiner segnenden Hände, durch seine Worte der Befreiung und Heilung dazu bewegt. Gleichzeitig öffneten sich die Jünger jedoch, indem sie diesem Mann folgten, der Begegnung mit Gott. Denn das Fleisch Christi, sein Antlitz, seine Gesten und seine Worte offenbaren auf sichtbare Weise den unsichtbaren Gott.

Im Licht der Realität Jesu können wir nun zur Kirche zurückkehren: Wenn wir sie aus der Nähe betrachten, entdecken wir eine menschliche Dimension, die aus konkreten Menschen besteht, die manchmal die Schönheit des Evangeliums offenbaren und manchmal, wie alle anderen auch Schwierigkeiten haben und Fehler machen. Dennoch offenbaren sich gerade durch ihre Mitglieder und ihre begrenzten irdischen Seiten die Gegenwart Christi und sein Heilswirken. Wie Benedikt XVI. sagte, gibt es keinen Widerspruch zwischen Evangelium und Institution, vielmehr dienen die Strukturen der Kirche gerade der „Verwirklichung und Konkretisierung des Evangeliums in unserer Zeit” (Ansprache an die Bischöfe der Schweiz, 9. November 2006). Es gibt keine ideale und reine Kirche, die von der Erde getrennt ist, sondern nur die eine Kirche Christi, die in der Geschichte verkörpert ist.

Darin besteht die Heiligkeit der Kirche: in der Tatsache, dass Christus in ihr wohnt und sich durch die Kleinheit und Schwäche ihrer Mitglieder weiterhin hingibt. Wenn wir dieses immerwährende Wunder betrachten, das in ihr geschieht, verstehen wir die „Methode Gottes”: Er macht sich durch die Schwäche der Geschöpfe sichtbar und offenbart sich und wirkt weiterhin. Deshalb fordert Papst Franziskus in Evangelii gaudium alle auf, zu lernen, „die Sandalen vor dem heiligen Boden des anderen auszuziehen (vgl. Ex 3,5)“ (Nr. 169). Das befähigt uns auch heute noch, die Kirche aufzubauen: nicht nur durch die Organisation ihrer sichtbaren Formen, sondern durch den Aufbau jenes geistlichen Gebäudes, das der Leib Christi ist, durch die Gemeinschaft und die Nächstenliebe untereinander.

Die Liebe bringt nämlich ständig die Gegenwart des Auferstandenen hervor. „Möge der Himmel wollen“, so sagte der heilige Augustinus, „dass alle nur auf die Liebe achten: Denn sie allein besiegt alle Dinge, und ohne sie sind alle Dinge nichts wert; wo immer sie sich befindet, zieht sie alles zu sich“ (Serm. 354,6,6).

Quelle: vatican news - mm

Generalaudienz

 auf dem Petersplatz

                  

Dienstag, 3. März 2026

Neue Richtlinien für die Kirche von morgen

Wie Mario Galgano bei vaticannews berichtet, hat das Generalsekretariat der Synode die Abschlußberichte der Studiengruppen zur Priesterausbildung und zur Christlichen Mission vorgelegt. 
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"SYNODENSEKRETARIAT: NEUE RICHTLINIEN FÜR DIE KIRCHE VON MORGEN"

"Das Generalsekretariat der Synode hat an diesem Dienstag die ersten beiden Abschlussberichte der von Papst Leo XIV. eingesetzten Studiengruppen veröffentlicht. Es gehe um eine Neuausrichtung der Priesterausbildung sowie um eine umfassende Strategie für die christliche Mission im digitalen Zeitalter, teilte das Synodensekretariat mit.

Die Veröffentlichung erfolgt auf ausdrückliche Anordnung von Papst Leo XIV., um das gesamte „Volk Gottes“ am Reflexionsprozess teilhaben zu lassen. Kardinal Mario Grech, Generalsekretär der Synode, betonte, dass diese Berichte weit mehr als bloße Bürokratie seien: „Es ist gelebte Synodalität, nicht nur eine einfache bürokratische Zusammenarbeit.“

Die Kirche im „digitalen Kontinent“ (Gruppe Nr. 3)

Der Bericht zur Mission im digitalen Umfeld befasst sich mit der Frage, wie die Kirche in einer Kultur präsent sein kann, die zunehmend durch Algorithmen und Online-Gemeinschaften geprägt ist. Nach weltweiten Konsultationen empfiehlt die Studiengruppe unter anderem die Integration: Digitale Mission müsse Teil der ordentlichen kirchlichen Strukturen werden, statt ein „Nischenprojekt“ zu bleiben, wird hervorgehoben. Es gehe auch um eine Neudefinition von Raum. Das traditionelle Verständnis von Territorialgemeinden (Pfarreien) müsse angesichts globaler Online-Gemeinschaften theologisch und juristisch erweitert werden. Schliesslich sei die Ausbildung wichtig. Seelsorger müssten gezielt für die digitale Kultur geschult werden, um dort sprachfähig zu sein.

Priesterausbildung: Klerikalismus verhindern  (Gruppe Nr. 4)

Besonders weitreichend sind die Vorschläge zur Priesterausbildung. Die Studiengruppe plädiert nicht für eine neue „Ratio Fundamentalis“ (Grundordnung), sondern für eine synodale Umsetzung der bestehenden Regeln aus dem Jahr 2016. Das Leitmotiv lautet: Die Identität des Priesters bildet sich „im und aus dem“ Volk Gottes, nicht getrennt von ihm.

Zu den konkreten Reformvorschlägen gehören die dezentrale Ausbildung, also ein Wechsel zwischen dem Leben im Seminar und dem Wohnen in Pfarrgemeinden oder anderen kirchlichen Feldern, oder gemeinsame Ausbildungseinheiten angehender Priester gemeinsam mit Laien, Ordensleuten und anderen kirchlichen Mitarbeitern. Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Rolle der Frauen in der Ausbildung. „Kompetente Frauen“ sollten auf allen Ebenen der Ausbildung mit in die Verantwortung genommen werden. 

Ein Prozess, kein Endpunkt

Kardinal Grech unterstrich, dass diese Berichte als Arbeitsdokumente zu verstehen seien. Sie seien ein Startpunkt, an dem sich lokale Kirchen bereits jetzt orientieren könnten. Das Synodensekretariat will nun gemeinsam mit den zuständigen Behörden (Dikasterien) des Vatikans daran arbeiten, diese Ergebnisse in konkrete Arbeitsvorschläge für die Weltkirche zu übersetzen, die dem Papst zur Entscheidung vorgelegt werden."

