Montag, 18. Juli 2016

Die Krise der Kirche und das Erbe Benedikts XVI


Federico Pichetto hat in der italieischen Tageszeitung "ilsussidiario" eine Kritik des Buches "Jenseits der Krise der Kirche: das Pontifikat Benedikts XVI " geschrieben, nebenbei bemerkt des Buches, das Erzbischof Gänswein am 21. Mai in seiner so aufsehenerregenden Rede vorgestellt hat. Wir haben sie bei BenoîtXVI-et-moi gefunden, merci!
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" JENSEITS DER KRISE DER KIRCHE: DAS SECHSFACHE ERBE BENEDIKTS XVI"

"Das von Roberto Regoli begonnene Unterfangen in seinem Buch : "Jenseits der Krise der Kirche: das Pontifikat Benedikts XVI" hat etwas Kühnes. Kühnheit nicht so sehr, das Pontifikat Joseph Ratzingers erzählen zu wollen, sondern es als Historiker zu wollen. Jetzt ist es für alle Welt sichtbar geworden, daß historische Ereignisse nicht nach den epistemiologischen Regeln ihrer Disziplin sondern nach ihren Folgen erzählt werden können und es ist für alle Welt ebenso offensichtlich, daß de facto die aktive Ausübung des petrinischen Amtes Benedikts XVI beendet ist, aber- und da ist das hic - es ist ebenso klar, besonders im Bewußtsein des christlichen Volkes, daß ein Pontifikat wirklich mit dem Tod des römischen Pontifex endet, gefolgt von den novendiales und den Gebeten der gesamten Kirche zum Hl. Geist "pro eligendo pontefice". 
Wir, mit Benedikt XVI haben das alles nicht erlebt, bis zu dem Punkt, daß wir paradoxerweise noch unter dem Pontifikat Benedikts XVI stehen, aber nicht mehr in der aktiven Ausübung des dazugehörigen Amtes.
Das ist theologisch eine extrem komplexe kanonische Situation, die Regoli nicht entgeht und die die kürzlichen Feiern des 65. Weihejubiläums Joseph Ratzingers der Welt erneut auf schwer zu wertende Weise bewiesen haben. Die technische Terminologie, die das alles beschreibt, ist ziemlich komplex und nur, um sie zu vertiefen, würde es sich lohnen, das Buch Regolis zu lesen.

Aber die Frage ist größer. Zwischen seinem mysteriösen und paradoxen Ende und dem Beginn des petrinischen Amtes Benedikts XVI identifiziert Regoli sechs Punkte der Reflektion, die sich heute bereits der Aufmerksamkeit des Historikers aufdrängen, nicht als einfache Konnotation des Pontifikates sondern als sechs "Reform-Linien", die allerdings noch weit davon entfernt sind, vollendet zu sein.
Um einen ihm teuren Ausdruck zu benutzen, auf den er während seines petrinischen Amtes immer wieder zurück kam, zu Recht in jeder Hinsicht Papst genannt zu werden, hat Papst Joseph Ratzinger sechs Prozesse, die als letztes Erbe einer Periode der Kirche, die mit Paul VI begannen, der neuen Zeit des argentinischen Papsttums hinterlassen.

Die erste Reformlinie betrifft die Römische Kurie. Mit Benedikt hat sich viel verändert und vieles ist gereinigt worden - durch den Bezug auf die eindrucksvollen und energischen Jahre der polnischen Regierung. Benedikt XVI hat zahlreiche Diskusssionslinien vorgezeichnet, die immer, in der geheimnisvollen Persönlichkeit Kardinal Bertones, auf Widerstand und Widerspruch trafen.
Und dennoch war es Benedikt selbst, der Bertone 2006 in den Palast berufen hatte, aber das hat dem christlichen Volk nie genügt, um zwischen den beiden diese ideale Affinität zu erkennen, die ein theologisches und reformatorisches Pontifikat gebraucht hätte.



