auf dem Petersplatz
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Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!
Durch den Mund des Propheten Jesaja gibt uns der Herr in der heutigen Liturgie einen bedeutenden Grund zur Hoffnung, wenn er uns sagt, dass seine Gedanken nicht unsere Gedanken und seine Wege nicht unsere Wege sind (vgl. Jes 55,8). Ja, Gottes Pläne sind unendlich viel größer und, sagen wir ruhig, „menschlicher“ als das, was wir von der Sünde gezeichnete Männer und Frauen begreifen und realisieren können. Deshalb ergeht an uns der Aufruf des Propheten, der heute aktueller ist denn je: unsere verkehrten Wege zu verlassen und umzukehren zum Herrn, der Barmherzigkeit und Vergebung ist .
Im Evangelium beschreiben die Gleichnisse Jesu das Neue, das Gott für uns bereithält, aber oft zeigen sie auch unseren Widerstand gegen eine großzügigere Gerechtigkeit und eine größere Liebe. Heute etwa hören wir die Geschichte von den Arbeitern, die zur Arbeit in den Weinberg gerufen werden (vgl. Mt 20,1-16): die einen für den ganzen Tag, die anderen nur für ein paar Stunden, wieder andere erst kurz vor Sonnenuntergang. Doch die zentrale Stelle des Gleichnisses ist der Augenblick der Entlohnung, als der Gutsherr gegenüber den Arbeitern der ersten Stunde Wort hält und sie wie vereinbart bezahlt, aber möchte, dass sie seine Güte erkennen, und die Letzten – vor ihren Augen – genauso behandelt wie sie
Ein Detail dürfen wir nämlich nicht übersehen. Der Herr gibt dem Verwalter eine genaue Reihenfolge vor: Die Arbeiter sollen »angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten« bezahlt werden (Mt 20,8). Die ablehnende Reaktion derer, die den ganzen Tag gearbeitet hatten, hätte also leicht vermieden werden können, doch sie ist beabsichtigt, denn die Offenbarung der Güte Gottes gilt für alle, nicht nur für einige
„Wir alle gewinnen jedoch an Freude, Verständnis und Zukunft, wenn das Gesetz der Liebe das Gesetz des Kalküls aufbricht“
Gott hat andere Wege und neue Gedanken auch für jene, die sich für die Ersten halten und glauben, sie hätten das, was sie sind, verdient und das erreichte Ergebnis stünde ihnen zu. Wir alle gewinnen jedoch an Freude, Verständnis und Zukunft, wenn das Gesetz der Liebe das Gesetz des Kalküls aufbricht, wenn die Erfahrung des Erbarmens die des Verdienens weitet, wenn das Geschenk des Friedens Rivalitäten aufhebt und uns in Dankbarkeit einander näherbringt.
Brüder und Schwestern, es ist eine Gnade, Mitarbeiter Gottes zu sein, in seinem Weinberg zu arbeiten, seinem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens zu dienen! Dort, wo das Neue hereinbricht, das Gott für uns bereithält, ist kein Platz für Neid und Spaltung. Lasst uns also den Herrn suchen, solange er sich finden lässt, lasst uns ihn anrufen, solange er nahe ist; und verlassen wir unsere verkehrten Wege und unsere ungerechten Gedanken (vgl. Jes 55,6-7)!
Blicken wir auf unsere heilige Mutter: Sie ist ein Geschöpf wie wir, aber ohne Makel; deshalb hilft sie uns, auf Gott zu hoffen und uns seiner Barmherzigkeit anzuvertrauen, damit seine Wege zu unseren Wegen und seine Gedanken zu unseren Gedanken werden."
Quelle: vaticannews