Quelle: M. Galgano, LNBQ

Zum 150. Geburtstag von Pius XII - Widerlegung der Hochhuth-Lüge

Anläßlich des 150. Geburtstages von Pius XII hat La Nuova Bussola Quotidiana Don Nicola Bux -interviewt. Hier geht´s zum Original:  klicken

"DIE HEILIGKEIT PIUS´ XII - VON DER LIEBE ZU MARIA ZUR HILFE FÜR DIE JUDEN"

Die Heiligkeit Pius’ XII., von seiner Liebe zu Maria bis zu seiner Hilfe für die Juden. Sein Beitrag zur Mariologie; die Ursprünge der Schwarzen Legende im Vergleich zur historischen Wahrheit, die belegt, wie sich Pius XII. dem Heil unzähliger Juden widmete; seine Hingabe an die Liturgie. Anlässlich des 150. Geburtstags von Eugenio Pacelli interviewt La Bussola Monsignore Nicola Bux.

Gestern, am 2. März, jährte sich der Geburtstag von Eugenio Pacelli (1876–1958) zum 150. Mal. Am selben Tag, dem 2. März 1939, wurde er als Pius XII. zum Papst gewählt. Die Kirche würdigte ihn bereits 2009 als einen Papst, der ein wahrhaft heiliges Leben führte, und verlieh ihm damit den Ehrenstatus. Um einige der wichtigsten Aspekte des großen Vermächtnisses von Pius XII. zu beleuchten, hat die Zeitung „La Nuova Bussola“ Monsignore Nicola Bux interviewt.

             

Pius XII. hat 1950 das Dogma der Aufnahme Mariens in den Himmel verkündet und darüber hinaus einen bedeutenden Beitrag zur Mariologie und Marienverehrung geleistet. Was lehrt uns seine Lehre in einer Zeit, in der in der Römischen Kurie ein gewisser marianischer Minimalismus wieder an Bedeutung gewonnen hat (siehe den DDF-Hinweis „Mater populi fidelis“)?  

Montag, 2. März 2026

Die angekündigten Bischofsweihen der FSSPX und der Weg ins Schisma

 Weihbischof Marian Eleganti führt aus, warum die von der FSSPX geplanten Bischofsweihen ohne die Zustimmung des Papstes

      Die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche und die vielen Schismen

 

Ein Bekenntnis zur Kirche

 

Ich habe als Reaktion auf meine Beiträge viele Kommentare gelesen, Videos angeschaut, Emails und Social-Media-Botschaften erhalten. Mit grossem Aufwand versuchen Traditionalisten und ihnen nahe stehende Personen etwas zu rechtfertigen, was einfach nicht zu rechtfertigen ist: Bischofsweihen ohne die Zustimmung des Papstes! Bischofsweihen entscheiden objektiv (ipso facto) über das Innerhalb oder Ausserhalb der Kirche, weil die Kirche auf Petrus gegründet ist, hierarchisch und sichtbar verfasst ist, nämlich als Bischofskollegium mit dem Papst als seinem Haupt an der Spitze in der Nachfolge der Apostel (Bischöfe) und des hl. Petrus (Päpste). Daran ändern alle auf dem Tisch liegenden Argumente, welche vom Papst nicht autorisierte Bischofsweihen legitimieren sollen, nichts.

 

Der Hl. Paulus war sich der Bedeutung der Einheit mit Petrus bewusst. Deshalb wollte er trotz seiner direkt von Christus empfangenen Berufung, seiner hohen Erkenntnisse und seines enormen Einsatzes bei der Gründung von neuen Gemeinden, nicht ohne die Bestätigung und Sendung durch Petrus weitermachen. Wie er sagt: um nicht «ins Leere» zu laufen! Das wäre er, hätte er sein Evangelium (von der Berufung der Heiden ohne Beschneidung und allein durch Glauben) gegen den Willen des hl. Petrus und ohne Bestätigung seiner Mission durch ihn (explizite Sendung durch Petrus, zu den Heiden zu gehen)  weiterhin verkündet und entsprechende «paulinische» Gemeinden gegründet. Aber genau das wollte er nicht: eine Berufung auf seinen Namen und eine Teilkirche ohne Einheit mit Petrus (Kephas) aus eigener Kraft (Autonomie) und aufgrund eigener Einsicht (Besserwisserei).

 

«Vierzehn Jahre später ging ich wieder nach Jerusalem hinauf, zusammen mit Barnabas; ich nahm auch Titus mit.      Ich ging hinauf aufgrund einer Offen-barung, legte der Gemeinde und im Besonderen den «Angesehenen» das Evangelium vor, das ich unter den Heiden verkündige; ich wollte sicher sein, dass ich nicht vergeblich laufe oder gelaufen bin.» Gal 2,1-2.

 

Dann schreibt er weiter:

 

 «Im Gegenteil, sie sahen, dass mir das Evangelium für die Unbeschnittenen anvertraut ist wie dem Petrus für die Beschnittenen, denn Gott, der Petrus die Kraft zum Aposteldienst unter den Beschnittenen gegeben hat, gab sie mir zum Dienst unter den Heiden und sie erkannten die Gnade, die mir verliehen ist. Deshalb gaben Jakobus, Kephas und Johannes, die als die «Säulen» Ansehen geniessen, mir und Barnabas die Hand zum Zeichen der Gemeinschaft: Wir sollten zu den Heiden gehen, sie zu den Beschnittenen.» Gal 2,7-9.

 

Ohne die Sendung und Bestätigung durch Petrus wollte Paulus seine Mission nicht fortsetzen. 

 

