Donnerstag, 26. November 2015

Vatileaks 2 und seine Akteure

Ettore G. Tedeschi schreibt bei La Nuova Bussola Quotidiana über Verantwortliche hinter Vatileaks 2, die derzeit nicht vor dem vaticanischen Kadi stehen:
Hier geht´s zum Original:     klicken

         "VATILEAKS UND DIE VERANTWORTLICHEN ÜBER DIE KEINER SPRICHT"
"Weil ich persönlich 2012 (Vatileaks 1) eine ähnliche und sehr schmerzhafte Erfahrung  zu vergleichbaren Themen gemacht habe - ähnlich den Ereignissen von Vatileaks 2 - will ich versuchen, einige Beobachtungen für die Leser niederzuschreiben, um zum Verständnis dieser Dinge beizutragen, ohne an unserer Liebe zur Kirche zu rühren.

                         

Die erste Beobachtung gilt den als "skandalös" erachteten Tatsachen (den Dokumenten die geleakt und veröffentlicht wurden.) Hier gibt es 4 Hauptakteure (Faktoren) mit unterschiedlicher Verantwortung. Aber nur die beiden ersten sind angeklagt und Objekt der Aufmerksamkeit.

Faktor Nr. 1 sind die Journalisten, die die Dokumente in Büchern veröffentlicht haben und - bewußt oder nicht - die Verantwortung übernommen haben, das zu tun.

Faktor Nr. 2 setzt sich aus den 3 Personen zusammen, die beschuldigt werden, die Dokumente herausgegeben zu haben, sie werden also erklären müssen, warum sie das getan haben.

Die anderen folgenden beiden Faktoren  reklamieren beide für sich, Opfer der beiden ersten zu sein.
Faktor Nr. 3 besteht aus denen, die durch ihr persönliches Verhalten das hervorgerufen haben, was dann als skandalös oder rechtswidrig oder nur als Irrtum definiert wurde.

Faktor Nr. 4 ist, wer dieses Verhalten ermöglicht und dazu beigetragen hat, daß die Normen, die Kontrollmechanismen- und -Systeme, die von Papst Benedikt XVI 2010 geplant und in die Tat umgesetzt wurden, demontiert wurden.

Jetzt bleibt (wie es auch 2012  war) die mediale Aufmerksamkeit dafür groß, wer was gemacht hat, aber nicht dafür, warum er es getan hat und warum es möglich war, es zu tun.
Es sieht ganz so aus, als wolle man die Aufmerksamkeit auf das Gesagte konzentrieren anstatt darauf zu schauen, worauf da hingewiesen wird.
Aber es sieht auch so aus, daß daraus die Gefahr entsteht, daß man denkt, daß die Kirche den Splitter im Auge des Anderem sieht und nicht den Balken im eigenen. Und dann - das könnte man anhand der Bewertungen vermuten (wie es auch 2012 bei den Veränderungen des Anti-Geldwäschegesetzes war) daß man die öffentliche Aufmerksamkeit von anderen wichtigen Problemen ( z. B. dem postsynodalen Management) ablenken will.


Die zweite Beobachtung bezieht sich auf meine Sorgen um die Kirche, weil ich überzeugt bin, daß diese Vorkommnisse unsere Liebe für sie nicht schwanken lassen dürfen. Christus ist für die Kirche gestorben, um sie "durch sein Blut schön und rein - ohne jeden Makel zu machen", aber diese Sorge scheinen nicht alle zu teilen, obwohl die Kirche unser Reichtum sein soll und unsere Unterstützung  auf der Suche nach Heiligkeit.

Deshalb will ich an das erinnern, was Romano Guardini geschrieben hat ("Vom Sinn der Kirche")
"Auch auf die Kirche trifft die Tragödie alles dessen zu, was menschlich und deshalb fehlbar ist. Das absolut Perfekte gründet sich nicht auf das Begrenzte und Nichtperfekte".
Und er schreibt weiter: "so paradox das auch erscheinen mag, das Nichtvollendetsein gehört zur Natur der irdischen Kirche. Man könnte also wagen, die Gleichung aufzustellen: Die Fehler der Kirche sind das Kreuz Christi".
Es ist gesagt worden, daß wir uns nur dann Gründe für die Fehler der Kirche ausdenken, wenn wir den Sinn nicht verstehen,
Vielleicht ist das der Sinn: sie wollen unseren Glauben kreuzigen, damit wir endlich wirklich Gott suchen und die Erlösung und nicht uns selbst. Was würde aus uns werden, wenn die menschlichen Schwächen aus der Kirche verschwänden?"
Vielleicht  würden wir stolz werden, egoistoisch und präpotent. Wir wären nicht mehr aus dem einzig wahren Motive heraus treu - dem nämlich, Gott zu finden. Die Verfehlungen der Kirche sind das Kreuz Christi, sie sollen unsern Glauben reinigen. Wir sollen die Kirche lieben wie sie ist, nur dann lieben wir sie richtig."

Quelle: La Nuova Bussola Quotidiana, E.G. Tedeschi

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen