Freitag, 6. Januar 2017

Kann Kardinal Müller zwischen dem Papst und den dubia-Kardinälen vermitteln?

Pater Mark Drew kommentiert für den Catholic Herald die Bemühungen Kardinal Müllers die Wogen zwischen dem Pontifex und den vier Kardinälen und ihren Unterstützern zu glätten.
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                       "KARDINAL MÜLLERS BALANCEAKT" 

"DER DOKTRIN-CHEF DES VATICANS MAG EIN HARTER ARBEITGEBER SEIN, ABER ER HAT DEN INSTINKT FÜR GEMEINSAMKEITEN. KANN ER DIE TEILUNG DER KIRCHE HEILEN?"

Während des letzten Jahres wurde die Aussicht, daß Papst Franziskus die Kirche auf eine ganz andere Flugbahn führen würde, als seine Vorgänger von einigen als neue Morgenröte bejubelt, während andere das entweder als unmöglich zurückwiesen oder als Betrug bezeichnet.
Amoris Laetitia schien eine seismische Verschiebung zu bestätigen und das Leugnen wurde durch oppositionelle Rührigkeit ersetzt. Die Polarisation in einer bereits geteilten Kirche hat sogar öffentlich das Kardinalskollegium erreicht.
                    
                             Cardinal Müller: pulls no punches (AP) 

In den vergangenen Wochen jedoch hat Kardinal G.Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, ein Buch veröffentlicht, indem er darauf besteht, daß es keinen unversöhnlichen Gegensatz zwischen dem aktuellen Papst und seinem Vorgänger  gibt.
"Benedikt und Franziskus: Nachfolger Petri im Dienst der Kirche"  hat die Form von 4 Essays über innere Themen und äußere Herausforderungen, die den heutigen Katholizismus herausfordern. 
Ein distinguierter Theologe- sogar schon bevor Papst Benedikt ihn 2012 auswählte, das frühere Sant´ Uffizio zu leiten. Müller ist in einer einzigartigen Position, um zu beurteilen, was auf  dem Spiel steht und um das Ergebnis zu beeinflussen. Bevor wir seine Überzeugungen untersuchen, lohnt ein kurzer Blick auf Mann und Karriere  

Müller, seit dem 31. Dezember 69 Jahre alt, wurde in eine Arbeiterfamilie in einem Vorort von Mainz im Rheinland geboren. Er besuchte die örtliche Schulen und dann als Seminarist die Universitäten von München und Freiburg, er erwarb seinen Doktorgrad unter Karl Lehmann, der später Kardinal und Führer der Deutschen Kirche wurde. Im darauffolgenden Jahr wurde Müller von seiner Heimatdiözese zum Priester ordiniert.

Nachdem er in mehreren Pfarrgemeinden als Vikar gearbeitet und in Schulen unterrichtet hatte, wurde er 1985 zum Professor ernannt. Im folgenden Jahr wurde er auf den Lehrstuhl für dogmatische Theologie an der Katholischen Ludwig Maximilian Universität berufen.
Müller geriet in Kardinal Joseph Ratzingers Dunstkreis, weil er 1998 Mitglied der Internationalen Theologen-Kommission wurde. Die beiden wurden Kollegen und auch Freunde.

Ratzinger war dabei als Müller 2002 zum Bischof von Regensburg geweiht wurde und es hat vielleicht eine Bedeutung, daß der neue Bischof als seinen Wahlspruch Worte Dominus Iesus wählte, den Titel des Meilenstein-Dokuments das durch Ratzingers Glaubenskongregation zwei Jahre zuvor formuliert worden war.
Nachdem er zum Papst gewählt worden war. wählte Ratzinger Müller dazu aus, seine Oper Omnia zu betreuen und zu veröffentlichen und 2008 wurde das Papst Benedikt XVI-Institut zu diesem Zweck in Regensburg gegründet.

Es war deshalb natürlich für Benedikt XVI Müller als Präfekten der Kongregation, die er selbst so lange geleitet hatte, als der bescheidene Amerikaner Kardinal William Levada im Juli 2012 von seinem Posten zurücktrat. Einige haben spekuliert, daß der Pontifex seinen Rücktritt schon im Sinn hatte, als er dieser ausgesprochen starken Landmanns für diese entscheidende Position auswählte
Auf alle Fälle wurde Müller innerhalb einiger Monate vom neuen Papst in seiner Stellung bestätigt und dann bei Franziskus´ erstem Konsistorium vom Februar 2014 in den Kardinalsrang erhoben.




Einige haben behauptet, daß die Beziehung zwischen den beiden Männern schwierig ist. Es ist nicht schwer, sich das vorzustellen, weil Müller sich nicht zurückhält.
Sein neues Buch enthält eine sehr ratzingerianische Attacke auf den Säkularismus und die ihn begleitende "Diktatur des Relativismus", Themen bei denen Franziskus- zumindest öffentlich- vorzieht, eine konfrontative Sprache zu vermeiden. 
Müller ist für eine gewisse Charakterschroffheit bekannt: er scheint bei seinen Studenten nicht die selbe Zuneigung hervorgerufen zu haben, wie der schüchterne und höfliche Ratzinger sie inspirierte.

Franziskus ist bei seinen Mitarbeitern auch als strenger Arbeitgeber bekannt.
In dieser Woche sind Berichte bekannt geworden, daß der Papst persönlich die Entlassung dreier Mitarbeiter von Müller angeordnet hat. Der Kardinal hat offensichtlich dagegen protestiert, die drei gehörten zu seinen besten Mitarbeitern und sollten die Gelegenheit bekommen, sich selbst zu verteidigen, aber Franziskus - der anscheinend Berichte darüber hörte, daß sie seinem Regieren gegenüber kritisch waren- weigerte sich, die Anordnung zurück zu nehmen oder auch nur zu erklären.