In diesem Sinne handelt die Piusbruderschaft seit Jahrzehnten ohne päpstliche Sendung. Ihre Priester und Bischöfe sind suspendiert, ohne kirchliche Legitimation und Sendung, die Priester ohne Inkardination, die Bischöfe ohne Bistum und ohne päpstliches Mandat. Und jetzt wollen sie wieder  Bischöfe weihen, selbst wenn dieser Weihen gegen den Willen des Papstes durchgeführt werden sollten (Stand der Dinge: März 2026). Die Beschwichtigung dieses schismatischen Aktes mit dem Hinweis, dass diese Bischöfe ohne Mandat des Papstes ja über keine Jurisdiktion verfügten und deshalb als reine Weihbischöfe (buchstäblich!) zu verstehen seien, ist mittelalterlich, ein seltsames Verständnis des Bischofsamtes und eine Rückabwicklung von Vatikanum I und II. Im Mittelalter gab es «Laienbischöfe» (Fürsten) ohne Weihe (dafür hielten sie sich Weihbischöfe), aber mit bischöflicher Jurisdiktion (Vollmacht), wie es heute mutatis mutandis im Vatikan eine «Laienbischöfin» (ohne potestas sacra), nämlich eine Präfektin gibt, der ein Kardinal bzw. Bischof (mit potestas sacra) als Vizepräfekt an die Seite gestellt (oder unterstellt?) ist. In beiden Fällen werden Weihe (potestas sacra) und Jurisdiktion getrennt gehandhabt. Aber genau das hat das letzte Konzil nicht gewollt, sondern zusammengebracht. Die Bischofsweihe vermittelt gemäss seiner Lehre die Fülle des Priestertums mit den Tria Munera: Lehramt (1), Heiligungsamt (2), Hirtenamt (3). Letzteres, das Leitungsamt (Jurisdiktion) kann legitimerweise nur in der Einheit mit dem Papst ausgeübt werden, d.h. nur mit seiner Zustimmung (Ernennung/ Anerkennung/Sendung), wird aber durch die Weihe vermittelt. Deshalb ist eine unerlaubte Bischofsweihe ein schismatischer Akt und vom Kirchenrecht (mit Recht!) mit Exkommunikation latae sententiae sanktioniert. Bei unerlaubten Bischofsweihen geht es in der Tat um «To be or not to be» der Kirche als der einen, heiligen, katholischen und apostolischen! Hier geht es um die Sichtbarkeit und Einheit der Kirche, nicht um jurisdidkionellen Positivismus.

 

In der Sessio XXIII (15. Juli 1563) des Konzils von Trient, dem Dekret über das Sakrament der Priesterweihe (De Sacramento Ordinis), werden das Weihesakrament und die Hierarchie behandelt. Dort (Kapitel IV und Kanon 7)  lehrt das Konzil im Zusammenhang der Frage der (nicht notwendigen) Zustimmung des Volkes oder einer weltlichen Autorität für die Gültigkeit einer Weihe: Wer ohne kirchliche und kanonische Autorität (ecclesiastica et canonica potestas) ordiniert wird oder eine Weihe sich selbst anmasst, ist kein rechtmässiger Diener, sondern ein Dieb und Räuber.


Weitere Bücher

Wie vaticannews berichtet,  hat Erzbischof Gänswein die Veröffentlichung weiterer drei Bücher mit bisher unveröffentlichten Predigten Benedikts XVI angekündigt. 
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Unter dem Titel:

"GÄNSWEIN: DREI WEITERE BÜCHER MIT PREDIGTEN VON BENEDIKT XVI"

beginnt der Bericht so:  ZITAT

Von Papst Benedikt XVI. sind noch drei weitere Bücher mit bisher unveröffentlichten Predigten aus seiner Zeit als emeritierter Papst in Arbeit. Das hat sein langjähriger Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein im Gespräch mit dem Kölner domradio angekündigt.

Nach den kürzlich veröffentlichten Texten zur Fasten- und Osterzeit werde der Herder-Verlag im Herbst einen zweiten Band zu Advent und Weihnachten auf den Markt bringen. Dann folgten noch zwei Bände mit Predigten zu den übrigen Sonntagen."

Quelle: vaticannews

Zeit für päpstliche Ernennungen

In seiner heutigen Kolumne für Monday at the Vatican befaßt sich A. Gagliarducci mit Gerüchten und Erwartungen bezüglich zu erwartender Ernennungen und ihrer Folgen. 
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                "LEO XIV: ZEIT FÜR ERNENNUNGEN"

Letzte Woche kursierten Gerüchte über die Zukunft von Erzbischof Edgar Peña Parra, dem Substituten des Staatssekretariats. Einige behaupteten, der langjährige päpstliche „Stabschef“ werde der nächste Nuntius des Papstes in Italien.

Sollte sich dies bestätigen, wäre das der Beginn einer weitreichenden Kettenreaktion von Ernennungen im Vatikan, die sich vom Staatssekretariat bis zur Präfektur des Päpstlichen Haushalts erstrecken würde – eine regelrechte Neustrukturierung des Regierungsteams.

Ein Schlüsselelement bliebe jedoch bestehen: Kardinal Pietro Parolin als Staatssekretär.

Gehen wir der Reihe nach vor.

Seit der Wahl Leos XIV. kursieren immer wieder Gerüchte, der Papst werde das Staatssekretariat ersetzen. Der Sostituto – eine einflussreiche Position innerhalb der Römischen Kurie, die wohl den engsten täglichen Kontakt und die engste Zusammenarbeit mit dem Papst erfordert – leitet die Angelegenheiten und ist für die eigenhändigen Antworten des Papstes auf verschiedene Anfragen verantwortlich.

Grundsätzlich läuft alles über den Substituten, der übrigens der einzige hochrangige Beamte ist, der ohne Termin regelmäßig zum Papst gehen kann.

Es liegt daher nahe, dass Papst Leo XIV. für diese Position jemanden wünschen würde, den er kennt und dem er vertraut – jemanden, der nicht aus der Amtszeit seines unmittelbaren Vorgängers stammt.

Leo hat sich sich jedoch entschieden, nicht sofort einen Nachfolger für Peña Parra zu ernennen. Dafür gab es mindestens zwei gute Gründe. Erstens wünschte Leo XIV. eine vollständige Übergabe und wollte daher alle vom Sostituto bearbeiteten Akten und Angelegenheiten verstehen, bevor er den Wechsel vollzog.

Zweiter Schritt: die Versetzung Peña Parras aus der Position des Substituten ist nicht einfach, weil die einzige reguläre Beförderung die zum Kardinal ist. Aus diesem Grund wurde auch eine Stelle als Vorsitzender eines Dikasteriums erwogen.

Stattdessen gewann die Idee, ihn als Nuntius zu entsenden – ihn also in den aktiven diplomatischen Dienst zurückzuholen – an Bedeutung. Manche brachten die angesehene Nuntiatur in den Vereinigten Staaten ins Gespräch, doch ein venezolanischer Botschafter in Washington hätte sich wahrscheinlich als kompliziert erwiesen.

Papst Leo - Pastoralbesuch im Problemviertel "Quarticolo"

Silvia Kritzenberger kommentiert bei vaticannews den heutigen Pastoralbesuch des Hl. Vaters in der römischen Pfarrgemeinde "Ascensione di Nostro Signore Gesu Cristo" im Osten Roms. 
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"PAPST LEO UNTERWEGS IN SEINEM BISTUM: ZEIUCHE DER HOFFNUNG IN DER EWIGEN STADT"

Auch der zweite Fastensonntag hat den Bischof von Rom in eine der sozialen Peripherien der Ewigen Stadt geführt. Wie schon in den Problemvierteln Ostia und Castro Pretorio rund um den Hauptbahnhof, hat Leo XIV. auch im Osten Roms ein starkes Zeichen der Nähe gesetzt. Bei der Messfeier im Stadtteil „Quarticciolo“ erinnerte er daran, wie wichtig Gemeinschaft und Solidarität für die soziale Entwicklung eines Viertels sind.

