Freitag, 17. April 2026

Rede in der Universität von Yaoundé

Vaticannews veröffentlicht den Wortlaut der Rede, die Papst Leo XIV heute Nachmittag in der Katholischen Universität von Zentralafrika in Yaoundé gehalten hat.                                                   Hier geht´s zum Original:  klicken

"WORTLAUT: PAPST LEO XIV IN DER KATHOLISCHEN UNIVERSITÄT IN KAMERUN"

die sechste Ansprache des Kamerun-Besuchs der Afrikareise von Papst Leo XIV.. Er hielt sie diesen Freitagabend (17.4.2026) beim Besuch der Katholischen Universität Zentralafrikas in Kameruns Hauptstadt Yaoundé. Wir dokumentieren die Rede in vollen Wortlaut und offizieller Übersetzung auf Deutsch.

Herr Großkanzler, liebe Mitbrüder im Bischofsamt,
Herr Rektor, verehrte Mitglieder des Lehrkörpers,
liebe Studentinnen und Studenten,
sehr geehrte Autoritäten,
meine Damen und Herren!

Es ist mir eine große Freude, euch in dieser Katholischen Universität Zentralafrikas zu begegnen, an diesem Ort der Exzellenz für die Forschung, die Wissensvermittlung und die Bildung vieler junger Menschen. Den akademischen Verantwortlichen spreche ich meinen Dank für ihren herzlichen Empfang und für ihr unermüdliches Engagement im Dienst der Bildung aus. Dass diese Einrichtung, die 1989 von der Vereinigung der Bischofskonferenzen Zentralafrikas gegründet wurde, zu einem Leuchtturm geworden ist, welcher der Kirche und Afrika bei ihrer Suche nach der Wahrheit und bei der Förderung von Gerechtigkeit und Solidarität zugutekommt, ist ein Grund zur Hoffnung.

Heute ist es mehr denn je nötig, dass die Universitäten – und erst recht die katholischen Hochschulen – zu echten Lebens- und Forschungsgemeinschaften werden, die die Studenten und Dozenten in eine Gemeinschaft des Wissens einführen, die dazu dient »gemeinsam die Erfahrung der Freude der Wahrheit zu machen und ihre Bedeutung sowie die praktischen Auswirkungen gründlich zu untersuchen. Das, was das Evangelium und die Lehre der Kirche heute fördern sollen – und zwar in großzügiger und offener Synergie mit allen positiven Instanzen, die das Wachstum eines universalen menschlichen Bewusstseins nähren –, ist eine wahre Kultur der Begegnung, ja eine Kultur der Begegnung zwischen allen echten und vitalen Kulturen dank einem gegenseitigen Austausch der je eigenen Gaben in jenem lichtvollen Raum, den die Liebe Gottes allen seinen Geschöpfen eröffnet. Wie Papst Benedikt XVI. betont hat, ist die Wahrheit […] „lógos“, der „diá-logos“ schafft und damit Austausch und Gemeinschaft bewirkt« (Franziskus, Apostolische Konstitution Veritatis gaudium, 4b).

„Während nämlich viele Menschen weltweit ihre spirituellen und ethischen Orientierungspunkte zu verlieren scheinen und in Individualismus, Äußerlichkeiten und Heuchelei ihre Freiheit verlieren, ist die Universität par excellence ein Ort der Freundschaft und der Zusammenarbeit, der Innerlichkeit und der Reflexion“

In ihren Anfängen im Mittelalter gaben ihr ihre Gründer als Ziel die Wahrheit vor. Auch heute sind Dozenten und Studenten aufgerufen, sich die gemeinsame Suche nach der Wahrheit als Ziel und zugleich als Lebensstil vorzunehmen, da, wie der heilige John Henry Newman schrieb, »sich in Gott alle wahren Grundsätze erfüllen, alle Phänomene konvergieren nach ihm hin « (vgl. Hl. J.H. Newman, The Idea of a University, II, 3).

Andererseits ist das, was Newman kindly light nannte, also »das Licht des Glaubens, da es ja mit der Wahrheit der Liebe vereint ist, nicht etwa fern von der materiellen Welt, denn die Liebe wird immer in Leib und Seele gelebt. Das Licht des Glaubens ist ein inkarniertes Licht, das von dem leuchtenden Leben Jesu ausgeht. Es erleuchtet auch die Materie, baut auf ihre Ordnung und erkennt, dass sich in ihr ein Weg der Harmonie und des immer umfassenderen Verstehens öffnet. So erwächst dem Blick der Wissenschaft ein Nutzen aus dem Glauben: Dieser lädt den Wissenschaftler ein, für die Wirklichkeit in all ihrem unerschöpflichen Reichtum offen zu bleiben. Der Glaube ruft das kritische Bewusstsein wach, insofern er die Forschung daran hindert, sich in ihren Formeln zu gefallen, und ihr zu begreifen hilft, dass die Natur diese immer übersteigt. Indem er zum Staunen angesichts des Geheimnisses der Schöpfung einlädt, weitet der Glaube die Horizonte der Vernunft, um die Welt, die sich der wissenschaftlichen Forschung erschließt, besser zu durchleuchten« (Franziskus, Enzyklika Lumen fidei, 34).

