Wie vaticannews berichtet hat Kardinal Kurt Koch anläßlich des 99. Geburtstages von Joseph Ratzinger- Papst Benedikt XVI im Petersdom eine Gedenkmesse gefeiert. Hier geht´s zum Original: klicken
"GEDENKMESSE FÜR BENEDIKT XVI: ANLASS TIEFER DANKBARKEIT"
Diesen Donnerstag wäre Papst Benedikt XVI. 99 Jahre alt geworden. Mit einer feierlichen Messe im Petersdom hat der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch am Nachmittag des 16. April 2026 des Verstorbenen gedacht. In seiner Predigt zeichnete der langjährige Wegbegleiter Benedikts das Bild eines Glaubenszeugen, der die Dunkelheit der Zeiten klar erkannte, aber aus dem Ostergeheimnis heraus eine Hoffnung verkündete, die selbst im Angesicht von Leid und Tod trägt. Hier die Predigt im Wortlaut
DEN GEBURTSTAG VON JOSEPH RATZINGER
– BENEDIKT XVI
IM LICHT DES KARSAMSTAGS FEIERN
Kurt Kardinal Koch
Die Feier des Geburtstages ist stets ein willkommener Anlass, in den Anforderungen des Lebens innezuhalten und Dank zu sagen: Dank für alles, was wir in unserem Leben geschenkt erhalten haben, und auch Dank für alles, was wir unsererseits anderen Menschen schenken konnten. Der Geburtstag ist vor allem die besondere Gelegenheit, unser Leben als Geschenk zu verstehen und zu feiern und deshalb dankbar für das Leben zu sein. Der Geburtstag erinnert uns an die elementare Tatsache, dass kein Mensch sich selbst das Leben geben kann; wir können es nur empfangen: von Gott durch die Liebe der Eltern. Unser Leben ist deshalb dazu bestimmt, ein verdanktes und deshalb dankbares Leben zu sein.
Dies gilt zumal, wenn wir den Geburtstag eines Menschen feiern, der das irdische Leben bereits verlassen hat und zum himmlischen Vater heimgekehrt ist, und wenn wir uns mit dem heutigen Tag auf den Weg zur Feier des hundertsten Geburtstages von Joseph Ratzinger – Papst Benedikt XVI. im kommenden Jahr machen. Im Rückblick auf sein Leben ist sein Geburtstag erst recht Anlass zu tiefer Dankbarkeit. Seine Biographie und sein theologisches Werk sind ein eindeutiges Zeugnis dafür, dass der Mensch in erster Linie nicht, wie die moderne Anthropologie ihn einseitig definiert ha, das handelnde Wesen, gleichsam „homo faber“ ist, sondern ein dankbares Lebewesen, gleichsam „homo festivus“. Joseph Ratzinger hat uns vorgelebt, dass wir alle berufen sind, als dankbare Menschen zu leben, genauer als eucharistische Menschen, die sich in der großen Danksagung der Kirche, der heiligen Eucharistie, so tief in den auferstandenen Christus hinein verwurzeln, dass ihr ganzes Leben zu einem eucharistischen Hochgebet werden kann.
„Ich habe es immer als ein großes Geschenk der göttlichen Barmherzigkeit betrachtet, dass mir Geburt und Wiedergeburt am selben Tag, im Zeichen des anfangenden Osterfestes geschenkt worden sind“
Der Geburtstag von Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. steht wohl auch deshalb im Zeichen großer Dankbarkeit, weil er sich durch zwei Besonderheiten auszeichnet. Die erste Besonderheit besteht darin, dass er an demselben Tag, an dem er geboren wurde, auch getauft wurde. Er konnte deshalb am gleichen Tag einen doppelten Geburtstag feiern, wie er selbst anlässlich der Feier seines achtzigsten Geburtstags mit den dankbaren Worten zum Ausdruck gebracht hat: „Ich habe es immer als ein großes Geschenk der göttlichen Barmherzigkeit betrachtet, dass mir Geburt und Wiedergeburt am selben Tag, im Zeichen des anfangenden Osterfestes geschenkt worden sind. So wurde ich zugleich in meine eigene Familie und in die große Familie Gottes hineingeboren“ (Benedikt XVI., Predigt zum 80. Geburtstag am Weißen Sonntag, 15. April 2007).
Die Schönheit von Geburt und Wiedergeburt der Taufe
Damit ist uns das Geheimnis des christlichen Lebens vor Augen gestellt, dass für uns Christen die natürliche Geburt und die Wiedergeburt der Taufe eine unlösbare Einheit bilden, womit uns eine zweifache Familie gegeben ist. Durch die Geburt gehören wir Christen wie alle Menschen einer natürlichen Familie an, in die hinein wir als Menschen geboren werden; und durch die Taufe gehören wir der großen Familie Gottes an, in die hinein wir als Söhne und Töchter Gottes wiedergeboren sind und die die Kirche ist. Beide sind dabei gegenseitig aufeinander bezogen und aufeinander angewiesen: Die christliche Einzelfamilie bildet die kleinste Grundzelle der Kirche und wird deshalb mit Recht als „Hauskirche“ gewürdigt, in der die Eltern gleichsam die ersten „Priester“ im Leben ihrer Kinder sind. Und auf der anderen Seite braucht die einzelne christliche Familie die Großfamilie der Kirche als ein schützendes Obdach, damit sie ihre Sendung wahrnehmen kann. Diese Schönheit von Geburt und Wiedergeburt der Taufe hat uns Joseph Ratzinger mit seinem Leben bezeugt.
Die zweite Besonderheit des Geburtstages von Joseph Ratzinger besteht darin, dass der 16. April im Jahre 1927 Karsamstag gewesen ist. Dieser Tag hat in seinem Leben und theologischen Denken eine ganz besondere Bedeutung gehabt, und zwar im Blick auf die zwei Seiten, die mit diesem Tag verbunden sind:
In der Sicht des christlichen Glaubens ist der Karsamstag zuerst der Tag der Verborgenheit und des Schweigens Gottes in der Geschichte der Menschen. Diese bittere Erfahrung der Gottverlassenheit hat gerade jene Generation erleiden müssen, die in derselben Zeit wie Joseph Ratzinger großgeworden ist, wie er selbst diagnostiziert hat: „Nach den beiden Weltkriegen, nach den Konzentrationslagern und dem Gulag, nach Hiroshima und Nagasaki, ist unsere Epoche immer mehr zu einem Karsamstag geworden. Die Dunkelheit dieses Tages fordert die heraus, die nach dem Leben fragen, und besonders fordert sie uns Gläubige heraus. Auch wir müssen uns dieser Dunkelheit stellen“ (Benedikt XVI., Meditation bei der Verehrung des Grabtuches in Turin am 2. Mai 2010)