Mittwoch, 4. Mai 2016

Der Osservatore Romano gibt den Anhängern eines relativistischen Polytheismus Gelegenheit, ihre Ablehnung des Christentums zu veröffentlichen,


Sandro Magister kommentiert bei Settimo Cielo einen Beitrag von Marco Vannini im Osservatore Romano. Hier geht´s zum Original:  klicken

"ES GIBT KEINE RELIGION MEHR. DEM OSSERVATORE GEFÄLLT DER MONOTHEISTISMUS NICHT."

parolin
Es gibt keine Religion mehr. Dem Osservatore Romano gefällt der Monotheismus nicht. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat sich jetzt bemüht, die Beilage des Osservatore Romano für Frauen in Form eines Magazins neu zu lanzieren.
An seiner Seite waren am 3. Mai in der Filmothek des Palazzo San Carlo natürlich der Direktor der Tageszeitung des Hl. Stuhls, G. Vian, und die Koordinatorin von "Donne, Chiesa, Mondo", Loretta Scaraffia
Anwesend war auch der Präfekt das neugegründeten Sekretariates für Kommunikation, Msgr. Dario Edoardo Viganò, der auf Grund der aktuellen Phase der Restrukturierung der Medienkompetenz die höchste Autorität im Vatican für die Materie sein wird.
Aber seltsamerweise hielt er sich im Hintergrund des Saales -unter den Zuschauern stehend- und schweigend aufgehalten.
Seltsam- aber nicht zu sehr. Vor einem Monat, in einem Interview für " La Rossoporpora" hatte Viganò nicht sonderlich ausführlich im Hinblick auf die Zukunft des Osservatore Romano Stellung bezogen. Er hatte die Reduzierung seiner aktuellen Seitenzahl auf ein kleines Bulletin zum Gebrauch durch die Kongregationen und die Gebäude rund um den Vatican vorhergesehen, weil es für uns es ein bißchen die offizielle Zeitung ist, angesichts dessen. das in ihr die Nominierungen bekannt gegeben werden. Während es für die Artikel eine Wochenausgabe gibt, wie es schon für die Ausgaben in anderen Sprachen der Fall ist.
Kein Wort über die Beilage "Donne, Chiesa, Mondo" das er - Viganò- wohl maßgeblich eher schließen als neu lanzieren wollte, angesichts der steigenden Spesenkosten in Zeiten des Sparens.
Kardinal Parolin- zu den Kosten der neuen Zeitschrift befragt- hat geantwortet, daß es einen Mäzen gibt und zwar die Italienische Post, auf die die Kosten zukommen.
Aber es ist offensichtlich, daß die Partie im Vatican noch nicht beendet ist. Und in dieser Phase des unsicheren Übergangs versteht man nicht mehr, wer im Mediensektor das Sagen hat und wer kontrolliert, was veröffentlicht wird. 
Besonders "Donne,Chiesa, Mondo" wurde auf ein Potpourri reduziert, das in seiner Märzausgabe, mit exzessivem Leichtsinn die Fähigkeit der Frauen verkündet hatte, in der Messe die Predigt zu halten und dabei das Verbot, das Papst Franziskus persönlich zu Beginn seines Pontifikates ausgesprochen hatte, ignoriert.
Dem folgte ein öffentliches Autodafé für den Osservatore Romano - bewirkt von einem der Schuldigen: dem Prior von Bose, Enzio Bianchi
Der Osservatore Romano korrigierte sich. Keine Kanzel für die Frauen,
Aber ein noch erhellenderes Beispiel für den aktuellen Verwirrungszustand ist am vergangenen
26. April in einem Artikel im Osservatore Romano mit dem Titel "Der Nachteil des Monotheismus", der einen berühmten Ägyptologen und Religionstheoretiker, den Deutschen Jan Assmann betrifft.

Schon der Autor des Artikels  wirft einige Fragen auf. Es ist Marco Vannini, Florentiner,
berühmter Gelehrter und Mystikforscher, aber mit Positionen die vom Katholischen Credo
extrem weit entfernt sind.



Über ihn hatte La Civiltà Cattolica bereits 2003 ein Urteil ohne Berufung  ausgesprochen, durch die Feder von Pater Giandomenico Mucci, der befand, daß Vannini "die Transzendenz ausschließt, essentielle Wahrheiten des Christentums unterdrückt und einen neoplatonischen Weg zur modernen Gnosis eröffnet."
Nichtsdestotrotz schreibt Vannini seit 2014  wiederholt für den Osservatore
Und dieses mal hat man ihm anvertraut, einen Autor zu rezensieren: Jan Assmann, dessen Hauptthese ist, daß der Monotheismus- jeder Monotheismus- und das Judenchristentum, in ihrem Inneren wesentlich exklusiv und gewalttätig sind, im Gegensatz zu den in sich friedlichen antiken Polytheistischen Religionen.

Jedenfalls geht im Osservatore Vannini nicht im Geringsten auf Distanz zu den Thesen Assmanns, sondern stimmt ihnen offensichtlich zu.

Er schreibt:
"In Zeiten erneuerter Gewalt im Namen Gottes, kann eine wahre religiöse Toleranz , die fähig ist ihre Relativität anzuerkennen, ohne ins Banale abzugleiten, nur bestehen, wenn die mosaische Unterscheidung zwischen wahrer und falscher Religion überwunden wird, und wieder das profunde Religions-Konzept zu Geltung kommt, das Gandhi als "Religion mit großem R" bezeichnete, die unlösbar mit der Wahrheit verbunden ist, in uns ist und uns immer reinigt."

Und er schließt so:
"In unserer globalisierten Welt kann die Religion nur Platz als "Religio duplex" finden, eine Religion  zweier Ebenen, die sich als eine von vielen konzipiert und sich selbst mit den Augen der anderen sieht, ohne je den verborgenen Gott aus den Augen zu verlieren, den gemeinsamen "transzendentalen Punkt" aller Religionen.
So wird es also trotz der Globalisierung niemals eine einzige Religion geben, niemals eine einzige Wahrheit, niemals einen einzigen Gott. Die "Religio duplex" ist die, die erlaubt solidarisch vereint zu bleiben, im gemeinsamen menschlichen Schicksal und über alle Differenzen hinweg."

In geschliffeneren Worten finden sich hier die Gedanken Eugenio Scalfaris rund um das Verhältnis zwischen den Religionen wieder, die der Papst Franziskus zuschreibt, wobei er den Papst interpretiert.
Aber heute schreibt es der Osservatore Romano.

Quelle: Settimo Cielo, Sandro Magister, Osservatore Romano

1 Kommentar:

  1. Vannini muss allerdings zuerst mal die alte Frage beantworten "Was ist Wahrheit?"
    In Anbetracht der Tatsache, dass nun mal es, sofern es eine Wahrheit gibt, es dann auch eine Unwahrheit geben muss, fragt sich, was für eine Religion der Wahrheit der Herr Vannini denn als die einzig wahre erkennt.
    Wenn ich mir so meinen Geschichtsunterricht Revue passieren lassen, besonders das Kapitel "griechische Antike" so fallen mir die beständigen Kämpfe und Schlachten ein, deren Daten wir auswendig lernen mussten, also sooooo friedlich waren die polytheistischen Religionen nun wahrhaftig nicht!

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