Montag, 8. Juni 2026

Papst Leo XIV auf dem Weg ins Bernabeu-Stadion

  in Madrid

              

Gebetsandacht in der Kathedrale Unsere Lieben Frau von Almudena

 

              

Treffen mit dem Spanischen Episkopat

 

               

Die Rede

vaticannews veröffentlicht den Wortlaut der Rede, die Papst Leo XIV im Spanischen Parlament, den Cortes gehalten hat. Hier geht´s zum Original:  klicken

WORTLAUT DER REDE PAPST LEOS IM SPANISCHEN PARLAMENT 

Herr Ministerpräsident, Frau Präsidentin des Abgeordnetenhauses, Herr Präsident des Senats, Herr Präsident des Verfassungsgerichts, Frau Präsidentin des Obersten Gerichtshofs und der rechtsprechenden Gewalt, Mitglieder des Abgeordnetenhauses und des Senats, meine Damen und Herren!

Ich danke der Frau Präsidentin für ihre freundlichen Worte und für die Einladung, die der Apostolische Stuhl anlässlich meiner Reise in dieses Land erhalten hat, wie auch für die Ehre, mich in diesem historischen Gebäude des Abgeordnetenhauses, dem bedeutenden Zentrum des institutionellen, juridischen und demokratischen Lebens des Königreichs Spanien, willkommen zu heißen. Ich komme zu Ihnen allen als Bischof von Rom und Hirte der katholischen Kirche, in dem Bewusstsein, dass die dem Nachfolger des Apostels Petrus als Prinzip und Fundament für die Einheit von Bischöfen und Gläubigen (vgl. Lumen gentium, 23) anvertraute Sendung den Heiligen Stuhl in besonderer Weise in einen Dialog mit den Völkern und den Staaten stellt.

„Die Kirche respektiert die Eigenständigkeit der Institutionen“

Mit meiner Anwesenheit unter Ihnen möchte ich im Rahmen der gegenseitigen Zusammenarbeit ein Zeichen der Verbundenheit mit Spanien setzen und ein Wort im Dienste der menschlichen Person sprechen. Die Kirche »ist gemeinsam mit der Menschheit unterwegs«, sie teilt ihre Hoffnungen und ihre Wunden, hört auf die Fragen jeder Epoche und lässt sich herausfordern »von allem, was das Leben der Männer und Frauen von heute betrifft«. Wenn sie sich daher an das öffentliche Leben wendet, respektiert sie die Eigenständigkeit der Institutionen und die rechtmäßige Verantwortung derer, die den Auftrag zur Gesetzgebung erhalten haben. Sie erkennt »die Autonomie der irdischen Wirklichkeiten« und »die Unterscheidung zwischen kirchlicher Gemeinschaft und politischer Gemeinschaft« an; und gerade aus diesem Bewusstsein heraus trägt sie Überlegungen bei, die aus dem Wunsch hervorgehen, dem Gemeinwohl zu dienen und an das zu erinnern, was das Zusammenleben wahrhaft menschlich macht (vgl. Magnifica humanitas, 18-19).

 Der Mensch ist mehr als ein Rädchen im Getriebe

In diesem Plenarsaal nimmt das gesellschaftliche Zusammenleben seine rechtliche Gestalt an. Hier finden die unterschiedlichen Standpunkte Gehör, die dann geordnet und, wenn möglich, in eine gemeinsame Entscheidung überführt werden. Deshalb steht jede gesetzgeberische Tätigkeit, jenseits der legitimen Meinungsvielfalt, letztlich vor einer entscheidenden Frage: Welches Menschenbild steht hinter den Gesetzen, und welche Art von Gesellschaft entsteht durch diese Gesetze?

„Welches Menschenbild steht hinter den Gesetzen, und welche Art von Gesellschaft entsteht durch diese Gesetze?“

Was diese Frage betrifft, verfügt Spanien über ein besonders reiches Vermächtnis. Seine geografische und politische Identität ist eng mit einer Geschichte verwoben, in der Glaube und Vernunft, Kunst und Recht, Tradition und Denken auf fruchtbare Weise miteinander verbunden sind. In seinen Kathedralen und Universitäten, in seiner unvergesslichen Literatur, in seinen Rechtsinstitutionen und im Geist seines Volkes lebt ein Erbe weiter, das eine besondere Art und Weise geprägt hat, Freiheit zu leben, Gerechtigkeit zu üben und das Zusammenleben zu gestalten.

Von den weltberühmten Seiten des Don Quijote, in denen Cervantes verkündete, dass »die Freiheit […] eines der kostbarsten Geschenke ist, die der Himmel den Menschen gegeben hat« (Don Quijote de la Mancha, II, 58), bis hin zur geistlichen Tiefe der heiligen Teresia von Ávila und von der großen spanischen Rechtstradition bis zur metaphysischen Unruhe Unamunos, der daran erinnerte, dass der Mensch »sich nicht damit abfindet, ganz zu sterben« (Vom tragischen Gefühl des Lebens, I), wusste Spanien stets, den Menschen als mehr als nur ein Rädchen im sozialen, wirtschaftlichen oder politischen Getriebe zu betrachten. Es hat ihn als ein Wesen anerkannt, das offen für die Wahrheit ist, mit Freiheit ausgestattet und von einem Durst nach Ewigkeit angetrieben, den nichts Zeitliches stillen kann; mit einem Wort: als jemanden, dessen Würde über jedem Nutzen steht und in dessen Dienst die Gesetzgebung steht.

Die Schule von Salamanca

„Man muss anerkennen, dass die Gesellschaft und auch die Kirche nicht immer den Einsichten gerecht wurden, die in ihrer eigenen christlichen Tradition Widerhall fanden“

Wenn wir heute also von der menschlichen Person sprechen, führt uns die Erinnerung natürlich nach Salamanca und zu dem Denken, das dort gereift ist. Die symbolische Präsenz der Könige Isabella und Ferdinand in diesem Saal verweist auf jene Zeit, in der Spanien vor einer historischen Verantwortung von universalem Ausmaß stand; wenige Jahre später sollte Salamanca mit einzigartiger Klarheit die ethische und rechtliche Reflexion übernehmen, die diese Situation erforderte. An jenem Universitätsstandort erkannten vor fünfhundert Jahren, als sich neue Welten auftaten und sich immense Möglichkeiten in den Beziehungen zwischen den Völkern eröffneten, einige Gelehrte, dass man sich nicht auf die Vernunft berufen konnte, um all das zu legitimieren, was Macht oder Eigeninteresse zweckdienlich erschien. So führten sie in die geschichtliche Unterscheidung die Frage nach dem unantastbaren Wert jedes Menschen und den ethischen Grenzen der Macht ein. Man muss anerkennen, dass die Gesellschaft und auch die Kirche nicht immer den Einsichten gerecht wurden, die in ihrer eigenen christlichen Tradition Widerhall fanden.

Allerdings eröffnete diese Frage einen intellektuellen und ethischen Horizont, der über den eigenen geschichtlichen Kontext hinausreichte. Die Vorstellung vom totus orbis, einer menschlichen Gemeinschaft, die größer ist als irgendeine einzelne Macht, ermöglichte es, die Existenz juridischer und ethischer Verbindungen zwischen den Völkern festzustellen. Von Spanien aus trugen die Überlegungen der Schule von Salamanca – und insbesondere die von Pater Francisco de Vitoria und anderen Dominikanern und Jesuiten – dazu bei, ein rechtliches und moralisches Bewusstsein zu formen, das daran erinnert, dass Autorität stets mit Verantwortung einhergeht und dass jeder Mensch als Träger von Rechten und Pflichten anerkannt werden muss. Dieses Anliegen ist auch heute noch aktuell: dass Würde, Gerechtigkeit und das Gemeinwohl der Maßstab der sozialen Beziehungen sein sollen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.

„Würde, Gerechtigkeit und das Gemeinwohl sollen der Maßstab der sozialen Beziehungen sein“

Auf dem Weg ins Spanische Parlament

 

              

Sonntag, 7. Juni 2026

Papst Leo: Begegnung mit der Welt der Kultur,

 der Kunst, Wirtschaft und des Sports in der Movistar-Arena in Madrid

               

In illo tempore

Auch heute setzt OnePeterFive mit Lesungen aus dem römischen Offizium in der Fassung des Konzils von Trient seine Katechese zur Bedeutung der Liturgie für die Sonntage im Kirchenjahr fort.
Anmerkung der Redaktion:  Die folgenden Lesungen und Responsorien stammen aus dem römischen Offizium in der Fassung nach dem Konzil von Trient 1570.
Hier geht´s zum Original: klicken

       SONNTAG IN DER OKTAV VON FRONLEICHNAM 

II. Nokturn

V.  Herr, gewähre uns deinen Segen.
Segen.  Der allmächtige Vater sei uns gnädig und barmherzig. Amen.

Lesung 4
aus den Predigten des heiligen Johannes Chrysostomus, Patriarch von Konstantinopel.
60. Predigt an das Volk von Antiochia.
Sein Wort spricht: „Dies ist mein Leib.“ Dies bekennen und glauben wir und sehen wir mit geistigen Augen. Christus hat uns sich nicht in einer Gestalt hinterlassen, die wir sehen, hören, berühren, riechen oder schmecken könnten, und doch hat er sich uns in Dingen hinterlassen, die wir sehen, hören, berühren, riechen und schmecken können und die alle Menschen verstehen können. So ist es auch mit der Taufe durch Wasser, die die Menschen äußerlich wahrnehmen: Ihnen wird eine Gabe zuteil, die sie nur innerlich erfassen können, nämlich die Wiedergeburt. Hätten wir keine Körper, würden uns diese Dinge ohne äußere und sichtbare Zeichen zuteil. Da wir aber aus Seele und Leib bestehen, werden unserer Seele Gaben zuteil, die sie erfassen kann, in äußeren Zeichen, die unser Leib wahrnehmen kann. Wie viele sagen: „Ich möchte doch sein Angesicht, sein Antlitz, seine Kleider, ja, seine Schuhe sehen!“ Siehe, du siehst und berührst ihn, ja, du nährst dich von ihm. Und du möchtest seine Kleider sehen? Siehe, er hat dir nicht nur gegeben, sie zu sehen, sondern dich davon zu nähren, sie zu berühren und sie in dich aufzunehmen.
V.  Herr, erbarme dich unser.
R.  Dank sei Gott.


R.  Während sie aßen, nahm Jesus das Brot, segnete es, brach es und gab es den Jüngern und sprach:
„Nehmt, esst, das ist mein Leib.“
V.  Die Männer meines Zeltes sprachen: „O dass wir von seinem Fleisch hätten, wir können nicht satt werden!“
R.  Nimm, iss, das ist mein Körper

V.  Herr, gewähre uns deinen Segen.

Segen.  Christus schenke all seinem Volk, dass es ewig vor ihm lebe. Amen.

Lesung 5:
An diesem Tisch des Herrn soll sich niemand mit Ängstlichkeit oder Gleichgültigkeit nähern. Alle sollen feurig, alle heiß, alle begeistert sein. Den Juden wurde bezüglich des Passahlamms geboten: „So sollt ihr es essen: mit umgürteten Lenden, Schuhen an den Füßen und dem Stab in der Hand, und ihr sollt es in Eile essen; es ist das Passah des Herrn.“ (Exodus 12,11)

 Aber du musst wachsamer sein als sie. Sie wollten gerade von Ägypten nach Palästina reisen und gaben sich deshalb als Reisende aus, doch die Reise, die vor dir liegt, führt von der Erde zum Himmel. Darum ziemt es sich für dich, in allem auf der Hut zu sein, denn die Strafe für den, der unwürdig isst oder trinkt, ist keine leichte (1 Kor 11,27). Bedenke, wie empört du dich über den Verräter und die Kreuziger des Herrn bist, und achte darauf, dass auch du nicht „schuldig am Leib und Blut des Herrn“ wirst. Sie aber töteten seinen heiligsten Leib, doch du, nach allem, was er für dich getan hat, nimmst ihn in deine befleckte Seele auf. Aus Liebe genügte es ihm nicht, Mensch zu werden, geschlagen und gekreuzigt zu werden. Er hat sich auch mit uns vermischt, indem er uns zu seinem Leib gemacht hat, und das nicht allein durch den Glauben, sondern wahrhaftig und in Wahrheit.
V.  Herr, erbarme dich unser.
R.  Dank sei Gott.

R.  Jesus nahm nach dem Abendmahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut.
* Tut dies zu meinem Gedächtnis.
V.  Meine Seele gedenkt ihrer stets und ist in mir demütig.
R.  Tut dies zu meinem Gedächtnis.

