Mittwoch, 26. August 2026

Die Katechese

Silvia Kritzenberger veröffentlicht bei vaticannews den Wortlaut der Katechese des Hl. Vaters bei der heutigen Generalaudienz im Petersdom. Hier geht´s zum Original:  klicken

 "GENERALAUDIENZ:  DIE KATECHESE IM WORTLAUT"

"Liebe Brüder und Schwestern,

in dieser letzten Katechese über die Konstitution Sacrosanctum Concilium möchte ich heute auf die Gründe eingehen, die die Konzilsväter dazu bewogen haben, eine Reform der Liturgie anzustreben. In diesem Zusammenhang ist der „Dritte Brief vom Konzil“ besonders aufschlussreich, den Kardinal Giovanni Battista Montini – damals Erzbischof von Mailand – am 28. Oktober 1962 an die Gläubigen seiner Diözese richtete. Über die Liturgie hat er darin geschrieben: „Sie ist ein aufrichtiger Ausdruck sowohl des Göttlichen als auch des Menschlichen. Sie ist Sprache. Sie ist einerseits ein Mittel der göttlichen Unterweisung, und andererseits die Stimme des Gesprächs mit Gott. Es ist klar, dass sie auf ihre lehrende Funktion nicht verzichten kann – und sie muss dem Glauben und der Frömmigkeit auch die Möglichkeit geben, sich in einer unmittelbar verständlichen Weise auszudrücken“ (G. B. Montini, „Dritter Brief vom Konzil“, Rivista Diocesana Milanese 51 (1962) 921-923: 922).  

Von diesen Überzeugungen getragen, erklärte der spätere heilige Papst Paul VI., dass die Gläubigen „nicht länger stumm und passiv bleiben können und dürfen" und sich „ihre körperliche Anwesenheit nicht mit einer geistigen Abwesenheit vereinbaren lässt“ (Feierlicher Abschluss der 2. Sitzung des Konzils, Ansprache von Papst Paul VI. 4. Dezember 1963). 

Die Übereinstimmung jener Aussagen mit denen, die später in Nr. 48 der Konzilskonstitution einfließen sollten, ist offensichtlich. Dort heißt es: „So richtet die Kirche ihre ganze Sorge darauf, dass die Christen diesem Geheimnis des Glaubens nicht wie Außenstehende und stumme Zuschauer beiwohnen; sondern dass sie es durch die Riten und Gebete wohl verstehen lernen und so die heilige Handlung bewusst, fromm und tätig mitfeiern; sich durch das Wort Gottes formen lassen, am Tisch des Herrenleibes Stärkung finden. Sie sollen Gott danksagen und die unbefleckte Opfergabe darbringen nicht nur durch die Hände des Priesters, sondern auch gemeinsam mit ihm und dadurch sich selber darbringen lernen. So sollen sie durch Christus, den Mittler, von Tag zu Tag zu immer vollerer Einheit mit Gott und untereinander gelangen.“ In diesen Worten wird ein erneuertes Bewusstsein für den Wert der Liturgie sichtbar. Durch die rituellen Handlungen der Kirche, mit denen das Heilswerk vergegenwärtigt wird, eröffnet sich die Möglichkeit, eine wahre Beziehung zu Gott zu leben und mit dem Heilsgeschehen in Beziehung zu treten. Da die Gesten und Worte der heiligen Liturgie für diese Erfahrung von entscheidender Bedeutung sind, kann die Teilnahme der Gläubigen nicht passiv sein. 

Die vom Konzil angestoßene Reform wollte das in den Mittelpunkt stellen, was das Herz der kirchlichen Erfahrung ausmacht, und so die Liturgie als „erste Quelle jener Verbindung mit Gott“ erstrahlen lassen, „in der das göttliche Leben uns selbst mitgeteilt wird“ (Feierlicher Abschluss der 2. Sitzung des Konzils, Ansprache von Papst Paul VI. (4. Dezember 1963). Aus dieser Überzeugung erwuchs die Notwendigkeit, allen Gläubigen den Reichtum der biblischen Texte und der Gebete leichter zugänglich zu machen und die Ordnung der liturgischen Feier übersichtlicher und klarer zu gestalten als dies in den damals geltenden liturgischen Büchern vorgesehen war.

Da die Liturgie nämlich eine lebendige Realität ist, war sie im Laufe der Jahrhunderte auch immer Entwicklungen und Veränderungen unterworfen. Das Lehramt hat ihre Formen an die Erfordernisse der jeweiligen Zeit angepasst. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch das Zweite Vatikanische Konzil – unter größtmöglicher Achtung vor dem überlieferten Erbe und gerade mit dem Ziel, es den Gläubigen besser zugänglich zu machen – eine Überarbeitung der liturgischen Bücher für notwendig hielt.

