Montag, 28. März 2016

Roberto De Mattei zur postsynodalen Exhortation, die verfrühten Siegesfanfaren Kardinal Kaspers und die Hoffnung der Gläubigen, .

   

Roberto De Mattei macht sich Sorgen um den Inhalt der postsynodalen Exhortation. Er erklärt, was die angenommenen und von manchen erhofften "Erneuerungen" bedeuten würden.   
Hier geht´s zum sehr lesenwerten Original:  klicken

"D
IE SORGEN DER KATHOLIKEN AM VORABEND DER VERÖFFENTLICHUNG DER POSTSYNODALEN EXHORTATION"

"In dieser Heiligen Woche 2016 mischt sich in den Schmerz über die Passion Christi, der sich erneuert, die schwere Sorge wegen der schmerzlichen Lage der Kirche.
Die Hauptsorge betrifft die postsynodale Apostolische Exhortation, die der Papst am 19. März unterzeichnet hat, die aber erst nach Ostern veröffentlicht werden wird.
Nach dem Vaticanisten Luigi Acattoli- sagen die Gerüchte voraus, daß es ein Text ohne offensichtliche doktrinale und juristische Aussagen sein wird, aber mit vielen innovativen Erneuerungen für die Praxis, die Ehevorbereitung und Pastoral,Paare in irregulären Situationen betreffend: nicht nur die wiederverheirateten Geschiedenen sondern auch Kohabitation, Ehen zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen und die nur zivil Verheirateten"

Was werden diese "innovativen Praktiken" sein? Das Schlüsselwort des Dokumentes ist "Integration."  Jene, die in irregulärer Situation leben, sollen in die Gemeinde "integriert" werden, sie könnten Katechisten werden, liturgische Animateure, Paten bei Taufen und Firmungen, Trauzeugen bei Eheschließungen usw. alles Aktivitäten, die die traditionelle Praxis der Kirche ihnen bis zum heutigen Tag wegen ihres status verboten hat.
Dennoch schreibt Alberto Melloni in der Repubblicca vom 19. März, daß bezüglich der wiederverheirateten Geschiedenen keine Erneuerungen zu erwarten seien, das Problem sei, die Praxis zu legitimieren, nicht sie theologisch zu etablieren.

Das Dokument kündigt den Zugang zur Eucharistie nicht als allgemeingültige Regel an, erlaubt aber den Beichtvätern und einzelnen Bischöfen von Fall zu Fall die Zulassung zu den Sakramenten zu erteilen.
Die Neuheit- erklärt Melloni- basiert auf Fakten nicht auf Worten "indem den Bischöfen Verantwortung gegeben und ihre Macht erneuert wird, was Kardinal Kasper als "wirkliche Revolution bezeichnet."

Stellen wir uns vor, Moral existiert, aber wir tun so, als ob sie nicht existiere. Wenn Moral die Norm menschlichen Verhaltens ist, wäre das eine Einladung zu einer Gesellschaft ohne Regeln: eine wirkliche Wild-West-Moral, in der alles erlaubt ist, solange es nicht in eine Theorie gekleidet wird.
Jesus sagte: "Wer mich liebt, hält meine Gebote"
In einem Fall wie diesem-im Namen einer falschen barmherzigen Liebe, würden Gottes Gesetze verletzt werden und wir würden ihn zum Gespött machen.
Und dennoch ist das Legitimieren der Praxis genau dieses Szenario, auf das Melloni hofft.



Wenn die Gerüchte wahr sind, könnten diejenigen, die in öffentlicher und dauernder Sünde leben, in die Rolle von Zeugen, Führern und Erziehern in der Christliche Gemeinde aufsteigen. Das würde augenscheinlich nicht nur die wiederverheirateten Geschiedenen betreffen, sondern auch Paare, die in öffentlicher Kohabitation jeder Art leben, hetero-oder homosexuell.
Wird es möglich sein, einem Dokument dieser Art, das als Versuch gemeint ist, die Hermeneutik der Kontinuität zuzuerkenn, jeden Akt und jedes Wort der klerikalen Hierarchie beizubehalten, die mit der Tradition in Einklang stehen.
Damit es da eine Kontinuität mit der Vergangenheit gibt, reicht es nicht, die Unauflöslichkeit der Ehe zu bestätigen. Die Kontinuität der Doktrin wird durch Tatsachen bewiesen nicht durch  Worte.
Wie kann man von der Hermeneutik der Kontinuität reden, wenn die schon bei den Dokumenten des II, Vaticanischen Konzils verfehlt wurde?

In seiner Rede zum Römischen Klerus vom 14. Februar 2013 hatte Benedikt XVI , der Förderer der Hermeneutik der Kontinuität mit der größten Autorität, schon das Scheitern dieser Interpretation zugegeben.
Sein Verzicht auf den pontifikalen Thron war zuerst die Niederlage bei seinem Versuch, die postkonziliaren religiösen und moralischen Deviationen zu beseitigen,indem er sie auf eine rein theologischen und hermeneutische Ebene hob.
Als der selbe Benedikt XVI sich von der hermeneutischen Ebene auf die der Fakten bewegte, indem er das Motu Proprio Summorum Pontificum erließ, gewann er die Schlacht,
Und Summorum Pontificum stellt den Höhepunkt seines Pontifikates dar.