„Das Licht des Glaubens ist ein inkarniertes Licht, das von dem leuchtenden Leben Jesu ausgeht. Es erleuchtet auch die Materie, baut auf ihre Ordnung und erkennt, dass sich in ihr ein Weg der Harmonie und des immer umfassenderen Verstehens öffnet“

Meine Lieben, Afrika kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die allzu engen Horizonte einer Menschheit zu erweitern, der es schwerfällt zu hoffen. Auf eurem großartigen Kontinent ist die Forschung in besonderer Weise herausgefordert, sich interdisziplinären, internationalen und interkulturellen Perspektiven zu öffnen. Und heute müssen wir dringend über den Glauben innerhalb der kulturellen Kontexte und aktuellen Herausforderungen nachdenken, um seine Schönheit und Glaubwürdigkeit in den verschiedenen Zusammenhängen hervortreten zu lassen, insbesondere in denen, die am stärksten von Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Konflikten sowie materiellem und spirituellem Verfall geprägt sind.


„Afrika kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die allzu engen Horizonte einer Menschheit zu erweitern, der es schwerfällt zu hoffen. Auf eurem großartigen Kontinent ist die Forschung in besonderer Weise herausgefordert, sich interdisziplinären, internationalen und interkulturellen Perspektiven zu öffnen“


Die Bedeutung einer Nation lässt sich nicht allein anhand des Reichtums ihrer natürlichen Ressourcen oder des materiellen Wohlstands ihrer Institutionen bemessen. Tatsächlich kann keine Gesellschaft gedeihen, wenn sie sich nicht auf redliche Gewissen gründet, die zur Wahrheit erzogen wurden. In diesem Sinne erinnert euch das Motto eurer Universität »Im Dienst der Wahrheit und der Gerechtigkeit« daran, dass das menschliche Gewissen – verstanden als das innere Heiligtum, in dem sich Männer und Frauen von der Stimme Gottes ansprechen lassen – der Boden ist, auf dem die rechten, soliden Fundamente jeder Gesellschaft errichtet werden können. Freie Gewissen zu formen, die von einer heiligen Unruhe erfüllt sind, ist die Voraussetzung dafür, dass der christliche Glaube als ein zutiefst menschliches Angebot erscheint, das in der Lage ist, das Leben der Einzelnen und der Gesellschaft zu verwandeln, in Bezug auf die Dramen und die Nöte unserer Zeit prophetische Veränderungen in Gang zu setzen und zu einer immer weitergehenden, nie an ein Ende kommenden Suche nach Gott zu ermutigen.


„Heute müssen wir dringend über den Glauben innerhalb der kulturellen Kontexte und aktuellen Herausforderungen nachdenken, um seine Schönheit und Glaubwürdigkeit in den verschiedenen Zusammenhängen hervortreten zu lassen, insbesondere in denen, die am stärksten von Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Konflikten sowie materiellem und spirituellem Verfall geprägt sind“


Es ist tatsächlich das Gewissen, wo sich das moralische Urteilsvermögen entwickelt, mit dem wir in Freiheit nach dem suchen, was wahr und recht ist. Wenn man sich um ein gebildetes und redliches Gewissen bemüht, dann wird es zur Quelle eines kohärenten Handelns werden, das auf das Gute, die Gerechtigkeit und den Frieden ausgerichtet ist.


„In Freiheit nach dem suchen, was wahr und recht ist. Wenn man sich um ein gebildetes und redliches Gewissen bemüht, dann wird es zur Quelle eines kohärenten Handelns werden, das auf das Gute, die Gerechtigkeit und den Frieden ausgerichtet ist“


In den heutigen Gesellschaften, und somit auch in Kamerun, ist eine Erosion der moralischen Bezugspunkte zu beobachten, die einst das Leben der Gemeinschaft prägten. Das führt dazu, dass man heute bestimmte Verhaltensweisen, die einmal als inakzeptabel galten, leichtfertig billigt. Diese Entwicklung lässt sich zum Teil mit gesellschaftlichen Veränderungen, wirtschaftlichen Zwängen und politischen Dynamiken erklären, die das individuelle und gemeinschaftliche Verhalten beeinflussen. Die Christen und ganz besonders die jungen afrikanischen Katholiken dürfen keine Angst vor den „neuen Dingen” haben. Gerade eure Universität kann Pioniere eines neuen Humanismus im Kontext der digitalen Revolution heranbilden, von der der afrikanische Kontinent nicht nur die faszinierenden Aspekte, sondern auch die dunkle Seite kennt, wie etwa die ökologischen und sozialen Schäden, die durch die hektische Suche nach Rohstoffen und Seltenen Erden verursacht werden. Schaut nicht weg: Dies ist ein Dienst an der Wahrheit und an der gesamten Menschheit. Ohne diese mühsame Bildungsarbeit wird die passive Anpassung an die vorherrschenden Denkweisen als Kompetenz und der Verlust von Freiheit als Fortschritt missverstanden werden.


Auf dem Weg in die Universität

 

             

Die Predigt

vaticannews veröffentlicht den Wortlaut der Predigt, die PApst Leo während der Hl. Messe n Douala healten hat. Hier geht´s zum Original:  klicken

"WORTLAUT DER PREDIGT BEI DER MESSE IN DOUALA"

Liebe Brüder und Schwestern,

das Evangelium, das wir gerade gehört haben (Joh 6,1-15), ist ein Wort des Heils für die gesamte Menschheit. Überall wird diese Gute Nachricht heute verkündet, die für die Kirche in Kamerun als eine providentielle Botschaft der Liebe Gottes und unserer Gemeinschaft erklingt.


Das Zeugnis des Apostels Johannes berichtet uns nämlich von einer großen Menschenmenge (vgl. VV. 2-5), so wie dieser hier. Für all die Menschen ist jedoch nur sehr wenig zu essen da: lediglich »fünf Gerstenbrote und zwei Fische« (V. 9). Angesichts dieses Missverhältnisses fragt Jesus uns heute so, wie er damals seine Jünger gefragt hatte: Wie wollt ihr dieses Problem lösen? Ihr seht, wie viele hungrige Menschen es gibt, die von der Mühsal erschöpft sind. Was tut ihr?