Nach Johannes XXIII., der 1963 hierherkam, und Johannes Paul II. im Jahr 1980, ist Leo XIV. der dritte Papst, der dieses Problemviertel besucht. Für die Menschen dort ein Moment der Ermutigung und der Hoffnung – hat das Viertel doch seit Jahren mit wirtschaftlichem Niedergang, Kriminalität und sozialer Unsicherheit zu kämpfen.

„Quarticciolo“ im Osten Roms ist eine planmäßig angelegte Arbeitersiedlung, die zwischen 1939 und 1940 im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus entstand. Die dortige Pfarrei „Ascensione di Nostro Signore Gesù Cristo“ wurde 1954 errichtet. Heute zählt sie rund 10.000 Gläubige. In die Jahre gekommene Sozialwohnblöcke aus den 1930er- und 1940er-Jahren prägen hier das Bild: Erinnerung daran, dass das Viertel ursprünglich für einkommensschwache Familien, Kriegsheimkehrer und Menschen in prekären Wohnverhältnissen konzipiert wurde.

Arbeitslosigkeit, Armut und die Folgen der Pandemie haben deutliche Spuren hinterlassen: viele Geschäfte mussten schließen, jüngere Familien sind weggezogen. Drogenhandel und Prostitution belasten den Alltag, erst vor wenigen Tagen nahm die Polizei bei einer groß angelegten Aktion mehrere mutmaßliche Drogendealer fest.

Ein Ort des Widerstands gegen die Hoffnungslosigkeit

Trotz dieser Herausforderungen versteht sich die Gemeinde nicht als resignierte Randzone, sondern als Ort des Widerstands gegen die Hoffnungslosigkeit. In der Pfarrei setzt man auf Gemeinschaft und Präsenz. Mit Gebetsgruppen, Jugend- und Familienangeboten, Theaterarbeit und konkreter Sozialhilfe ist sie ein wichtiger Anker für die Menschen, die hier leben.


Als Leo XIV. kurz vor 16 Uhr in der Pfarrei ankam, bereiteten ihm die zahlreich versammelten Gläubigen einen herzlichen Empfang. Für die Menschen hier ist der Papstbesuch mehr als ein offizieller Termin: er ist ein Zeichen, dass ihre Sorgen gesehen werden.

Gott wünscht den Frieden für alle Menschen

Nach seiner Ankunft wandte sich Papst Leo auf dem Platz vor dem Oratorium zunächst in einer kurzen Ansprache an die Kinder und Jugendlichen der dortigen Gemeinde. Er beklagte das erneute Aufflammen des Krieges im Nahen Osten und sagte, dass Gott den Frieden für alle Menschen wünsche: „Wir müssen inständig für den Frieden beten, in Eintracht leben und der Versuchung widerstehen, anderen Schaden zuzufügen. Gewalt ist niemals die richtige Wahl!“ 


Sonntag, 1. März 2026

In illo tempore....

Fr. J. Zuhlsdorf setzt bei OnePeterFive seine Katechese zur Liturgie der Sonntage im Kirchenjahr fort- heute mit besonderer Betonung auf den zweiten Sonntag der Fastenzeit.                                            Hier geht´s zum Original:  klicken

"IN ILLO TEMPORE - DER ZWEITE SONNTAG IN DER FASTENZEIT"

Sicherlich ist Ihnen aufgefallen, daß die Lesungen der Evangelien in lateinischer Sprache mit „ In illo tempore … zu jener Zeit“ beginnen. Welche Zeit ist damit gemeint? Diese Wendung wirft Fragen auf. Welche Art von „Zeit“ kann einen Berg in Galiläa zusammenhalten, eine Wolke, die mehr als nur Wetter ist, eine Stimme, die mehr als nur Schall ist? Die alten rhetorischen Fragen sind uns nach wie vor nützlich: „ Quis, quid, ubi, quibus auxiliis, cur, quomodo, quando … Wer, was, wo, mit welchen Mitteln, warum, wie, wann.“ Aristoteles formulierte sie, Cicero fasste sie in Versen zusammen, Thomas von Aquin verwendete sie in seiner Abhandlung über Umstände (STh Ia IIae, q. 7, a. 3), und das Vierte Laterankonzil legte sie den Beichtvätern an die Hand. Kipling vereinfachte sie für Kinder. 

Ich habe sechs treue Diener
(Sie lehrten mich alles, was ich weiß);
Ihre Namen sind Was und Warum und Wann
und Wie und Wo und Wer. 

Am zweiten Fastensonntag im Vetus Ordo laufen diese Fragen in Matthäus’ Bericht von der Verklärung zusammen. Die Heilige Kirche versammelt Katechumenen und Gläubige gleichermaßen und führt uns auf einen Berg. Wären wir in Rom und auf dem Weg wie die Taufbewerber der Antike, würden wir buchstäblich bergauf zur Stationskirche, dem Petersdom, zum Grab des Apostels gehen. 

Wer fährt heute im Evangelium auf? Unser Herr und mit ihm Petrus, Jakobus und Johannes. Diese Wahl ist bewusst. Sechs Tage zuvor hatte Christus in der Gegend von Cäsarea Philippi gefragt: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ (Mt 16,13). Petrus bekannte unseren Herrn als Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Christus verhieß ihm die „Schlüssel“. Dann kündigte er sein Leiden an, doch Petrus wies ihn zurecht (griechisch ἐπιτιμάω – epitimáo , tadeln, tadeln). Der Herr antwortete streng: „Weg mit dir, Satan!“ (Mt 16,23). Sechs Tage später führte er Petrus und die Söhne des Zebedäus auf einen hohen Berg. 

Der Berg ist von Bedeutung. Wendepunkte der Heilsgeschichte ereignen sich auf Bergen. Das Paradies wird als Bergheiligtum dargestellt. Noahs Arche ruht auf einem Berg. Abraham führt Isaak auf einen Berg. Mose steigt zum Sinai hinauf. Elia geht zum Horeb und begegnet dem Herrn in der „leiseren Stimme“ (1 Kön 19,12). In 2. Mose 24 besiegelt Mose auf einem Berg den Bund mit Blut und steigt mit drei wichtigen Anführern hinauf: Aaron und den Brüdern Nadab und Abihu. Sie sehen eine Vision von Gott und dem Himmel. Eine Wolke bedeckt den Berg. Nach sechs Tagen ruft der Herr Mose in die Wolke, und er bleibt vierzig Tage dort, während der Berg wie ein verzehrendes Feuer erscheint. 

