Montag, 16. Mai 2016

Parallelkurie, Gefahr eines "verborgenen" Schismas, die "neuen Heiden". Und offene Fragen zur Informationspolitik der Sala Stampa.

A. Gagliarducci macht sich in "MondayVatican" Gedanken über die Frage, warum Papst Franziskus Erwartungen auf tiefgreifende Änderungen der Lehre weckt und was im Vatican Hintergrund an der Kurie geschieht.
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"WARUM ERWECKT PAPST FRANZISKUS ERWARTUNGEN AUF VERÄNDERUNGEN?"

" Was vorige Woche passierte, illustriert in einer Nußschale gut das Pontifikat von Papst Franziskus.
Beim Treffen mit der Vereinigung der Generaloberinnen, also der Vollversammlung von mehr als 800 Leiterinnen religiöser Frauenorden aus der ganzen Welt, hielt der Papst eine Frage-und Antwort-Sitzung ab. Die Schwestern stellten ihm 5 Fragen und alle drängten auf eine wichtigere Rolle für Frauen in der Kirche. Eine der Fragen betraf die Möglichkeit der Schaffung eines Frauendiakonats.

Papst Franziskus hat vielleicht zuerst geantwortet, daß die Rolle der weiblichen Diakone in der antiken Kirche nicht ganz klar sei. Dann- laut denkend- fragte er rhetorisch, ob es eine Notwendigkeit gäbe, "eine offizielle Kommission zum Studium dieses Themas zu gründen" und antwortete dann "Ja, das denke ich. Es wäre gut für die Kirche diese Frage zu klären. Ich stimme zu. Ich werde darüber reden, so etwas zu tun." und schließlich sagte der Papst: "Ich akzeptiere das. Es scheint nützlich eine Kommission zur Klärung zu gründen."

Wenn wir darüber im Italienischen schreiben, müssen wir bei allen Zitaten des Papstes, die aus Berichten von Journalisten stammen, die in der Paul VI Halle anwesend waren, wo das Treffen stattfand, die Verben im Konditional benutzen.
Allerdings wurde das offizielle Transkript der Frage-und Antwort-Sitzung erst einen Tag später herausgegeben.
Außerdem fand das Treffen am Morgen des 12. Mai statt, aber Radio-Vatican sendete bis zum späten Nachmittag keinen Bericht darüber.
Radio-Vatican-Report brachte keinerlei direktes Zitat sondern nur eine Wiedergabe der Worte des Papstes. Das selbe geschah im Osservatore Romano, der Zeitung des Hl. Stuhls, die nur einen sehr kurzen Bericht ohne direkte Zitate der Worte von Papst Franziskus veröffentlichte.

Das Gespräch ist sicher aufgezeichnet worden, zumal viele Kameras von CTV beim Treffen gefilmt haben, Warum hat der Hl. Stuhl so lange gebraucht, eine minimale Auswahl halboffizieller Informationen zur Sache anzubieten? Und warum stand das Gesamttranskript nicht sofort zur Verfügung?

Das sind offene Fragen, die das neue Vatican-Kommunikations-Büro erwägen sollte. Geteilt zwischen administrativen Fragen, mit deren Lösung das Sekretariat für Kommunikation beauftragt ist und der Notwendigkeit, den Inhalt auf für die Gläubigen nützlich Weise zu kommunizieren, hat sich die Vatican-Kommunikation beim Anpacken des Themas der weiblichen Diakone nicht überaktiv gezeigt.

Das ist nicht das erste mal. Das passierte auch schon, als Papst Franziskus bei der Fliegenden Pressekonferenz auf dem Rückflug von Mexiko über die Tatsache sprach, daß Papst Paul VI darüber nachgedacht habe, Nonnen bei Gefahr der Vergewaltigung die Benutzung empfängnisverhütender Medikamente zu erlauben. Die Vatican-Kommunikation hat sich mit der Erklärung nicht beeilt, daß Paul VI niemals über das Thema gesprochen hat, auch wenn es dazu vorher -sogar schon vor Humanae Vitae Studien, die das Thema erwogen, gegeben hatte.




Auch das Thema der weiblichen Diakone ist schon untersucht worden. Die Internationale Theologische Kommission hat 2002 ein Dokument mit dem Titel "Über die Diakoneia Christi zum Diakonat der Apostel" herausgegeben. Das Dokument enthält ein langes Kapitel über den Dienst der Diakonissen und darüber, wie die Urkirche es wahrnahm.
Das Thema blieb etwas offen, aber der Bericht betont auch, daß das Diakonissenamt in in keiner Weise ein sakramentales war, jedenfalls nicht in der Urkirche.

