Donnerstag, 15. Januar 2026

Über die weltweite Christenverfolgung

Anna Bono berichtet bei La Nuova Bussola Quotidiana über die Lage der Christen in afrikanischen Subsaharagebiet. Hier geht´s zum Original:  klicken

"SUBSAHARA-AFRIKA, EPIZENTRUM DER ISLAMISCHEN GEWALT GEGEN CHRISTEN"

Der Open Doors-Bericht 2026 hat eine Liste der Länder veröffentlicht, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Nordkorea steht weiterhin an der Spitze. Die meisten dieser Länder liegen in Asien, und der Hauptgrund für die Verfolgung ist der Islam. Doch in Afrika, insbesondere in Nigeria, wird die höchste Zahl an Christen verzeichnet, die aus Glaubenshass - odium fidei- ermordet wurden 

Open Doors, die internationale Organisation, die sich seit 1955 der Unterstützung bedürftiger Christen durch Gebete und materielle Hilfe verschrieben hat, veröffentlichte am 14. Januar ihren Jahresbericht über die Situation der Christen weltweit. Der Bericht, der auf Daten aus 100 Ländern basiert, deckt den Zeitraum vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. September 2025 ab.

Die Gesamtzahl der verfolgten Christen bleibt im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert : 388 Millionen, acht Millionen mehr als 2024. Davon leben 315 Millionen in den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex (World Watch List, WWL), in denen die Verfolgung als „extrem“ oder „sehr hoch“ eingestuft wird. Open Doors stellt für jedes Land ein Datenblatt bereit, das Informationen wie Einwohnerzahl, praktizierte Religionen, Anzahl der Christen, Regierungsform usw. enthält, Angaben zu den Verantwortlichen für die Verfolgung, deren Formen und die am stärksten Betroffenen aufzeigt. Darüber hinaus werden für jedes Land positive wie negative Veränderungen gegenüber den Vorjahren hervorgehoben und die Gründe dafür erläutert.

In Zahlen ausgedrückt wird jeder siebte Christ verfolgt, zwei von fünf in Asien und jeder fünfte in Afrika. 25 der 50 Länder, in denen das Leben für Christen am schwierigsten ist, liegen in Asien, 20 in Afrika, vier in Südamerika und eines, die Türkei, in Europa. Die Daten bestätigen in mancher Hinsicht einen positiven Trend, der bereits im Bericht von 2025 festgestellt wurde. Tatsächlich ist die Zahl der willkürlich verhafteten und inhaftierten Christen weiter gesunken – von 4.744 auf 4.712 – ebenso wie die Zahl der angegriffenen und beschädigten Kirchen und christlichen Einrichtungen auf 3.632: mehr als die Hälfte im Vergleich zu den 7.679 im Jahr 2024 (und den 14.766 im Jahr 2023). Entgegen diesem Trend ist die Zahl der Christen, die aus Glaubenshass getötet wurden, gestiegen. Im Jahr 2024 wurden 4.476 Fälle verzeichnet (522 weniger als im Vorjahr), im Jahr 2025 waren es 4.849, 373 mehr. Der Anstieg sowie der Rückgang im Jahr 2024 sind hauptsächlich auf die Situation in Nigeria zurückzuführen. Dort kamen 3.490 Nigerianer, 72 % der Gesamtzahl, ums Leben, verglichen mit 3.100 im Vorjahr.

Auch die Zahl der christlichen Flüchtlinge ist gestiegen . Sie erhöhte sich von 209.771 auf 224.129; darunter Binnenvertriebene und Flüchtlinge. Hauptverantwortlich für diesen Anstieg sind drei Länder: Nigeria, wo Christen im Nordosten von dschihadistischen Gruppen bedroht werden; Syrien, wo die neue Regierung unter Führung des Dschihadisten Ahmad al-Sharaa Angst und Unsicherheit verbreitet; und Myanmar, wo Christen von der Regierungsarmee unterdrückt werden, die sich seit dem Militärputsch 2021 im Krieg mit bewaffneten Rebellengruppen befindet.

Die meisten anderen Christen, die aus Glaubenshass getötet wurden, stammen ebenfalls aus Afrika : 864. Insbesondere Subsahara-Afrika bleibt das Epizentrum der Gewalt gegen Christen. Vierzehn Länder Subsahara-Afrikas sind in der WWL (World War Letter) enthalten. Insgesamt haben sie mehr als 721 Millionen Einwohner, von denen fast die Hälfte Christen sind: Jeder achte Christ lebt in diesen 14 Ländern. In allen, mit Ausnahme von Eritrea, ist die Ursache der Gewalt islamische Intoleranz, fast immer in ihrer extremen Form, dem Dschihad, dem Heiligen Krieg gegen Ungläubige.

Ein Großteil der Länder, in denen die meisten christlichen Kirchen und Gebäude angegriffen und beschädigt wurden  befindet sich auch in Subsahara-Afrika   

1.000 in Nigeria (gemeinsam mit China) und 509 in fünf weiteren Ländern: Sudan, Niger, Burkina Faso, der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo. Darüber hinaus liegen fünf der 15 Länder, in denen Gewalt als „extrem“ gilt, in Subsahara-Afrika: Somalia, Sudan, Eritrea, Nigeria und Mali.

