Sonntag, 8. Februar 2026

Audienz

Wie vaticannews berichtet hat Papst Leo XIV heute eine Ausnahme vom audienzfreien Sonntag gemacht und die Mitarbeiter des  vaticanischen Bauamtes und des Ausstattungsamtes - der Floreria- und ihre Familien in einer vormittäglichen Audienz empfangen.  Hier geht´s zum Original:  klicken

"DER PAPST DANKT DEN MITARBEITERN VON LOGISTIK UND BAUAMT: DISKRETER UND WERTVOLLER DIENST"

Für ihre „engagierte Arbeit”, dank derer insbesondere im Heiligen Jahr Millionen Menschen die Heilige Pforte durchschreiten und an liturgischen Veranstaltungen teilnehmen konnten, hat Papst Leo den Mitarbeitern des vatikanischen Ausstattungsamtes („Floreria”) und der Baubehörde gedankt. Beide Ämter sind hinter den Kulissen für Baumaßnahmen sowie die logistische und dekorative Ausstattung auf dem gesamten Vatikangebiet zuständig. Der Papst empfing seine Mitarbeiter an diesem Sonntag.

Es ist ungewöhnlich, dass der Papst an einem Sonntag Audienz hält – doch heute machte er für die Mitarbeiter des vatikanischen Ausstattungsamtes („Floreria”) und des Bauamtes, beide unter der Direktion für Infrastruktur und Dienste am Governatorat angesiedelt, eine Ausnahme. Um 11 Uhr, also eine Stunde vor dem Mittagsgebet, empfing Leo die Direktoren und Mitarbeiter samt deren Familien in der Sala Clementina im Apostolischen Palast. Bei der Audienz stellte Leo fest, dass die Pflege der heiligen Stätten kein vernachlässigbarer Dienst sei. Umso mehr dankte er den Zuständigen für die täglich geleistete Arbeit, insbesondere während des eben zu Ende gegangenen Heiligen Jahres.

„Meine Lieben, die Arbeit, die Sie jeden Tag leisten, ist sicherlich ein diskreter und wertvoller Dienst für die apostolische Mission des Papstes”, so der Papst bei der sonntäglichen Audienz. Diese Arbeit sei „Teil der komplexen Tätigkeit des Governatorats und der Direktion für Infrastruktur und Dienste”, die er für die „sorgfältige Verwaltung vieler Aufgaben innerhalb des Vatikanstaates” loben wolle, unterstrich Leo: 

„Die Dankbarkeit, die ich Ihnen von Herzen ausspreche, wird zum Ansporn für zukünftige Projekte, die sowohl die ständige Aktualisierung der technischen und logistischen Dienste als auch die sorgfältige Pflege der vatikanischen Räumlichkeiten betreffen, insbesondere der Räume, die dem Gebet und den Begegnungen mit dem Papst gewidmet sind.”

Die Bernini-Kolonnaden ,Visitenkarte’ vatikanischer Gastfreundschaft


Denn die Würde dieser Räume und die Sicherheit der Strukturen, so Papst Leo weiter, fänden ihren Sinn gerade darin, dass sie die „Frömmigkeit der Gläubigen” und die „pastorale Arbeit der Kirche” unterstützten – dank der ständigen Pflege und Wartung, ebenso wie dank der Bereitstellung von Blumenschmuck und Sitzgelegenheiten. Dienste, die jedoch hinter den Kulissen und – wie Leo lobend hervorhebt – auf „diskrete” Weise geleistet werden.

„Insbesondere der Petersdom ist ein heiliger Ort, der vor allem als Tempel der Kontemplation, der Andacht und der spirituellen Bewunderung bewahrt werden muss. Der davor liegende Platz, der mit seiner wunderschönen Kolonnade die Welt umarmt, ist sozusagen die ,Visitenkarte’ unserer Gastfreundschaft gegenüber allen Menschen.” 

Er wolle sie daher einladen, sich bei der täglichen Arbeit mit ihm zu verbinden und „an all jene zu denken, die an den Orten vorbeikommen, die Sie pflegen, und für sie zu beten”, so die Einladung des Papstes: „Denn Glaube und Gebet geben allem, was wir tun, seinen vollen Sinn.”

Jeder für seinen Teil leiste wertvolle Arbeit. Vor allem in Zeiten der Prüfung gelte es, daran zu denken, „dass wir Glieder eines einzigen Organismus sind, dessen Ziel es ist, das Evangelium gemäß dem Gebot des Herrn, des guten Hirten und Oberhauptes der Kirche, zu bezeugen”, schloss der Papst, bevor er gemeinsam mit den Anwesenden ein Vaterunser betete."


Quelle: vaticannews

In illo tempore - Dominica in Sexagesima

Dominica in Sexagesima...auch heute setzt Father John Zuhlsdorf bei OnePeterFive seine Katechese zur Bedeutung der Liturgie der Sonntage im Kirchenjahr fort. Hier geht´s zum Original:  klicken

IN ILLO TEMPORE  - SEXAGESIMA - SONNTAG

Was die Messe der Sexagesima in sich vereint, ist weder ihre offensichtliche Stellung zwischen der Septuagesima und der Quinquagesima noch das Wiederauftreten des Bußpurpurs und das Weglassen des Halleluja, sondern vielmehr eine fordernde Frage, die die Heilige Mutter Kirche ihren Kindern am Beginn der Fastenzeit stellt: Seid ihr bereit, euch in das Geheimnis hineinziehen zu lassen? Seid ihr bereit, aus dieser Begegnung hervorzugehen?

Der Brief aus dem 2. Korintherbrief und das Evangelium aus Lukas 8 gehören zusammen, weil beide von göttlicher Initiative sprechen, die verwundet, erhebt, prüft und schließlich Frucht bringt, allerdings nur dort, wo der Boden oder die Seele aufgebrochen wurde.

Der liturgische Kontext ist von Bedeutung. Sexagesima liegt in der Vorfastenzeit, einer Zeit, die der Vorbereitung selbst dient. Die römischen Stationskirchen verankern diese Wahrheit in Stein und Blut. Heute versammelt sich die Kirche, zumindest im Geiste, in St. Paul's Outside-the-Mauern, der Grabstätte des Heidenapostels. Schon das Wort „Station“, von „statio“ , erinnert sowohl an einen Rastplatz auf einer Reise als auch an einen von einem Wächter besetzten Militärposten. Zusammen mit den Stationen der Septuagesima in St. Laurentius und der Quinquagesima im Petersdom stehen diese Basiliken wie bewaffnete Wächter über Rom, Märtyrer, die als Zeugen und Beschützer dienen. Am Sonntag Sexagesima zogen die Gläubigen des alten Roms mit den Taufbewerbern in einer Prozession von der Stadt unter einem überdachten Gang zum Grab der Apostel. Sie sangen Psalmen des Vertrauens in der Not und fragten sich, ob sie selbst bereit seien, das fortzuführen, was die Taufbewerber mit der Taufe übernehmen würden. Der heutige Introitus gibt dieser Frage in den schmerzerfüllten Worten von Psalm 43 (44) Ausdruck: „Erwache! Warum schläfst du, Herr? … Steh auf, komm uns zu Hilfe! Errette uns um deiner Güte willen!“

Das Tagesgebet verstärkt die Bitte, indem es Paulus selbst namentlich erwähnt, was für einen Sonntag außerhalb eines Heiligenfestes eine Seltenheit ist.

Deus, qui conspicis,
quia ex nulla nostra actioneconfidimus:
concesse propitius;
ut, contra adversa omnia,
Doctoris gentium protectede muniamur. 

Gott wird als derjenige angesprochen, der „ conspicis “ ist, der aufmerksam sieht und alles im Ganzen erfasst. Das Gebet bekennt, dass die Kirche auf kein eigenes Handeln vertraut und bittet darum, durch den Schutz des Kirchenlehrers gegen jede Widrigkeit gestärkt, „muniri“ , ummauert zu werden. Dies ist keine bloße Floskel. Es entstand in einem von Pest, Hungersnot und Invasionen heimgesuchten Rom und spricht noch immer zu einer Kirche, die sich der Bedrohung bewusst ist, sei es von außen oder von innen.