V.  Herr, gewähre uns deinen Segen.
Segen.  Möge das göttliche Feuer des Geistes in unseren Herzen entzündet werden und leuchten. Amen.

Papst Leo unterwegs zur Hl. Messe

auf der Plaza de Cibeles  in Madrid

              

Samstag, 6. Juni 2026

Gebetsvigil mit Jugendlichen

 auf der Plaza Lima in Madrid

              

Besuch beim Sozialprojekt Cedia 24 Oras

 in Madrid

               

Die Rede des Papstes

Veröffentlicht bei vaticannews:  klicken

                               WORTLAUT DER REDE

"Majestäten, Königliche Hoheiten, verehrte Autoritäten und Mitglieder des Diplomatischen Korps, meine Damen und Herren, 

ich danke dem Herrn für diese Begegnung und bedanke mich für die Einladung zu dieser Apostolischen Reise nach Spanien: einer Reise in mehreren Etappen, von denen jede einen Aspekt des Facettenreichtums eines großen Landes zeigen wird, das seit fast zwei Jahrtausenden das Wort des Evangeliums angenommen hat. Die Tradition hat die erste Evangelisierung der Iberischen Halbinsel stets mit der Verkündigung des Apostels Jakobus des Älteren in Verbindung gebracht. Diese Verbindung ist von beachtlicher theologischer Bedeutung, denn sie drückt das Bewusstsein der Ortskirche aus, in Kontinuität mit der vom Pfingstereignis ausgehenden apostolischen Sendung zu stehen. Die uralte Verbindung zwischen dem christlichen Glauben und diesem Land beschreibt die vielgestaltige Identität eures Volkes zwar nicht vollständig, hat aber andererseits dessen Kultur tief geprägt und stellt eine Quelle der Hoffnung und Orientierung inmitten der Herausforderungen dar, denen wir uns heute als Menschheitsfamilie gemeinsam stellen müssen. Ich denke an die Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit, die in jeder Stadt und jedem Dorf eine wahre Dramaturgie der Erlösung im Rhythmus des Jahres und in den verschiedenen Lebenskontexten darstellen. Zusammen mit dem künstlerischen und musikalischen Erbe, mit den zahlreichen Bruderschaften und karitativen Vereinigungen zeugen sie von der fruchtbaren Begegnung zwischen Jesus Christus und eurem Volk. Es ist ein Volk voller Leidenschaft, das das Leben liebt und dies auch zeigt! 

„Ein Volk voller Leidenschaft, das das Leben liebt und das auch zeigt“ 

Ich bin zu euch gekommen, um die Gläubigen in ihrer Treue zum Evangelium zu bestärken, zu ermutigen und zu inspirieren und um eine tiefere Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Kräften dieser Nation zu fördern. Denn eure eigene Geschichte zeigt, dass nicht die Kultur der Konfrontation, sondern die der Begegnung Stabilität und Wohlstand schafft. Genau betrachtet findet die Botschaft des Friedens, die in diesen Zeiten leider für manche naiv und für andere provokativ klingt, Anklang bei jenen, die sich nicht in vorgefertigte Ideologien verschließen, sondern offen für die Wahrheit sind. Wie uns Papst Franziskus gelehrt hat, besteht in der Tat »eine bipolare Spannung zwischen der Idee und der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist etwas, das einfach existiert, die Idee wird erarbeitet. Zwischen den beiden muss ein ständiger Dialog hergestellt und so vermieden werden, dass die Idee sich schließlich von der Wirklichkeit löst. Es ist gefährlich, im Reich allein des Wortes, des Bildes, des Sophismus zu leben« (Evangelii gaudium, 231). So kommt er zu dem Schluss: »Die Wirklichkeit steht über der Idee« (ebd.). Die Wahrheit ist immer größer als wir selbst, und deshalb überrascht sie uns und bewegt sie uns zu Prozessen der Läuterung und Versöhnung, auf denen der Dialog mit den anderen – und mit dem Anderen mit großem A – grundlegend wird. 