„Es gibt Orte auf der Welt, wo die Nachfolge Jesu so gefährlich ist , dass sie eigentlich unmöglich sein sollte“, kommentiert Open Doors in seinem Bericht und dem Weltwochenbericht 2026. „Orte, an denen Christen nicht gemeinsam beten können. Wo der Besitz einer Bibel ein Todesurteil bedeuten kann. (...) In den Ländern, die dem Weltwochenbericht angehören, ist der Glaube so verhasst, dass er dort eigentlich gar nicht existieren dürfte.“ Doch er existiert, und Christen bewegen mit ihrem Zeugnis des Glaubens und der Nächstenliebe Angehörige anderer Religionen dazu, zum Christentum zu konvertieren. Oft sind diese Konvertiten die am heftigsten verfolgten Christen, Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung, von ihren eigenen Familien verstoßen, sozial und wirtschaftlich marginalisiert. Sie gehören zu denen, die ihre Entscheidung mit dem Leben bezahlen.

Das Land, in dem es am schwierigsten, ja fast unmöglich ist, Christ zu sein, ist Nordkorea. Es war lange Zeit führend im World Wide Web (WWL), außer 2022, als es von Afghanistan überholt wurde. Dort kann das Bekenntnis zu jedem Glauben, selbst das Gebet allein zu Hause, im Falle seiner Entdeckung zu einer Gefängnisstrafe in den berüchtigten Gefangenenlagern führen, wo das Überleben aufgrund der harten Lebens- und Arbeitsbedingungen schwierig ist.

Neben Nordkorea stehen auch andere kommunistische Regime der Religion feindlich gegenüber, wenn auch weniger vehement. Sie tolerieren sie, indem sie sie kontrollieren und einschränken. Das extremste Beispiel ist China, das auf Platz 17 der weltweiten Liste steht. Dort findet seit 2018 ein Prozess der Anpassung und Unterwerfung des Christentums statt, die sogenannte Sinisierung.

Der Hindu-Fundamentalismus stellt die andere große Bedrohung für Christen dar. In Indien, das auf Platz 12 rangiert, ist er seit 2014, als Narendra Modi, der Vorsitzende der hindu-nationalistischen BJP-Partei, das Amt des Premierministers übernahm, zunehmend intoleranter und aggressiver geworden

Doch die größte Gefahr geht weiterhin vom Islam aus . Elf der 15 Länder, in denen die Verfolgung als „extrem“ eingestuft wird, in denen „der Glaube so verpönt ist, dass er eigentlich gar nicht existieren dürfte“, haben eine muslimische Bevölkerungsmehrheit. Insgesamt ist in 38 der 50 Länder, die unter dem Begriff „Christliches Zeugnis in der Welt“ (WWL) geführt werden, der Islam für die dort verübte Verfolgung verantwortlich. In einigen Ländern war und ist die Gewalt so schwerwiegend, dass sie beinahe das dschihadistische Ziel der „Befreiung“ des Territoriums von Christen erreicht hat. Dies trifft auf Somalia und Jemen zu, die an zweiter und dritter Stelle der Liste stehen, wo die Zahl der Christen mittlerweile auf wenige Hundert gesunken ist."

Quelle: A. Bono, LNBQ

Die Hl. Pforten und die Hl. Jahre

Wie vaticannews berichtet werden nach dem Ende des Jubiläumsjahres in diesen Tagen die Hl. Pforten der Päpstlichen Basiliken zugemauert. Hier geht´s zum Original:  klicken

DIE HEILIGEN PFORTEN IN ROM WERDEN ZUGEMAUERT

In Rom werden in diesen Tagen die Heiligen Pforten der vier päpstlichen Basiliken zugemauert. Damit ist das Heilige Jahr der Hoffnung, das Papst Franziskus und sein Nachfolger Leo XIV. 2025 durchgeführt haben, endgültig Geschichte.

Als letztes trifft es am Freitagabend die Porta Santa des Petersdoms; sie soll am Freitagabend von innen zugemauert werden. Leo XIV. hatte die doppelflügelige Bronzetür am 6. Januar feierlich geschlossen. Beim Zumauern und Verputzen ist der Papst am Freitag nicht dabei; der Vatikan hat das Geschehen als „private Zeremonie“ eingestuft.

Nächstes Heiliges Jahr schon 2033?

Wie bei Heiligen Jahren üblich, wird eine kleine Kapsel mitvermauert, in der sich eine Urkunde, die Schlüssel der Heiligen Pforte sowie einige vatikanische Münzen befinden. Über 33 Millionen Menschen sind nach Angaben des Vatikans während des Heiligen Jahres 2025 durch eine der Heiligen Pforten Roms gezogen. Die Heiligen Pforten der Basiliken San Giovanni in Laterano und Maria Maggiore wurden schon in den letzten Tagen zugemauert; an diesem Donnerstag ist die Basilika Sankt Paul vor den Mauern dran.

Wann das nächste Heilige Jahr stattfinden wird, ist derzeit noch nicht sicher. Im Vatikan ist schon für 2033 ein außerordentliches Heiliges Jahr der Erlösung angedacht, um den 2.000. Jahrestag von Tod und Auferstehung Jesu zu markieren. Ein solches Heiliges Jahr ist vom Papst aber noch nicht offiziell ausgerufen worden. Regulär findet das nächste „giubileo“ erst wieder 2050 statt."