Diese Frage richtet sich an uns alle: Sie richtet sich an die Väter und Mütter, die sich um ihre Familien kümmern. Sie richtet sich an die Hirten der Kirche, die die Herde des Herrn hüten. Sie richtet sich an alle mit gesellschaftlicher und politischer Verantwortung für das Wohl des Volkes. Christus richtet diese Frage an die Mächtigen und die Schwachen, an die Reichen und die Armen, an die Jungen und die Alten, weil wir alle gleichermaßen Hunger haben. Diese Bedürftigkeit erinnert uns daran, dass wir Geschöpfe sind. Wir müssen essen, um zu leben. Wir sind nicht Gott. Aber wo ist Gott angesichts des Hungers der Menschen?


        „Die Vermehrung der Brote und Fische geschieht im Teilen: Das ist das Wunder!“


Während Jesus auf unsere Antworten wartet, gibt er die seine: »Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen« (V. 11). Ein ernstes Problem wird gelöst mit der Segnung der wenigen vorhandenen Speisen und mit ihrer Verteilung an alle, die Hunger haben. Die Vermehrung der Brote und Fische geschieht im Teilen: Das ist das Wunder! Es gibt Brot für alle, wenn man es allen gibt. Es gibt Brot für alle, wenn es nicht mit Händen genommen wird, die es für sich behalten, sondern mit Händen, die es weiterschenken. Betrachten wir die Geste Jesu genau: Wenn der Sohn Gottes das Brot und die Fische nimmt, sagt er zuallererst Dank. Er ist dem Vater dankbar für ein Gut, das zur Gabe und zum Segen für das ganze Volk wird.


Es gibt reichlich Essen

Auf diese Weise gibt es reichlich Essen: Es wird nicht aus Not rationiert, es wird nicht im Streit geraubt, es wird nicht von denen verschwendet, die sich vor den Augen derer vollstopfen, die nichts zu essen haben. Als es von den Händen Christi in die Hände seiner Jünger übergeht, vermehrt sich das Essen für alle, ja, es ist im Überfluss vorhanden (vgl. VV. 12-13). Beeindruckt von dem, was Jesus getan hat, rufen die Menschen aus: »Das ist wirklich der Prophet« (V. 14), also derjenige, der im Namen Gottes spricht, das Wort des Allmächtigen. Das ist zwar wahr, doch Jesus verwendet diese Worte nicht, um einen persönlichen Erfolg zu erzielen: Er will kein König werden (vgl. V. 15), denn er ist gekommen, um in Liebe zu dienen, nicht um zu herrschen.


Das Wunder, das er vollbracht hat, ist ein Zeichen dieser Liebe: Es zeigt uns nicht bloß, wie Gott die Menschheit mit dem Brot des Lebens nährt, sondern auch, wie wir diese Nahrung allen Männern und Frauen bringen können, die wie wir nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit hungern. Jede Geste der Solidarität und Vergebung, jede Initiative des Guten ist ein Bissen Brot für die Menschheit, die der Fürsorge bedarf. Und doch reicht dies nicht aus. Der Nahrung, die den Leib stärkt, muss nämlich mit gleicher Liebe die Nahrung für die Seele beigegeben werden, eine Nahrung, die unser Gewissen nährt und uns in dunklen Stunden der Angst, in der Finsternis des Leidens, Halt gibt. Diese Nahrung ist Christus, der seine Kirche stets überreich nährt und uns auf unserem Weg durch seinen Leib stärkt


Schwestern und Brüder, die Eucharistie, die wir feiern, wird somit zur Quelle eines erneuerten Glaubens, weil Jesus unter uns gegenwärtig ist. Das Sakrament erneuert nicht nur die Erinnerung an ein lang zurückliegendes Ereignis, sondern begründet eine Weg-Gemeinschaft, die uns verwandelt, weil sie uns heiligt. Selig, die zum Mahl des Herrn geladen sind! Bei der Eucharistie wird dieses Gastmahl selbst zu einer Botschaft der Hoffnung in den Prüfungen der Geschichte und in den Ungerechtigkeiten, die wir um uns herum sehen. Es wird zum Zeichen der Liebe Gottes, der uns in Christus einlädt, das zu teilen, was wir haben, damit es sich in der geschwisterlichen kirchlichen Gemeinschaft vermehrt.


Hl. Messe in Douala

 

             

Ankunft in Douala

 

           

Abschied von Yaoundé

 

              

Donnerstag, 16. April 2026

Gedenkmesse für Joseph Ratzinger

 heute von Kardinal Kurt Koch im Petersdom zelebriert 

             

Gedenkmesse für Joseph Ratzinger

Wie vaticannews berichtet hat Kardinal Kurt Koch anläßlich des 99. Geburtstages von Joseph Ratzinger- Papst Benedikt XVI im Petersdom eine Gedenkmesse gefeiert.                                          Hier geht´s zum Original:  klicken

"GEDENKMESSE FÜR BENEDIKT XVI:  ANLASS TIEFER DANKBARKEIT"

Diesen Donnerstag wäre Papst Benedikt XVI. 99 Jahre alt geworden. Mit einer feierlichen Messe im Petersdom hat der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch am Nachmittag des 16. April 2026 des Verstorbenen gedacht. In seiner Predigt zeichnete der langjährige Wegbegleiter Benedikts das Bild eines Glaubenszeugen, der die Dunkelheit der Zeiten klar erkannte, aber aus dem Ostergeheimnis heraus eine Hoffnung verkündete, die selbst im Angesicht von Leid und Tod trägt. Hier die Predigt im Wortlaut

