Montag, 4. Juli 2016

2012- Rücktrittsankündigung Benedikts XVI auf dem Monte Celio?

Paolo Rodari erinnert sich anläßlich der Rede, die Erzbischof Gänswein bei der Präsentation des Regoli-Buches gehalten hat, an eine Begebenheit im März 2012, die auf den späteren Amtsverzicht Benedikts XVI hindeutete, Er hat sie in seinem kleinen Buch "Die verwundete Kirche, Papst Franziskus und die Herausforderung der Zukunft", das unmittelbar nach dem Koklave 2013 herauskam.
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"EIN JAHR VOR DEM RÜCKTRITT RATZINGERS. ES WAR IM MÄRZ 2012, ALS ER SAGTE: "ICH FÜHLE MICH WIE EIN MÖNCH"

"Am Samstag  dem 10. März 2010 befand Benedikt XVI sich auf einem der 7 Hügel Roms, dem Monte Celio, im Kloster der Camaldoleser Benediktiner, wo er den Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams getroffen hatte.

Es gibt vieles, was Papa Ratzinger mit der Kirche dieses Konvents verbindet.Vor allem ist es Gregor der Große, ein reicher römischer Patrizier, der sich um 574- 575 zum mönchischen Leben bekehrte und das väterliche Haus auf dem Celio in ein dem Hl. Apostel Andreas geweihtes Kloster umwandelte. Es ist dieses Kloster, das Ratzinger besuchte.

Als großer Bewunderer Benedikts von Nursia, widmete sich Gregor mit Hingabe der Kontemplation der Mysterien Gottes in der Bibellektüre.

Er konnte nicht lange in seinem Kloster auf dem Celio bleiben, weil Papst Pelagius II ihn nach seiner Weihe zum Diakon an den Hof nach Konstantinopel schickte, wo er mehr als 6 Jahre blieb und sich der Wertschätzung durch Kaiser Mauritius I erfreute, dessen Sohn Theodosius er taufte.

586 kehrte er nach Rom in das Kloster auf dem Celio zurück, und blieb dort wieder nur sehr kurze Zeit, weil er nach dem Tod Pelagius´II, dessen Sekretär Gregor gewesen war, am 3. September 590 zum Nachfolger Petri berufen wurde - durch die Begeisterung der Gläubigen und das Insistieren des römischen Klerus und des römischen Senats.
Gregor versuchte dem Verlangen des Volkes zu widerstehen, indem er einen Brief an Kaiser Mauritius geschickt hatte und ihn bat, die  Wahl nicht zu ratifizieren, aber der Präfekt der Stadt Rom, Germanus, oder vielleicht Gregors Bruder, haben den Brief abgefangen und ihn durch die Petition des Volkes ersetzt, die um die Wahl Gregors zum Papst bat.

Als Papst erwies sich er sich als Mann der Tat, praktisch und zupackend (deshalb wurde er "der letzte Römer" genannt), aber er war körperlich ziemlich schwach und von zerbrechlicher Gesundheit. Er war ein energischer Verwalter, sei es in sozialen oder politischen Fragen, der zugunsten der Bedürftigen half und schützte, seines in internen Fragen der Kirche,

Benedikt XVI fühlt sich diesem Papst verbunden. Mehr aber noch fühlt er sich der Berufung Gregors zum Mönchstum verbunden, die er auch während seines Pontifikates nicht vergaß.
Ratzinger hat den Namen Benedikt auch zu Ehren Benedikts von Nursia angenommen. dessen Leben er Dank dessen, was Gregor der Große geschrieben hatte, kannte. Das Buch über die Dialoge Gregors ist in der Tat ganz der Figur Benedikts gewidmet und ist das einzige antike Zeugnis über das Leben des heiligen Mönches aus Nursia, dessen spirituelle Schönheit im Text in aller Klarheit hervortritt.

Benedikt XVI ist von Gregor und der Benediktinischen Regel fasziniert. Er hatte sich diesen Besuch gewünscht  nicht nur aus ökumenischen Gründen, dem gemeinsamen Gebet mit dem anglikanischen Primas Williams, aber auch aus einem anderen Motiv: um die Benediktinische Spiritualität mit Händen zu greifen, die er sehr liebt. So sehr, daß er beim Essen mit den 5 Mönchen, die noch im Kloster leben, überraschend sagte: "Ich fühle mich wie Ihr, wie ein Mönch. Unter Mönchen fühle ich mich zu Hause."




Keiner misst diesen Worten große Bedeutung bei. Weil noch keiner weiß, daß im Herzen Benedikts XVI ein historischer Entschluss reift (oder vielleicht schon gereift ist), eine historische Entscheidung: der Verzicht auf das Papsttum, der Rückzug, um als Mönch zu leben, wie es wahrscheinlich seit Jahren sein innerster Wunsch war.

"Ich fühle mich unter euch zu Hause" sagt Ratzinger. Der wahrscheinlich schon bei dieser Gelegenheit weiß, daß er dieses Leben als Mönch bald annehmen wird. Worte, von denen niemand weiß, daß er sie je ausgesprochen hat. Sie werden von Pater Enzo Gargano bestätigt, seit Jahren Prior dieser kleinen Gemeinschaft. Er sagt:"Die Entscheidung Ratzingers sich zurück zu ziehen- geschah um eine andere Dimension zu erreichen. Er hat verstanden, daß er in der Kontemplation die Kirche besser regieren könne. Es gibt eine andere Dimension, die keiner je bedacht hat- die Kontemplation die es erlaubt, in die Tiefe der Dinge zu schauen und zu der man ein Volk auf die bestmögliche und wahrhaftigste Weise führen muß.
Weil man so Gott in die Dinge eintreten läßt. Man macht einen Schritt zurück und läßt Gott Raum.

Und hier-auf dem Monte Celio- an einem winterlichen Samstag 2012, ließ Ratzinger seine Entscheidung reifen, auf das Pontifikat zu verzichten. Aber mehr als ein Verzicht aus das Pontifikat, scheint seine Entscheidung der Wille zu sein, die Berufung zum Mönchsein anzunehmen, zu dem er sich gemacht fühlte. Gregor wurde Papst, obwohl er Mönch war. Ratzinger ebenso, der- mit dem Unterschied zu Gregor- nur im Inneren seines Herzens Mönch war. Für ihn bedeutete der Verzicht auf das Pontifikates wahrscheinlich, das eigene Leben von Grund auf zu vollenden.
Die Schuhe des Papstes waren ihm eng geworden, Jetzt aber kann er die Kirche auf die Weise führen, die er immer gewünscht hatte: auf dem Berg betend, in Einsamkeit, zurückgezogen betend, wie es nur die Mönche tun.

Und es ist kein Zufall, daß wenige Tage nach der Ankündigung des Verzichts Kardinal Ravasi -als er bei der Einführung in die spirituellen Exerzitien für den Papst und die römische Kurie, die Zukunft der Gegenwart Benedikts in der Kirche vorstellte, Moses zitierte, der auf den Berg steigt, um für das Volk Israel zu beten, das  bereits im Tal gegen Amalek kämpft.
"Dieses Bild stellt die Hauptfunktion der Kirche dar, die Fürbitte.Wir werden im Tal bleiben, jenem Tal, wo Amalek ist, wo der Staub ist, wo die Ängste sind, der Terror und die Incubi, aber auch die Hoffnung, wo Sie in diesen 8 Jahren mit uns zusammen waren.
Jetzt wissen wir, daß es in Zukunft auf dem Berg Ihre Fürbitte für uns geben wird."

Quelle: Paolo Rodari




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