Matthäus' Erzählung folgt diesem Muster. Der Zeitpunkt ist entscheidend. Matthäus legt Wert auf eine klare Verankerung: sechs Tage nach dem vorherigen Kapitel, nach Petrus' Bekenntnis und nach der ersten expliziten Vorhersage der Passion und der Verheißung der Herrlichkeit. Christus, der neue Mose, fährt mit seinen drei engsten Jüngern auf. Mose und Elia erscheinen, die das Gesetz und die Propheten repräsentieren, und sprechen mit ihm (Mt 17,3). Eine Wolke überschattet sie, und die Stimme des Vaters ertönt. In diesem Augenblick wird die Kontinuität zwischen Altem und Neuem Bund offenbart. Mose hatte einst das Gelobte Land vom Berg Nebo aus gesehen und es nicht betreten (Dtn 34). Nun steht er im wahren Gelobten Land, der menschgewordene Sohn Gottes.

Wo genau dies geschah, ist weiterhin umstritten. Die Heilige Schrift nennt den Gipfel nicht. Nahe Cäsarea Philippi liegt der Berg Hermon. Mit seinen 2236 Metern ist der Aufstieg zwar beschwerlich, aber er befindet sich direkt am südwestlichen Fuße von Cäsarea Philippi. Manche verorten die Verklärung auf dem Berg Tabor in Untergaliläa, 175 Meter hoch, einem seltsam isolierten Hügel in der Ebene, etwa 90 Kilometer von Cäsarea Philippi entfernt. Damals befand sich jedoch eine Festung auf dem Gipfel des Tabor, was diese Annahme unwahrscheinlich macht. Vielleicht ist es gut, dass Matthäus den Ort nicht genau nannte, damit wir uns auf die Bedeutung des Geschehens konzentrieren können, anstatt uns in rein physischen Koordinaten zu verlieren. 

Was geschah? Matthäus berichtet: „Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie Licht“ (Mt 17,2). Als Mose nach dem Gespräch mit dem Herrn vom Sinai herabstieg, „leuchtete sein Angesicht“ (Ex 34,29). Sein Glanz war ein Abbild der Herrlichkeit, die er erfahren hatte. Im Gegensatz dazu gehört Christi Glanz ihm selbst. Er erlangt seinen Glanz nicht und reflektiert ihn auch nicht nur. Er ist Glanz. Er lässt etwas von seiner Göttlichkeit durch seine Menschlichkeit hindurchscheinen. Selbst diese teilweise Offenbarung übertrifft alles andere. 

Das griechische Verb für Verklärung ist μεταμορφόω – metamorphóo . Es bedeutet Verwandlung. Das Ereignis offenbart sichtbaren Glanz, der der unsichtbaren Wirklichkeit entspricht. Die Wolke senkt sich herab und erinnert an die Schechina , die Wolke der göttlichen Gegenwart im Stiftszelt der Israeliten in der Wüste und später im Tempel. Aus der Wolke ertönt die Stimme: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; auf ihn sollt ihr hören!“ (Mt 17,5). Die Apostel fallen und werden mit eindringlicher Genauigkeit beschrieben: ἐφοβήθησαν σφόδρα – ephobéthesan sphódra , sie fürchteten sich sehr (Mt 17,6). 

Furcht und Ehrfurcht ergreifen die Jünger. Rudolf Otto beschrieb die Begegnung mit dem Geheimnisvollen, mit dem Transzendenten, als „ tremendum et fascinans… furchterregend und anziehend“. Genau diese Wirkung sollte unser heiliger Gottesdienst hervorrufen: eine Verwandlung in einem Augenblick, in dem sich Transzendentes und Immanentes berühren. Doch allzu oft erzeugt das, was mancherorts als Liturgie gilt, Langeweile und mitunter sogar Übelkeit. Aber ich schweife ab. 

Peters spontaner Ausruf vor der Wolke  „Herr, es ist gut, dass wir hier sind; wenn du willst, werde ich drei Hütten bauen“ (Mt 17,4; vgl. Lk 9,33). Lukas fügt hinzu, dass er nicht wusste, was er sagte (Lk 9,33). Dieser Vorschlag spiegelt das jüdische liturgische Gedächtnis wider. Nach Exodus 34 folgen die Anweisungen zum Bau der Stiftshütte. 

Apropos Laubhüttenfest: Das Laubhüttenfest (Sukkot) ist das achttägige Gedenken an Israels Aufenthalt in Laubhütten in der Wüste und die Erwartung der zukünftigen Rückkehr der göttlichen Gegenwart in den Tempel. Jüdische Feste erinnerten an Vergangenes und zugleich an Zukünftiges. Papst Benedikt XVI. bemerkt in seinem Buch „ Jesus von Nazareth: Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung“ , daß die Verklärung zeitlich mit Sukkot zusammenfällt. Der „Große Tag“ von Sukkot, Hoschana Rabba, beinhaltete eine Zeremonie des Ausgießens von Wasser und Wein. In dieser stillen Stille im Tempel rief der Herr: „Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke!“ (Joh 7,37). Während Sukkot wurden im vergoldeten Tempel riesige Leuchter so hell entzündet, dass die ganze Stadt erleuchtet war. Als die Lichter am Ende von Sukkot erloschen waren, verkündete Christus: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12). Sukkot erlebte in der Tat die Rückkehr des Göttlichen in den Tempel. 