                                        DEN GEBURTSTAG VON JOSEPH RATZINGER

                                                                     – BENEDIKT XVI

                                              IM LICHT DES KARSAMSTAGS FEIERN

                                                                       Kurt Kardinal Koch

Die Feier des Geburtstages ist stets ein willkommener Anlass, in den Anforderungen des Lebens innezuhalten und Dank zu sagen: Dank für alles, was wir in unserem Leben geschenkt erhalten haben, und auch Dank für alles, was wir unsererseits anderen Menschen schenken konnten. Der Geburtstag ist vor allem die besondere Gelegenheit, unser Leben als Geschenk zu verstehen und zu feiern und deshalb dankbar für das Leben zu sein. Der Geburtstag erinnert uns an die elementare Tatsache, dass kein Mensch sich selbst das Leben geben kann; wir können es nur empfangen: von Gott durch die Liebe der Eltern. Unser Leben ist deshalb dazu bestimmt, ein verdanktes und deshalb dankbares Leben zu sein. 


Dies gilt zumal, wenn wir den Geburtstag eines Menschen feiern, der das irdische Leben bereits verlassen hat und zum himmlischen Vater heimgekehrt ist, und wenn wir uns mit dem heutigen Tag auf den Weg zur Feier des hundertsten Geburtstages von Joseph Ratzinger – Papst Benedikt XVI. im kommenden Jahr machen. Im Rückblick auf sein Leben ist sein Geburtstag erst recht Anlass zu tiefer Dankbarkeit. Seine Biographie und sein theologisches Werk sind ein eindeutiges Zeugnis dafür, dass der Mensch in erster Linie nicht, wie die moderne Anthropologie ihn einseitig definiert ha, das handelnde Wesen, gleichsam „homo faber“ ist, sondern ein dankbares Lebewesen, gleichsam „homo festivus“. Joseph Ratzinger hat uns vorgelebt, dass wir alle berufen sind, als dankbare Menschen zu leben, genauer als eucharistische Menschen, die sich in der großen Danksagung der Kirche, der heiligen Eucharistie, so tief in den auferstandenen Christus hinein verwurzeln, dass ihr ganzes Leben zu einem eucharistischen Hochgebet werden kann.


„Ich habe es immer als ein großes Geschenk der göttlichen Barmherzigkeit betrachtet, dass mir Geburt und Wiedergeburt am selben Tag, im Zeichen des anfangenden Osterfestes geschenkt worden sind“

Der Geburtstag von Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. steht wohl auch deshalb im Zeichen großer Dankbarkeit, weil er sich durch zwei Besonderheiten auszeichnet. Die erste Besonderheit besteht darin, dass er an demselben Tag, an dem er geboren wurde, auch getauft wurde. Er konnte deshalb am gleichen Tag einen doppelten Geburtstag feiern, wie er selbst anlässlich der Feier seines achtzigsten Geburtstags mit den dankbaren Worten zum Ausdruck gebracht hat: „Ich habe es immer als ein großes Geschenk der göttlichen Barmherzigkeit betrachtet, dass mir Geburt und Wiedergeburt am selben Tag, im Zeichen des anfangenden Osterfestes geschenkt worden sind. So wurde ich zugleich in meine eigene Familie und in die große Familie Gottes hineingeboren“ (Benedikt XVI., Predigt zum 80. Geburtstag am Weißen Sonntag, 15. April 2007).

Die Schönheit von Geburt und Wiedergeburt der Taufe

Damit ist uns das Geheimnis des christlichen Lebens vor Augen gestellt, dass für uns Christen die natürliche Geburt und die Wiedergeburt der Taufe eine unlösbare Einheit bilden, womit uns eine zweifache Familie gegeben ist. Durch die Geburt gehören wir Christen wie alle Menschen einer natürlichen Familie an, in die hinein wir als Menschen geboren werden; und durch die Taufe gehören wir der großen Familie Gottes an, in die hinein wir als Söhne und Töchter Gottes wiedergeboren sind und die die Kirche ist. Beide sind dabei gegenseitig aufeinander bezogen und aufeinander angewiesen: Die christliche Einzelfamilie bildet die kleinste Grundzelle der Kirche und wird deshalb mit Recht als „Hauskirche“ gewürdigt, in der die Eltern gleichsam die ersten „Priester“ im Leben ihrer Kinder sind. Und auf der anderen Seite braucht die einzelne christliche Familie die Großfamilie der Kirche als ein schützendes Obdach, damit sie ihre Sendung wahrnehmen kann. Diese Schönheit von Geburt und Wiedergeburt der Taufe hat uns Joseph Ratzinger mit seinem Leben bezeugt.

Die zweite Besonderheit des Geburtstages von Joseph Ratzinger besteht darin, dass der 16. April im Jahre 1927 Karsamstag gewesen ist. Dieser Tag hat in seinem Leben und theologischen Denken eine ganz besondere Bedeutung gehabt, und zwar im Blick auf die zwei Seiten, die mit diesem Tag verbunden sind:

In der Sicht des christlichen Glaubens ist der Karsamstag zuerst der Tag der Verborgenheit und des Schweigens Gottes in der Geschichte der Menschen. Diese bittere Erfahrung der Gottverlassenheit hat gerade jene Generation erleiden müssen, die in derselben Zeit wie Joseph Ratzinger großgeworden ist, wie er selbst diagnostiziert hat: „Nach den beiden Weltkriegen, nach den Konzentrationslagern und dem Gulag, nach Hiroshima und Nagasaki, ist unsere Epoche immer mehr zu einem Karsamstag geworden. Die Dunkelheit dieses Tages fordert die heraus, die nach dem Leben fragen, und besonders fordert sie uns Gläubige heraus. Auch wir müssen uns dieser Dunkelheit stellen“ (Benedikt XVI., Meditation bei der Verehrung des Grabtuches in Turin am 2. Mai 2010) 