Das Ziel, das den Konzilsvätern am Herzen lag, wird in Nr. 21 der Konstitution Sacrosanctum Concilium wie folgt beschrieben: „Damit das christliche Volk in der heiligen Liturgie die Fülle der Gnaden mit größerer Sicherheit erlange, ist es der Wunsch der heiligen Mutter Kirche, eine allgemeine Erneuerung der Liturgie sorgfältig in die Wege zu leiten. Denn die Liturgie enthält einen kraft göttlicher Einsetzung unveränderlichen Teil und Teile, die dem Wandel unterworfen sind. Diese Teile können sich im Laufe der Zeit ändern, oder sie müssen es sogar, wenn sich etwas in sie eingeschlichen haben sollte, was der inneren Wesensart der Liturgie weniger entspricht oder wenn sie sich als weniger geeignet herausgestellt haben. Bei dieser Erneuerung sollen Texte und Riten so geordnet werden, dass sie das Heilige, dem sie als Zeichen dienen, deutlicher zum Ausdruck bringen, und so, dass das christliche Volk sie möglichst leicht erfassen und in voller, tätiger und gemeinschaftlicher Teilnahme mitfeiern kann.“ Die Unterscheidung in der Liturgie zwischen göttlichen, unveränderlichen Elementen und menschlichen Elementen, die hingegen „verschiedenen Änderungen unterworfen werden können, die von der heiligen Hierarchie, unter dem Beistand des Heiligen Geistes, entsprechend den Erfordernissen der Zeiten, der Umstände und der Seelen gebilligt werden“, geht auf die Enzyklika Mediator Dei von Papst Pius XII. zurück (Acta Apostolicae Sedis 39, 1947, 541-542).

Im Übrigen entstand der Wunsch nach einer „allgemeinen Reform“ nicht plötzlich. Er hatte sich bereits im Wirken der Päpste gezeigt, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts aufeinanderfolgten und die Anliegen der Liturgischen Bewegung aufgriffen. Dass die Gläubigen nicht „als Außenstehende oder stumme Zuschauer“ an den Feiern teilnehmen sollten, hatte Pius XI. bereits in der Apostolischen Konstitution Divini Cultus betont. In diesem Zusammenhang müssen auch die Maßnahmen genannt werden, die Pius XII. zur Neuordnung der Riten der Karwoche ergriffen hat. Er verlegte sie wieder auf die Tageszeiten, die den Ereignissen des Paschamysteriums entsprachen, nachdem man sie jahrhundertelang auf die Morgenstunden vorverlegt hatte. Nicht vergessen werden darf auch, dass Johannes XXIII. eine Vereinfachung der Rubriken des Breviers und des Messbuchs für notwendig erachtete. Mit dem Motu proprio Rubricarum instructum vom 25. Juli 1960 billigte er dies und verwies zugleich auf das bereits angekündigte Ökumenische Konzil, dem er die Darlegung der grundlegenden Prinzipien für eine Reform der Liturgie anvertraute.

Die vom Zweiten Vatikanischen Konzil vorangetriebene Liturgiereform steht somit in Kontinuität mit der lebendigen Tradition der Kirche. Ein rechtes Verständnis dieser Reform ermöglicht es auch, jene Missbräuche zurückzuweisen, die in der nachkonziliaren Zeit in einigen Bereichen der Kirche aufgetreten sind – und die leider bisweilen auch heute noch vorkommen – und die darauf zurückzuführen sind, dass einige Grundsätze, die der Reform selbst zugrunde lagen, verabsolutiert oder missverstanden wurden. 

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die Konzilskonstitution Folgendes festhält: „Die liturgischen Handlungen sind nicht privater Natur, sondern Feiern der Kirche, die das "Sakrament der Einheit" ist; sie ist nämlich das heilige Volk, geeint und geordnet unter den Bischöfen. Daher gehen diese Feiern den ganzen mystischen Leib der Kirche an, machen ihn sichtbar und wirken auf ihn ein“ (Sacrosanctum Concilium Nr. 26).

Daher ist es in besonderer Weise Aufgabe der Hirten, der Bischöfe, aber auch jedes einzelnen Priesters, eine Liturgie zu bewahren und zu fördern, die unter Wahrung der liturgischen Normen den Glanz edler Einfachheit ausstrahlt (vgl. Nr. 34) und so die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche sichtbar werden lässt. Eine solche Liturgie wird zugleich ein grundlegendes Mittel der Evangelisierung und ein Werkzeug der Gnade sein, durch das wir – wie das Konzil lehrt – lernen können, uns selbst darzubringen, und durch die Mittlerschaft Christi zur Einheit mit Gott und untereinander vollendet werden (vgl. Nr. 48)." 

Quelle
: S. Kritzenberger, vaticannews

Generalaudienz

 im Petersdom

              

Dienstag, 25. August 2026

Lange nicht gehört....