Grobe
 Wörtliche Übersetzung :

O Gott, Du, der Du erkennst
, dass wir auf kein eigenes Handeln vertrauen:
Gewähre uns gnädig, dass wir gegen alles Widerwärtige
durch den Schutz des Kirchenlehrers umzingelt seien . 

Am Grab des Paulus stehend, lauscht die Gemeinde seinen Ausführungen über sich selbst, die unsere modernen Vorstellungen von Autorität infrage stellen. Der Brief umfasst die Abschnitte, die wir heute als 2. Korinther 11,19–33 und 12,1–9 kennen – Abschnitte, die Paulus selbst nicht kannte. Im ersten Teil schildert Paulus seine Leiden in unerbittlichen Details: Schläge, Schiffbrüche, Hunger, Entblößung, Verrat, Gefahr durch Feinde und falsche Glaubensbrüder. Er tut dies als Antwort auf die Anschuldigungen einiger Korinther, die ihn als unbedeutend, ungeschickt und sogar betrügerisch abtaten. Paulus entgegnet, indem er den wahren Preis der Nachfolge Christi aufzeigt. Apostolische Autorität wird durch die Nachfolge des Gekreuzigten bestätigt. Christus anzugehören bedeutet, sich Schwäche, Beleidigungen, Not, Verfolgung und Unglück auszusetzen.

Päpstliche Katechese

vaticannews veröffentlicht den Wortlaut der Katechese in amtlicher Übersetzung, was Papst Leo XIV  vor dem Angelusgebet am 5. Sonntag im Jahreskreis sagte. 

DER PAPST BEIM ANGELUS IM WORTLAUT

Liebe Brüder und Schwestern, ich wünsche euch einen schönen Sonntag!

Nachdem Jesus die Seligpreisungen verkündet hat, wendet er sich an diejenigen, die sie leben. Er sagt, dass die Erde dank ihnen nicht mehr dieselbe ist und sich die Welt nicht mehr in Dunkelheit befindet. »Ihr seid das Salz der Erde. […] Ihr seid das Licht der Welt« (Mt 5,13-14). Tatsächlich ist es die wahre Freude, die dem Leben Geschmack verleiht und das ans Licht bringt, was zuvor verborgen war. Diese Freude kommt von einem Lebensstil, einer Art, die Erde zu bewohnen und miteinander zu leben, die man wollen und für die man sich entscheiden muss. Von dem Leben, das in Jesus aufstrahlt, dem frischen Geschmack seiner Gesten und seiner Worte. Nachdem man ihm begegnet ist, erscheint alles fade und trüb, was sich von seiner Armut vor Gott, seiner Sanftmut und Einfachheit des Herzens, seinem Hunger und Durst nach Gerechtigkeit entfernt, die Barmherzigkeit und Frieden als Dynamiken der Verwandlung und Versöhnung in Gang setzen.

Der Prophet Jesaja zählt konkrete Handlungen auf, die die Ungerechtigkeit überwinden: das Brot mit den Hungrigen zu teilen, obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen, die Nackten zu bekleiden, ohne die Nachbarn und die Menschen im eigenen Haus zu vernachlässigen (vgl. Jes 58,7). »Dann«, so fährt der Prophet fort, »wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot und deine Heilung wird schnell gedeihen« (V. 8). Da ist auf der einen Seite das Licht, das man nicht verbergen kann, weil es so groß ist wie die Sonne, die jeden Morgen die Dunkelheit vertreibt; und auf der anderen Seite eine Wunde, die zuvor brannte und nun heilt.

Es ist in der Tat schmerzhaft, den Geschmack zu verlieren und auf die Freude zu verzichten; und doch ist es möglich, diese Wunde im Herzen zu haben. Jesus scheint seine Zuhörer zu warnen, damit sie nicht auf diese Freude verzichten. Das Salz, das seinen Geschmack verloren hat, sagt er, »taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden« (Mt 5,13). Wie viele Menschen – vielleicht ist es auch uns schon so gegangen – fühlen sich „zum Wegwerfen“, gescheitert. Es ist, als sei ihr Licht verdeckt worden. Jesus verkündet uns jedoch einen Gott, der uns niemals verwerfen wird, einen Vater, der unseren Namen, unsere Einzigartigkeit bewahrt. Jede Wunde, auch wenn sie tief ist, wird heilen, wenn wir das Wort der Seligpreisungen annehmen und uns wieder auf den Weg des Evangeliums begeben.

Es sind nämlich konkrete Gesten der Offenheit gegenüber anderen und der Aufmerksamkeit, die die Freude neu entfachen. Gewiss, in ihrer Einfachheit führen sie uns gegen den Strom. Jesus selbst war in der Wüste versucht, andere Wege einzuschlagen: seine Identität zur Geltung zu bringen, sie zur Schau zu stellen, die Welt zu seinen Füßen zu haben. Er lehnte diese Wege jedoch ab, auf denen er seinen wahren Geschmack verloren hätte, denjenigen, den wir jeden Sonntag im gebrochenen Brot finden: das geschenkte Leben, die Liebe, die keinen Lärm macht.

Brüder und Schwestern, lassen wir uns von der Gemeinschaft mit Jesus nähren und erleuchten. Ohne jede Zurschaustellung werden wir dann wie eine Stadt auf einem Berg sein, die nicht nur sichtbar, sondern auch einladend und gastfreundlich ist: die Stadt Gottes, in der letztlich alle wohnen und Frieden finden möchten. Nun blicken wir auf Maria, die Pforte des Himmels, und bitten sie, sie möge uns dabei helfen, Jünger ihres Sohnes zu werden und zu bleiben."

Quelle: vaticannews

Angelus

 auf dem Petersplatz....Silvia Kritzenbeger berichtet für vaticannews

           "PAPST: DIE LEISE KRAFT DES GLAUBENS"

Die Seligpreisungen beschreiben eine Haltung, die Leben verändert. Wahre Freude entsteht dort, wo Menschen sich für Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Einfachheit entscheiden - und in unscheinbaren Gesten eine Kraft wirken lassen, die die Dunkelheit vertreibt und Wunden heilt. Daran erinnerte Papst Leo XIV. bei seinem Angelusgebet am 5. Sonntag im Jahreskreis.

Bei seinen Überlegungen ging der Papst von der Passage im Matthäusevangelium aus, in der Jesus jene, die die Seligpreisungen leben, als „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ beschreibt (5,13-14).

„Jesus sagt, dass die Erde dank ihnen nicht mehr dieselbe ist und sich die Welt nicht mehr in Dunkelheit befindet. Tatsächlich ist es die wahre Freude, die dem Leben Geschmack verleiht und das ans Licht bringt, was zuvor verborgen war. Diese Freude kommt von einem Lebensstil, einer Art, die Erde zu bewohnen und miteinander zu leben, die man wollen und für die man sich entscheiden muss,“ stellte der Pontifex fest. „Nachdem man Jesus begegnet ist, erscheint alles fade und trüb, was sich von seiner Armut vor Gott, seiner Sanftmut und Einfachheit des Herzens, seinem Hunger und Durst nach Gerechtigkeit entfernt, die Barmherzigkeit und Frieden als Dynamiken der Verwandlung und Versöhnung in Gang setzen.“

Tätige Nächstenliebe: Licht und Heilung

Der Prophet Jesaja übersetze diese Haltung in konkrete Taten, führte Papst Leo weiter aus: das Brot teilen, Obdachlose aufnehmen, Nackte bekleiden, Verantwortung für die Menschen in unserer Nähe übernehmen. Wo Ungerechtigkeit auf diese Weise überwunden werde, da breche Licht hervor „wie das Morgenrot“, und „Wunden beginnen zu heilen“.

Doch Jesus kenne auch die Gefahr des Verlustes. Salz kann seinen Geschmack verlieren, Licht verdeckt werden, gab der Pontifex zu bedenken. Und Jesus erinnere daran, dass das Salz, „das seinen Geschmack verloren hat“ zu nichts mehr tauge, außer „weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.