Mehr zur Kontroverse Trump versus Papst Leo XIV

Bei Corrispondenza Romana kommentiert auch Roberto de Mattei die Kontroverse zwischen dem US-Präsidenten Trump und Ppast Leo XIV. Hier geht´s zum Original:  klicken

"DER PAPST UND TRUMP: EIN EXPLOSIVER KONTRAST"

Nach Präsident Trumps Schmähungen gegen Papst Leo XIV. ist Verurteilung angebracht, und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni tat gut daran, diese auszusprechen, als Oberhaupt eines Landes, das den Stuhl Petri beherbergt. Leo XIV. ist das Oberhaupt der Weltkirche, über allen Mächtigen der Erde, und niemals, wie in diesem Fall, bedeutet.  Respekt vor Substanz. Doch der Verurteilung muss eine Analyse von Worten und Taten folgen, wenn wir nicht im Sumpf des Chaos versinken wollen, der jeden verschlingt, der in einer so turbulenten Zeit wie der unseren auf Vernunft verzichtet. Und die erste Frage, die sich jeder stellen muss, der Vernunft walten lassen will, ist, warum Donald Trump Leo XIV. so heftig angegriffen und ihm vorgeworfen hat,  „ liberal “ zu sein und sich der radikalen Linken anzubiedern , wo er doch in seiner ersten Amtszeit als Präsident Papst Franziskus, der sicherlich „ liberaler “ und linker   war als sein Nachfolger, nie so vehement attackiert hat .

Lassen Sie uns zunächst die Ereignisse rekapitulieren: „ Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen und nie wieder auferstehen “, schrieb Trump am 7. April in  Truth,  nur wenige Stunden vor Ablauf des Ultimatums, mit dem er Teheran zur bedingungslosen Kapitulation zwingen wollte. Leo XIV. nahm Trumps eindringliche Drohung ernst und nannte sie noch am selben Tag, als er Castel Gandolfo verließ, „ inakzeptabel  . Es war nicht das erste Mal, dass er den amerikanischen Präsidenten direkt oder indirekt für dessen Krisenmanagement rügte.

 Am 11. April, nach der Gebetswache im Petersdom, die zeitgleich mit den gescheiterten Friedensgesprächen zwischen den USA und dem Iran in Pakistan stattfand, ließ Trump seinem Ärger über den Papst auf seinem Social-Media-Account „Truth“ freien Lauf. Er nannte ihn „ zu nachgiebig im Kampf gegen die Kriminalität  und „ unfähig in der Außenpolitik  . Der amerikanische Präsident fügte hinzu: „ Ich will keinen Papst, der es schrecklich findet, dass Amerika Venezuela angegriffen hat, ein Land, das massenhaft Drogen in die USA lieferte und – noch schlimmer – seine Gefängnisse leerte und Mörder, Drogenhändler und Auftragsmörder in unser Land schickte .  Trump sagte weiter: „ Ich will keinen Papst, der den amerikanischen Präsidenten kritisiert, weil ich genau das tue, wofür ich gewählt wurde: die Kriminalität auf ein historisches Tief senken und den größten Aktienmarkt der Geschichte schaffen. Ich ziehe seinen Bruder Louis vor, der alles im Griff hat . 

Trumps Frontalangriff wurde von Leo XIV. mit einer besonnenen Antwort quittiert. „ Das schreckt mich nicht ab  und „ Ich will keine Debatte anstoßen  , sagte der Papst Reportern bei seiner Landung in Algerien während seiner Afrikareise. „ Ich bin kein Politiker: Lasst uns die Kriege beenden!  , erklärte der Pontifex und erinnerte daran, dass er „vom Evangelium“ spreche : „Ich werde mich auch weiterhin lautstark gegen Konflikte einsetzen . 

Trump, der weder die Regeln der Diplomatie noch gute Manieren versteht, nutzt Übertreibungen als Verhandlungsmittel. Er ist nicht der Einzige, der so vorgeht. Seit Beginn des Ukraine-Konflikts drohen Putin und insbesondere der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew immer wieder mit dem Einsatz von Atomwaffen. Das ist zutiefst beunruhigend, bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass sie ihren Worten auch Taten folgen lassen wollen. Das Problem ist, dass Russland, wie China und Nordkorea, über ein Atomwaffenarsenal verfügt, der Iran hingegen noch nicht. Hier liegt die Kernfrage, die Mario Sechi am 14. April in „Libero“ aufwarf: „ Was tun wir mit dem Iran, der immer wieder seinen Wunsch bekräftigt, sein Atomprogramm fortzusetzen ?  Die Verhandlungen scheiterten schließlich genau daran, dass der Iran sich weigert, auf den Einsatz der Atombombe zu verzichten. Fällt eine militärische Intervention zur Abwendung dieser Bedrohung nicht unter die Kategorie des „gerechten Krieges“, die George Weigel in seinem Artikel „ Über Krieg, Frieden, den Präsidenten und den Papst “ in der Washington Post vom 13. April erwähnte? Weigel betont, dass Konflikte nicht allein mit politischen Argumenten gelöst werden können, sondern nach ethischen Kriterien bewertet werden müssen, und fordert einen ernsthafteren und verantwortungsvolleren Dialog zwischen politischen und religiösen Autoritäten über die Fragen von Krieg und Frieden.