                           „Unsere Zeit schreit in ihrem Innersten nach Frieden“

In diesem Zusammenhang möchte ich auf zwei Gestalten dieses Landes verweisen, die seit fünf Jahrhunderten das Leben der Kirche und die spirituelle Suche vieler Menschen bereichern, auch über ihre sichtbaren Grenzen hinaus. Es handelt sich um Johannes vom Kreuz und Teresa von Ávila, die aufgrund ihrer Leidenschaft für das göttliche Geheimnis zu Freunden wurden. Ihre Mystik ist eine Mystik mit offenen Augen, das heißt, sie steht der Geschichte nicht fern, sondern führt im Gegenteil zu den Wurzeln der Fragen, zum Kern der Wirklichkeit. Insbesondere das Thema der Nacht, das dem heiligen Johannes vom Kreuz – den wir in diesem Jahr besonders feiern –  so am Herzen lag, hilft uns dabei, die Veränderungen zu deuten und die Spannungen zu ertragen, die unsere Zeit so sehr verdunkeln. In seiner Sehnsucht nach dem Licht lernte er paradoxerweise, die Dunkelheit zu schätzen – »die selige Nacht« (Die dunkle Nacht, 3) – als jene Zeit, in der sich die Seele von dem befreit, was sie zu kennen und zu besitzen glaubt. Auch heute noch ist es das Unbekannte, das uns am meisten Angst macht, das bei vielen die Vernunft verdunkelt und die Gefühle aufwühlt. Angesichts dessen überwiegt oft das Gefühl, sich nicht mehr zurechtzufinden, die Orientierungslosigkeit. Deshalb braucht es auch im öffentlichen Leben Männer und Frauen, die in der Dunkelheit das Licht erahnen; im Ende einen möglichen Anfang, gleichsam das Hereinbrechen einer Wahrheit als Licht, das noch blendet, uns aber – wenn wir vertrauen und Frieden finden – behutsam an sich heranführt: »Oh Nacht, die mich lenkte! O Nacht, holder als das Frührot! O Nacht, die den Geliebten mit der Geliebten vereinte, die Geliebte in den Geliebten wandelte« (ebd., 5). 

Erste Reden...

Stefan von Kempis berichtet bei vaticannews :  klicken

"PAPST IN SPANIEN:  NEIN ZUR POLARISIERUNG, JA ZUM FRIEDEN"

Leo XIV. hat Politik und Gesellschaft in Spanien dazu aufgerufen, der „Kultur der Konfrontation“ eine Absage zu erteilen. Zugleich lobte er den Einsatz Spaniens für Frieden und Völkerrecht.

Samstagmittag im „Palacio Real“, dem Königspalast von Madrid: Kurz nach seiner Ankunft in Spanien, das er bis zum 12. Juni bereisen will, trifft der Papst auf die politische und gesellschaftliche Elite des Landes sowie auf Diplomaten. In seiner ersten großen Rede im Beisein von König Felipe VI. und dem sozialistischen Regierungschef Pedro Sánchez erinnert der Gast aus Rom zunächst an „die uralte Verbindung zwischen dem christlichen Glauben und diesem Land“. Und er lobt seine Gastgeber: „Es ist ein Volk voller Leidenschaft, das das Leben liebt und dies auch zeigt!“

Für „Prozesse der Läuterung und Versöhnung“

Doch schon im zweiten Absatz seiner Rede wirbt Leo „um eine tiefere Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Kräften“ in Spanien, spricht von nötigen „Prozessen der Läuterung und Versöhnung“, vom Imperativ des Dialogs. Er beklagt die Orientierungslosigkeit vieler Menschen angesichts der Umbrüche unserer Epoche und stellt fest: „Unsere Zeit, die scheinbar von schrecklichen Ungleichgewichten und Konflikten erschüttert wird, schreit in ihrem Innersten nach Frieden...“

„Heute scheint die Versuchung, durch das Schüren von Polarisierungen an Popularität zu gewinnen, eher zu wachsen als abzunehmen; die Menschenwürde wird weiterhin verletzt. Deshalb brauchen wir Kultur, Innerlichkeit, eine freie und qualitativ hochwertige Bildung, wir brauchen Transzendenz. … Die katholische Kirche steht im Dienst dieses Verlangens des menschlichen Herzens. Nicht aufdringlich, sondern indem sie das Evangelium bezeugt...“

„Wir müssen jenen identitären Ansätzen entfliehen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern“

Papst Leo ruft die Spanier dazu auf, „die spaltenden und polarisierenden“ Debatten, die ihr öffentliches Leben kennzeichnen, zu überwinden und sich speziell in den sozialen Medien vor „Vorurteilen“ und „tödlichen Impulsen“ zu hüten. Es gelte etwa beim Blick auf die spanische Geschichte, „von fruchtlosen Vereinfachungen zu einer fruchtbaren Anerkennung ihrer Komplexität zu gelangen“  „Vorurteilen“ und „tödlichen Impulsen“ zu hüten. Es gelte etwa beim Blick auf die spanische Geschichte, „von fruchtlosen Vereinfachungen zu einer fruchtbaren Anerkennung ihrer Komplexität zu gelangen“.