 J. Haydn, Rondo alla Ungarese,  Guarneri-Trio Prag

             

Antonello da Messinas "Ecce homo" in Rimini

Stefano Chiappalone berichtet bei La Nuova Bussola Quotidiana über das "Ecce homo"-Gemälde von Antonello da Messina, das während des Meetings in Rimini mit Hilfe eines anonymen Mäzens ausgestellt wurde. Hier geht´s zum Original:  klicken

"ECCE HOMO BEIM MEETING: NICHT NUR EIN MEISTERWER, SONDERN EINE VISION"

Große Emotionen (und einige Kontroversen) umgeben das Werk von Antonello da Messina, das kürzlich vom Kulturministerium erworben und auf dem Rimini-Treffen ausgestellt wurde. Die tiefe Hingabe des anonymen Mäzens berührt die Besucher, wenn sie „die Liebe, die die Sonne und die anderen Sterne bewegt“, erleben.

Was soll eine Ausstellung für ein einzelnes Gemälde? Diese scheinbar naheliegende Frage erübrigt sich schnell beim Besuch der Ausstellung „Ecce Homo. Antonello da Messina “, die vom Kulturministerium organisiert wurde. Dieses kleine, unschätzbare Werk des sizilianisch-flämischen Künstlers aus dem 15. Jahrhundert wurde für das Rimini-Treffen ausgeliehen und ist seit Juni im Museo Nazionale d’Abruzzo in L’Aquila zu sehen, wo es sich seither befindet. Allein die Möglichkeit, sich auf ein einzelnes Gemälde zu konzentrieren, wirkt wie eine Art Heilung von einem gewissen Kunsttourismus, der uns dazu verleitet, in kurzer Zeit riesige Museumsräume zu durchqueren und dabei flüchtige Schnappschüsse dem kontemplativen Betrachten vorzuziehen. Hier hingegen beinhaltet der kurze Ausstellungsrundgang eine Art Vorraum, der den Betrachter auf die Begegnung mit dem kleinen, unschätzbaren Gemälde vorbereitet und gleichzeitig die Phasen seiner Erwerbung und Restaurierung beleuchtet. 

Das Werk befand sich zuvor in einer New Yorker Privatsammlung, bis es im vergangenen Februar vom Kulturministerium bei einer Auktion von Sotheby’s für 14,9 Millionen Dollar erworben wurde. Die Urheberschaft wurde 1981 dem Kunsthistoriker Federico Zeri zugeschrieben. Der Standort L’Aquila galt als Zeichen der Wiederbelebung, nachdem das Nationalmuseum der Abruzzen in das durch das Erdbeben von 2009 beschädigte Spanische Fort in der Hauptstadt der Abruzzen zurückgekehrt war: ein üblicher, aber nicht exklusiver Ort, der eine Ausstellungstour durch die wichtigsten Museen Italiens vorsah. Diese Tour begann jedoch nicht in einem Museum, sondern bei der Begegnung: eine ungewöhnliche, aber keineswegs ungewöhnliche Wahl, wie wir sehen werden.

Peru: Große Ereignisse....

Vaticannews berichtet über ein Netzwerk junger Menschen, das den Besuch von Papst Lei XIV vorbereitet. Hier geht´s zum Original:  klicken

"PERU: NETZWERK VON FREIWILLIGEN FÜR DEN EMPFANG VON LEO XIV"

„Los Amigos de León“ (Die Freunde Leos) heißt das offizielle Freiwilligenprogramm für den Besuch von Papst Leo XIV. in Peru vom 11. bis 17. November 2026. Die katholische Bischofskonferenz des Landes initiierte das Programm zum Ende ihrer 130. ordentlichen Vollversammlung.

Die Initiative ruft junge Menschen und Laien dazu auf, bei der Aufnahme und Begleitung der Pilger während des Besuchs des Heiligen Vaters mitzuwirken. Die Vorstellung von „Los Amigos de León“ (Die Freunde Leos) fand zum Abschluss der Vollversammlung der Peruanischen Bischofskonferenz statt, an der Vertreter der Kirche und der an der Vorbereitung des Papstbesuchs beteiligten Institutionen teilnahmen. Während des Treffens brachten die Bischöfe ihre Freude über die bevorstehende Ankunft von Papst Leo XIV. zum Ausdruck und erinnerten insbesondere an seine Verbindung zu Peru und an die Jahre, in denen er in Chiclayo als Bischof wirkte.

Jugendliche und Laien

Das Freiwilligenprogramm richtet sich an Menschen von 18 bis 45 Jahren, die ihre Fähigkeiten und Talente in den Dienst dieses wichtigen Ereignisses stellen möchten. Die Freiwilligen können in Bereichen wie Empfang, Gastfreundschaft, Kommunikation, Logistik, Ordnung und Sicherheit, Erste Hilfe sowie Übersetzen und Dolmetschen mitwirken. Unter dem Motto „Dienen, behüten und begleiten“ soll die Initiative dafür sorgen, dass die Freiwilligen freundliche Helfer für alle sind, die am Papstbesuch teilnehmen.