Wörtlich sagte der Papst:

„Wie viele Menschen – vielleicht ist es auch uns schon so gegangen – fühlen sich „zum Wegwerfen“, gescheitert. Es ist, als sei ihr Licht verdeckt worden. Jesus verkündet uns jedoch einen Gott, der uns niemals verwerfen wird, einen Vater, der unseren Namen, unsere Einzigartigkeit bewahrt. Jede Wunde, auch wenn sie tief ist, wird heilen, wenn wir das Wort der Seligpreisungen annehmen und uns wieder auf den Weg des Evangeliums begeben.“

Die unscheinbaren Gesten der Aufmerksamkeit

Und diese Erneuerung geschehe durch einfache, oft unscheinbare Gesten der Aufmerksamkeit und Offenheit – die aber oft bedeuteten, gegen den Strom schwimmen zu müssen, gab der Papst zu bedenken. Auch Jesus sei in der Wüste versucht worden, habe der Versuchung von Macht und Glanz jedoch nicht nachgegeben, sondern sei dem „geschenkten Leben, der Liebe, die keinen Lärm macht“, treu geblieben.

„Brüder und Schwestern, lassen wir uns von der Gemeinschaft mit Jesus nähren und erleuchten. Ohne jede Zurschaustellung werden wir dann wie eine Stadt auf einem Berg sein, die nicht nur sichtbar, sondern auch einladend und gastfreundlich ist: die Stadt Gottes, in der letztlich alle wohnen und Frieden finden möchten,“ so der abschließende Denkanstoß von Papst Leo am 5. Sonntag im Jahreskreis."

Quelle: S. Kritzenberger, vaticannews

Samstag, 7. Februar 2026

Die Armenische Tradition in Italien

Massimo Scapin berichtet bei OnePeterFive  - über den armenischen Ordensgründer Mekhitar.       Hier geht´s zum Original: klicken

          "DIE ARMENISCHE TRADITION IN ITALIEN"

Vor 350 Jahren am 7. Februar 1676 wurde der Diener Gottes Mekhitar geboren, den Papst Paul VI als "Ruhm der Armenischen Kirche, der Einheit und Frieden schuf" bezeichnet wurde. Als Gründer einer der leuchtendsten spirituellen und kulturellen Wiederbelebungen in der Geschichte Armeniens, hat Mekhitar einen unauslöschlichen Eindruck im Glauben seines Volkes hinterlassen. 

    San Lazzaro, Insel der Armenier 

Geboren in Sebaste in Kleinarmenien (dem heutigen Sivas in Anatolien), wurde Mekhitar von klein auf zur Abkehr von weltlichen Gütern erzogen. „Ermutigt von der Madonna des Klosters Sevan, folgte er freudig dem göttlichen Ruf, der ihn zum apostolischen Dienst und zum Zeugen auf dem beschwerlichen Weg zur Einheit der Kirche berief.“

Er trat ins Kloster vom Heiligen Kreuz (Surp Nshan) ein, wo er das monastische Leben und den Namen Mekhitar annahm, der armenisch "Tröster" bedeutet. Er wurde 1696 zum Priester geweiht, beseelt von einem glühenden Wunsch nach religiöser und kultureller Erneuerung.  1700 gründete er in Konstantinopel die Kongregation, die später seinen Namen annehmen sollte. Von den Osmanen verfolgt, ging er ins Exil, zuerst nach Modon auf der Peleponnes und dann 1715 schließlich nach Venedig. 

1717 überließ Venedigs Signoria Mekhitar und seiner Gemeinschaft die Insel San Lazaro, die bald zum schlagenden Herzen der Armenischen kulturellen und spirituellen Renaissance in der Diapora wurde.  

„Die Laguneninsel San Lazzaro […] wurde zu einem Teil des geliebten Armeniens, wo er sich dauerhaft niederließ und am 27. April 1749 in Andacht starb.“

Von diesem Ort – der sich zu einem Leuchtfeuer der Spiritualität, Kultur und des Dialogs entwickelte – gingen einige der bedeutendsten Errungenschaften der Mechitaristen-Gemeinschaft hervor: eine neue Übersetzung der Bibel ins klassische Armenische (1735), die Zusammenstellung eines Wörterbuchs (1749) sowie die Gründung einer Bibliothek und einer Druckerei, die zu wichtigen Anlaufstellen für Armenier weltweit wurden.

Aghachem zkez Asdvadzadzin

Wir flehen dich an, Mutter Gottes,
Tempel des fleischgewordenen Wortes.
Hoch und strahlend wie die Sonne,
lege Fürsprache für mich bei deinem Sohn ein.
Herr, erbarme dich. Herr, erbarme dich.
Mutter Gottes, lege Fürsprache für uns ein.
Wir rufen zu dir mit tränengefüllten Augen;
O Jungfrau Maria, erhöre mein Flehen.

Du bist der göttliche Thron –
lege Fürsprache für mich ein, o Jungfrau, die den Herrn geboren hat.


Herr, erbarme dich…
Du bist der geliebte Tabernakel
unseres Königs Christus.
Jesus sammelte sich in deinem Schoß
und nahm die Natur der irdischen Wesen an.
Herr, erbarme dich…

Er, für die Engel unerreichbar,
wurde von dir für Adam geboren.
O Mutter, die das Licht geboren hat,
ich knie vor dir nieder –
lege Fürsprache für mich bei deinem Herrn ein.
Herr, erbarme dich…

Nur wenige Persönlichkeiten in der Geschichte des armenischen Mönchtums vereinten asketische Strenge mit poetischer Sensibilität wie Mekhitar. Als Gründer der Mechitaristen-Kongregation war er nicht nur ein religiöser und kultureller Reformator, sondern auch ein inspirierter Hymnendichter von seltener liturgischer Tiefe. Seine Marienhymnen – die noch heute in Armenien und in der gesamten Diaspora gesungen werden – zeugen von einem verwundeten und doch strahlenden Glauben, der selbst inmitten der Dunkelheit zum Lobpreis fähig ist.

In seiner Dichtung wendet sich Mekhitar an Maria nicht nur als Mutter Gottes, sondern auch als Tabernakel des Wortes, Licht der Seele und Wohnstätte des Ungeschaffenen. Seine Hymnen sind zutiefst persönlich und theologisch reichhaltig. Leid – wie der Verlust seines Augenlichts – wird für ihn zum Weg der spirituellen Erhebung, zum Lied des Vertrauens und der Hingabe an die Himmlische Mutter.

Wie sein Biograf M. Nowrikhan berichtet, begann Mekhitar bereits in seiner Jugend mit dem Verfassen von Versen. Er vertonte eigene Melodien und lehrte sie sowohl Mönchen als auch Laien. Seine alphabetischen Hymnen an die Jungfrau Maria – jede Strophe beginnt mit einem Buchstaben des armenischen Alphabets – schöpfen aus der reichen mystisch-poetischen Tradition des Ostens und stehen in der Tradition von Persönlichkeiten wie dem heiligen Nerses Shnorhali dem Gnädigen (†1173), den wir in diesem Artikel bereits erwähnt haben. Diese mündlich überlieferten Lieder ersetzten oft weltliche Volkslieder, prägten sich tief in die Herzen der Menschen ein und werden noch heute mit Ehrfurcht gesungen.

In dieser kurzen, aber tiefgründigen Hymne wird Maria als lebendiger Altar des göttlichen Geheimnisses beschworen, ein spirituelles Echo des Hohelieds. Verfasst, als Mekhitar unter seiner Erblindung litt, erheben sich die Verse aus Trauer zu Lobpreis, verwandeln Schmerz in Flehen und Dunkelheit in die Suche nach Licht.

Wie Nowrikhan schreibt: „Mekhitar war mit orientalischer Musik bestens vertraut und komponierte Melodien für seine Hymnen.“ Er lehrte sie seinen Mitbrüdern und gab sie als integralen Bestandteil der mechitaristischen Spiritualität weiter. In armenischen Familien sangen Mütter und Handwerker seine Hymnen bei der Arbeit und machten so das Marienlob zu einem Akt kultureller Erinnerung und spirituellen Widerstands.

