Donnerstag, 18. Februar 2016

Einige notwendige historische Richtigstellungen

Roberto De Mattei, Historiker von Weltruf, auf Corrispondenza Romana zum Treffen Franziskus-Kyrill, das von den ahistorischen Medien mit allerlei unpassenden Attributen bedacht wurde.
Hier geht´s zum sehr lesenswerten Original und einer nützlichen Kirchengeschichtslektion: klicken

           "DAS "HISTORISCHE" TREFFEN ZWISCHEN FRANZISKUS UND KYRILL"
"Unter den zahlreichen Erfolgen, die Papst Franziskus von den Medien zugesprochen werden, ist auch der eines "historischen Treffens", mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill, das am 13. Februar in Havanna stattfand.
Ein Ereignis das - wie man schrieb - eine Mauer zu Fall gebracht hat, die seit 1000 Jahren die Kirche Roms von der des Orients trennte.
Die Bedeutung des Treffens liegt - wie Franziskus sagte - nicht im Dokument, das rein pastoral sei -aber in einem Zusammengehen auf ein gemeinsames Ziel zu, weder politisch noch moralisch sondern religiös.
Im traditionellen Lehramt der Kirche, ausgedrückt in ihren Dokumenten, scheint Papst Franziskus also ein Neo-Lehramt einführen zu wollen, das von symbolischen Ereignissen fortbewegt wird.
Die Botschaft, die der Papst vermitteln möchte, ist aber die eines historischen Wendepunktes der Kirchengeschichte.

Aber gerade von der Kirchengeschichte muß man sich entfernen, wenn man die Bedeutung des Ereignisses verstehen will.  Die historischen Ungenauigkeiten sind zahlreich und müssen korrigiert werden, weil es genau die historischen Fehler sind, auf die die Abweichungen von der Lehre oft aufbauen.

Zu allererst ist es falsch, zu sagen, daß 1000 Jahre Geschichte die Kirche von Rom vom Patriarchat von Moskau trennen, angesichts der Tatsache, daß jenes erst seit 1589 existiert.
Im Verlauf der vorhergegangenen 500 Jahre und noch vorher war der orientalische Gesprächspartner Roms das Patriarchat von Konstantinopel.
Während des II. Vaticanischen Konzils, am 6. Januar 1964, hat Papst Paul VI in Jerusalem den Patriarchen Athenagoras getroffen,  um einen ökumenischen Dialog  zwischen der katholischen und der orthodoxen Welt zu beginnen.
Dieser Dialog konnte nicht fortgeführt werden - aus Gründen des 1000-jährigen Widerstandes gegen den Primat Roms,
Paul VI gab in einer Rede vor dem Sekretariat für die Einheit der Christen am  28. 4. 1967 zu, "daß der Papst - das wissen wir wohl - ohne Zweifel das größte Hindernis auf dem Weg des Ökumenismus ist."

Das Patriarchat von Konstantinopel stellt einen der 5 christlichen Hauptsitze dar, die vom Konzil von Chalkedon, 451 etabliert wurden. Die byzantinischen Patriarchate hielten außerdem seit dem Fall des Römischen Reiches daran fest, daß Konstantinopel, Kapitale des Oströmischen Kaiserreiches, die religiöse Hauptstadt der Welt werden sollte.
Kanon 28 des Konzils von Chalkedon - nicht anerkannt vom Hl. Papst Leo dem Großen- enthält schon den Keim zum byzantinischen Schisma, weil es der Vorherrschaft des römischen Pontifex einen politischen Ursprung und keinen göttlichen zuschreibt.
Deshalb hat im Jahr 515 Papst Homisdas (514-523) die orientalischen Bischöfe eine Einheitsformel unterschreiben lassen, durch die sie ihre Unterordnung unter den Stuhl Petri anerkannten.




Zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert - wo sich im Westen eine Unterscheidung zwischen der spirituellen und zeitlichen Macht herausbildete, entstand im Orient das, was wir als Caesaropapismus kennen, in dem die Kirche dem Kaiser untergeordnet wurde, der sich als deren Oberhaupt sah, als Delegierten Gottes, sowohl in der kirchlichen als auch in der weltlichen Sphäre. Die Patriarchen von Konstantinopel wurden zu Funktionären des Byzantinischen Kaiserreiches reduziert und hielten daran fest, eine radikale Aversion gegen die Kirche Roms zu unterhalten.

Nach einem ersten Bruch- im 9. Jahrhundert verursacht durch den Patriarchen Photius, kam es zum eigentlichen Schisma, am 16. Juli 1054, als Patriarch Michael wegen des filioque und unter anderen Vorwänden Rom als der Häresie verfallen erklärte.
Die Römischen Gesandten legten dann das Exkommunikationsurteil gegen ihn auf dem Altar der Hagia Sophia in Konstantinopel ab.
Die Fürsten von Kiew und Moskau, die 988 durch den Heiligen Vladimir zum Christentum bekehrt worden waren, folgten im Schisma den Patriarchen von Konstantinopel, deren religiöse Jurisdiktion sie anerkannten.
Die Uneinigkeit schien unüberwindbar, aber am 6. Juli 1439 fand in der Kathedrale Santa Maria del Fiore in Florenz ein außerordentliches Ereignis statt, als Papst Eugen IV mit der Bulle "Laetentur Coeli" die Wiederzusammenführung der Kirchen des Okzidents und des Orients verkündete.

