Vor der Afrika-Reise des Hl. Vaters befaßt sich Roberto de Mattei bei diakonos/Settimo Cielo mit dem Problem der auf dem Kontinent weit verbreiteten Polygamie , die im Widerspruch zur Lehre der Kirche steht. Hier geht´s zum Original: klicken
"POLYGAMIE: EIN HINDERNIS BEI LEOS ERSTER AFRIKA-REISE"
Ja, es war tatsächlich eine Hymne an die monogame und unauflösliche Ehe, die am ersten Märzabend in Sanremo mit „Per sempre sì“,von Sal Da Vinci gesungen wurde, der den Super Bowl des italienischen Liedes gewann und zu dem Bischof Antonio Staglianò, Präsident der Päpstlichen Akademie für Theologie, in den „Vatican News“ einen enthusiastischen Kommentar über diesen unerwarteten „poetischen Widerstand“ gegen einen Zeitgeist, der von immer weniger Eheschließungen und der Versuchung zur „Polyamorie“ geprägt ist.
Staglianò bezieht sich auf das Glaubensschreiben „Una caro“, das im vergangenen November vom Dikasterium für die Glaubenslehre unter dem aussagekräftigen Untertitel „Zum Lob der Monogamie“ veröffentlicht wurde. Als Vorbild dient darin die Liebe Jesu, der sich bis zum Ende opfert und die gegenseitige Gabe der christlichen Ehe zum Sakrament macht.
Doch „Una caro“ selbst räumt ein, dass die monogame und unauflösliche Ehe in der Welt alles andere als erfolgreich ist und weiterhin alten wie neuen Herausforderungen ausgesetzt ist.
Von diesen Herausforderungen nennt „Una caro“ zwei: Polygamie, die insbesondere in Subsahara-Afrika immer noch weit verbreitet ist, und Polyamorie, verstanden als eine „öffentliche Form nicht-monogamer Partnerschaft“, die vor allem im Westen zunimmt.
Die Situation in Afrika ist für die katholische Kirche besonders dringlich, da Afrika der einzige Kontinent ist, auf dem sich das Christentum derzeit ausbreitet und mittlerweile 20 Prozent aller getauften Katholiken weltweit ausmacht. Gleichzeitig verhindert die Polygamie jedoch viele weitere Taufen.
In Afrika hat die katholische Kirche mehrfach und auf unterschiedliche Weise versucht, dieses Problem anzugehen und arbeitet seit einigen Jahren an einem gemeinsamen Ansatz. Das Symposium der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar beauftragte zwölf Experten mit der Ausarbeitung eines einheitlichen Dokuments zu diesem Thema. Der Entwurf – zuvor vom Dikasterium für die Glaubenslehre geprüft und genehmigt – wurde vom 30. Juli bis 4. August 2025 in eiern Plenarsitzung in Kigali Ruanda diskutiert.
Der Entwurf wurde der nichtöffentlichen Sitzung von Schwester Ester Lucas, einer mosambikanischen Theologin, vorgestellt. Der Text wird derzeit weiterentwickelt, bevor er den nationalen Bischofskonferenzen vorgelegt wird. Kritik gibt es jedoch bereits an der vereinzelt praktizierten Praxis, Polygamisten den Status „ständiger Katechumenen“ zu verleihen, also Taufkandidaten, die erst nach Aufgabe der Polygamie getauft werden können – was in der Praxis fast nie der Fall ist.
Stattdessen ist beabsichtigt, die Seelsorge und Unterstützung von Polygamisten zu stärken, die größtenteils weiterhin polygam leben werden, da die Ehepartner die eingegangenen Bindungen nicht lösen können. Dennoch sollen sie ein tieferes Verständnis der christlichen Ehe erlangen können, die eng mit dem Geheimnis Christi und der Kirche verbunden ist. Es versteht sich, dass die erste Ehefrau und die Kinder getauft werden können, sofern sie die Voraussetzungen für den Empfang der Sakramente erfüllen. Der polygame Ehemann und die anderen Frauen sollen ermutigt werden, ihren Glauben in Buße und in der Hoffnung auf die vollständige Integration in die Gemeinschaft Jesu zu leben.
Es muss unmissverständlich klargestellt werden, dass Polygamie kein legaler Zustand ist, auch nicht in Gesellschaften, in denen sie legalisiert ist. Denn in 31 afrikanischen Ländern ist sie rechtlich anerkannt.