Quelle: vaticannews

Mittwoch, 14. Januar 2026

Das Mosaikporträt Papst Leos XIV

Wie Mario Galgano bei vaticannews berichtet, hat die Fabbrica di San Pietro (die Dombauhütte) das offzielle Porträt-Mosaik, das in Sankt Paul vor den Mauernin die Porträtgalerie der Päpste eingefügt wird, fertiggestellt. Hier geht´s zum Original:  klicken

MOSAIK-PORTRÄT VON LEO XIV FERTIGGESTELLT

Die Werkstätten der Bauhütte von Sankt Peter (Fabbrica di San Pietro) haben jetzt ein ganz besonderes Kunstwerk vorgestellt: das offizielle Mosaik-Porträt von Papst Leo XIV. Damit folgt der Vatikan einer antiken Tradition, nach der jeder gewählte Pontifex einen festen Platz in der Porträtgalerie der Basilika Sankt Paul vor den Mauern erhält. Vor der Generalaudienz hat sich Papst Leo XIV. das Porträt genauer angeschaut.

Gut acht Monate nach dem Beginn des Pontifikats von Leo XIV. gab das vatikanische Mosaikstudio den Abschluss der Arbeiten bekannt. Das Projekt wurde auf Wunsch des Erzpriesters der Basilika Sankt Paul vor den Mauern, Kardinal James Michael Harvey, durchgeführt. Das kreisrunde Mosaik, ein sogenanntes Tondo, hat einen Durchmesser von 137 Zentimetern und reiht sich in die historische Serie der Papstbildnisse ein, die bis auf den Apostel Petrus zurückreicht.

                  Antike Technik und handwerkliche Präzision


Die Herstellung des Bildnisses legt Zeugnis vom Fortbestehen handwerklicher Meisterschaft im Vatikan ab. Das Mosaik wurde auf einer Metallstruktur mit Glasuren und Goldtönen gefertigt. Dabei wandten die Künstler die „Technik des geschnittenen Mosaiks“ an, bei der jede einzelne Fliese (Tessera) präzise in Form gebracht wird. Befestigt wurden die Steinchen mit dem traditionellen ölhaltigen Stuck, dessen Rezeptur seit Jahrhunderten im Vatikan überliefert wird.



                                       Papst Leo XIV. und Kardinal Harvey, Erzpriester von St. Paul vor den Mauern   (@Vatican Media)


Grundlage für das Mosaik war ein Ölgemälde des Meisters Rodolfo Papa. Dieser Entwurf, ein Öl auf Leinwand in den exakten Maßen des späteren Tondos, wurde eigens für die Umsetzung in das Mosaik-Medium konzipiert. Während das fertige Mosaik bald seinen Platz in der Basilika findet, wird der gemalte Entwurf dauerhaft in der Sammlung der Fabbrica di San Pietro aufbewahrt, wo die gesamte Serie der Papstporträts dokumentiert ist. 

                                Einzug in die Papst-Galerie 

Der nächste Schritt ist die Anbringung des Werks in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Das Porträt von Leo XIV. wird im rechten Seitenschiff, unmittelbar neben dem Bildnis seines Vorgängers Franziskus, platziert. In einer Höhe von etwa 13 Metern wird es dort für Pilger und Besucher sichtbar sein und die lückenlose Kette der Nachfolger Petri symbolisieren.

Leo XIV. ist nach offizieller Zählung der 267. Papst der katholischen Kirche. Eine weitere wichtige Galerie mit Papstbildnissen wird im Altieri-Schloss in Oriolo Romano außerhalb von Rom gezeigt."


Quelle: M. Galagno, vaticannews


           

Katechese zur Konstitution Dei Verbum

Vaticannews veröffentlicht den Wortlaut der Katechese des Hl. Vaters zur KOnstitution Dei Verbum bei der heutigen Generalaudienz. Hier geht´s zum Original klicken

 Liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen und herzlich Willkommen!

Wir haben mit der Katechesenreihe über das Zweite Vatikanische Konzil begonnen. Heute beginnen wir mit der Vertiefung der Dogmatischen Konstitution „Dei Verbum - über die göttliche Offenbarung". Es handelt sich um eines der schönsten und wichtigsten Dokumente des Konzils, und zur Einstimmung kann es hilfreich sein, die Worte Jesu in Erinnerung zu rufen: “Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ (Joh 15,15). Dies ist ein grundlegender Punkt des christlichen Glaubens, an den uns Dei Verbum erinnert: Jesus Christus verändert die Beziehung des Menschen zu Gott radikal, von nun an wird es eine Beziehung der Freundschaft sein. Daher ist die einzige Bedingung für den neuen Bund die Liebe.

Der heilige Augustinus betont in seinem Kommentar zu dieser Stelle des vierten Evangeliums die Perspektive der Gnade, die allein uns zu Freunden Gottes in seinem Sohn machen kann (Kommentar zum Johannesevangelium, Predigt 86). Tatsächlich lautete ein altes Motto: „Amicitia aut pares invenit, aut facit”, „Freundschaft entsteht entweder zwischen Gleichen oder macht sie zu Gleichen”. Wir sind Gott nicht gleich, aber Gott selbst macht uns in seinem Sohn ihm ähnlich.

„Wir sind Gott nicht gleich, aber Gott selbst macht uns in seinem Sohn ihm ähnlich“

Wie wir in der gesamten Heiligen Schrift sehen können, gibt es im Bund zunächst eine Distanz, da der Vertrag zwischen Gott und dem Menschen immer asymmetrisch bleibt: Gott ist Gott und wir sind Geschöpfe; aber mit dem Kommen des Sohnes in menschlicher Gestalt öffnet sich der Bund seinem endgültigen Ziel: In Jesus macht Gott uns zu seinen Kindern und ruft uns dazu auf, ihm in unserer zerbrechlichen Menschlichkeit ähnlich zu werden. Unsere Ähnlichkeit mit Gott wird also nicht durch Übertretung und Sünde erreicht, wie es die Schlange Eva suggeriert (vgl. Gen 3,5), sondern in der Beziehung zum menschgewordenen Sohn.

Die Worte des Herrn Jesus, an die wir uns erinnert haben – „ich habe euch Freunde genannt“ – werden in der Konstitution Dei Verbum aufgegriffen, die bekräftigt: „In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott (vgl. Kol 1,15; 1 Tim 1,17) aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde (vgl. Ex 33,11; Joh 15,14-15) und verkehrt mit ihnen (vgl. Bar 3,38), um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen.“ (Nr. 2). Der Gott der Genesis unterhielt sich bereits mit den Vorfahren und führte einen Dialog mit ihnen (vgl. Dei Verbum, 3); und als dieser Dialog durch die Sünde unterbrochen wurde, hörte der Schöpfer nicht auf, die Begegnung mit seinen Geschöpfen zu suchen und von Zeit zu Zeit einen Bund mit ihnen zu schließen. In der christlichen Offenbarung, als Gott, um uns zu suchen, in seinem Sohn Mensch wird, wird der unterbrochene Dialog endgültig wiederhergestellt: Der Bund ist neu und ewig, nichts kann uns von seiner Liebe trennen. Die Offenbarung Gottes hat also den dialogischen Charakter einer Freundschaft und erträgt, wie es auch in der menschlichen Freundschaft der Fall ist, kein Schweigen, sondern lebt vom Austausch wahrer Worte.

Generalaudienz

 in der Paolo VI-Audienthalle

                   

Dienstag, 13. Januar 2026

Christliche Kunst

 Die Süd-Rosette der Kathedrale von Chartres, die der Verherrlichung Christi geweiht ist. 

Kardinal Zens Rolle beim Konsistorium

Lorenzo V. kommentiert bei messa-in-latino den Einfluss, den Leo XIV, die Rede Kardinal Zens und das Konsistorium, auf den Kurs der Kirche genommen haben. Hier geht´s zum Original:  klicken

"KURSWECHSEL: LEO XIV, ZEN UND DAS KONSISTORIUM, DIE DIE RICHTUNG DER KIRCHE VERÄNDERTEN"

Die Rolle von Kardinal Zen während des jüngsten Konsistoriums hätte eigentlich durch die zum Schutz der Privatsphäre vorgesehene Vertraulichkeit verborgen bleiben müssen. Dass seine dreiminütige Rede durchgesickert und veröffentlicht wurde, zeugt von ihrer Wirkung und ihrem Einfluss innerhalb des Konsistoriums. Ich möchte ergründen, warum dies so ist und warum ich glaube, dass sie ein Vorbote echten Wandels und neuer Hoffnung unter unserem neuen Papst ist.

Nicht alle meine Leser werden mit der Rolle vertraut sein, die dieser außergewöhnliche 93-jährige Kardinal über die Jahrzehnte, insbesondere aber in den letzten Jahren, gespielt hat. Erlauben Sie mir daher eine kurze Biografie. Zuvor müssen wir uns jedoch den größeren Kontext vor Augen führen: den Zyklus von Hoffnung und Verzweiflung, den die Kirche in den letzten Jahren durchlaufen hat.

Wahrheit versus Relativismus

Der umfassendere Kampf, in dem sich die katholische Kirche befindet, ist ihr Anspruch, die objektive Wahrheit zu vertreten, im Gegensatz zum Relativismus.

Der umfassendere Kampf, in dem sich die katholische Kirche engagiert, ist ihr Anspruch, die objektive Wahrheit gegen den Relativismus zu vertreten.

Wir verteidigen die Unantastbarkeit des Menschen gegen die Tyrannei des linken Kollektivismus.

Wir verteidigen die Meinungsfreiheit gegen Zensur, denn die Kirche bekennt sich sowohl zur Wahrheit – und zu denen, die sie verkünden – als auch zur Menschenwürde, zum Wert des Menschen als Träger der Wahrheit. Aus diesem Grund hat sich die Kirche stets für die Meinungsfreiheit eingesetzt.

Wie wir wissen, befinden wir uns in einer sich stetig verschärfenden Krise, in der Relativismus, Kollektivismus und Zensur von allen Seiten drängen.

Es ist weder ein Akt von Stammesdenken noch von Parteilichkeit, zu behaupten, dass nur die katholische Kirche diesen Kampf an allen Fronten führt und dass nur sie die intellektuellen, moralischen und spirituellen Ressourcen besitzt, das menschliche Herz zu gewinnen und zu verteidigen.

Der Substack hat dies von Anfang an unterstützt und wird es weiterhin artikulieren und verteidigen. Joseph Zen Ze-kiun verkörpert genau dieses Zeugnis, weshalb ich diese Woche auf seine Leistungen aufmerksam machen möchte.

Zunächst jedoch eine kurze Biografie für all jene, die ihn vielleicht nicht als inspirierenden Priester und Bischof kennen.



Kardinal Zen: Eine kurze Biografie

Kardinal Joseph Zen Ze-kiun ist ein chinesischer katholischer Bischof, Salesianerpater, Philosoph und moralischer Zeuge, dessen Leben von Exil und Verfolgung geprägt war. Er war in einigen der gefährlichsten politischen Situationen, die man sich vorstellen kann, eine mutige und unerschütterliche Stimme und beharrte stets darauf, dass die Wahrheit niemals politischem Opportunismus oder Bequemlichkeit geopfert werden darf.

Er ist 93 Jahre alt.

Joseph Zen Ze-kiun wurde 1932 in Shanghai geboren und floh nach dem Sieg der Kommunisten in China mit seiner Familie nach Hongkong. Er trat der Salesianerbruderschaft des Heiligen Johannes Bosco bei, studierte Philosophie und Theologie in China und Italien und wurde 1961 zum Priester geweiht.

Die neue Ferula

Wie S. Kritzenberger für vaticannews berichtet, benutzt Papst Leo XIV eine neue Ferula. 
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              NEUER HIRTENSTAB FÜR PAPST LEO

Leo XIV. hat bei der Messfeier vom 6. Januar in St. Peter erstmals einen neuen Hirtenstab benutzt. Das bestätigte das Liturgische Büro des Vatikans.

Anders als ein Bischofsstab, der im oberen Teil eine Krümme aufweist, ist der Hirtenstab des Papstes im oberen Teil gerade: ein Hinweis auf seine Autorität über die ganze Weltkirche. Der neue Papststab erinnert mit seiner Darstellung Jesu am Kreuz an den Hirtenstab von Johannes Paul II. (1978-2005); dabei sind aber die Hinweise auf die Auferstehung stärker herausgearbeitet worden, wie das Liturgische Büro erläutert.

Darstellung des auferstehenden Christus


„Christus wird nicht mehr mit den Nägeln der Passion dargestellt, sondern mit seinem glorifizierten Körper, der aufsteigt zum Vater. Wie bei seinen Erscheinungen zeigt der Auferstandene den Seinen die Wunden des Kreuzes als leuchtende Zeichen des Sieges, der den menschlichen Schmerz zwar nicht ungeschehen macht, ihn aber in einer Morgenröte göttlichen Lebens übersteigt.“


Quelle: S. Kritzenberger, vaticannews

Erzbischof Gänswein über Weihnachten in Litauen und Erinnernungen an Papst Benedikt XVI

Bryan Lawrence Gonsalves berichtet bei CNA über die Worte, mit denen Erzbischof Georg Gänswein während einer weihnachtlichen Verastaltung in Litauen  an Papst Benedikt XVI erinnert hat.
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"ERZBISCHOF GÄNSWEIN LOBT WEIHNACHTLICHES BRAUCHTUM IN LITAUEN UND ERINNERT AN PAPST BENEDIKT"

Erzbischof Georg Gänswein, der Apostolische Nuntius in den baltischen Staaten und zuvor langjähriger Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., hat in der vergangenen Woche bei einer Veranstaltung der katholischen Zeitschrift Kelionė in der Litauischen Nationalbibliothek über seine neue diplomatische Mission, die Feierlichkeiten zu Weihnachten in Litauen und seine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Joseph Ratzinger gesprochen.

„Ich komme aus dem schönsten Teil Deutschlands, habe aber den größten Teil meines Lebens in Rom verbracht“, sagte Gänswein. „Als Bonus und Dank für meine Arbeit erhielt ich den Auftrag, in den baltischen Staaten zu arbeiten.“

Auf die Frage nach den Unterschieden zwischen Weihnachten in Rom und in der baltischen Region antwortete der Erzbischof mit seinem charakteristischen Humor: „Ich habe 28 Jahre lang Weihnachten in Rom gefeiert und zwei Jahre lang in Vilnius. Der erste Unterschied ist die Kälte.“

Er fügte hinzu, dass die saisonalen Dekorationen in Litauen einen starken Eindruck hinterlassen hätten, und hob die „sehr schönen Weihnachtsdekorationen“ hervor. Die Weihnachtsbäume seien „sehr schön, vielleicht sogar schöner als auf dem Petersplatz im Vatikan“.

Gänswein zeigte sich dankbar dafür, dass die Feier von Weihnachten in Litauen nicht nur kultureller oder oberflächlicher Natur ist. Er sagte, er habe eine Ehrfurcht gespürt, deren „Tiefe hier zu spüren ist“, und verwies auf einen Glauben, der dem Geheimnis im Herzen dieser Jahreszeit weiterhin aufmerksam gegenübersteht.

Während des Gesprächs kam der Nuntius auf den Einfluss von Benedikt XVI. zu sprechen und beschrieb seine Jahre an der Seite Ratzingers als ein Geschenk der göttlichen Vorsehung.

„All die Jahre der Zusammenarbeit haben eine unauslöschliche Erfahrung hinterlassen“, sagte er. „Es war nicht nur eine intellektuelle und theologische Ausbildung, sondern auch eine Ausbildung des Herzens, der Seele und all dessen, was wir Leben nennen können.“

Gänswein erinnerte das Publikum daran, dass seine erste Begegnung mit Ratzinger stattfand, als er noch ein junger Seminarist war und die Artikel und Bücher des zukünftigen Papstes las, während Ratzinger Professor in Deutschland war.