Der Papst erinnerte zu Recht daran, dass seine Stimme nicht die eines politischen Führers sei, sondern die der Kirche, die das Evangelium verkündet und die Welt zum Frieden aufruft. Dennoch rief er am 4. April die amerikanischen Bürger dazu auf, sich vor den Kongressabgeordneten Gehör zu verschaffen, um den Krieg zu beenden. Es war wohl das erste Mal, dass ein Papst sich direkt an die Bevölkerung wandte und sie aufforderte, Druck auf ihre Abgeordneten auszuüben. Es ist kein Zufall, dass „La Repubblica“ am 14. April eine ganzseitige, Trump-kritische Tirade des Jesuitenpaters Antonio Spadaro veröffentlichte, mit der Überschrift: „ Prevosts Stimme als politischer Akt gegen das Gesetz des Präsidenten  . 

Das blutrünstige Regime in Teheran nutzte die Situation aus und intervenierte seinerseits mit einer an den Papst gerichteten Botschaft. Während Leo XIV. die Große Moschee von Algier besuchte, wandte sich der iranische Präsident Masoud Pezeshkian an den Papst mit folgenden Worten: „ Im Namen der großen iranischen Nation verurteile ich die Beleidigung Eurer Exzellenz und erkläre, dass die Schändung Jesu (Friede sei mit ihm), des Propheten des Friedens und der Brüderlichkeit, für keinen freien Menschen hinnehmbar ist. Möge Allah Euch segnen .“

Tatsächlich zeichnet sich eine erneute Polarisierung zwischen dem Heiligen Stuhl und den Vereinigten Staaten ab, die tief in der Kultur verwurzelt ist. Im Jahr 1776, dem Jahr der Unabhängigkeitserklärung, deren 250. Jahrestag am 4. Juli begangen wird, definierten die Vereinigten Staaten ihre Identität durch die Ablehnung jeglicher religiöser Autorität, die nach „Oberhoheit“ strebte, angefangen bei der „römischen Monarchie“. Die Finanz- und Moralskandale der letzten Jahre haben zudem Teile der amerikanischen Hierarchie diskreditiert, und in traditionellen Kreisen, die Papst Franziskus kritisierten und seinem Nachfolger weiterhin misstrauen, erlebt der Katholizismus eine Renaissance. Dies verdeutlicht die Schwierigkeiten, mit denen Erzbischof Gabriele Caccia, der neue Nuntius in Washington, von Beginn seiner Amtszeit an konfrontiert sein wird. 

Trump wird die Folgen seiner Fehler bei den anstehenden Zwischenwahlen tragen müssen, doch Leo XIV. hat weder Wahltermine noch mediale Belange zu berücksichtigen. Es genügt ihm, sein Amt als Petrus gewissenhaft auszuüben und dabei die unveränderliche Lehre der Kirche zu Krieg und Frieden zu achten.

 Der Papst, ein Sohn des heiligen Augustinus, kennt gewiss eine berühmte Passage des Kirchenlehrers von Hippo, die Pius XII. in der Enzyklika „ Communium interpretes dolorum“ vom 15. April 1945 zitierte: „ Wünscht ihr euch Frieden? Tut das Rechte, und ihr werdet Frieden haben; denn Gerechtigkeit und Friede küssen einander (Ps 84,11). Wer die Gerechtigkeit nicht liebt, wird keinen Frieden haben: Gerechtigkeit und Friede lieben einander und sind so eng miteinander verbunden, dass ihr, wenn ihr das Rechte tut, den Frieden findet, der die Gerechtigkeit küsst… Wenn ihr also Frieden erlangen wollt, tut das Rechte: Wendet euch vom Bösen ab und folgt dem Guten; das heißt, liebt die Gerechtigkeit; und wenn ihr das Böse aufgegeben und Gutes getan habt, sucht den Frieden und folgt ihm ( Ps  84,12;  PL  37, 1078).“  

Es waren die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs, und Pius XII. bat „ den göttlichen Erlöser und seine heiligste Mutter im Geist des Gebets und der Buße, dass der Friede, der diesem verheerenden und blutigen Krieg ein Ende setzen wird, wahrhaftig und aufrichtig sein möge  Dies war schon immer die Lehre der Kirche: Es genügt nicht, den Frieden nur mit Worten zu beschwören; wir müssen aktiv für Gerechtigkeit eintreten und vor allem um die übernatürliche Hilfe der Gnade bitten, damit die Welt den Frieden Christi erhalte, der sich grundlegend vom falschen Frieden dieser Welt unterscheidet ( Joh 14,27–31)"

Quelle: R.d.Mattei, Corrispondenza Romana

Treffen für den Frieden

 

              

Papst Leo XIV in Yaoundé

Mario Galgano berichtet für vaticannews: klicken

"PAPSTBESUCH IN KAMERUN: "DIE MENSCHEN BRAUCHEN GERECHTIGKEIT"

Am ersten Tag seines Aufenthalts in Kamerun ist Papst Leo XIV. im Präsidentenpalast in Yaoundé mit staatlichen Autoritäten und Vertretern der Zivilgesellschaft zusammengetroffen. Der Besuch folgt auf eine vorangegangene Station in Algerien und ist Teil einer elftägigen Reise über den afrikanischen Kontinent

           

In seiner Rede vor dem Präsidenten sowie den Mitgliedern des diplomatischen Korps und Vertretern der Zivilgesellschaft dankte das Kirchenoberhaupt herzlich für den Empfang. Leo XIV.  bezeichnete Kamerun aufgrund der Vielfalt seiner Landschaften, Kulturen und Sprachen - völlig unterschiedlich von Nord nach Süd und von Ost nach West, auch in geographischer Hinsicht - als „Afrika im Kleinen“. Diese Diversität sei ein „Versprechen der Geschwisterlichkeit und ein solides Fundament für den Aufbau eines dauerhaften Friedens“.