Mehr als ein "normaler" Freiwilligendienst


Die Mitglieder von „Los Amigos de León“ erhalten eine spirituelle, seelsorgerische und praktische Schulung. Darüber hinaus müssen sie sich zu einem Verhaltenskodex verpflichten und die Vorschriften zur Gewalt-Prävention sowie zur Schaffung sicherer Räume einhalten. Der Einsatz der Freiwilligen geht über die Erfüllung einer organisatorischen Aufgabe hinaus: Ihre Aufgabe besteht auch darin, die Pilger mit Nähe und brüderlichem Geist zu beraten, ihnen zuzuhören und sie zu begleiten.

Anmeldung und Vorbereitung auf den Papstbesuch


Die Bischofskonferenz Perus stellte auch die offizielle Website des Papstbesuchs vor, auf der das Anmeldeverfahren für die Freiwilligen bereits freigeschaltet ist. Die Teilnehmer erhalten anschließend Informationen zu den Schulungen und den Aufgaben, die sie übernehmen werden. Die Organisatoren wiesen darauf hin, dass die Vorbereitungen in den kommenden Monaten schrittweise fortgesetzt werden, mit neuen Initiativen und Informationen zum Programm des Besuchs.

Gebet und offizielle Hymne des Besuchs 


Auch das offizielle Gebet zum Besuch von Papst Leo XIV. wurde vorgestellt, das in die Sprachen Quechua, Aymara und Awajún übersetzt wird, um auch die verschiedenen indigenen Gemeinschaften des Landes zu erreichen.

Zudem wurde die offizielle Hymne des Besuchs „León, Hermano del Camino“ (Leo, Bruder auf dem Weg) präsentiert, die bei einem Wettbebwerb der Peruanischen Bischofskonferenz und dem Erzbistum Lima entstand.

Besuch im Zeichen der Hoffnung

Die peruanische Kirche bezeichnete die Ankunft von Papst Leo XIV. als eine Gelegenheit, den Glauben zu stärken und Werte wie Einheit, Frieden, Hoffnung und Solidarität zu fördern. Mit der Gründung von „Los Amigos de León“ wolle man Jugendlichen und Laien die Möglichkeit geben, sich aktiv an der Vorbereitung und Durchführung dieses Ereignisses zu beteiligen. Ziel sei, dass Dienst und Gastfreundschaft zu einem konkreten Ausdruck des Engagements Perus für den Empfang des Heiligen Vaters werden."


Quelle: vaticannews


Montag, 24. August 2026

Über kommende Kardinals-Ernennungen

In seiner heutigen Kolumne für Monday at the Vatican hat sich A. Gagliarducci Gedanken über ein kommendes Konsistorium und die Ernennung neuer Kardinäle gemacht.                                             Hier geht´s zum Original: klicken

"LEO XIV:  VOR SEINER ERSTEN ERNENNUNG VON KARDINÄLEN"

"Bislang war die Amtsführung Leos XIV. von außerordentlicher Umsicht und einer gewissen Kontinuität geprägt. Der Papst hat nur wenige, eher geringfügige Anpassungen vorgenommen, ohne dabei den umfassenden Reformrahmen seines unmittelbaren Vorgängers anzutasten. Er hat am Gedanken der Synodalität festgehalten, diesem jedoch nicht jene zentrale Bedeutung beigemessen, die sie – zumindest auf der Ebene der Rhetorik – während des Pontifikats von Papst Franziskus innehatte. Bei seinen Personalentscheidungen hat er fast durchweg auf Männer zurückgegriffen, die bereits unter Papst Franziskus tätig waren.

Bald jedoch wird der Moment kommen, in dem das Pontifikat Leos XIV. eine definitive Gestalt annehmen muss: nämlich dann, wenn der Papst ein Konsistorium zur Ernennung neuer Kardinäle einberuft.

Dies ist im Allgemeinen der Fall, und es spricht alles dafür, dass Leo zumindest in dieser Hinsicht keine Ausnahme bildet. Als Leo XIV. gewählt wurde, zogen 134 wahlberechtigte Kardinäle in die Sixtinische Kapelle ein – die höchste Zahl in der Geschichte.

Paul VI. hatte die Höchstzahl der wahlberechtigten Kardinäle auf 120 festgelegt, und diese Regel wurde nie geändert. Päpste können jedoch Ausnahmen zulassen. Johannes Paul II. hatte die Grenze von 120 Wahlberechtigten zwar bereits überschritten, doch handelte es sich dabei um einen kalkulierten Schritt, da er wusste, dass viele Kardinäle bald das 80. Lebensjahr vollenden und somit aus dem Kreis der Wahlberechtigten ausscheiden würden. Tatsächlich nahmen an dem Konklave, das Benedikt XVI. wählte, weniger als 120 wahlberechtigte Kardinäle teil. Leo XIV. ist kein Mann, der Ausnahmen von etablierten Regeln und Traditionen macht; daher hat er bislang abgewartet, bis die Zahl der wahlberechtigten Kardinäle zurückging. Derzeit gibt es 116 wahlberechtigte Kardinäle, womit man vier unter der Obergrenze von 120 liegt.