Während des Konzils von Florenz 1439, an dem auch der byzantinische Kaiser Johannes VIII Paleologos und der Patriarch von Konstantinopel Joseph II teilnahmen, wurde ein Konsens zu allen Problemen gefunden, vom Filioque bis zum Römischen Primat.

Die päpstliche Bulle schloß mit dieser feierlichen dogmatischen Definition, die auch von den griechischen Vätern unterzeichnet wurde: "Wir stellen fest, daß der Heilige Apostolische Stuhl und der Römische Pontifex den Primat über das Universum haben, der derselbe Römische Pontifex der Nachfolger des Glückseligen Petrus, des Apostelfürsten und der wahre Vikar Christi ist, Oberhaupt der gesamten Kirche, Vater und Lehrer aller Christen, daß unser Herr Jesus Christus ihm verliehen hat -in der Person des Glückseligen Petrus, die volle Macht die universelle Kirche zu --leiten und beherrschen, wie es auch in den Akten der ökumenischen Konzile und in den Heiligen Kanons bestätigt wird.
Das war die einzige wirkliche historische Umarmung zwischen den beiden Kirchen im Verlauf des letzten Jahrtausends.

Zu den aktivsten Teilnehmern des Konzils von Florenz gehörte auch der Metropolit von Kiew und ganz Rußland, Isidor. Kaum nach Moskau zurückgekehrt, verkündete er öffentlich die Versöhnug unter der Autorität des Römischen Pontifex. 
Aber der Fürst von Moskau, Wassily der Blinde, erklärte ihn zum Ketzer und ersetzte ihn durch einen ihm ergebenen Bischof. Diese Geste markiert die Autokephalie der Kirche von Moskau, unabhängig nicht nur von Rom sondern auch von Konstatinopel.

Wenig später, 1453 wurde das Byzantinische Kaiserreich von den Türken erobert und riß in seinem Fall auch das Patriarchat von Konstatinopel mit. Damals entstand die Idee, daß Moskau das Erbe von Byzanz antreten sollte und das neue Zentrum der orthodoxen christlichen Kirche werden sollte. 
Nach seiner Heirat mit Zoe Paleologou, der Nichte des letzten byzantinischen Kaisers, gab sich der Fürst von Moskau, Iwan III, den Titel Zar und führte das Symbol des doppelköpfigen Adlers ein.
1589 wurde das Patriarchat von Moskau und ganz Rußland eingerichtet. 
Die Russen wurden die neuen Verteidiger der Orthodoxie und kündigten das Kommen eines "Dritten Roms" an, nach dem katholischen und dem byzantinischen.

Angesichts dieser Ereignisse schlossen sich die Bischöfe der Region, die damals Ruthenien hieß und der heutige Ukraine und einem Teil von Weißrußland entspricht, im Oktober 1596 in der Synode von Brest zusammen und verkündeten die Union mit dem römischen Sitz. Man kennt sie unter dem Namen "Uniates" wegen ihrer Union mit Rom, oder als griechische Katholiken, weil sie unter dem Primat von Rom an der byzantinischen Liturgie festhielten.
Die russischen Zaren führten eine systematische Verfolgung der Uniaten-Kirchen durch, die - zu ihren zahlreichen Märtyrern auch den Mönch Josaphat Kuncevicz (1580-1623), Erzbischof von Polotsk und den Jesuiten Andrea Bobola (1592- 1657), den Apostel Litauens, zählt. Beide wurden gefoltert und im Hass auf den katholischen Glauben getötet und werden heute als Heilige verehrt.
Die Verfolgung verstärkte sich im Sowjetimperium noch. Kardinal Jossyp Slipyi (1892-1984) wurde 18 Jahre lang in die kommunistischen Konzentrationslager deportiert, er war der letzte Verteidiger der ukrainisch-katholischen Kirche.

Heute bilden die Uniates die wichtigste Gruppe der Katholiken des orientalischen Ritus und stellen ein lebendiges Zeugnis der Universalität der Katholischen Kirche dar.
Es ist nicht besonders großherzig, zu behaupten, wie es das Dokument von Franziskus und Kyrill tut, daß es die "Methode des Uniatismus" sei, mit unlauteren Mitteln Gläubige zu drängen, sich von ihrer Kirche zu lösen und daß es kein Mittel sei, die Einheit wieder herzustellen, die Gläubigen von einer Kirche zur anderen wechseln zu lassen und so die Religionsfreiheit und ihre eigenen Traditionen zu negieren." 
Aber die Umarmung von Kyrill zielt hauptsächlich darauf, das orthodoxe Prinzip der Synodalität zu übernehmen, das nötig sei, um die Römische Kirche zu "demokratisieren"

Was nicht nur die Struktur der Kirche betrifft sondern die Substanz ihres Glaubens, wird das wichtigste symbolische Ereignis des Jahres vielleicht die Erinnerung an den 500. Jahrestag der Protestantischen Revolution sein, die für den kommenden Oktober in Lund/Schweden geplant ist.".

Quelle: Corrispondenza Romana, R. De Mattei, BenoîtXVI-et-moi



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