Das Kirchenoberhaupt definierte seine Rolle bei diesem Besuch als die eines „Hirten und Dieners des Dialogs, der Geschwisterlichkeit und des Friedens“. Er wolle jeden dazu ermutigen, am Aufbau des Gemeinwohls weiterzuarbeiten. In einer Zeit, in der „Resignation um sich greift und das Gefühl der Ohnmacht die Erneuerung zu lähmen droht“, verwies er auf das Bedürfnis der Menschen nach Gerechtigkeit, Teilhabe und Frieden.

Die Bedeutung der Jugend und der Frauen

Besonderes Augenmerk legte der Papst auf die jüngere Generation. Es sei sein Wunsch, „die Herzen aller zu erreichen, insbesondere die der jungen Menschen, die dazu berufen sind, einer gerechteren Welt Gestalt zu geben, auch in politischer Hinsicht“. An die Adresse der Frauen gewandt, betonte er: „Dankbar möchte ich die Rolle der Frauen hervorheben. Oft sind sie, leider, die ersten Opfer von Vorurteilen und Gewalt, und doch bleiben sie unermüdliche Friedensstifterinnen. Ihr Engagement in den Bereichen Bildung, Mediation und Wiederaufbau des sozialen Gefüges ist unvergleichlich und zügelt Korruption und Machtmissbrauch. Auch aus diesem Grund muss ihre Stimme in Entscheidungsprozessen voll und ganz anerkannt werden“. Mehrmals brandete nach den Worten des Papstes Applaus auf, doch besonders herzlich war er an dieser Stelle.

Würdigung der päpstlichen Botschaft

Der Präsident Kameruns, Paul Biya, schlug in seiner Ansprache ernste Töne an und verwies auf den schwierigen internationalen Kontext. Er zeichnete das Bild einer durch Kriege, wirtschaftliche Not und soziale Verzweiflung erschütterten Welt, in der Angst und Zweifel die Herzen der Menschen beherrschten. Inmitten dieses globalen Chaos fungiere die päpstliche Botschaft laut Biya wie eine „belebende Quelle“, die den Wunsch nach Harmonie stille und der Menschheit die verloren gegangene Hoffnung zurückgebe.

Der Besuch des Papstes in Kamerun dauert noch bis zum 17. April an, bevor die Reise in weitere afrikanische Staaten fortgesetzt wird."

Quelle: M. Galgano, vaticannews

Abschied aus Yaoundé

 

              

Krieg & Frieden - die Kontroverse zwischen US-Präsident Trump und Papst Leo XIV

Daniele Trabucco kommentiert in LaNuovaBussola Quotidiana die verbalen Angriffe des us-amerikanischen Präsidenten auf  den Hl. Vater und dessen Antwort.                                                   Hier geht´s zum Original:  klicken

"DER KONFLIKT ZWISCHEN TRUMP UND DEM PAPST IST EIN KONFLIKT ZWISCHEN MACHT UND WAHRHEIT"

"Papst Leo XIV. hat auf metaphysischer Ebene auf die verächtlichen Äußerungen des amerikanischen Präsidenten reagiert . Es handelt sich um eine symbolträchtige Episode und ein Zeichen für eine Politik, die sich selbst legitimieren will und keine höhere Autorität anerkennt

Das ist nicht der Bericht über einen persönlichen Konflikt, der die Konfrontation zwischen Donald Trump, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, und Papst Leo XIV. so bedeutsam macht. Ihre Bedeutung reicht tiefer, denn sie berührt das Verhältnis von Macht und Wahrheit. Trump griff den Papst öffentlich mit verächtlichen Worten an und nannte ihn  schrecklich  ,  zu schwach im Kampf gegen Kriminalität  und  schrecklich für die Außenpolitik  , nachdem Leo XIV. den Krieg gegen den Iran, den Machtmissbrauch und den Missbrauch religiöser Sprache zur Rechtfertigung von Gewalt verurteilt hatte.

Der Papst reagierte, ohne sich auf Trumps Niveau herabzulassen, und erklärte, er fürchte die amerikanische Regierung nicht und wolle weiterhin im Namen des Evangeliums und des Friedens sprechen. In Algier definierte er Frieden nicht bloß als Abwesenheit von Konflikten, sondern als „Ausdruck von Gerechtigkeit und Würde“ und fügte hinzu: „Die Zukunft gehört den friedliebenden Menschen.“ Dies offenbart einen Unterschied von politischer, anthropologischer und metaphysischer Tragweite.

Nach Trumps Auffassung neigt Macht dazu, sich selbst als Grundlage ihrer Legitimität darzustellen: Was sich durchsetzt, ist gültig, was Erfolg hat, ist überzeugend und was erfolgreich ist, ist gerecht. Gewalt wird nicht länger als dem Gemeinwohl untergeordnetes Mittel betrachtet, sondern als implizites Kriterium des Gemeinwohls. Aus diesem Grund wird jeder Bezug auf eine höhere Autorität als unerträglich empfunden. Der Papst ist eine Quelle des Unbehagens, nicht weil er sich in internationale Angelegenheiten einmischt, sondern weil er uns daran erinnert, dass Macht nicht mit Wahrheit übereinstimmt, Effektivität nicht von sich aus Gerechtigkeit erzeugt und kein Sieg Willkür aufhebt. Seine bloße öffentliche Präsenz ist ein Zeugnis für die Existenz einer Autorität, die nicht auf Konsens beruht, sich nicht Drohungen beugt und ihre Legitimität nicht durch Gewalt beweisen will.