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sich das erste Konsistorium Leos XIV. auf lediglich vier neue Kardinäle beschränken wird. Ein Blick auf die Mitgliederliste des Kardinalskollegiums zeigt, dass im kommenden Jahr zwölf Kardinäle ihr 80. Lebensjahr vollenden werden. Folglich wird die Zahl der wahlberechtigten Kardinäle Ende 2027 bei 104 liegen. Dies gibt Leo XIV. die Möglichkeit, 16 Kardinalshüte zu vergeben. Er könnte dies tun, indem er die Obergrenze von 120 kurzzeitig überschreitet, in dem Wissen, dass die Gesamtzahl der Wahlberechtigten ohnehin in absehbarer Zeit wieder auf oder unter diesen Grenzwert sinken würde.

Hartnäckige Gerüchte sprechen von einem Konsistorium zur Ernennung neuer Kardinäle im Februar. Leo XIV. hat jedoch bekundet, mindestens zweimal jährlich ein Konsistorium für Beratungen abhalten zu wollen; zwei solcher Versammlungen haben bereits stattgefunden: eine im Januar 2026 und eine weitere im Juli desselben Jahres. Es ist daher wahrscheinlich, dass im Februar ein weiteres Konsistorium dieser Art stattfinden wird, und es ist möglich, dass der Papst bei dieser Gelegenheit neue Kardinäle ernennen wird. Angesichts der 16 möglichen neuen Kardinalshüte stellt sich die Frage: Welche Profile wird Leo XIV. bevorzugen? Diese Frage ist berechtigt, und einige frühe Entscheidungen des Pontifikats Leos könnten hierfür erste Anhaltspunkte liefern.

Sonntag, 23. August 2026

Die Ansprache

beim heutigen Angelus - veröffentlicht bei vaticannews

          "Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!"

Das Evangelium des heutigen Sonntags (Mt 16,13-20) stellt uns vor eine Frage, die jeden von uns auf unserem Glaubensweg betrifft: Wer ist Jesus wirklich für mich?

Aus der Erzählung des Evangeliums wird deutlich, wie entscheidend diese Frage für die Erfahrung der Jüngerschaft ist. Denn obwohl die zwölf Apostel bereits viel vom Leben und Wirken des Meisters miterlebt hatten, wollte Jesus es nicht als selbstverständlich voraussetzen, dass sie ihn wirklich kannten und das Geheimnis des Reiches Gottes verstanden hatten. Nachdem er also gefragt hatte, was die Menschen über ihn dachten, wandte er sich direkt an sie: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16,15).

„Der Glaube wird uns nämlich nicht ein für alle Mal geschenkt; im Gegenteil, wir müssen stets das Antlitz Christi und sein Evangelium neu entdecken“

Brüder und Schwestern, dies ist eine grundlegende Stelle für die Jünger aller Zeiten, für jeden von uns. Der Glaube wird uns nämlich nicht ein für alle Mal geschenkt; im Gegenteil, wir müssen stets das Antlitz Christi und sein Evangelium neu entdecken, seine Botschaft vertiefen und die Entscheidungen unseres Lebens erneuern, damit sie mit dem übereinstimmen, was wir bekennen, und dabei die Versuchung überwinden, bereits alles zu wissen und den Glauben zu einer Gewohnheit zu machen.


„Versuchung überwinden, bereits alles zu wissen und den Glauben zu einer Gewohnheit zu machen“


Die Frage, die uns jeden Tag gestellt wird – wer Jesus für mich ist und welche Bedeutung seine Gegenwart in meinem Leben hat –, kommt insbesondere im Gebet und in der Betrachtung des Evangeliums zum Vorschein; aber auch, wenn wir mit den Wunden und Nöten unserer Brüder und Schwestern konfrontiert sind oder in Beziehungen und Situationen, die unser Gewissen am stärksten in Anspruch nehmen. Kurz gesagt: Im Alltag unseres Lebens können wir prüfen, ob der Jesus, der Herr, für uns lediglich eine große Persönlichkeit der Geschichte ist, die wichtige Dinge gesagt und getan hat, oder ob er der Christus Gottes ist, der gesandt wurde, um uns in die Liebe des Vaters einzuführen und unser Leben sowie die Welt, in der wir sind, zu verwandeln.


„Lernen wir, uns nicht in unseren Überzeugungen und religiösen Gewissheiten zu verschließen“


Meine Lieben, lernen wir, uns nicht in unseren Überzeugungen und religiösen Gewissheiten zu verschließen, damit wir offen bleiben für eine authentische Beziehung zu Christus. Manchmal begnügt man sich beim christlichen Glauben mit „Hörensagen“, mit Gemeinplätzen, mit dem, was uns vielleicht sogar in guter Absicht weitergegeben wurde; doch Jesus ruft uns zu einer persönlichen Antwort auf, dazu, ihn aus nächster Nähe kennenzulernen, uns von der Freundschaft mit ihm tiefgreifend prägen zu lassen – in einer immer neuen Begegnung, die von uns auch verlangen kann, neue Wege zu beschreiten und andere Entscheidungen zu treffen als die, die wir uns vorgestellt haben.