Warum die Verklärung? Mehrere Gründe sprechen dafür. Sie reinigt die Vorstellungswelt von weltlichem Messianismus, bestätigt das Bekenntnis des Petrus, offenbart die Dreifaltigkeit und stärkt die Apostel für das Leiden.   Der Katechismus der Katholischen Kirche erklärt:

555 -Einen Augenblick lang offenbart Jesus seine göttliche Herrlichkeit und bestätigt damit das Bekenntnis des Petrus. Er offenbart auch, dass er den Weg des Kreuzes in Jerusalem gehen muss, um „in seine Herrlichkeit einzugehen“. Mose und Elia hatten Gottes Herrlichkeit auf dem Berg gesehen; das Gesetz und die Propheten hatten die Leiden des Messias verkündet. Christi Passion ist der Wille des Vaters: Der Sohn handelt als Gottes Diener; die Wolke deutet auf die Gegenwart des Heiligen Geistes hin. „Die ganze Dreifaltigkeit erschien: der Vater in der Stimme, der Sohn im Menschen, der Heilige Geist in der leuchtenden Wolke.“ 


Papst Leo der Große lehrte in seiner Predigt über dieses Evangelium, dass der Zweck darin bestand, die Empörung über das Kreuz aus den Herzen der Apostel zu tilgen, damit sie angesichts seiner Erniedrigung nicht den Glauben verloren: Die zum Kreuz Verurteilten wurden entblößt. Die Erinnerung an die Herrlichkeit wurde ihnen eingeprägt, bevor sie dem Anblick der Schande begegneten. Dennoch verleugnete Petrus Jesus, Jakobus floh aus dem Garten Gethsemane, und nur Johannes kehrte zurück, um sich dem Kreuz zu nähern. Die Gnade tilgt nicht die menschliche Schwäche. Sie stärkt sie. Man schaudert beim Gedanken daran, wie ihr Zusammenbruch ohne die Verklärung ausgesehen hätte. 

Der Brief an diesem Sonntag ist ein Aufruf zur inneren Wachsamkeit. Paulus ermahnt die Thessalonicher, so zu leben, wie sie es „durch den Herrn Jesus“ (1 Thess 4,2) empfangen haben. Gott hat sie „nicht zur Unreinheit, sondern zur Heiligkeit“ (V. 7) berufen. Der Herr rächt alles, was mit Unreinheit zu tun hat (V. 6). Diese Ermahnung gründet die Heiligkeit in der Kontinuität mit der apostolischen Tradition. Ohne diese Kontinuität verfallen die Gläubigen wieder der sie umgebenden heidnischen Kultur. Das erste Jahrhundert kannte solche Einflüsse. Das 21. Jahrhundert scheint ihnen fast vollständig erlegen zu sein.

Die römische Liturgie vereint diese Stränge im Kollektengebet: 

Deus, qui conspicis omni nos virtute destitui:
interius exteriusque custodi;
Es war ein allumfassender Kampf gegen den Körper
und ein pravis cogitationibus mundemur in Mente .


O Gott, der du siehst, dass wir jeder Kraft beraubt sind,
behüte uns innerlich und äußerlich,
damit wir am Leib gegen alle Widrigkeiten gestärkt
und am Geist von bösen Gedanken gereinigt werden. 

Die Protasis bekennt unsere Schwäche: Ohne Christus können wir nichts tun (Joh 15,5). Die Apodosis bittet um Schutz und Reinigung. Interius exteriusque umfasst den ganzen Menschen. Muniamur in corpore bittet um Stärkung gegen äußere Widrigkeiten. Mundemur in mente bittet um Reinigung von innerer Verderbnis. Die Struktur des Gebets spiegelt die Offenbarung des Evangeliums wider. Christi äußerer Glanz drückt das göttliche Leben im Inneren aus. Das Tagesgebet bittet darum, dass unser äußeres Handeln und unser inneres Denken auf dieses Leben ausgerichtet werden. 

Die römische Kirche stellte die Verklärung den Katechumenen der Antike – und uns – in einem strengen liturgischen Klima vor Augen. Die Stationskirchen gedenken zumeist des Martyriums. Die Antiphonen der Messe flehen um Barmherzigkeit. Die Pädagogik vermittelte ihnen die heilige Ehrfurcht, den „Anfang der Weisheit“ (Spr 9,10). Die Ehrfurcht in diesem Sinne hat wiederum das „ tremendum et fascinans“ zum Gegenstand , das zugleich furchterregende und faszinierende Geheimnis. Die Reaktion der Apostel verkörpert beides. Petrus ist überglücklich, dann fällt er zu Boden. 

Die Theosis , die Vergöttlichung des Menschen, erstrahlt in diesem Geheimnis. Die Kirchenväter lehren übereinstimmend, daß das Wort Mensch wurde, damit der Mensch am göttlichen Leben teilhaben kann. Die Verklärung nimmt die endgültige Wandlung der Menschheit vorweg. Die Begegnung mit der göttlichen Herrlichkeit vernichtet nicht die menschliche Natur, sondern erhebt sie. Der Berg veranschaulicht, was die Gnade in jedem Heiligen zu bewirken beabsichtigt.

Wie bereits erwähnt, sollte die liturgische Teilnahme Teilhabe an dieser Metamorphose sein. Äußere Riten prägen die innere Haltung. Innere Wandlung drückt sich in äußerer Treue aus. Wir sind unsere Riten. Die Eucharistie ist eine Begegnung mit dem verwandelnden Geheimnis. Die Apostel sahen Christus in seiner ganzen Pracht. Später sollten sie, wie wir heute, etwas Größeres empfangen: ihn sakramental, Leib, Blut, Seele und Gottheit. Jede würdige Kommunion wird zu einem Augenblick der Verwandlung in der Seele des Kommunikanten. 

Der Berg lehrt uns auch durch den Aufstieg. Geistliches Wachstum erfordert Anstrengung. Askese und Gebet gleichen einem Aufstieg. Man muss die Ebene der Selbstzufriedenheit verlassen. Die Fastenzeit durchbricht die Selbstzufriedenheit. Der Abstieg vom Berg führt nach Jerusalem und Golgatha. Herrlichkeit geht dem Leiden voraus, und Leiden verdeutlicht die Herrlichkeit. Im Prolog zum Johannesevangelium, der am Ende der Messe gelesen wird, schließen wir: „Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater“ (Joh 1,14). Was Johannes mit Christi Herrlichkeit meint, ist sei ne Kreuzigung.

Paulus formuliert das Paradoxon: 

Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am liebsten meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi in mir wohne. Darum bin ich um Christi willen zufrieden mit Schwachheit, Misshandlungen, Nöten, Verfolgungen und Bedrängnissen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark. (2 Kor 12,9–10) 


Dieses Versprechen deutet das im Tagesgebet geäußerte Bekenntnis der Bedürftigkeit. Göttliche Kraft stärkt den Leib und reinigt den Geist. Die Gläubigen steigen in der Liturgie den Berg hinauf, schauen im Glauben den Sohn, hören den Auftrag des Vaters zu gehorchen und steigen bereit zum Ausharren hinab.

Zusammenfassend lässt sich sagen, daß die Zeit des „ In illo tempore “ zur sakramentalen Zeit wird. Die Ereignisse der Heilsgeschichte wirken durch den Gottesdienst der Kirche in der Gegenwart fort. An diesem Sonntag ist der Berg in der Liturgie gegenwärtig, die Wolke umgibt uns, die Stimme erklingt im verkündeten Evangelium, Golgatha wird in der Kommunion empfangen. Die Fastenzeit versetzt uns in den Zustand zwischen Aufstieg und Abstieg. Sie lehrt die Kirche, zuzuhören, aufzusteigen, auszuharren und die Herrlichkeit zu erwarten, die jenseits des Leidens verheißen ist."

