Samstag, 17. Dezember 2016

Franziskus und die rigiden Seminaristen

Sandro Magister versucht bei www. chiesa den Widerspruch in Reden und Verhalten von Papst Franziskus gegenüber Seminaristen verschiedener Diözesen zu erklären. Die immer gleichen Schlagworte und Vorwürfe an die einen- warme Worte für die anderen. Magister diagnostiziert hinter den pontifikalen Verbalattacken der letzten Tage die Irritation über die nicht zum Schweigen zu bringende und fundierte Kritik an Amoris Laetitia.
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"Über Tage ein Hagel von Vorwürfen, der die Irritation des Papstes über die Kritik an Amoris Laetitia anzeigt, die nach seinem Urteil ebenfalls Frucht einer legalistischen und dekadenten Mentalität sind.

"FRANZISKUS MAG DIE SEMINARE NICHT, WEIL SIE PRIESTER FORMEN DIE RIGIDE SIND UND UNFÄHIG ZU UNTERSCHEIDEN"

Innerhalb von wenigen Tagen hat der Papst eine Serie von Vorwürfen erhoben. Hindurch scheint die Irritation, die er angesichts der Kritik an Amoris Laetitia verspürt, die seiner Meinung nach auch durch eine legalistische und dekadente Mentalität verursacht werden.

Im vierten Herbst seines Pontifikates zeigt Jorge Mario Bergoglio besondere Bersorgnis wegen der Seminare, bzw die Formung der neuen Priester.
Am 8. Dezember, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis, hat die vaticanische Kleruskongregation eine 90-seitige "Ratio fundamentalis " für die Seminare weltweit veröffentlicht, die sich in Wirklichkeit kaum von den vorhergehenden, 2005 erstellten Instruktionen unterscheidet und auch den Bann gegen die Zulassung praktizierende Homosexuelle oder jene, die tief in homosexuellen Tendenzen verwurzelt sind oder Gay-Kultur unterstützen zu den Seminaren und den Hl. Orden wiederholt.

"Die Gabe der priesterlichen Berufung"
Diese erneute Bestätigung des Banns hat den vorhersehbaren Protest derer ausgelöst, die von Papst Franziskus Offenheit im Sinne seines berühmten Mottos "Who am I to judge?" erwartet hatten. Und der Jesuit Thomas Reese, der frühere Herausgeber von "America" war derjenige, der am unnachgiebigsten nach Nicht-Diskriminierung schwuler Priester  rief, die seiner Meinung nach 20-60 % der gesamten Katholischen Klerus ausm 

"Ja es gibt viele schwule Priester"
Aber es ist schwer, sich vorzustellen, daß die Erneuerung des Bannes der Aufmerksamkeit des Papstes entgangen sein könnte, der einen seiner pflichtbewußtesten Leutnants - kein anderer als Banjamino Stella, Präfekt der Kleruskongregation hat. Und dann ist für Bergoglio Theorie eine Sache und die Praxis eine andere, was die Zahl homnosexueller Priester im Kreis seiner engsten Mitarbeiter und Vertrauten angeht.




Der Grund, warum die Seminare dem Herzen des Papstes so nahe stehen, kann eher als in der Veröffentlichung der Ratio in den Reden gefunden werden, die er kürzlich diesem Thema gewidmet hat.
Zuerst muß daran erinnert werden, was Franziskus am vergangenen 4.Oktober bei einem Treffen mit den Jesuiten sagte, die sich zur Wahl ihres neuen Ordensgeneral versammelt hatten. La Civiltà Cattolica hat am 10. Dezember die Mitschrift veröffentlicht.

"Differenzierung, die Fähigkeit zu unterscheiden, ist das Schlüsselelement. Und ich beziehe mich präzise auf den Mangel an Unterscheidungsvermögen in der Ausbildung der Priester. Wir sind gegenüber der Unterscheidung verschlossen. Eine Sache ist heute klar- in einer bestimmten Zahl von Seminaren hat sich erneut eine Starrheit etabliert, die mit der Differenzierung der Situationen nicht vereinbar ist. 