Zu Mekhitars ergreifendsten Kompositionen zählen auch „das Wiegenlied der Mutter Gottes an der Wiege des Jesuskindes“ und „das Lied der Schmerzensmutter, als ihr göttlicher Sohn vom Kreuz abgenommen wurde“, das traditionell am Karfreitag gesungen wird.[7] Es sind die Lieder einer Seele, die in der Nacht preist und in der Jungfrau Maria den Spiegel des göttlichen Lichts findet.

Bis heute bewahrt und vermittelt die Insel San Lazzaro degli Armeni in Venedig Mekhitars Erbe. Seine Hymnen sind keine Reliquien, sondern lebendige Stimmen – Ausdruck eines kultivierten, poetischen, verkörperten Glaubens.

Im Gesang, in der Verbindung von Glaube und Kultur, von Ost und West, bleibt Mekhitar seinem Namen treu: ein Tröster. Und dreieinhalb Jahrhunderte später spenden seine Hymnen immer noch Trost. Erheben immer noch."

Quelle: M. Scapin, OnePeterFive

 

Freitag, 6. Februar 2026

Papst Leo XIV: Über die Bedeutung des Sports

So lautet der Titel des Schreibens, das Papst Leo XIV heute anläßlich der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Italien veröffentlicht hat.. U.a. wiedergegeben bei vaticannews:  klicken

SCHREIBEN DES HEILIGEN VATERS LEO XIV.

                                         DAS LEBEN IN FÜLLE 

                                ÜBER DIE BEDEUTUNG DES SPORTS

Liebe Brüder und Schwestern!

Anlässlich der Feier der XXV. Olympischen Winterspiele, die vom 6. bis 22. Februar in Mailand und Cortina d’Ampezzo stattfinden, und der XIV. Paralympischen Spiele, die vom 6. bis 15. März an denselben Orten abgehalten werden, möchte ich allen direkt Beteiligten meine besten Wünsche übermitteln und gleichzeitig die Gelegenheit nutzen, einige diesbezügliche Überlegungen mit allen zu teilen. Der Sport kann, wie wir wissen, professionell ausgeübt werden und ein sehr hohes Maß an Spezialisierung aufweisen: In dieser Form entspricht er der Berufung einiger weniger, weckt aber Bewunderung und Begeisterung in den Herzen vieler, die mit den Siegen oder Niederlagen der Athleten mitfiebern. Sportliche Betätigung ist jedoch eine weit verbreitete Aktivität, die allen offensteht und für Körper und Geist gesund ist, sodass sie ein allgemeiner Ausdruck des Menschlichen ist.

Sport und Stiftung von Frieden

Anlässlich vergangener Olympischer Spiele haben meine Vorgänger deutlich gemacht, in welcher Weise der Sport eine wichtige Rolle für das Wohl der Menschheit spielen kann, insbesondere für die Förderung des Friedens. So zitierte beispielsweise der heilige Johannes Paul II. 1984 in seiner Ansprache an junge Sportler aus aller Welt die Olympische Charta,[1] die den Sport als einen Beitrag betrachtet zu »einem Geist des besseren gegenseitigen Verständnisses und der Freundschaft, der dazu beiträgt, eine bessere und friedlichere Welt zu schaffen«. Er ermutigte die Teilnehmer mit folgenden Worten: »Lasst eure Begegnungen ein vielsagendes Zeichen für die gesamte Gesellschaft und einen Auftakt zu einem neuen Zeitalter sein, in dem die Völker „nicht das Schwert, Nation gegen Nation“ (Jes 2,4) erheben.«[2]


In diesem Zusammenhang ist auch die Olympische Waffenruhe zu sehen, die im antiken Griechenland als Vereinbarung diente, um vor, während und nach den Olympischen Spielen alle Feindseligkeiten auszusetzen, damit die Sportler und Besucher frei reisen und die Wettkämpfe ohne Unterbrechungen stattfinden konnten. Die Einführung dieser Waffenruhe entspringt der Überzeugung, dass die Teilnahme an geregelten Wettkämpfen (agones) einen individuellen und kollektiven Weg zu Tugend und Vortrefflichkeit (aretē) darstellt. Wenn der Sport in diesem Sinne und unter diesen Bedingungen ausgeübt wird, dient er dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und dem Gemeinwohl.


Der Krieg entsteht demgegenüber aus einer Radikalisierung von Uneinigkeit und aus der Weigerung, miteinander zu kooperieren. Der Kontrahent wird dann als Todfeind angesehen, den es zu isolieren und möglichst zu beseitigen gilt. Die tragischen Belege dieser Kultur des Todes liegen vor unseren Augen – zerbrochene Leben, zerschlagene Träume, Traumata der Überlebenden, zerstörte Städte –, so als ob das menschliche Zusammenleben in oberflächlicher Weise auf das Geschehen eines Videospiels reduziert worden wäre. Doch dies darf uns niemals vergessen lassen, dass die Aggression, die Gewalt und der Krieg »immer eine Niederlage der Menschheit« sind.[3]


Zu Recht wurde die Olympische Waffenruhe unlängst vom Internationalen Olympischen Komitee und der Generalversammlung der Vereinten Nationen wieder vorgeschlagen. In einer Welt, die nach Frieden dürstet, benötigen wir Instrumente, die »dem Machtmissbrauch, der Zurschaustellung von Stärke und der Gleichgültigkeit hinsichtlich des Rechts ein Ende«[4] setzten. Ich ermutige alle Nationen nachdrücklich, anlässlich der bevorstehenden Olympischen und Paralympischen Winterspiele dieses Instrument der Hoffnung, das die Olympische Waffenruhe darstellt, wiederzuentdecken und zu respektieren, ein Zeichen und eine Verheißung für eine versöhnte Welt.


Vor den angekündigten Bischofsweihen - die Irrtümer in der Argumentation der Pius-Bruderschaft

Luisella Scrosati kommentiert bei LaNuovaBussolaQuotidiana die Bedeutung der von der SSFPX angekündigten Bischofsweihen. Hier geht´s zum Original:  klicken

FREIHEIT AUSSERHALB DER KIRCHE: WAS DIE LEFEBVRISTEN WIRKLICH WOLLEN

Die angekündigten Bischofsweihen wurden zwar genehmigt, jedoch ohne kanonischen Status. Pater Pagliaranis Antrag an den Papst zeigt, dass nicht Rom die Regularisierung der Priesterbruderschaft St. Pius X. ablehnt, sondern die Bruderschaft selbst, die behauptet, Seelen außerhalb des mystischen Leibes Christi zu retten.

Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre (DDF), Kardinal Víctor Manuel Fernández, enthüllte gegenüber der Zeitung „The Pillar“ den Kern des Briefes, den das Dikasterium an die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) gerichtet hatte und der in der Erklärung des Generalats Lefebvriana vom 2. Februar erwähnt wurde. Der Präfekt erklärte, er habe „die Möglichkeit, nun mit neuen Bischofsweihen fortzufahren, schlichtweg abgelehnt“. Er fügte hinzu: „Wir haben uns kürzlich geschrieben. Nächste Woche treffe ich mich mit Pater Pagliarani im DDF, um einen fruchtbaren Weg für den Dialog zu finden.“ Das Treffen findet am Donnerstag, dem 12. Februar, statt; es bleibt abzuwarten, ob dem Generaloberen anschließend eine Audienz beim Heiligen Vater gewährt wird.