In diesem Sinn, ist das Lehramt, die zweite der sechs von Regolis vorgestellten Reformlinien, allein ein Unterfangen des bayrischen Papstes und sicher das strahlendste.
Von der Liturgie zur Dogmatik, vom religiösen Lebens zur Sozialenzyklika hat sich Benedikt in einer Optik der Wiederversöhnung mit der Vergangenheit bewegt, die die Theologie der Kirche für weniger prahlerische und weniger oberflächliche Überlegungen über ihre Zukunft zu öffnen,

Das vielen Angriffen ausgesetzte motu proprio "Summorum Pontificum" zur Liturgie, die er selbst in ihrer Würde wieder hergestellt hat, die ein gewisser postkonziliärer ikonoklastischer Furor abschaffen zu wollen schien, um zu wissen, daß die liturgische Tradition der Kirche von Pius V in Gänze der rituellen Vielfalt durch das II. Vaticanische Konzil unter Johannes XXIII und Paul VI integriert wurde.

Wenn das nicht genügte, spricht die dritte Reformlinie von einer tiefgehenden Erneuerung der klerikalen Disziplin, besonders in Folge der Explosion des Mißbrauchskandals im Inneren des Klerus der Kirche.
Benedikt hat versucht, das klerikale Leben zur Strenge zurück zu führen und tut das so -in einer vierten Reform-Linie - indem er große Teile des heterodoxen Christentums in den Schoß der Heiligen Römischen Kirche zurück führt.
Das sind nicht so sehr die Jünger von Msgr. Lefebvre, die als Ikonen dieses ökumenischen Papsttums bleiben werden, sondern ein bedeutender Kern des Anglikanismus- der-unter dem Pontifikat des Theologen-Papstes in das Gehege Petri zurückgekehrt sind.

Als sofortige Konsequenz dieser Rückkehrer wurden Stellungnahmen aus der nichtchristlichen Laienkreisen bekannt, die fünfte Leitlinie des Regoli-Buches: Benedikt ruft zugleich Überraschung und Angst in der profanen Welt hervor, den Wunsch nach Dialog und wütende Reaktionen der Medien auf seine sanfte Wahrheit, die er Tag für Tag kultivierte. Und die Resultate dieses Gegenwindes, der der Kirche Benedikts entgegenwehte, können in dem schwierigen diplomatischen Weg erkannt werden, den Regoli als letzte aber nicht unwichtigste Reformlinie Papst Ratzingers beschreibt,

Ein eurozentristischer Papsttum in starker Konfrontation mit dem Westen und seiner anthropologischen und sozialen Krise, genauso wie mit der Drohung des islamischen Fundamentalismus, der immer stärker wird und den er in seiner Wurzel mit seiner lectio magistralis, der Regensburger Rede angreift.
In diesem Kontext ist der Begriff der "nicht verhandelbaren Wert" entstanden, um anzuzeigen, daß in allen Machtstrukturen eine unumstößliche Wahrheit enthalten ist.

Und am Ende ist das Binom, in das Regoli uns mitnimmt dieses: auf der einen Seite der Papst der Wahrheit und der Freiheit und auf der anderen Seite die Welt der Macht und der bürgerlichen Ideologie, diese Kultur des Relativismus und des Mülls (scarto), die sein Nachfolger aus Argentinien
aufgegriffen hat.
In der Mitte der Mensch Ratzinger, der dem Glauben sein authentisches Gesicht gibt, sich durch den Glauben bewegt und die ganze Welt überrascht,

Der Weg Regolis stellt uns noch einmal diese acht Jahre des Pontifikates vor Augen wie einen Roman, dessen letzte Seite noch geschrieben werden muß.
Und in Schwingungen dieser Stimme, die am Tag des 65. Jubiläums seiner Priesterweihe die Welt zur Transsubstantiation  ihrer selbst aufruft, muß man diese letzte Seite suchen. Weil es im Glauben Ratzingers ist, sagt Regoli, wo die Historiker die Antworten auf die zahlreichen "warum" dieser
wunderbaren Geschichte suchen müssen. Das ist der Glaube eines jeden von uns, dass alles transparent wird, der unser Herz öffnet, unser Wunsch, den Geliebten tag und Nacht in unserem Herzen zu suchen. Ohne ins durch die unvermeidlichen Trockenheit oder illusorische Gelassenheit vom Weg abbringen zu lassen."

                          


Quelle: ilsussidiario, Federico Picchetti, BenoîtXVI-et-moi


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