Und das ist eine gefährliche Sache, weil es zu einem Moralkonzept im kasusitischen Sinn führen kann [....]
Ich und die meiner Generation, vielleicht nicht die Jüngeren, aber meine Generation und einige der nächsten-sind in einem dekadenten Scholastizismus ausgebildet worden. Wir haben Theologie mit einem Handbuch studiert, Philosophie auch [...] 
Es war dieser dekadente Scholastitzismus, der eine kasuistische Haltung provozierte. Und seltsam: das Thema "Sakrament der Buße"wurde meistens -nicht immer- von einem Professor für sakrmentale Moraltheologie gelehrt. Das gesamte Feld der Moralität war auf "erlaubt" und "nicht erlaubt" beschränkt- also auf ja und nein. [....]

Das war eine Moraltheologie, die sehr weit von Differenzierung entfernt war [...] Ich glaube, daß Bernard Häring der erste war, der anfing nach einem Weg zur Revitalisierung der Moraltheologie suchte. Offensichtlich hat die Moraltheologie in unseren Tagen große Fortschritte in der Reflexion und der Reife gemacht, jetzt ist sie nicht mehr kasuistisch.

Wie man leicht sehen kann, ist Bergoglios Polemik gegen die Rigidität , die er immer noch in den Seminaren gelehrt sieht, eng verbunden mit dem viel wichtigeren Thema der schwerwiegenden Kontroverse, die die Kirche heut spaltet, bei der Umsetzung von Amoris Laetitia bzgl, der Schlüsselfrage Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen.

Es sollte genügen, auf die Ähnlichkeit der Terminologie zwischen dem, was der Papst in seinem Gespräch mit den Jesuiten sagte und der Nichtantwort im Telegrammstil, hinzuweisen, die er in seinem Interview vom 18. November mit Avvenire gab- auf die dubia, die von den vier Kardinälen
veröffentlicht wurden und sich auf nichts anderes beziehen als auf die postsynodale Exhortation.

"Manche verstehen es nicht, es ist entweder schwarz oder weiß - obwohl es der Fluss des Lebens ist. in dem man unterscheiden muß."
An zweiter Stelle ist Differenzierung auch ein Schlüsselwort in den am 8. Dezember für die Seminare  herausgegebenen Leitlinien.
Kardinal Stella hat das im Osservatore Romano des gleichen Tages  betont, als er in einem Interview die Ratio präsentierte.
"Differenzierung ist eine Gabe, die der Priester gegenüber sich selbst ausüben muss und sogar noch mehr auf pastoralem Gebiet, um alle die komplexen und existentiellen Situationen zu begleiten und zu interpretieren, durch die die uns anvertrauten Personen so oft gezeichnet, beschwert und verwundet sind."

Und um jeden Zweifel zu beseitigen, daß das die Hauptsorge des Papstes ist, fuhr Stella fort und zitierte eine Bemerkung, die direkt den Worten Franziskus´ an die Jesuiten entnommen war.
"Eine Sache ist klar: bei einer gewissen Zahl von Seminaristen hat sich wieder eine Rigidität etabliert, die sich nicht eng mit der Differenzierung der Situationen verbinden läßt."


Aber der Papst war noch ausdrücklicher und bissiger, als er sich in der Predigt vom 9. Dezember in der Kapelle von Santa Marta an die Seminaristen und die Leiter des Großen Seminars von Rom wandte.

Man muß hinzufügen, daß die Beziehung zwischen Franziskus, der der Bischof von Rom ist, und seinem Seminar nie eine glückliche war.

Mit Johannes Paul II und Benedikt XVI hatte sich die Tradition  etabliert, daß der Papst mindestes einmal jährlich-am  Fest der Madonna della Fiduci-  den Seminaristen eine Meditation schenkte.

Aber Bergoglio hat diese Tradition, kaum daß er gewählt war, -sofort unterbrochen und die Besuche abgesagt. Nur einmal hat er den Römischen Seminaristen eine flüchtige Begrüßung gewährt- am Ende der Bischofsweihe von Angelo de Donaldis, dem neuen Weihbischof der Diözese am 9. November 2015 in San Giovanni in Laterano .
Und er legte Wert darauf, das auf seine eigene brüske Weise zu tun, indem er den Kardinalvikar Agostino Vallini, der ihn begleitete und den Rektor und andere Obere, die ihm die Ehre erweisen wollten, vor der Tür stehen ließ.

Franziskus hat seine Aversion niemals öffentlich begründet.   Er wollte auch keine Aufmerksamkeit damit erregen, daß er die Seminaristen und die Oberen des Großen Römischen Seminars eingeladen hatte- allerdings in Abwesenheit des Kardinalvikars und der Weihbischöfe - der Messe beizuwohnen, die er am letzten 9. Dezember zu Hause in Santa Marta zelebriert hat.