In der Zwischenzeit gab der Generalobere der FSSPX ein ausführliches Interview , in dem deutlich wird, dass die Bischofsweihen unabhängig von einer Reaktion aus Rom zum Wohle des Seelenheils stattfinden werden. Es ist außerdem bekannt, dass die Führungskräfte der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) nicht beabsichtigen, den Heiligen Stuhl um eine Regulierung ihres Status zu bitten (was sie stets abgelehnt haben), sondern vielmehr darum, daß der Papst das Fortbestehen und Wirken der FSSPX ohne kanonischen Status in der Kirche billigt und somit die für die Fortsetzung ihres Apostolats notwendigen Bischofsweihen anerkennt. Der Vorschlag, der „die besonderen Umstände, in denen sich die Bruderschaft befindet, berücksichtigt, besteht konkret darin, den Heiligen Stuhl zu bitten, uns zu gestatten, in unserer Ausnahmesituation vorübergehend fortzufahren, zum Wohl der Seelen, die sich an uns wenden. […] Mir scheint, daß ein solcher Vorschlag sowohl realistisch als auch vernünftig ist und daß er an sich vom Heiligen Vater angenommen werden könnte“, erklärte Pater Pagliarani.


Nach der Logik der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) rechtfertigen der Notstand der Kirche und die Dringlichkeit des Seelenheils die Anomalie einer „Ausnahmesituation“, in der Bischöfe ohne päpstliches Mandat (und sogar gegen seinen Willen) geweiht würden und der Dienst dieser Bischöfe und Priester der FSSPX ohne kanonische Weihe , außerhalb jeglicher juristischer Beschränkungen, ausgeübt werden könnte. Die Bruderschaft bittet den Papst daher im Wesentlichen um die Billigung ihres Fortbestands und Wirkens außerhalb jeglicher kanonischen Struktur; dies wäre möglich, da „das Axiom ‚ suprema lex, salus animarum‘: Das oberste Gesetz ist das Seelenheil“ gelte.Es ist ein klassischer Grundsatz der kanonischen Tradition […]; in der gegenwärtigen Notlage hängt letztlich die Legitimität unseres Apostolats und unserer Mission unter den Seelen, die sich uns zuwenden, von diesem höheren Prinzip ab.

Es ist völlig klar, daß nicht der Heilige Stuhl die Situation der Bruderschaft nicht regulieren will , was ihr legitime Bischofsweihen mit päpstlichem Mandat ermöglichen würde; es ist die Bruderschaft selbst, die dies ablehnt. Es gibt kein Regulierungsangebot, das die Bruderschaft annehmen kann, nicht einmal das einer Personalprälatur oder eines Ordinariats, denn dies würde in jedem Fall eine Einschränkung jener „Freiheit“ bedeuten, die sie heute genießt, nämlich die Freiheit, Weihen durchzuführen, Seminare, Schulen und Klöster zu gründen oder zu schließen, Mitglieder aufzunehmen oder auszuschließen, Messzentren und Priorate zu eröffnen und Ehen für nichtig zu erklären, ohne jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen und ohne von einer höheren Autorität abhängig zu sein. Don Pagliarani äußerte sich vor etwas mehr als einem Jahr (15. November 2024) ähnlich mit Blick auf die ehemaligen Ecclesia-Dei -Gemeinschaften : „Was sie verschweigen, ist, dass ihre Freiheit in Wirklichkeit begrenzt ist. Sie verfügen lediglich über den ihnen von einer mehr oder weniger wohlwollenden Hierarchie gewährten Handlungsspielraum, die mehr oder weniger von personalistischen und liberalen Prinzipien geleitet wird. […] Folglich werden ihr Apostolat und ihr Einfluss eingeschränkt, behindert und beeinträchtigt, sodass die Frage ihres praktischen Überlebens zunehmend besorgniserregend wird.“

Eine Frage zum Hl. Thomas von Aquin

OnePeterFive veröffentlicht den Essay von Pater Romano Tommasi SLD, in dem dieser sich mit der Rolle des Hl. Thomas von Aquin in Glauben und Kirche befaßt. Hier geht´s zum Original:  klicken

"IST THOMAS VON AQUIN DIE UNIVERSELLE AUTORITÄT IN DER KIRCHE?"

Ich möchte darauf eingehen, worum es bei OnePeterFive meiner Meinung nach geht: um Wiederaufbau. Der Thomismus stärkt und verbindet Gemeinschaften. Wenn das Studium des heiligen Thomas in verschiedenen Gruppen nicht dazu beiträgt, Gemeinschaften einander näherzubringen, sondern sie in Gruppen spaltet, liegt die Annahme nahe, dass der heilige Thomas nicht wirklich widergespiegelt wird, wo immer er zitiert wird, sondern keine Vereinigung bewirkt. Was soll Wiederaufbau bedeuten? Wie ist es außerdem zu verstehen, dass Thomas von Aquin viele Aussagen der Heiligen Schrift und Zeugnisse der Vergangenheit, wie die Dogmen der Ökumenischen Konzilien, zu einem systematischen Ganzen zusammenfügte? Ähnlich wie in der Mathematik dienen Zahlen als klare und eindeutige Zeichen für Mengen, und Musik oder Geometrie setzen voraus, dass Zahlen auf einer offensichtlichen und unbestreitbaren Klarheit beruhen, die auf Mengen hinweist. Zahlen in Musik und Geometrie werden nicht getestet oder experimentell überprüft, um ihre Funktionsfähigkeit zu beweisen, noch wird untersucht, ob sie willkürlich oder bedeutungslos sind. Es wird vielmehr angenommen, dass sie in Geometrie und Musik gleichermaßen gut funktionieren, genau wie in der höheren Mathematik.

Die grundlegende Erkenntnis des heiligen Thomas von Aquin bestand darin, die Theologie seiner Kirchenväter systematisch zu beschreiben und in ein klares System zu fassen: Theologen gleichen Musikern, die Zahlen aus der Mathematik verwenden, um ihre Sinfonien zu komponieren. Das Äquivalent zu Zahlen sind für Thomas von Aquin die biblischen Aussagen und dogmatischen Axiome, die für alle Zeiten veröffentlicht werden. Er schuf einen Rahmen, um die Arbeit seiner Pariser Universität zu verstehen, und zwar so, dass er die besten Praktiken des ersten Jahrtausends beschrieb und sie der Menschheit wie ein Signalfeuer auf einem Leuchtturm – die sogenannte Theologie – vor Augen führte. Meine einleitenden Zeilen lenken die Aufmerksamkeit des Lesers darauf, welche Art von Theologie die legitimen Befürworter des heiligen Thomas von Aquin meinen. Wenn wir also fragen: Ist er die universelle Autorität?, meinen wir nicht Predigt oder Homiletik. Auch wenn es wünschenswert wäre, über alles zu herrschen, wäre Homiletik für Thomas von Aquin keine Theologie, obwohl eine Homilie gemäß seiner Definition theologische Elemente enthalten könnte. Wenn wir behaupten, er sei die universelle Autorität in theologischen Fragen, brauchen wir Klarheit, bevor wir das bestätigen. Eine wahrhaft katholische Gemeinde muss wissen, was als Theologie gilt, bevor sie Verlorenes wiederherstellen kann (wobei die Abkehr von seiner Theologie eher einem Verirren im Hinterhof des kirchlichen Bewusstseins gleicht als einem ewigen Fall in ein Erdloch).

Donnerstag, 5. Februar 2026

Papst Leo trifft die Vertreter der Orthodoxen Ostkirchen

 Anne Preckel berichtet bei vaticannews über den Besuch der Teilnehmer der Studienreisen Orthodoxer Ostkirchen in Rom bei Papst Leo XIV. Hier geht´s zum Original:  klicken

"PAPST AN DIE OSTKIRCHEN: GEMEINSAM WIRKEN UND DIE HERZEN ENTWAFFNEN"

Vor Teilnehmern einer Studienreise orthodoxer Ostkirchen in Rom hat Leo XIV. an diesem Donnerstag für die Zusammenarbeit der Kirchen und eine „Entwaffnung der Herzen“ geworben. Den Papst besuchten orthodoxe Priester und Mönche der armenischen, koptischen, äthiopischen, eritreischen, malankarischen und syrischen Kirche, die an einem Studienseminar des Glaubens-Dikasteriums teilnahmen:

Weil er ein paar Minuten zu spät war, entschuldigte sich Leo XIV. zunächst bei der Gruppe und scherzte zu Beginn der Audienz: „Jemand sagte mir heute Morgen in einer der vielen Besprechungen, dass Papst Franziskus einmal gesagt habe: ,Ich bin der Stellvertreter Christi auf Erden, und ich habe keinerlei Einfluss auf meinen Terminkalender.‘ Das gehört zu dem, was ich für die Nachfolge im Amt des Petrus erhalten habe…“, so Leo XIV. an die Priester und Mönche der orientalisch-orthodoxen Kirchen gewandt.