Das gilt sowohl für unseren persönlichen Weg als auch für den Weg der Kirche und für pastorale Entscheidungen, wo wir manchmal meinen, es reiche aus, so weiterzumachen wie bisher. Es ist jedoch wichtig, uns oft zu fragen: Wer ist der Herr für mich? Kenne ich ihn wirklich? Was fordert sein Evangelium heute von mir? Welche Schritte sollte ich gehen und welche Entscheidungen sollte ich treffen?


„Meine Lieben, lernen wir, uns nicht in unseren Überzeugungen und religiösen Gewissheiten zu verschließen, damit wir offen bleiben für eine authentische Beziehung zu Christus“


Rufen wir die Jungfrau Maria an, die in ihrem Herzen durch ihren Sohn den Willen Gottes suchte, damit sie uns stets auf dem Weg des Glaubens führe."


Quelle: vaticannews

-Angelus

 auf dem Petersplatz

              

In illo tempore

Auch heute setzt Father J. Zuhlsdorf bei OnePeterFive seine Katechese über die Bedeutung der Liturgie für die Sonntage im Kirchenjahr fort. Hier geht´s zum Original:  klicken

"IN JENER ZEIT: DER DREIZEHNTE SONNTAG NACH PFINGSTEN"

Seit einigen Wochen stammen die Sonntagslesungen aus den Briefen des Paulus an die Korinther. Mit dem 13. Sonntag nach Pfingsten, den unsere alten römischen Vorfahren als 3. Sonntag nach dem hl. Laurentius bezeichnet hätten, beginnen wir mit den Lesungen aus dem Galaterbrief. Diese ältere römische Zählweise verrät etwas über die immense Bedeutung, die Laurentius einst im Bewusstsein der Stadt innehatte. 

Paulus schrieb an Gemeinden in Galatien, die größtenteils aus Konvertiten vom Heidentum bestanden. Nach seiner Abreise hatten judaistische Lehrer zumindest einige dieser heidnischen Christen davon überzeugt, dass das mosaische Gesetz weiterhin für das Heil verbindlich sei, einschließlich der Beschneidung und der anderen Gebräuche, die Israel von den anderen Völkern unterschieden. Daher rührt die Schärfe des Briefes. „Ihr unverständigen Galater! Wer hat euch verzaubert?“, fragt er in 3,1, obwohl er sie weiterhin als „Brüder“ anspricht. Die Frage betrifft die Bedingungen des Heils. Wird das Erbe durch das mosaische Gesetz gesichert oder erlangt man es durch die in Christus erfüllte Verheißung Gottes?

Um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, greift Paulus auf die Zeit vor dem Sinai zurück, auf Abraham. Gott hatte verheißen, dass durch Abrahams Nachkommen (hebräisch: zera , griechisch: sperma , „Same“ oder „Nachkomme“) alle Völker gesegnet würden. Paulus hebt den Singular hervor. „Es heißt nicht: ‚Und zu Nachkommen‘, bezogen auf viele, sondern: ‚Und zu deinem Nachkommen‘, welcher Christus ist“ (Gal 3,16). Der Dativ Singular spérmati , „zum Samen“, hat für ihn eine entscheidende theologische Bedeutung. Der Bund mit Abraham geht dem mosaischen Bund um 430 Jahre voraus. Das spätere Gesetz kann die frühere Verheißung nicht aufheben. Gott hat sein Wort gegeben, und sein Wort findet in dem Samen, Christus, seine vorherbestimmte Erfüllung.

„Wozu dann das Gesetz?“, fragt Paulus. „Es wurde wegen der Übertretungen hinzugefügt, bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung gegeben worden war“ (Gal 3,19). Die aufgedeckte Übertretung ermahnte Israel und bereitete ein Volk darauf vor, sich nach dem Messias zu sehnen. Das Gesetz konnte die Wunde benennen und die Heilung vorschreiben, aber es konnte nicht das Leben vermitteln, dessen Quelle Christus ist. Paulus unterstreicht dies: „Wenn ein Gesetz gegeben worden wäre, das lebendig machen könnte, dann käme die Gerechtigkeit tatsächlich aus dem Gesetz“ (V. 21). Die Schrift „hat alles der Sünde preisgegeben, damit das, was durch den Glauben an Jesus Christus verheißen ist, denen zuteil würde, die glauben“ (V. 22). 


Dieser Unterschied liegt in der Evangeliumslesung.

Der heilige Lukas verortet Jesus auf dem Weg nach Jerusalem, „zwischen Samaria und Galiläa“ (Lukas 17,11). Zehn Aussätzige begegnen ihm und halten Abstand, genau jenen Abstand, den die levitische Unreinheit vorschrieb. Sie rufen: „Jesus, Meister, erbarme dich unser!“ Schon dieser Ruf hat etwas Liturgisches an sich. Er klingt sehr nach einem Kyrie, gesprochen vom Rande der Gemeinde, von Männern, denen der Zutritt verwehrt ist.

