des Hl. Vaters beim heutigen Regina Coeli -im Wortlaut veröffentlicht bei vaticannews: klicken
"WORTLAUT: PAPST LEO BEIM REGINA COELI"
Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag und noch einmal frohe Ostern!
Heute, am zweiten Ostersonntag, den der heilige Johannes Paul II. der Göttlichen Barmherzigkeit gewidmet hat, lesen wir im Evangelium, wie der auferstandene Jesus dem Apostel Thomas erscheint (vgl. Joh 20,19-31). Das Ereignis findet acht Tage nach Ostern statt, während die Gemeinde versammelt ist, und dort begegnet Thomas dem Meister, der ihn einlädt, die Male der Nägel anzusehen, seine Hand in die Wunde in seiner Seite zu legen und zu glauben (vgl. V. 27). Es ist eine Szene, die uns dazu anregt, über unsere Begegnung mit dem auferstandenen Jesus nachzudenken. Wo finden wir ihn? Wie erkennen wir ihn? Wie glauben wir? Der heilige Johannes, der dieses Ereignis schildert, gibt uns genaue Hinweise: Thomas begegnet Jesus am achten Tag in der versammelten Gemeinschaft und erkennt ihn an den Zeichen seines Opfers. Aus dieser Erfahrung entspringt sein Glaubensbekenntnis, das bedeutendste im gesamten vierten Evangelium: »Mein Herr und mein Gott!« (V. 28).
Gewiss, es ist nicht immer leicht zu glauben. Das war es nicht für Thomas und das ist es auch für uns nicht. Der Glaube muss genährt und gestärkt werden. Deshalb lädt uns die Kirche am „achten Tag“, also an jedem Sonntag, ein, es den ersten Jüngern gleichzutun: uns zu versammeln und gemeinsam die Eucharistie zu feiern. In ihr hören wir die Worte Jesu, beten wir, bekennen wir unseren Glauben, teilen wir die Gaben Gottes in der Liebe, bieten wir vereint mit dem Opfer Christi unser Leben dar, nähren wir uns von seinem Leib und seinem Blut, damit wir dann selbst Zeugen seiner Auferstehung sein können, wie es der Begriff „Messe“ – genauer „Aussendung“, „Mission“ – andeutet (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1332).
Die sonntägliche Eucharistie ist für das christliche Leben unverzichtbar. Morgen werde ich zu meiner Apostolischen Reise nach Afrika aufbrechen, und gerade einige Märtyrer der afrikanischen Kirche der ersten Jahrhunderte, die Märtyrer von Abitina, haben uns diesbezüglich ein wunderbares Zeugnis hinterlassen. Als ihnen angeboten wurde, ihr Leben zu retten, wenn sie auf die Feier der Eucharistie verzichteten, antworteten sie, dass sie nicht leben könnten, ohne den Tag des Herrn zu feiern. Denn daraus nährt sich und wächst unser Glaube. Darin vereinen sich unsere – wenn auch begrenzten – Bemühungen durch Gottes Gnade wie das Tun der Glieder eines einzigen Leibes – des Leibes Christi – zur Verwirklichung eines einzigen großen Heilsplans, der die gesamte Menschheit umfasst. Durch die Eucharistie werden auch unsere Hände zu „Händen des Auferstandenen“. Sie bezeugen mit den Spuren der Arbeit, der Entbehrungen, der Krankheit, des Vergehens der Jahre, die man ihnen ansieht, ebenso wie mit einem zarten Streicheln, einem Händedruck und einer Geste der Nächstenliebe seine Gegenwart, seine Barmherzigkeit und seinen Frieden.
Liebe Brüder und Schwestern, in einer Welt, die so sehr des Friedens bedarf, verpflichtet uns dies mehr denn je, eifrig und treu an unserer eucharistischen Begegnung mit dem Auferstandenen teilzunehmen, damit wir von dort als Zeugen der Liebe und als Träger der Versöhnung neu aufbrechen können. Möge uns die Jungfrau Maria dabei helfen, die selig ist, weil sie als Erste geglaubt hat, ohne zu sehen (vgl. Joh 20,29).
Quelle: vaticannews