Verschiedene orthodoxe Kirchen

Die Gruppe hält sich für eine Studienreise in Rom auf, die vom vatikanischen Einheits-Dikasterium organisiert wurde und bei der Besuche bei römischen Kurieneinrichtungen vorgesehen sind. Teilnehmer sind Priester und Mönche der armenisch-apostolischen, koptisch-orthodoxen, äthiopisch-orthodoxen, eritreisch-orthodoxen, malankarisch-orthodoxen und syrisch-orthodoxen Kirche, die von Erzbischof Khajag Barsamian (armenisch-apostolisch) und dem Metropoliten Barnaba El-Soryani (koptisch-orthodox) begleitet werden.

             

Mosaik des christlichen Erbes

Historisch und kulturell seien die christlichen Kirchen unterschiedlich, zusammen bildeten sie aber „ein wunderbares Mosaik unseres gemeinsamen christlichen Erbes, das wir alle schätzen können“, formulierte der Papst. Er ermutigte zu gegenseitiger Unterstützung, „damit wir in unserem gemeinsamen Glauben an Christus wachsen können, der die ultimative Quelle unseres Friedens ist“ (vgl. Eph 2,14). Dazu gelte es, „uns selbst zu entwaffnen“, so Leo XIV., der einen Pionier der ökumenischen Bewegung heranzog, um dies zu verdeutlichen:

„Wie Patriarch Athenagoras in einem schönen Gebet sagte: ,Ich bin entwaffnet von dem Bedürfnis, Recht zu haben, mich zu rechtfertigen, indem ich andere beurteile‘, indem ich ,den härtesten Krieg, den Krieg gegen mich selbst‘ führe. Wenn wir die Vorurteile, die wir in uns tragen, beseitigen und unsere Herzen entwaffnen, wachsen wir in der Nächstenliebe, arbeiten enger zusammen und stärken unsere Bande der Einheit in Christus. Auf diese Weise wird die Einheit der Christen auch zu einem Sauerteig für den Frieden auf Erden und die Versöhnung aller.“

Unterstützen und Einheit bewahren

Leo XIV. erinnerte an den heiligen Paulus, an dem sich das Thema der diesjährigen Gebetwoche für die Einheit der Christen inspirierte. In Paulus‘ Brief an die Epheser erinnerte der Apostel an die Bedeutung der Einheit im Glauben. Der Papst erinnerte in seiner Ansprache an die historischen Reisen des Paulus durch Israel, Kleinasien, Syrien, Arabien und Europa, bei denen er ein Gespür für die ethnische und kulturelle Vielfalt der Gemeinschaften entwickelte, die er besuchte:

„Durch die Gründung und den Besuch vieler christlicher Gemeinden wurde er sich der Besonderheiten jeder Kirche bewusst, nämlich ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihrer Bräuche sowie ihrer Herausforderungen und Anliegen. Der Apostel erkannte, dass die Gemeinden zu sehr nach innen gerichtet sein und sich auf ihre eigenen spezifischen Probleme konzentrieren konnten. Deshalb war der heilige Paulus entschlossen, sie in seinen Briefen immer wieder daran zu erinnern, dass sie Teil des einen mystischen Leibes Christi waren. Damit ermutigte er sie, einander zu unterstützen und die Einheit des Glaubens und der Lehren zu bewahren, die die transzendente Natur und Einheit Gottes widerspiegeln.“

Der Papst ließ den Oberhäuptern der vertretenen orientalisch-orthodoxen Kirchen seine Grüße ausrichten und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Studienreise in Rom erfolgreich sei."

Quelle: A. Preckel, vaticannews 

Audienz für eine Bibel...

Wie Mario Galgano für vaticannews berichtet, wurde heute der Italienische Staatspräsident von Papst Leo XIV in Privataudienz empfangen, bei dieser Gelegenheit brachte er nach der Beendigung der Ausstellung in der Bibliothek des Italienischen Senats die von Borso d´Este geschaffene und 1491 vollendete Bibel, die im Besitz des Italienischen Staates ist, zur Ansicht mit.
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Unter dem Titel: 

"RÜCKKEHR DER "BIBEL DES BORSO D´ESTE"  IN DEN VATIKAN"

beginnt der Bericht so Zitat: 

"Die Rückkehr des Meisterwerks ist ein symbolischer Akt des Dankes. Am 18. Dezember des vergangenen Jahres hatte Papst Leo XIV. den italienischen Senat anlässlich der Abschlussausstellung zum Jubiläumsjahr besucht. Als Zeichen der Anerkennung brachte Senatspräsident Ignazio La Russa, begleitet vom Generalsekretär des italienischen Senats, Federico Toniato, und der Direktorin der Gallerie Estensi, Alessandra Necci, das besondere Meisterwerk in den Vatikan, bevor es seinen endgültigen Rückweg nach Modena antritt.(...)

Die Verbindung zwischen diesem Kunstwerk und dem Papsttum reicht weit zurück: Im Jahr 1471 wurde Borso d’Este von Papst Paul II. der Herzogstitel verliehen. Zu diesem festlichen Anlass wurde die Bibel erstmals in den Petersdom gebracht. Seit diesem Ereignis vor 555 Jahren wurde das Original zwar von Päpsten wie Pius IX. und Johannes Paul II. besichtigt, doch Leo XIV. ist nun das erste Kirchenoberhaupt seit der Renaissance, das dieses Werk offiziell im Vatikan in Empfang nahm."  (....)

                                 Foto; vatican media

Quelle: M. Galgano, vaticannews

"Erleuchtet durch eine verborgene Herrlichkeit"

Unter diesem Titel stehen die diesjährigen Fasten-Exerzitien der Römischen Kurie. 
Wie Diane Montagna bei substack.com berichtet, hat Papst Leo XIV den Bischof von Trondheim Eric Varden beauftragt, die diesjährigen Fasten-Exerzitien der Römischen Kurie zu leiten.  
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 "PAPST LEO XIV BERUFT EINEN TRAPPISTEN-BISCHOF ZUM LEITER DER FASTENEXERZITIEN DER RÖMISCHEN KURIE" 
Quellen beschreiben Bischof Eric Varden als einen "dynamischen" Prediger, Unterstützer der traditionellen Litrugie, der sehr an aktuellen Themen interessiert ist.

Am 4. Februar 2026 ist Papst Leo XIV für die ersten Fasten-Exerzitien seines Pontifikates zur monastischen Tradition zurückgekehrt -und hat Eric Varden, Trappisten-Mönch und Bischof von Trondheim/Norwegen zum Leiter der Meditations-Woche der Römischen Kurie ernannt. 

Die Exerzitien sollen vom 22. bis 27. Februar in der Paulinischen Kapelle des Aposolischen Palastes stattfinden - was eine Rückkehr zu den traditionellen Fasten-Exerzitien im Zentralgebäude des Vaticans darstellt, nachdem sie in den vergangenen Jahren an verschiedenen Orten oder außerhalb einer Kapelle stattfanden.

Unter dem Titel : " Erleuchtet durch eine verborgene Herrlichkeit. Ein Wegbeschreibung für die Fastenzeit" werden die Meditationen zentrale Themen Christlicher Kontemplation erkunden, und Stille, Hoffnung, Freiheit, Wahrheit und die Integration der Sehnsucht mit dem spirituellen Leben vereinen. Mehrere Treffen werden ihre Inspiration vom Hl.Bernard von Clairvaux, dem Reformer aus dem Zisterzienser-Orden beziehen, dessen Schriften und spirituelles Beispiel den Orden formte, der später zur Entstehung des Trappisten-Ordens führte. 