Die, die die hermeneutische Methode benutzen, müssen die Möglichkeit verschiedener Interpretationen ein und desselben Textes akzeptieren. Wenn die Pluralität der Interpretationen verneint wird, indem man erklärt, ein Dokument oder eine päpstliche Handlung müsse als mit dem vorhergehenden Lehramt im Einklang stehend gelesen werden, wird die hermeneutische Methode selbst unnütz.

Die Regel der Interpretation - ist darüber hinaus -wie bei jeder menschlichen Handlung- die Suche nach der Wahrheit, nicht nach dem, was passend ist. Dafür ist die Unterscheidung zwischen dem fehlbaren und dem unfehlbaren Lehramt, die Irrtümer durch die Obersten Hirten der Kirche zuläßt, das einzige das uns hilft, die Existenz von Divergenzen zwischen den lehramtlichen Dokumenten zu verstehen.

Würden alle Dokumente des Lehramtes das selbe aussagen und sich niemals untereinander widerprechen, würden die Worte selbst ihren Sinn verlieren. Die Objektivität der Texte würde durch die dialektische Fähigkeit der Hermeneutik ersetzt, fähig das Nichtvereinbare zu vereinbaren.
Aber wer würde die Interpretation des Hermeneutik interpretieren?
Der Prozess ist unendlich und jede Hermeneutik ist- wie der deutsche Philosoph Otto F. Bollnow sagt- eine offene Form, die alles enthalten kann, weil der Schwerpunkt vom Bekannten Objekt zum kennenden Subjekt verlagert wird.
Auf der anderen Seite braucht die Hermeneutik die Dunkelheit und ist nur in den Ländern erfolgreich, in denen die Sonne der Klarheit nicht scheint.

Die postsynodale Exhortation wird keinerlei Bruch enthalten, erklärt Alberto Melloni. Der Papst, der die engen Grenzen die die Häresie von der Rechtgläubigkeit gut kennt, überschreitet die rote Linie nicht, aber platziert sich selbst in einer Grauzone und vermeidet so diesen fatalen Schritt, den Melloni die Bresche nennt.
Damit aber ein Dokument schlecht ist, muß es nicht formal häretisch sein, es genügt, daß es vorsätzlich zweideutig ist, nahe zur Häresie oder auf sei hin führend.
Zwischen Wahrheit und Irrtum gibt es keine Zweideutigkeit, kein "drittes Geschlecht," aber eine Dunkelzone, die geklart und definiert werden muß.
Ein gutes Dokument kann einige unklare Passagen enthalten, die im Licht des gesamten Kontextes interpretiert werden müssen, aber wenn die Dunkelzone die helle Zone überlagert, kann die Botschaft nicht anders als wertlos und ungesund sein.

Zwei Jahre sind vergangen, seit Kardinal Kasper die Synoden-Debatte anstieß und der selbe Kasper ruft heute den Sieg aus, indem er die selbe Formel benutzt wie im Februar 2014 : "die Doktrin ändert sich nicht, die Neuheit betrifft die pastorale Praxis"
Hat Kasper diese Schlacht wirklich gewonnen?
Von ganzem Herzen wünschen wir uns, daß alle unsere Befürchtungen sich durch das päpstliche Dokument als falsch erweisen.
Sollten sie jedoch bestätigt werden, hoffen wir inbrünstig, daß diejenigen Hirten der Kirche, die während der letzten beiden Jahre versucht haben, den Weg für Kaspers Ideen zu blockieren, jetzt ihre Meinung über die postsynodale Exhortation klar ausdrücken. Der Text, der da veröffentlicht wird, ist ein pastorales Dokument, das nicht darauf abzielt, Doktrinen zu formulieren oder Handlungsanweisungen zu geben,

Sollten die Anweisung nicht mit der traditionellen Katholischen Praxis übereinstimmen, wird das mit respektvoller Klarheit gesagt werden müssen. Mehr als eine Million Katholiken haben einen "kindlichen Appell" an Papst Franziskus gerichtet und ihn zu den schwerwiegenden moralischen Problemen, die auf dem Tisch liegen, um klare Worte gebeten.
Wenn dieses Wort nicht aus der apostolischen Exhortation kommt, bitten wir die Kardinäle, die ihn gewählt haben, das auszudrücken. Sie haben die Macht ihn zu ermahnen und zu korrigieren und zu tadeln, angesichts der Tatsache, daß niemand einen Papst verurteilen kann, außer- wie die mittelalterlichen Kirchenrechtler lehrten- wenn er vom rechen Weg des orthodoxen Glaubens abweicht (Gratianus Decretum Pars I, Dist XL c 6)."

Quelle: Corrispondenza Romana, Roberto De Mattei, rorate caeli

   

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