„Ich habe versucht, alle seine Schriften zu lesen und zu studieren“, sagte er. So habe er Ratzinger nicht nur als Theologen und Akademiker, sondern als „einen Mann voller Glauben, Intelligenz und tiefer Überzeugung“ schätzen gelernt.

Montag, 12. Januar 2026

Zum Thema Frieden- in Papst Leos Predigten

Roberto de Mattei kommentiert bei Corrispendenza Romana die Friedens-Aussagen des Papstes. Hier geth´s zum Original:  klicken

"MARTYRIUM UND LEGITIME VERTEIDIGUNG. DIE BEIDEN WEGE ZUM FRIEDEN- GEPREDIGT VON PAPST LEO"

Es ist nicht leicht, Leo XIV ganz zu verstehen, wenn er über Frieden spricht. Er hat ihn nach seiner Wahl zum Papst bei seinen ersten Grüßen und noch oft danach als "entwaffnet und entwaffnend" beschworen. Eine eindrucksvolle Paarung- aber schwierig auf die vielen in der Welt stattfindenden Kriege anzuwenden. 

Doch er hat den Frieden auch als „Wildfrieden“ in der feierlichen Weihnachtsbotschaft „Urbi et Orbi“ (siehe Foto) beschworen und zitierte dabei den jüdisch-israelischen Dichter Yehuda Amichai (1924–2000) aus einer seiner in den USA erschienenen Anthologien: „Lass ihn kommen wie Wildblumen, plötzlich, denn das Feld braucht ihn: Wildfrieden.“

„Amichai glaubt nicht an Frieden als Wunder“, kommentierte Sara Ferrari, Professorin für Hebräisch an der Universität Mailand und Kennerin des Dichters. „Wahrer Frieden entspringt nicht der Unschuld, sondern dem Bewusstsein, das Böse zu kennen. Es ist eine zutiefst biblische Botschaft.“

Und dass das Böse die Erde überfällt, ist eine Realität, die Leo nicht verharmlost. In seiner Weihnachtspredigt, an dem Tag, an dem „das Wort Gottes sein zerbrechliches Zelt unter uns aufgeschlagen hat“, fuhr er gleich im Anschluss fort:

„Wie könnten wir da nicht an die Zelte in Gaza denken, die wochenlang Regen, Wind und Kälte ausgesetzt sind; und an die Zelte so vieler anderer Flüchtlinge und Vertriebener auf allen Kontinenten; oder an die provisorischen Unterkünfte Tausender Obdachloser in unseren eigenen Städten? Zerbrechlich ist das Leben wehrloser Bevölkerungsgruppen, die von so vielen Kriegen, ob andauernd -oder beendet, gequält werden und Trümmer und offene Wunden hinterlassen. Zerbrechlich sind die Seelen und das Leben junger Menschen, die gezwungen sind, zu den Waffen zu greifen, die an der Front die Sinnlosigkeit dessen spüren, was von ihnen verlangt wird, und die Lügen, die die pompösen Reden derer füllen, die sie in den Tod schicken.“

Es überrascht nicht, dass viele Worte von Papst Leo, wie etwa jene über die vielen Soldaten, die sinnlos in den Kampf gezwungen werden, oder jene gegen das ungezügelte Wettrüsten, von pazifistischen Strömungen – katholischen wie nichtkatholischen – aufgegriffen und für ihre eigenen Thesen instrumentalisiert werden. Insbesondere die päpstliche Botschaft zum Weltfriedenstag am 1. Januar, die mit scharfer Kritik an einer Aufrüstung gespickt ist, die „weit über das Prinzip der legitimen Verteidigung hinausgeht“, hat Pazifisten reichlich Angriffsfläche geboten.

Über das erste Konsistorium des Pontifikates

In seiner heutigen Kolumne für Monday at the Vatican kommentiert A. Gagliarducci das erste, am 8. Januar zuende gegangene Konsistorium des Pontifikates Papst Leos XIV.                                            Hier geht´s zum Original:  klicken

"LEO XIV: DREI SIGNALE, DIE VON SEINEM ERSTEN KONSISTORIUM AUSGEHEN"

Das erste außerordentliche Konsistorium Leos XIV., das sich über zwei Tage, vom 7. bis 8. Januar, erstreckte, brachte keine konkreten Ergebnisse. Es waren auch keine erwartet worden.

An den Gesprächen nahmen fast zweihundert Kardinäle teil, die sich – nach eigenem Ermessen – auf Evangelisierung und Synodalität konzentrierten, zwei der vier Themen, die Leo ihnen zur Diskussion vorschlug.

Die liturgische Frage wurde – vorerst – zurückgestellt, ebenso wie die Diskussion über Papst Franziskus’ Reform der Römischen Kurie. Leo stellte jedoch klar, dass diese beiden Themen nicht auf unbestimmte Zeit vernachlässigt werden könnten.

Die Kardinäle trafen sich in Arbeitsgruppen mit verschiedenen Referenten, und der Papst war nicht immer anwesend.

Leo mied die Gruppendiskussionen des ersten Tages und nahm nur zu Beginn und am Ende teil. Er wünschte sich, dass die Kardinäle in Ruhe alle Angelegenheiten untereinander diskutieren und frei erörtern könnten.

Als er schließlich sprach, um die Arbeit des Tages zu strukturieren, betonte er, dass das Konsistorium eine Zeit des Zuhörens und Nachdenkens über die bevorstehenden Herausforderungen sei. Er forderte alle Kardinäle auf, die Prioritäten der Kirche für die nächsten zwei Jahre zu überdenken.

Drei Leitprinzipien lassen sich aus dem ersten Konsistorium Leos XIV. ableiten:

• Priorität des Glaubenslebens – insbesondere des Ordenslebens – gegenüber bürokratischer Organisation.

• Streben nach Ausgewogenheit in der Synodalität.

• Die Stärkung der Gemeinschaft innerhalb der Kirche angesichts globaler Herausforderungen.

Diese Prinzipien bilden zusammen das Kernargument des Konsistoriums.

Die Priorität, die dem Ordensleben eingeräumt wurde, lässt sich vor allem daraus ableiten, dass Leo XIV. die erste Sitzung des Konsistoriums von Kardinal Ángel Artime, dem Propräfekten des Dikasteriums für das Ordensleben, koordinieren lassen wollte.

Normalerweise übernimmt das Staatssekretariat als päpstliches Sekretariat die Koordination. Auch die erste Einberufung des Konsistoriums erfolgte jedoch nicht durch den Dekan des Kardinalskollegiums, sondern durch das Staatssekretariat. Alles deutete also darauf hin, dass das Staatssekretariat eine zentrale Rolle einnehmen sollte. Dies tat es zumindest in der Vorbereitung des Konsistoriums.

Die Betonung des Ordenslebens durch den Papst ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Leo XIV. stellte von Anfang an klar, dass das Konsistorium eine Glaubensgemeinschaft und kein Expertenteam ist. Dies war eine wichtige und eindringliche Botschaft. Der Papst sah sich einer synodalen Debatte gegenüber, die oft auf funktionale Begriffe reduziert schien, und setzte dieser mit einer Glaubensvision entgegen, die vor allem durch die Gemeinschaft genährt wurde.

Sonntag, 11. Januar 2026

In illo tempore

 Auch heute, am Hochfest Taufe des Herrn setzt Fr. John Zuhlsdorf bei OnePeterFive seine Katechese über die Bedeutung der Sonntage im Kirchenjahr und ihre Liturgie fort.                                              Hier geht´s zum Original:  klicken

          "IN ILLO TEMPORE: DIE HEILIGE FAMILIE" 

Wir befinden uns in der Epiphaniaszeit, jener Zeit des Kirchenjahres, deren Name, abgeleitet vom griechischen ἐπιφάνεια, Offenbarung, das Sichtbarwerden der göttlichen Wirklichkeit in der menschlichen Geschichte bedeutet. Von Anbeginn an nahm die Epiphanie in den alten Ostkirchen einen besonderen Platz ein, wo das Fest mehrere Momente in einem einzigen leuchtenden Mittelpunkt vereinte, in denen die verborgene Herrlichkeit Christi aufstrahlte. Die römische Tradition, die diese Themen auf ihre Weise aufnahm und weiterentwickelte, hat die Triade, die die Kirche jedes Jahr in der großen Antiphon der Vesper besingt, nie aus den Augen verloren: Hodie caelesti Sponso iuncta est Ecclesia… Hodie stella Magos duxit ad praesepe; hodie vinum ex aqua factum est ad nuptias; hodie in Iordane a Ioanne Christus baptizari voluit, ut salvaret nos. Alleluia. Heute führt der Stern die Heiligen Drei Könige zur Krippe; Heute wird bei der Hochzeit Wasser in Wein verwandelt; heute will Christus von Johannes im Jordan getauft werden, damit er uns errette. Die Kirche begeht diese Ereignisse nicht als voneinander getrennte Episoden, sondern als Facetten eines einzigen Geheimnisses, jedes eingeleitet durch „heute“ , jedes als sakramental gegenwärtig verkündet.

Resonanz und Erfüllung erkennt. Wer mit den Schriften Israels vertraut ist, erkennt darin ein Echo Samuels, der sich schon in jungen Jahren dem Dienst Gottes widmete. In 1 Samuel 2,26 lesen wir: „Der Knabe Samuel aber wuchs an Größe und Gnade beim Herrn und bei den Menschen.  Lukas schließt seinen Bericht über die Tempelbegebenheit mit bewusst parallelen Worten:  Und Jesus nahm zu an Weisheit, Größe und Gnade bei Gott und den Menschen  (Lk 2,52). Samuel, geboren von einer Mutter, die in Angst und Hoffnung betete, gewinnt an Gnade bei Gott und den Menschen; Jesus, geboren von der Jungfrau, die das Magnificat sang, gewinnt ebenso an Gnade. Hannahs Lobgesang „ Exsultavit cor meum in Domino“ (1 Sam 2,1) nimmt bereits Marias „Magnificat anima mea Dominum“ (Lk 1,46) vorweg. Lukas stellt von Anfang an die prophetische Dimension der Mission Christi heraus.