Die Rede

 Die Ansprache des Hl. Vaters in Rimini- im Wortlaut veröffentlicht bei vaticannews 

 Liebe Brüder und Schwestern!

Ich freue mich, euch in Rimini zu treffen – an einem Ort, der euch aufgrund eures Engagements, eurer Kreativität und des Dialogs, den eure Veranstaltung Ende August seit Jahren anregt, so sehr ans Herz gewachsen ist. Präsident Scholz und Professor Prosperi danke ich für ihre Begrüßungsworte.

In diesem Augenblick der Geschichte verstehen wir die prophetischen Worte besser, die vor fast einem halben Jahrhundert mit dem Namen dieser Tage zum Ausdruck kam: „Treffen für die Freundschaft unter den Völkern“. Wie der heilige Johannes Paul II. euch sagte: »Allein schon das Aussprechen dieser Worte erfreut das Herz: „Begegnung“! „Freundschaftliche Begegnung“! „Freundschaft unter den Völkern“! Worte, die in diesen oft dramatischen Stunden der Weltgeschichte eine besondere Bedeutung erhalten« (Ansprache beim 3. Meeting für die Freundschaft unter den Völkern, Rimini, 29. August 1982)

Auch heute wird der Friede von Menschen bewahrt und verbreitet, die gern zusammenkommen und keine Scheu haben, sich auseinanderzusetzen. Papst Franziskus hat uns mit der Enzyklika Fratelli tutti gelehrt, die soziale Freundschaft zu pflegen, die das öffentliche, dynamische und konkrete Gesicht der Geschwisterlichkeit darstellt. Indem wir uns nämlich in der Würde von Kindern Gottes wiedererkennen, kommen wir mit dem in Berührung, was die Menschen ursprünglich verbindet, jenseits aller Unterschiede, Trennungen oder Konflikte.

Wir können uns ineinander hineinversetzen, einander zuhören und Freunde werden – als Menschen und damit auch als Völker. Die Menschen kommen immer vor den Grenzen, Definitionen und Institutionen. Diese Erkenntnis steht im Zentrum des Christentums: Ihr wisst das, weil ihr gelernt habt, das Evangelium als Offenbarung Gottes zu lesen, der sich in der Begegnung, in Ereignissen, in Blicken und Erlebnissen zeigt und in jedem den Wunsch weckt, geliebt zu werden und zu lieben. Auf diese Weise habt ihr das „Meeting“ nicht zu einer Art Enklave gemacht: Ganz im Gegenteil, es ist zu einem Knotenpunkt für die Kirche und für die Gesellschaft geworden, zu einer Begegnung, die zu weiteren Begegnungen führt und zu neuen Wegen anregt.

Danken wir dem Herrn für dieses lebendige Erbe, das euch eine große geschichtliche Verantwortung in der größeren Gemeinschaft der Kirche auferlegt, im Dienst an einer Menschheit, die nach Gerechtigkeit hungert und dürstet. Wie uns das Zweite Vatikanische Konzil gelehrt hat, sind nämlich: »Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, […] auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände« (Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 1).

Ja, liebe Freunde, dies ist die Stunde der Verantwortung, insbesondere für diejenigen, die aus einer tausendjährigen Glaubenstradition, die eine Kultur geworden ist, so viel empfangen haben. Die verschiedenen Auflagen des „Treffens“ haben es in der Tat verstanden, aus dem großen Erbe der Vergangenheit jene Beweggründe aufzunehmen, die euch heute im Umgang mit Kunst, Musik, Literatur, Wissenschaft, Wirtschaft und jedem Ausdruck des menschlichen Geistes beschäftigen. Auch der für dieses Jahr gewählte Titel, der aus dem letzten Vers der Göttlichen Komödie stammt, treibt uns in Richtung jener Geschichte, deren Herr Gott ist. »Die Liebe, die die Sonne und die anderen Sterne bewegt«, ist nicht verschwunden, sie hat weder an Kraft noch an Intensität verloren, auch wenn es eine Liebe ist, die gern still bleibt, im Gegensatz zu den lärmenden Kräften, die die Erde, den Himmel und alle Geschöpfe erschüttern.

                             „Ja, die Liebe bewegt!“

Ja, die Liebe bewegt! »Er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte« (Mt 5,45). So beschreibt Jesus die Vollkommenheit Gottes und macht dabei den Unterschied zwischen der Großzügigkeit seines Handelns und der Enge menschlicher Gedanken deutlich. Die Wirklichkeit erstickt in unseren Berechnungen und atmet in der Selbstlosigkeit Gottes. Es ist kein Zufall, dass meine Vorgänger – der heilige Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus – alle die göttliche Barmherzigkeit als Schnittpunkt zwischen dem Evangelium und den „neuen Dingen“ dieser dramatischen und wunderbaren Zeit bezeichnet haben. Jesus Christus nach den Tragödien und Neuanfängen des 20. Jahrhunderts zu folgen, setzt nämlich ein klares Bewusstsein voraus: Das Böse kann man nicht mit dem Bösen bekämpfen. Wie im Himmel, so ist auch auf Erden die Liebe das Gesetz des Lebens, der Weg der Erlösung des gekreuzigten Messias.