Im Verlauf seiner Predigt an diesem Tag hat er alle seine Sorgen angesichts der gegenwärtigen Ausbildung des Klerus zusammengefaßt, ohne sich angesichts der Tatsache zu sorgen, daß er sie über die ausgoss, die das Pech hatten, dabei zu sein, so als ob sie die Schuldigen seien.

Hier einige dem Osservatore Romano entnommene Passagen daraus: 

"Um sich selbst wichtig zu machen, schlagen die Priester so oft den Weg der Starre ein, losgelöst von den Menschen-wissen sie nicht, was  menschliches Leid ist; sie vergessen, was sie zu Hause von ihrem Vater, Großvater, ihrer Mutter und Großmutter, ihren Geschwistern gelernt haben. Weil sie das verlieren, sind sie starr, diese Rigiden, die den Menschen so viel aufladen, was sie selbst nicht tragen."
Rigidität bedeutet "Peitsche in der Hand beim Volk Gottes, das ist nicht zulässig, das ist nicht erlaubt." und "So viele die kommen, die ein bißchen Trost und ein bißchen Verständnis suchen, werden durch diese Rigidität weggestoßen."
Aber Rigidität  kann nicht sehr lange ganz aufrecht erhalten werden. Vor allem ist sie in ihrer Essenz schizoid: man endet damit, rigide zu erscheinen, aber im Inneren wird man eine Katastrophe sein."

Und zusammen mit "Rigidität" ist da auch "Weltlichkeit". Deshalb ist ein weltlicher rigider Priester einer, der unzufrieden ist, weil er dem falschen Weg gefolgt ist."
Genau "im Hinblick auf Rigidität und Weltlichkeit" wollte Franziskus sich auf eine Episode beziehen, die vor einiger Zeit passierte: eines Tages kam ein Mann zu mir, ein älterer Monsignore der Kurie, zu mir, der arbeitet, ein normaler Mann, ein guter Mann, der Jesus liebt, und er erzählte mir, daß er zu Euroclero gegangen war, um ein paar Hemden zu kaufen und er sah einen jungen Mann, der vor einem Spiegel stand- er denkt, daß er nicht mehr als 25 Jahre alt war -entweder ein junger Priester oder kurz davor einer zu werden- und der sah sich selbst an. Und dann nahm er den Saturno , setzte ihn auf und betrachtete sich selbst, einer der rigide und weltlich ist."
Und dieser Priester - er ist weise, dieser Monsignore-sehr weise- konnte seinen Kummer mit ein bißchen gesundem Humor überwinden und fügte dann hinzu: Und sie sagen, daß die Kirche Frauen das Priestertum nicht erlaubt!"
Und so kommt es, daß sie Gebräuche, die der Priester praktiziert, wenn er zum Funktionär wird, im Lächerlichen endet. Immer."

Seltsamerweise kann man auf dem kurzen von CTV veröffentlichten Video sehen, daß keiner der Römischen Seminaristen, die bei der Messe anwesend waren, eine Soutane trug-"Frauenkleidung" die Bergoglio nicht mag.

Andererseits gibt es bei den vielen regionalen Pius XI Seminaristen viele Soutanen zu sehen, die der Papst am folgenden Tag in der Sala Clementina im Apostolischen Palast zusammen mit ihren Bischöfen empfing:
"Audienz für das regionale Päpstliche Seminar Pius XI in Apulien am 10. 12. 16"
Für diese Audienz hatten die päpstlichen Büros eine Rede geschrieben, aber Franziskus las sie nicht vor, sondern ersetzte sie durch eine seiner Stegreifreden.

Eine sehr warme Rede, ganz auf das Positive fokussiert und ohne einen Spritzer dieser Bitterkeit, die in der Predigt vor seinen Seminaristen von Rom durchschien und gekrönt von einem fröhlich-feierlichen Gruppenfoto mit den Seminaristen, die sich alle um den Papst drängen.
Hier ist die Mitschrift.

Es bleibt ein Geheimnis, warum es diese zweifache Behandlung gab, negativ mit den Seminaristen von Rom und positiv mit denen aus Apulien.


Als eine Erklärung bleibt die dramatisch niedrige Zahl an Priesterberufungen, an der die Diözese Buenos Aires während der 15 Jahre, in denen Bergoglio ihr Bischof war, litt.

Quelle: www.chiesa, Sandro Magister











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