Doch die Parallele reicht noch weiter. Samuel wird von seiner Familie getrennt, um im Stiftszelt, dem Vorläufer des Tempels, vor dem Herrn zu dienen. Auch Jesus wird getrennt und bleibt zurück, während seine Eltern mit der Karawane aufbrechen. Lukas verwendet einen Begriff, der Beachtung verdient. Die Gruppe, mit der Josef und Maria reisten, wird als συνoδία ( Synodia ) bezeichnet, eine Gesellschaft, die „gemeinsam unterwegs“ ist. Das Wort selbst spricht von „gemeinsamem Gehen“. Die Ironie ist spitz. Denn so wie das „gemeinsame Gehen“ in Lukas 2 Jesus verloren hat , so scheint es, als ob das „gemeinsame Gehen“ der letzten Jahre dasselbe bewirkt haben könnte.  

Jesus ist in diesem Moment jedenfalls nicht „mit ihnen unterwegs“. Er stellt die üblichen menschlichen Erwartungen zurück, um dort gefunden zu werden, wo er gefunden werden muss. Erst wenn er „im Auftrag seines Vaters“ handelt, kehrt er zu ihnen zurück. „Quaerite primum regnum Dei“ (Mt 6,33) legt hier Wert auf das Fleischliche, das selbst die heiligsten menschlichen Bindungen aufbricht.

Nachdem sie Jesus an den falschen Orten gesucht hatten, fanden Josef und Maria ihn im Tempel , dem zentralen Ort der Anbetung und des Opfers, der für die Juden ein Abbild des gesamten Universums war. Sie fanden ihn im Gotteshaus, nicht auf Märkten oder in abgelegenen Gassen. Es ist, als ob dieser Moment, der sowohl zu den Schmerzen Mariens als auch zu den freudenreichen Geheimnissen zählt, uns heute zuruft, dass unser bester Weg zu Jesus nicht in endlosen Prozessen liegt, sondern in der heiligen Liturgie, die wir von unseren liebenden Vorfahren empfangen haben. Wir sind unsere Riten. Wenn unsere Pfarrer sich dessen bewusst sind, werden wir sehen, was geschieht.

Als Maria und Josef ihn im Tempel inmitten der Lehrer sitzend entdecken, wie er zuhört und Fragen stellt, offenbart seine Antwort ihnen eine Tiefe, die sie noch nicht ganz begreifen können. Der griechische Text ist schlicht und vielsagend: ἐν τοῖς τοῦ πατρός μου δεῖ εἶναί με . Dies wird oft mit „Ich muss im Haus meines Vaters sein“ übersetzt. Im Griechischen gibt es kein explizites Wort für „Haus“. Wörtlich bedeutet es: „Ich muss in den Dingen meines Vaters sein.“ Der Ausdruck umfasst die Anliegen, Angelegenheiten und Absichten des Vaters, alles, was ihn betrifft. Manche Übersetzungen geben es mit „über die Angelegenheiten meines Vaters“ wieder, andere mit „im Haus meines Vaters“. Beides sind Versuche, das auszudrücken, was der griechische Text offen lässt. Eine ähnliche Offenheit zeigt sich am Fuße des Kreuzes, als der geliebte Jünger Maria zu sich nimmt (Joh 19,27). Das Wort „Haus“ (οἶκος) erscheint nicht. Stattdessen wird Maria in das aufgenommen, was im Lateinischen „ in sua “ bedeutet, also „in sein Eigenes“, das, was zum Selbst, zur eigenen Fürsorge und Verantwortung gehört. Bei Lukas deuten Jesu Worte auf eine Ausrichtung hin, die über Nazareth hinausgeht, ohne es abzulehnen; eine Treue, die alle anderen Loyalitäten ordnet und unterordnet.

Lukas betont ausdrücklich, dass Maria und Josef seine Worte nicht verstanden. Marias Reaktion ist bekannt: Sie bewahrt diese Worte, συνετήρει , und sinnt darüber nach. Das Verb deutet auf Bewahren, Schätzen, Abwägen hin. Nachsinnen bedeutet in diesem Sinne aktives Aufnehmen, Aufmerksamkeit, ein geduldiges Festhalten an einem Geheimnis, bis es erhellt wird. Josef hingegen sagt, wie immer, nichts. Sein Schweigen ist an sich schon lehrreich. In den Evangelienberichten über die Heilige Familie finden sich wenige Worte. In dieser Passage sprechen Taten, Gehorsam und stille Treue dennoch laut.

Die Szene endet mit der Rückkehr nach Nazareth und einer Aussage, die das Außergewöhnliche im Alltäglichen verankert: Jesus geht mit ihnen hinab und ist ihnen untertan, ἦν ὑποτασσόμενος αὐτοῖς . Der Sohn, der sich als „seinem Vater“ zugehörig weiß, lebt jahrelang gehorsam im Haus. Die Hierarchie im Haus bleibt bestehen. Irgendwann wird Josef, ein Nachkomme Davids, seinen irdischen Lebensweg vollenden, und Jesus wird der wahre davidische König, Priester und Prophet sein. Bis dahin herrscht Verborgenheit."

Quelle: Fr. Zuhlsdorf, OnePeterFive

Hl. Messe zur 800-Jahrfeier

der Kathedrale St. Michel et Ste. Gudule in Brüssel -in Anwesenheit des Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin in Vertretung von Papst Leo XIV. 

               

Angelus

 auf dem Petersplatz

           

Hl. Messe - Taufe des Herrn

in der Sixtinischen Kapelle