Dem falschen Realismus, der die Gedanken, die Worte und die Nationen wiederbewaffnet, muss die katholische Kultur heute den Realismus der Barmherzigkeit entgegenstellen, für den es keine Feinde geben kann und für den alle – auch die Gegner – Brüder und Schwestern sind, denen wir in die Augen schauen und in der Wahrheit begegnen müssen. Die Sünde existiert, gewiss, aber stärker ist die erlösende Liebe Christi, die uns dazu verpflichtet, Gedanken, Interessen, Gewohnheiten, Bekanntschaften, Pläne, Investitionen – jeden Aspekt des Lebens – von allem zu reinigen, was die Kultur der Macht verdorben hat.


Samstag, 22. August 2026

Hl. Messe in Rimini

 

                 

Begegnungen in Rimini

 

             

Papst Leo in San Marino

Stefan von Kempis berichtet für vaticannews weiter über den Pastoralbesuch des Hl. Vaters in San Marino. Hier geht´s zum Original:  klicken

Unter dem Titel:

"PAPST IN SAN MARINO: FÜR DIPLOMATIE UND MULTILATERALISMUS"

beginnt der Beitrag so - ZITAT

Leo XIV. hat in der Republik San Marino ein Bekenntnis zu Diplomatie und Multilateralismus abgelegt. In seiner ersten Rede auf dem Boden des Kleinstaats, der vollständig von italienischem Staatsgebiet umschlossen ist, würdigte er San Marinos Motto „Libertas“ (Freiheit).

Libertas bedeutet für Sie auch ein nie nachlassendes Engagement für eine aktive und positive Beteiligung am Aufbau des Friedens“, so der Papst. „Was diesen Aspekt betrifft, möchte ich meine ausdrückliche Wertschätzung zum Ausdruck bringen und sehe darin eine besondere Übereinstimmung mit der Haltung des Heiligen Stuhls. Wir teilen die Wertschätzung für die Diplomatie und für den Multilateralismus als bevorzugte Wege, um die internationalen Beziehungen zu pflegen und das Einvernehmen zwischen den Nationen zu fördern.“

Papst Leo war am Samstagmorgen, von Rom kommend, per Hubschrauber in San Marino, der womöglich ältesten Republik der Welt, eingetroffen. In einem Saal des „Palazzo Pubblico“ traf er sich mit den beiden Staatsoberhäuptern, den sogenannten „Capitani Reggenti“, sowie Vertetern der Zivilgesellschaft. In seiner Rede beleuchtete der Gast aus Rom einige Aspekte der Libertas.

                     Die Räume des Gewissens verteidigen

„Zunächst möchte ich betonen, dass es keine wahre bürgerliche Freiheit ohne persönliche Freiheit gibt, also ohne die Achtung und die Förderung der Würde der menschlichen Person, deren wesentlicher Bestandteil die Freiheit ist. Diese Freiheit wird letztlich von Gott geschenkt und garantiert, von Gott, dessen Stimme im Gewissen jedes Menschen widerhallt.“


Die Freiheit zu fördern bedeute, die Räume des Gewissens zu verteidigen, wie dies etwa der hl. Thomas Morus getan habe. „Auch heute fehlt es in vielen Teilen der Welt nicht an Menschen, die ihrem Gewissen trotz starker Widerstände treu bleiben: Zeugen der wahren Freiheit, jener Freiheit, die aus dem Menschsein als Söhne und Töchter Gottes entspringt. Mit Bewunderung drücken wir unsere Solidarität all jenen gegenüber aus, die derzeit persönlich dafür einen hohen Preis zahlen, dass sie ihr Gewissen nicht verraten haben.“


                                Keine Sklaven der Götzen und der Macht sein

Zur Libertas gehöre außerdem das Sich-Schenken hinzu, und das hat nach Leos Worten seine Quelle in Gott selbst. „Dieser theologische Bezug mag vielleicht übertrieben erscheinen, aber ich glaube, dass er heute notwendig ist angesichts der Götzenanbetung, die jene politischen und wirtschaftlichen Projekte an der Wurzel verdirbt, die sich im Namen der Freiheit präsentieren, in Wahrheit aber Sklaven der Götzen und der Macht sind.“


Der Papst, der Oberhaupt des kleinsten Staates der Welt überhaupt ist, drückte seine Hoffnung aus, dass gerade in einem kleinen Staat ein Leben „nach dem Maß des Menschen“ möglich ist. In dieser Hinsicht könne San Marino „ein Laboratorium guter Politik sein“.


Treffen mit dem Klerus in San Marino

 

              

Besuch in San Marino