Quelle: Fr. J. Hunwicke, OnePeterFive 

Samstag, 28. Februar 2026

Benedikt XVI : letzte Generalaudienz

 am 27. 2. 2013

              

Heute vor 13 Jahren...

am 28. Februar 2013 endete das Pontifikat des deutschen Papstes. Papst Benedikt verließt - begleitet vom Geläut aller Kirchenglocken Roms den Vatican in Richtung CastelGandolfo im Helikopter. 
Erinnern wir uns...

            

Römische Exerzitien

vaticannews berichtet über die freie Rede, mit der Papst Leo XIV sich gestern nach der Vesper an die Kurie gewandt hat. Hier geht´s zum Original:  klicken

"PAPST ÜBER DIE FASTENEXERZITIEN: "TIEFGREIFENDE SPIRITUELLE ERFAHRUNG"

Auf eine Woche gemeinsamer Exerzitien zurückblickend hat sich Papst Leo XIV. am Freitagabend in freier Rede an die Römische Kurie gewandt. Am Ende einer Vesperfeier im Apostolischen Palast hob er dabei die Bedeutung des Gemeinschaft und des Gebetes für das kirchliche Leben hervor.

Der Papst dankte dem  norwegischen Zisterzienser-Bischof Erik Varden, der die Meditationen in der Paulinischen Kapelle während der Exerzitien-Woche leitet. Er habe geholfen, eine „tiefgreifende spirituelle Erfahrung zu machen, die so wichtig für unseren Fastenweg ist“, so der Papst, der sich direkt an den Prediger wandte: "Ihre Weisheit, Ihr Zeugnis und das des klösterlichen Lebens des heiligen Bernhard, der Reichtum Ihrer Betrachtungen werden uns noch lange Zeit ein Segen, eine Quelle der Gnade und eine Quelle der Begegnung mit Jesus Christus sein.“

                                          Foto: ANSA

Zum Nachdenken angeregt 

Er sei „persönlich in manchen Momenten besonders zum Nachdenken angeregt worden“, so Leo XIV., der mitteilte, wie er die Exerzitien erlebte – etwa bei den Ausführungen des Predigers zur Wahl von Papst Eugen III. und den Worten des heiligen Bernhard: „Was hast du getan? Gott sei dir gnädig.“

Papst Leo XIV war bereits vor seiner Wahl in Afrika

Anläßlich der bevorstehenden Afrikareise berichtet Aci-africa, daß Papst Leo  vor seiner Wahl bereits einige afrikanische Ländern bereist hat. Hier geht´s zum Original:  klicken

             "LEO KENNT AFRIKA AUS ERSTER HAND"  
Papst Leo XIV. ist der erste Papst der neueren Geschichte, der Afrika schon vor seiner Wahl eingehender aus erster Hand kennengelernt hat. Darauf macht die Nachrichtenagentur Aci-Africa aufmerksam. 

"Der Vatikan hat diese Woche angekündigt, dass Leo im April dieses Jahres vier afrikanische Länder besuchen wird, darunter Algerien. In einer Analyse arbeitet Aci-Africa heraus, dass der jetzige Papst im Lauf seines Lebens schon alle Teile Afrikas bereist hat. Allein in Kenia sei er mindestens sechsmal gewesen, im benachbarten Tansania fünfmal.

Der Hl. Papst Paul VI. (1963-78) war der erste Papst der Neuzeit, der seinen Fuß auf afrikanischen Boden setzte. Bereits als Kardinal hatte er, allerdings nur flüchtig, einige afrikanische Länder bereist. 1969 besuchte Paul VI. Uganda. Der hl. Johannes Paul II. (1978-2005) tourte während seines 26-jährigen Pontifikats durch 43 afrikanische Länder.

Auch in Algerien war er schon
Papst Leo XIV. gehört dem Augustinerorden an. Als Generaloberer seines Ordens sowie später als Kurienkardinal kam er wiederholt nach Afrika. Zuletzt besuchte er im Dezember 2024 Kenia. Der Regionalvikar der Augustiner gibt auch an, dass der jetzige Papst auch Algerien bereits bereist hat, in das er nun als Papst zurückkehren wird. Leo sehe in der Kirche in Afrika „ein großes Potential für die Zukunft der katholischen Kirche“, so der Geistliche."

Quelle: ACI-africa

Freitag, 27. Februar 2026

Zur bevorstehenden Reise des Papstes in Afrkanische Länder

Anna Bono befaßt sich in La Nuova Bussola Quotidiana mit der Situation in den Ländern, die Papst Leo im April besuchen wird. Und sie beschreibt Situationen, von denen wir-um nicht der Islamophobie oder des Rassismus beschuldigt zu werden, -hierzulande nichts erfahren.                                            Hier geht´s zum Original:  klicken

"ALGERIEN, ANGOLA, GUINEA, CAMERUN, DIE SCHWIERIGE REALITÄT, DIE DER PAPST BESUCHEN WIRD"

In seiner ersten Pastoralreise nach Afrika wird Papst Leo XIV vier ein wenig schwierige Länder besuchen: Algerien, Camerun, Angola und Äquatorial-Guinea. Länder mit einer Diktatur oder einer Demokratur, mit gerade überstandenen oder noch stattfindenden schrecklichen Konflikten.

Der Vatikan hat bekannt gegeben, dass Papst Leo XIV. im kommenden April seine erste Pastoralreise nach Afrika unternehmen wird. Er wird vom 13. bis 15. April Algerien, vom 15. bis 18. April Kamerun, vom 18. bis 21. April Angola und vom 21. bis 23. April Äquatorialguinea besuchen. Der Heilige Stuhl erklärte, der Papst sei von den Staatsoberhäuptern und religiösen Führern der vier Länder eingeladen worden.