Wir sollten aus einem größeren Blickwinkel auf das Thema schauen. Nach Aussagen der Personen, die am Treffen teilnahmen, war Papst Franziskus sehr vage und unterstrich oft, daß Teile der erhobenen Fragen der Glaubenskongregation oder anderen kompetenten Dikasterien übergeben werden müßten.
Aber es gibt eine Bewegung, die auf "Änderungen" in der Kirchenlehre drängt, einschließlich einer neuen Rolle für Frauen in der Kirche, die Frauen auch zum Priestertum zuläßt.

Aber ein Priestertum, das auch Frauen einschließt- hat Johannes Paul II betont- ist nicht möglich, weil der Herr keine weiblichen Apostel ordiniert hat und die Kirche nicht die Macht hat, das zu ändern, was Jesus etabliert hat.

Papst Benedikt XVI hat das mit den selben Worten ausgedrückt. Im Buch-Interview "Licht der Welt" bemerkt er, "daß der Hl.Johannes Paul II keine unfehlbar doktrinalen Aussage über das Frauenpriestertum gemacht sondern eher bescheinigt hat, daß die Kirche und die Bischöfe aller Zeiten und Orte, das immer gelehrt und danach gehandelt haben."
Seine Antwort war also kein unfehlbarer Akt, aber es war ein Statement mit bindendem Charakter -basierend auf der Tradition,
Benedikt XVI fuhr dann fort, daß "diese Kontinuität von Anbeginn schon etwas sehr Wichtiges ist: die antiken Religionen hatten Priesterinnen, ebenso wie die gnostischen Bewegungen. Die Tradition entstand also nicht um die Kirche herum sondern in der Kirche."

Papst Franziskus selbst-erklärte bei seiner Pressekonferenz während des Rückfluges von Rio de Janeiro 2013-klar, daß "soweit es die Frauenweihe angeht, die Kirche gesprochen und Nein gesagt hat. Johannes Paul II sagte es, aber in einer definitiven Formulierung. Diese Tür ist geschlossen, aber zu diesem Thema will ich Ihnen etwas sagen. Ich habe das schon gesagt, aber ich wiederhole es. Unsere Liebe Frau Maria war wichtiger als die Apostel, Bischöfe,und Diakone und Priester.
Frauen in der Kirche sind wichtiger als Bischöfe und Priester."

Der Schlüsselpunkt ist nicht, daß Papst Franziskus eine Kommission zum Studium über die "Möglichkeit von Diakonissen" einsetzt. Am Ende kann es wichtiger sein, zu verstehen, ob diese Frage im "Santa-Martha-Kreis" diskutiert und wie die Frage dem Papst präsentiert worden ist.

Es ist bemerkenswert,daß- während die Medien der ganzen Welt mit der Behauptung, Papst
Franziskus öffne die Frage, Schlagzeilen machten- Pater Antonio Spadaro, Herausgeber der Civiltà Cattolica, einen Artikel von F. Lombardi, dem aktuellen Direktor des Presseamtes des Hl. Stuhles, aus dem Jahr 1972 twitterte.
Pater Lombardis Artikel handelt von einer Diskussion der Kirchensynode der Bundesrepublik Deutschland 1972. In der Diskussion wurde der Papst aufgefordert, die Normen des Kanonischen Rechts an die juristische Gleichheit von Frauen anzugleichen.
Medienberichten zufolge, sprach Papst Franziskus auch über die Möglichkeit, das Kanonische Recht zu ändern, weil es schon im 18. Jahrhundert und durch Johannes Paul II geändert worden sei.

Pater Spadaros Schnelligkeit, genau diesen Artikel zu twittern, ist bemerkenswert, weil er an diesem Tag nicht in Rom war. Er war gerade nach Polen zu einer Reise aufgebrochen, die der Rat der Europäischen Bischofskonferenz zur Vorbereitung des kommenden Weltjugendtages organisierte.
Hatte er also schon über diesen Artikel diskutiert?

Warum ist es so, daß diese Diskussion als Spiegel dieses Pontifikates betrachtet werden kann?
Dazu gibt es einige Hinweise.
Zuerst sind da die großen Probleme, zu verstehen, was der Papst wirklich sagte, und warum die Vatican-Kommunikation so spät reagierte.
Zweitens wurden die (ziemlich vagen) Worte von Papst Franziskus benutzt, um die Diskussion in Richtung bestimmter Positionen zu drängen, generell  progressiven.
Und drittens - das scheint jetzt offensichtlich, daß viele der Standpunkte von Papst Franziskus aus Diskussionen herrühren, die außerhalb der offiziellen Kanäle stattfinden.
Noch einmal: die Papst Franziskus´ Kirche ist eine Kirche von zwei Geschwindigkeiten.

Fortsetzung folgt

Quelle:Monday in the Vatican, A.Gagliarducci


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