Bischof Eric Varden ist eine der prominentesten Vertreter der gegenwärtigen monastischen Spiritualität. Am 13. Mai 1974 in Sarpsborg, Norwegen geboren, konvertierte er als junger Erwachsener zum Katholizismus underwarb an der Universität Cambridge einen höheren Abschluss in Theologie, gefolgt von weiteren Studien am Päpstlichen Orientalistik-Institut in Rom. 

Vardens Engagement für den Gregorianischen Choral war prägend für seine spirituelle und akademische Entwicklung. Er studierte Choralgesang bei Dr. Mary Berry, der renommierten britischen Kanonikerin und Musikwissenschaftlerin, deren Arbeit sowohl die technische Meisterschaft als auch die spirituelle Bedeutung des Gregorianischen Chorals im klösterlichen Gebet hervorhebt Varden nennt diese Studien sowie seine spätere Mitbegründung des Chant Forum mit der britischen Choralforscherin Margaret Truran als Faktoren, die sein Verständnis des Chorals als kontemplativen Ausdruck des kirchlichen Gebets und als zentrales Element des klösterlichen liturgischen Lebens vertieft haben.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Instandhaltungsarbeiten am Jüngsten Gericht in der Sixtina sind eher eine "leichte Wartung"

Paolo Ondarza und Mario Galgano berichten für vaticannews über die aktuellen Instand-haltungsarbeiten an Michelangelos "Jüngstem Gericht". Hier geht´s zum Original:  klicken 

"MUSEUMSLEITERIN: EINE LEICHTE WARTUNG FÜR DAS JÜNGSTE GERICHT"

Drei Jahrzehnte nach der epochalen Restaurierung der 1990er Jahre steht Michelangelos „Jüngstes Gericht“ erneut im Fokus der Experten. Barbara Jatta, Direktorin der Vatikanischen Museen, kündigte an diesem Dienstag eine gezielte Konservierungskampagne für das 180 Quadratmeter große Fresko in der Sixtinischen Kapelle an. Trotz der Arbeiten bleibt der Zugang für Besucher uneingeschränkt möglich.

In einem Interview mit Vatican News beschreibt Jatta den Eingriff als eine „außergewöhnliche, aber zugleich sehr einfache Operation“. Ziel ist eine sogenannte „leichte Wartung“, um das Meisterwerk vor den Auswirkungen der Zeit und der hohen Besucherzahlen zu schützen.

                 
                                    Sixtinische Kapelle: Beginn der außerordentlichen Instand-
                                    haltungsarbeiten am Jüngsten Gericht (ANSA)  rbeiten am Jüngsten Gericht      (ANSA) 

Destilliertes Wasser gegen „Versalzung“

Nach der großen Restaurierung im letzten Jahrhundert wurde 2010 ein jährlicher Wartungsplan für die Sixtinische Kapelle eingeführt. Bei den Kontrollen im vergangenen Jahr stellten die Konservatoren fest, dass das „Jüngste Gericht“ besonderer Aufmerksamkeit bedarf. „Der Eingriff besteht darin, eine leichte Schicht von Ausblühungen (Salzablagerungen), die sich in diesen Jahren gebildet hat, vorsichtig mit destilliertem Wasser und Seidenpapier zu entfernen“, erklärte Jatta.


Im Gegensatz zur gewöhnlichen Wartung, die meist nachts mit mobilen Hebebühnen durchgeführt wird, hat man sich diesmal für ein festes Gerüst entschieden. Dieses deckt die gesamte Fläche des Freskos ab, um die Arbeiten effizienter zu gestalten und den Zeitrahmen auf etwa drei Monate zu begrenzen.

Zeitplan und wissenschaftliche Begleitung


Die Vorbereitungen starteten bereits an diesem Montag. Der Aufbau des Gerüsts soll rund drei Wochen dauern. Aus Sicherheitsgründen ist dieser Bereich während des Aufbaus kurzzeitig gesperrt. Bis nach Ostern findet dann die eigentliche Reinigungsphase statt. Das Expertenteam besteht neben den Restauratoren aus dem Wissenschaftler des Gabinetto Ricerche Scientifiche (GRS) und auch aus dem Büro des Konservators der Museen.


„Die Sixtina wird immer geöffnet bleiben“, versicherte Jatta. Das feste Gerüst ermöglicht es den Fachleuten verschiedener Disziplinen, zeitgleich auf den verschiedenen Ebenen zu arbeiten.

Neue Erkenntnisse durch moderne Technik

30 Jahre nach der „Restaurierung des Jahrhunderts“ bietet dieser Eingriff auch die Chance für neue Studien. „Die Instrumente und Untersuchungsmethoden von heute sind definitiv andere als damals“, so Jatta. Die Synergie zwischen dem Labor für Gemälderestaurierung und den wissenschaftlichen Abteilungen werde neue Einblicke in Michelangelos Technik ermöglichen.

Die Vatikanischen Museen versprachen eine transparente Kommunikation über alle Kanäle, um die Weltöffentlichkeit über den Fortgang der Arbeiten an diesem einzigartigen Kulturgut auf dem Laufenden zu halten.


Quelle: P. Ondarza, M. Galgano, vaticannews

Katechese

Vaticannews veröffentlicht die Katechese des Hl. Vaters zur Konzils-Konstitution "Dei Verbum" bei der heutigen Generalaudienz im Wortlaut. Hier geht´s zum Original:  klicken

"Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag und herzlich willkommen!"

"Die Konzilskonstitution Dei Verbum, über die wir in diesen Wochen nachdenken, betont, dass die Heilige Schrift – gelesen in der lebendigen Tradition der Kirche – ein bevorzugter Ort der Gottesbegegnung ist. Durch sie spricht Gott auch heute zu den Menschen aller Zeiten, damit sie ihn durch das Hören erkennen und lieben können. Die biblischen Texte wurden jedoch nicht in einer himmlischen oder übermenschlichen Sprache verfasst. Wie uns auch die tägliche Realität lehrt, können sich zwei Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, nicht verständigen, nicht miteinander ins Gespräch kommen, keine Beziehung aufbauen. In manchen Fällen ist es ein erster Akt der Liebe, sich dem anderen verständlich zu machen. Deshalb entscheidet sich Gott dafür, in menschlichen Sprachen zu sprechen, und so haben verschiedene Autoren, inspiriert vom Heiligen Geist, die Texte der Heiligen Schrift verfasst. Das Konzilsdokument hält fest: „Denn Gottes Worte, durch Menschenzunge formuliert, sind menschlicher Rede ähnlich geworden, wie einst des ewigen Vaters Wort durch die Annahme menschlich-schwachen Fleisches den Menschen ähnlich geworden ist“ (DV, 13). Daher offenbart die Heilige Schrift nicht nur in ihrem Inhalt, sondern auch in ihrer Sprache die barmherzige Nachsicht Gottes gegenüber den Menschen und seinen Wunsch, ihnen nahe zu sein.

Im Laufe der Geschichte der Kirche wurde die Beziehung zwischen dem göttlichen Autor und den menschlichen Verfassern der heiligen Texte untersucht. Über mehrere Jahrhunderte hinweg bemühten sich viele Theologen, die göttliche Inspiration der Heiligen Schrift zu verteidigen, wobei sie die menschlichen Verfasser fast nur als passive Werkzeuge des Heiligen Geistes betrachteten. In jüngerer Zeit hat die Reflexion den Beitrag der Hagiographen zur Abfassung der heiligen Texte neu bewertet, so dass das Konzilsdokument von Gott als dem „Urheber“ der Heiligen Schrift spricht, aber auch die Hagiographen als „echte Verfasser“ der heiligen Bücher bezeichnet (vgl. DV, 11). Ein scharfsinniger Exeget des letzten Jahrhunderts bemerkte einmal: „Die menschliche Tätigkeit auf die eines einfachen Schreibgehilfen herabzuwürdigen, heißt nicht, das göttliche Wirken zu verherrlichen“ (Luis Alonso Schökel, La parola ispirata. La Bibbia alla luce della scienza del linguaggio, Brescia 1987, 70). Gott erniedrigt niemals den Menschen und sein Potenzial!