„Ich sehe hier eine besondere Berufung für Europa, bei der Spanien eine grundlegende und wichtige Rolle spielt", erklärte der Papst. Mit Blick auf die Versuchung rechtsextremer Politik, die in Gestalt der Partei Vox auch in Spanien seit etlichen Jahren im Aufwind ist, fügte er hinzu: „Die Vielschichtigkeit schätzen und ergründen, lernen, sie nicht zu leugnen und sie als Segen anzunehmen, jenen identitären Ansätzen entfliehen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern: Darin besteht die Aufgabe derer, die eine große Geschichte hinter sich haben.“

Sicherheit kommt nicht von Waffen und Mauern


Der Gast aus Rom fordert mehr Investitionen in Schulen, Hochschulen und Forschung, in lokale Gemeinschaften und zur Stärkung der Zivilgesellschaft. „Sicherheit, von der wir uns allzu oft einbilden, sie käme von Waffen und Mauern, entsteht vielmehr dadurch, dass wir lernen, gemeinsam mit anderen voranzugehen, gemeinsam zu wachsen, Seite an Seite. Eure eigene Geschichte bezeugt dies. Die Präsenz des Islam auf der Iberischen Halbinsel beispielsweise war eine langjährige politische, kulturelle und religiöse Gegebenheit. In dieser Zeit gab es nicht nur Konfrontation, sondern man versuchte auch, einen Raum für Begegnung, Gespräch und Dialog zwischen Christen, Muslimen und Juden über Sinn und Wahrheit zu schaffen.“


Leo erinnert in seiner Rede an einige große Gestalten Spaniens: die Heiligen Johannes vom Kreuz, Teresa von Ávila und Ignatius von Loyola, aber auch an die mittelalterlichen Philosophen Averroes (1126–1198), der Muslim, und Maimonides (1138–1204), der Jude war. Am Ende seines Auftritts fasst der Papst seine Erwartungen an Spanien noch einmal bündig zusammen.


Papst erwähnt Philosophen aus dem islamischen Spanien des Mittelalters


„Majestäten, Königliche Hoheiten, meine Damen und Herren, ich danke Ihrem Land für seine Treue zum Völkerrecht und zum Multilateralismus, die sich in einem aktiven Engagement für den Frieden und die Solidarität unter den Völkern niederschlägt. Gleichzeitig ermutige ich Sie, auch in Ihrem Land den Dialog und die soziale Freundschaft zu pflegen, die Perspektiven der Armen und der Jugendlichen bei der Gestaltung der Zukunft zu berücksichtigen, die Forderungen nach Autonomie und Einheit in Einklang zu bringen und den Prozess der europäischen Einigung voranzutreiben – nicht im Gegensatz zu anderen Mächten, sondern als ein Geschenk für die ganze Menschheitsfamilie. Gott segne Spanien!“

König spricht Thema Missbrauch an


König Felipe VI. hatte den Papst in einer kurzen Ansprache im Säulensaal seines Palastes willkommen geheißen. Dabei würdigte er die christliche Prägung Spaniens und die „immense soziale Arbeit“, die die Kirche leiste. Dazu stünden die Missbrauchsskandale – „die allerdings nicht representativ für die ganze kirchliche Gemeinschaft sind“ – in starkem Kontrast, so der Monarch. „Ihre Klarheit und Stärke sind wesentlich für einen Prozess der Heilung und der Entschädigung für den entstandenen Schaden; sie sind es für die Opfer, für die Gläubigen, für die Kirche und auch für die Gesellschaft als ganze.“

Es ist die neunte Reise eines Papstes nach Spanien, und die erste seit anderthalb Jahrzehnten. Außer Madrid wird Leo auch Barcelona und die Kanarischen Inseln besuchen."

Quelle: S.v.Kempis, vaticannews