In diesem Kontext gewinnt Leo XIV.s Bezugnahme auf Augustinus besondere Bedeutung. In seiner Rede vor dem Diplomatischen Korps am 9. Januar 2026 prangerte er die Schwäche des Multilateralismus und die Rückkehr einer  Diplomatie der Gewalt  sowie die Idee an, Frieden  mit Waffengewalt  zu erreichen, um so die Herrschaft zu erlangen.

Der Papst sprach insbesondere von Frieden als tranquillitas ordinis : der gerechten Ordnung der Seele, der Stadt und der Völker.

Das ist ein entscheidender Punkt. Frieden im klassischen Sinne ist nicht bloß die technische Beilegung eines Konflikts, das Gleichgewicht gegenseitiger Ängste oder der durch Abschreckung herbeigeführte Waffenstillstand. Vielmehr ist er die politische Manifestation einer moralischen Ordnung: Er herrscht dort, wo jeder das Seine erhält und wo das Zusammenleben ein Gut anerkennt, das dem Willen der Vertragsparteien vorausgeht. Frieden entsteht nicht aus dem Pakt als absoluter Quelle; vielmehr sollte der Pakt ihm dienen.

Das unterscheidet sich grundlegend von der modernen Vorstellung . Die politische Moderne versteht Ordnung oft als Ergebnis einer Kombination gleichberechtigter und sich gegenseitig beschränkender souveräner Willen. In diesem Rahmen wird Recht tendenziell auf Verfahren reduziert und Frieden auf die Stabilisierung von Konflikten. Die zentrale Aufgabe besteht dann darin, eine Eskalation des Konflikts über eine bestimmte Schwelle hinaus zu verhindern. Fehlt es jedoch an einem objektiven Maßstab für Gerechtigkeit, so bewirkt das Verfahren nichts; es stiftet lediglich Chaos.

Mittwoch, 15. April 2026

Besuch im Waisenhaus Ngul Zamba in Yaoundé

 

               

"Afrika im Kleinen"

Mario Galgano berichtet für vaticannews über den Beginn des Papstbesuches is Kamerun. 
Hier geht´s zum Original:  klicken

Unter dem Titel:

"PAPSTBESUCH IN KAMERUN: "AFRIKA IM KLEINEN"

beginnt der Bericht so- ZITAT

"Am ersten Tag seines Aufenthalts in Kamerun ist Papst Leo XIV. im Präsidentenpalast in Yaoundé mit staatlichen Autoritäten und Vertretern der Zivilgesellschaft zusammengetroffen. Der Besuch folgt auf eine vorangegangene Station in Algerien und ist Teil einer elftägigen Reise über den afrikanischen Kontinent.

In seiner Rede vor dem Präsidenten sowie den Mitglieder des diplomatischen Korps und Vertretern der Zivilgesellschaft dankte das Kirchenoberhaupt herzlich für den Empfang. Leo XIV.  bezeichnete Kamerun aufgrund der Vielfalt seiner Landschaften, Kulturen und Sprachen - völlig unterschiedlich von Nord nach Süd und von Ost nach West, auch in geographischer Hinsicht - als „Afrika im Kleinen“. Diese Diversität sei ein „Versprechen der Geschwisterlichkeit und ein solides Fundament für den Aufbau eines dauerhaften Friedens“. (...)

Quelle: M. Galgano, vaticannews

Das Kirchenoberhaupt definierte seine Rolle bei diesem Besuch als die eines „Hirten und Dieners des Dialogs, der Geschwisterlichkeit und des Friedens“. Er wolle jeden dazu ermutigen, am Aufbau des Gemeinwohls weiterzuarbeiten. In einer Zeit, in der „Resignation um sich greift und das Gefühl der Ohnmacht die Erneuerung zu lähmen droht“, verwies er auf das Bedürfnis der Menschen nach Gerechtigkeit, Teilhabe und Frieden.

Die Bedeutung der Jugend

Besonderes Augenmerk legte der Papst auf die jüngere Generation. Es sei sein Wunsch, „die Herzen aller zu erreichen, insbesondere die der jungen Menschen, die dazu berufen sind, einer gerechteren Welt Gestalt zu geben, auch in politischer Hinsicht“. An die Adresse der Frauen gewandt, betonte er: „Dankbar möchte ich die Rolle der Frauen hervorheben. Oft sind sie, leider, die ersten Opfer von Vorurteilen und Gewalt, und doch bleiben sie unermüdliche Friedensstifterinnen. Ihr Engagement in den Bereichen Bildung, Mediation und Wiederaufbau des sozialen Gefüges ist unvergleichlich und zügelt Korruption und Machtmissbrauch. Auch aus diesem Grund muss ihre Stimme in Entscheidungsprozessen voll und ganz anerkannt werden“. Mehrmals brandete nach den Worten des Papstes Applaus auf, doch besonders herzlich war er an dieser Stelle.

Würdigung der päpstlichen Botschaft

Der Präsident Kameruns, Paul Biya, schlug in seiner Ansprache ernste Töne an und verwies auf den schwierigen internationalen Kontext. Er zeichnete das Bild einer durch Kriege, wirtschaftliche Not und soziale Verzweiflung erschütterten Welt, in der Angst und Zweifel die Herzen der Menschen beherrschten. Inmitten dieses globalen Chaos fungiere die päpstliche Botschaft laut Biya wie eine „belebende Quelle“, die den Wunsch nach Harmonie stille und der Menschheit die verloren gegangene Hoffnung zurückgebe.

Der Besuch des Papstes in Kamerun dauert noch bis zum 17. April an, bevor die Reise in weitere afrikanische Staaten fortgesetzt wird.