Wenn also die Heilige Schrift das Wort Gottes in menschlichen Worten ist, ist jeder Ansatz, der eine dieser beiden Dimensionen vernachlässigt oder leugnet, unvollständig. Daraus folgt, dass eine korrekte Auslegung der heiligen Texte nicht das historische Umfeld, in dem sie entstanden sind, und die verwendeten literarischen Formen außer Acht lassen darf; vielmehr birgt der Verzicht auf das Studium der menschlichen Worte, derer sich Gott bedient hat, die Gefahr, zu fundamentalistischen oder spiritualistischen Lesarten der Schrift zu führen, die ihre Bedeutung verfälschen. Dieser Grundsatz gilt auch für die Verkündigung des Wortes Gottes: Wenn sie den Kontakt zur Realität, zu den Hoffnungen und Leiden der Menschen verliert, wenn sie eine unverständliche, wenig kommunikative oder anachronistische Sprache verwendet, ist sie wirkungslos. In jeder Epoche ist die Kirche aufgerufen, das Wort Gottes in einer Sprache wiederzugeben, die sich in der Geschichte verkörpern und die Herzen erreichen kann. Papst Franziskus erinnerte uns daran: „Jedes Mal, wenn wir versuchen, zur Quelle zurückzukehren und die ursprüngliche Frische des Evangeliums wiederzugewinnen, tauchen neue Wege, kreative Methoden, andere Ausdrucksformen, aussagekräftigere Zeichen und Worte reich an neuer Bedeutung für die Welt von heute auf“ (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 24. November 2013, 11).

Ebenso verkürzt hingegen ist eine Auslegung der Heiligen Schrift, die ihren göttlichen Ursprung außer Acht lässt und sie letztlich als rein menschliche Lehre versteht – als etwas, das lediglich aus technischer Sicht zu studieren ist, oder als „ein Buch der Vergangenheit“ (Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolische Schreiben Verbum Domini, 30 September 2010, 35). Vielmehr will die Heilige Schrift, vor allem wenn sie im Rahmen der Liturgie verkündet wird, zu den Gläubigen von heute sprechen, ihr gegenwärtiges Leben mit seinen Problemen berühren, die zu unternehmenden Schritte und die zu treffenden Entscheidungen erhellen. Dies wird nur möglich, wenn der Gläubige die heiligen Texte unter der Führung desselben Geistes liest und auslegt, der sie inspiriert hat (vgl. DV, 12).

In diesem Sinne dient die Heilige Schrift dazu, das Leben und die Nächstenliebe der Gläubigen zu nähren, wie der heilige Augustinus in Erinnerung ruft: „Wer also die ganzen heiligen Schriften (…) verstanden zu haben glaubt, dabei aber doch durch dieses Verständnis jene Doppelliebe zu Gott und zum Mitmenschen nicht auf erbaut, der hat sie noch nicht verstanden“ (Augustinus, De doctrina christiana I, 36, 40). Der göttliche Ursprung der Heiligen Schrift erinnert uns auch daran, dass das Evangelium, das dem Zeugnis der Getauften anvertraut ist, zwar alle Dimensionen des Lebens und der Wirklichkeit umfasst, diese aber auch übersteigt: Es lässt sich nicht auf eine rein philanthropische oder soziale Botschaft reduzieren: es ist vielmehr die freudige Verheißung des ewigen Lebens, des Lebens in Fülle, das Gott uns in Jesus geschenkt hat.

Liebe Brüder und Schwestern, danken wir dem Herrn, dass er unser Leben in seiner Güte nicht die unverzichtbare Nahrung seines Wortes entbehren lässt, und beten wir, dass unsere Worte und noch mehr unser Leben die Liebe Gottes, von der darin erzählt wird, nicht verdunkeln."

Quelle: vaticannews

Generalaudienz

 in der Audienzhalle

              

Dienstag, 3. Februar 2026

Die Lehre des ersten Märtyrers- des Hl. Stephanus

Sandro Magister setzt sich bei Corrispondenza Romana mit dem ersten Märtyrer nach Christi Tod - dem Hl. Stephanus asueinander. Hier geht´s zum Original:  klicken

"DIE LEHRE DES PROTOMÄRTYRERS STEPHANUS UND DES APOSTELS PAULUS FÜR EINEN WAHREN DIALOG ZWISCHEN JUDEN UND CHRISTEN"

Die jüngste Entwicklung im Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den Juden ist der beidseitig geäußerte Wunsch, einen Dialog wiederzubeleben, der sich verkompliziert, festgefahren und mitunter konfliktgeladen gestaltet hatte. Wie soll dies geschehen? Ausgehend von der Erklärung „ Nostra Aetate “ des Zweiten Vatikanischen Konzils, die einen entscheidenden Wendepunkt im Verhältnis zwischen Christen und Juden markierte, und dem nachfolgenden Erläuterungsdokument von 2015 mit dem Titel „ Die Gaben und die Berufung Gottes sind unwiderruflich “. 

Den Wert dieser beiden Dokumente haben die Juden selbst anerkannt, insbesondere in der Note „ Zwischen Jerusalem und Rom “, die 2017 von der Konferenz Europäischer Rabbiner, dem Rabbinischen Rat von Amerika und dem Oberrabinat des Staates Israel unterzeichnet wurde. Darin begrüßten sie vor allem zwei Kernpunkte der katholischen Kirche: „die Vorstellung, dass Juden an Gottes Heil beteiligt sind“ und die Erklärung, dass sie „weder eine spezifische institutionelle Missionsarbeit an Juden durchführt noch unterstützt“.

Nach Jahrhunderten des Antijudaismus und der Zwangsbekehrungen stellen diese beiden Punkte zweifellos bedeutende Fortschritte im Verhältnis zwischen Kirche und Juden dar. Sie können jedoch nicht als entscheidend gelten. Selbst Benedikt XVI., der Papst, der sich am stärksten für den Dialog einsetzte, bezeichnete sie in einer 2017 veröffentlichten Reflexion  als „unzureichend, um die Tragweite der Realität angemessen auszudrücken“.

Beim ersten Punkt bricht das vatikanische Dokument von 2015 selbst vor dem Mysterium ab: „Dass die Juden an Gottes Heilsplan teilhaben, ist theologisch unbestreitbar; wie aber das möglich sein kann, ohne Christus ausdrücklich zu bekennen, ist und bleibt ein unergründliches göttliches Mysterium.

Zum zweiten Punkt heißt es: „Obwohl eine institutionelle jüdische Mission grundsätzlich abgelehnt wird, sind Christen dennoch aufgerufen, ihren Glauben an Jesus Christus auch gegenüber Juden zu bezeugen, und zwar auf eine demütige und sensible Weise.“ 

Und genau zu diesen beiden Punkten hat ein anerkannter Gelehrter des frühen Christentums, Professor Leonardo Lugaresi, der von den Lesern von Settimo Cielo bereits mehrfach gewürdigt wurde, eine anregende Betrachtung angestoßen, in einem am 29. Dezember veröffentlichten Beitrag mit dem Titel: „ Der heilige Stephanus, die Kirche und die Juden “. 

Lugaresi nimmt die Apostelgeschichte als Leitfaden für seine Betrachtungen, vom anfänglichen „ernsten Fall“ des ersten Märtyrers Stephanus in Jerusalem bis zur rätselhaften letzten Seite mit dem Apostel Paulus in Rom.

Aus der Art und Weise, wie die Apostelgeschichte die Geschichte des Stephanus erzählt, so Lugaresi, besteht kein Zweifel daran, dass sie diese als normativ für die Kirche aller Zeiten darstellt. 

Die frühe christliche Gemeinde wird keineswegs idealisiert. Stephanus wurde zum Tischdiakon gewählt, um einen erbitterten Streit zwischen Hellenisten und Juden über die Verteilung von Nahrungsmittelhilfe an die Armen ihrer jeweiligen Gruppen beizulegen. Auch unter den jüdischen Führern herrschte Uneinigkeit. Die Sadduzäer und die Priesterkaste waren den Anhängern Jesu am feindlichsten gesinnt, standen aber einflussreichen Pharisäern wie Gamaliel gegenüber.