Es werden arbeitsreiche Tage. Der Papst wird Länder in großer Not besuchen und einige der umstrittensten afrikanischen Staatschefs treffen. In Algerien absolviert Abdelmadjid Tebboune seine zweite Amtszeit als Präsident. Er wurde 2019 mit dem Versprechen von Reformen und dem Kampf gegen Korruption und Verschwendung gewählt und weckte damit Hoffnungen auf einen Wandel nach 20 Jahren autoritärer Herrschaft von Abdelaziz Bouteflika. 2024 wurde er mit 84,3 % der Stimmen wiedergewählt, doch laut offiziellen Angaben lag die Wahlbeteiligung nur bei 46 % der Wahlberechtigten, möglicherweise sogar noch niedriger. Seine Präsidentschaft hat die ohnehin schon beträchtliche Macht des Militärs weiter gestärkt und deren Notwendigkeit mit realen oder vermeintlichen, inneren und äußeren Bedrohungen für das Land begründet. 
Zweifellos dient es Präsident Tebboune, abweichende Meinungen zu unterdrücken und damit das Beispiel seines Vorgängers fortzusetzen. Algerien, seit 1962 unabhängig von Frankreich und dessen Bevölkerung fast ausschließlich muslimisch ist, ist wohl das Land, das am stärksten unter dem Dschihad, dem islamischen Heiligen Krieg, gelitten hat. In den 1990er Jahren ermordeten islamische Fundamentalisten der FIS (Islamische Heilsfront) und später der GIA (Bewaffnete Islamische Gruppe) Zehntausende Menschen im Namen Allahs. Unter den 150.000 zivilen Opfern waren viele Familien und ganze Dörfer, die ausgelöscht wurden, weil sie angeblich „falsch gebetet“ hatten. Die Dschihadisten jagten und töteten kleine Mädchen und junge Frauen auf den Straßen, die auf dem Schulweg waren und an ihren Schuluniformen erkannt wurden. Sie hielten die Kinder an, fragten sie, wie ihre Eltern beteten, und wenn ihnen die Antworten nicht gefielen, brachten sie sie nach Hause und schnitten der gesamten Familie die Kehle durch. Die blutigste Zeit, von 1992 bis 2002, ist als das „Schwarze Jahrzehnt“ in die Geschichte eingegangen.

Auch das unabhängige Angola hat eine tragische Geschichte, die nur schwer bewältigt wurde. Es war eine portugiesische Kolonie und erlangte 1975 die Unabhängigkeit. Doch wie in anderen afrikanischen Staaten, und mit noch gravierenderen Folgen, war der Befreiungskrieg auch ein Stammeskrieg um die Kontrolle der Institutionen. Der Konflikt begann 1970 und dauerte, mit einigen Unterbrechungen, auch nach der Unabhängigkeit bis 2002 an: ein erbitterter, verheerender Bürgerkrieg. José Eduardo dos Santos, einer der Anführer der MPLA, der siegreichen bewaffneten Bewegung, regierte das Land von 1979 bis 2017. Er nutzte den Reichtum des Landes, des zweitgrößten Ölproduzenten in Subsahara-Afrika, um zum reichsten Staatsoberhaupt Afrikas zu werden. Seine Tochter Isabel, Chefin des staatlichen Ölkonzerns Sonangol, war jahrelang die reichste Frau Afrikas mit einem Milliardenvermögen. 
2017 gewann João Lourenço die Präsidentschaftswahlen und wurde ein Jahr später auch zum Präsidenten der MPLA gewählt. Seitdem regiert er das Land. Doch selbst unter seiner Führung hat sich das ölgetriebene Wirtschaftswachstum nicht in Entwicklung niedergeschlagen. Eine Zahl belegt dies: Die Jugendarbeitslosigkeit unter den 15- bis 24-Jährigen liegt bei 54 %. Zudem haben nur drei Millionen der 18-Jährigen im erwerbsfähigen Alter eine reguläre Beschäftigung. Präsident Lourenço hatte versprochen, die von seinem Vorgänger systematisierte Korruption zu beenden, die Wirtschaft zu diversifizieren und Arbeitsplätze zu schaffen.
Acht Jahre später lässt sich sagen, dass er gescheitert ist … oder es zumindest nicht versucht hat, zumindest nicht mit der nötigen Entschlossenheit. „Wir dürfen die Realität unseres Landes nicht ignorieren“, mahnte Monsignore Manuel Imbamba, Präsident der Bischofskonferenz von Angola und São Tomé und Príncipe, zur Eröffnung der zweiten jährlichen Plenarversammlung am 17. September. „Unsere Armut ist nicht nur materieller Natur. Sie ist vor allem sozialer, politischer, ziviler, kultureller und spiritueller Natur. Misstrauen gegenüber Institutionen und ein Gefühl der Verzweiflung durchdringen das Leben der Angolaner, insbesondere das der jungen Menschen.“

Die beiden heikelsten Treffen werden jedoch die mit den Präsidenten von Äquatorialguinea und Kamerun sein. Auch Äquatorialguinea verfügt über große Ölvorkommen. Das Land hat weniger als zwei Millionen Einwohner, die zu den reichsten der Welt zählen könnten, wenn die Familie Nguema das Land nicht seit 1979 als ihr Privateigentum behandeln würde. Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo ist das am längsten amtierende afrikanische Staatsoberhaupt: Er riss 1979 durch einen Putsch die Macht an sich und regiert bis heute, wovon seine Familie und sein Umfeld profitieren. Er wurde sechsmal gewählt, zuletzt 2022, allerdings mit höchst umstrittenen Ergebnissen. Guineas politische Institutionen sind in Wirklichkeit nur ein Schein von Demokratie. Offiziellen Angaben zufolge liegt die Armutsquote bei 23,5 %. Unabhängige Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass mehr als 70 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben und 40 % in extremer Armut.

In Kamerun ist Paul Biya, 92, ist seit 1982 dank eines Staatsstreichs Präsident. Er kandidierte für eine Wiederwahl und gewann im vergangenen Oktober seine achte Amtszeit. Sein Hauptgegner, Tchiroma Bakary, focht die Wahl an, ebenso wie Zehntausende Menschen, die in der Hauptstadt Yaoundé gegen ihn protestierten. Die Polizei eröffnete das Feuer auf die Demonstranten und tötete Dutzende. Biya verspricht seinen Wählern: „Das Beste kommt erst noch.“ Doch neben gravierenden wirtschaftlichen Problemen bereiten zwei weitere Faktoren zunehmend Sorgen um Kameruns Zukunft: der Aufstand in den englischsprachigen Regionen im Norden und Südwesten (in Kamerun sprechen Regierung, Institutionen und die Mehrheit der Bevölkerung Französisch), der seit 2017 andauert; und im äußersten Norden die Übergriffe und Angriffe von Dschihadisten aus dem benachbarten Nigeria. Bakary, der berechtigterweise um sein Leben fürchtete, floh nach Gambia. „Ein Land kann nicht im Dienste eines einzelnen Mannes existieren“, sagte er bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur. Doch im Moment kann Kamerun das offenbar."

Quelle: A. Bono,