Im vergangenen Jahr gab es Gerüchte, daß Müller als Erzbischof in seine Geburtststadt Mainz geschickt und durch den Wiener Kardinal Schönborn ersetzt würde, von dem man dachte, er wäre gegenüber den kontroverseren Aspekte von Franziskus´ Barmherzigkeits-Agenda ansprechbarer.
Aber das passierte nicht. Einige mutmaßten, daß der Pontifex Müller in seiner Stellung belassen, ihn aber dadurch neutralisiert hat, indem er seine Kongregation aus größeren Entscheidungen fernhielt und deren Beitrag zu wichtigen Texten auf ein Minimum beschränkte."

Es ist wahr, daß unter Müllers Leitung nur wenige größere Dokumente aus der Glaubenskongregation herausgegeben wurden. Dann wiederum ist das Gleiche auch wahr für die sieben Jahre als Levada unter Benedikt Präfekt war,

Wichtiger ist vielleicht, daß Müller bei den zentralen Texten dieses Pontifikates eine kleine Rolle gespielt.
Franziskus hat für die Präsentation Schönborn Müller vorgezogen, während sein bevorzugter Ghostwriter der unkonventionelle argentinische Theologe und Erzbischof Victor Emanuel Fernández ist. Von der Glaubenskongregation vorgeschlagene Änderungen an päpstlichen Dokumenten sind auf breiter Basis ignoriert worden.

In der Kontroverse, die Amoris Laetitia umgibt, war Müllers Rolle beschränkt. In Interviews hat er betont. daß er gewillt sein. mit einer Klarstellung des Disputes einzuschreiten, daß der Papst ihn aber nicht eingeladen habe, das zu tun. Die Resolution zu den unklaren Punkten der Lehre ist Teil eines Erlasses seines Dikasteriums, aber die berühmten dubia sind dem Papst persönlich übermittelt worden, deshalb kann Müller nicht intervenieren - bis ihn der Papst dazu auffordert. Diese Einladung ist nicht gekommen.

Das ist umso rätselhafter, als Müller eine kritische Rolle dabei gespielt haben soll, uns bis an diesen Punkt zu bringen. In den bissigen Diskussionen der erbitterten Synode von 2015 war die Deutsche Sprachgruppe in der Lage, eine Kompromissformel zu erreichen, die die Disziplin der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen unverändert ließ, während sie Ausnahmen unter der streng eingeschränkten Bedingung einer fehlenden Schuld zuließ. Diese Formel war offensichtlich für die Abfassung des finalen Textes von "Amoris Laetitia" selbst entscheidend.

Wenn Müllers Rolle bei der Synodendiskussion so entscheidend war, wie viele behaupten, wäre er wohl gut in der Lage, zu erklären, welche Umstände die Gruppe im Sinn hatte, und wie sich sein Vorschlag von der "forum internum"-Lösung unterscheidet, die von Johannes Pauls II Familiaris Consortio zurückgewiesen wurde. Warum dann also die Zurückhaltung, ihm zu erlauben, einzugreifen? 
Er sieht diese Tendenz sowohl bei den "Progressiven" als auch bei den "Konservativen" in der Kirche am Werk. Die Tendenz das II. Vaticanum (und durch Ausweitung das Pontifikat von Franziskus) eher als Bruch als eine Instanz der Reform der Kontinuität  zu sehen, ist ironischerweise beiden Seiten gemein. Es ist ein Irrtum, das wie er kühn behauptet, zur Häresie führen kann.

Ein Beispiel für die Weigerung Müllers, diesen Gedanken in die Kategorie rechts oder links zu pressen, das die Medien so lieben, ist seine Haltung zur Befreiungstheologie, Die berühmte, 1984 herausgegebene Instruktion war keine pauschale Verdammung sondern eine Zurückweisung "gewisser Aspekte" der südamerikanischen, theologischen Bewegung.

Müller behauptet, daß diese Aspekte jetzt korrigiert worden sind, indem sie das zugrunde liegende marxistische Konzept durch ein wirklich christliches Konzept des Menschen und seines Schicksals ersetzt worden ist. Er legt eine vollkommen orthodoxe Befreiungstheologie und das Engagement für soziale Gerechtigkeit als notwendigen Bestandteil des katholischen Zeugnisses vor.
Bei diesen Punkten, sagt Müller, ist Franziskus in perfekter Harmonie mit einen Vorgängern. Es ist eine Harmonie. die auf der Zentralität Christi in ihrem Denken beruht. Päpste haben verschiedene Stile und Vorlieben, sagt er. Benedikt ist ein Mann theologischer Ideen und Franziskus ist ein Mann ethischen Handelns. Christus über die Ideologie zu stellen, ermöglicht es uns, die tiefe Einheit hinter ihrer verschiedenen Ausübung des Petrinischen Amtes zu sehen.

Kann Müllers theologische Einsicht den Bemühungen die geteilte Kirche zu heilen, eine intellektuell belastbare Basis geben? Eine Weise, wie er das tun könnte, wenn der Papst ihm nicht erlaubt, an der Antwort auf die dubia zu arbeiten, wäre für ihn bekannt werden zu lassen, was genau er im Sinn hatte, als er bei der Synode den Bericht der deutschen Gruppe unterschrieb. Oder er könnte versuchen, hinter den Kulissen zwischen dem  Papst und den unzufriedenen Kardinälen zu vermitteln.
Nach Angaben des "Spiegels" habe Franziskus sich laut gewundert, ob er wohl als der Papst in die Geschichte eingehen werde, der die Kirche gespalten hat. Indem er Kardinal Müller zu erlauben, seine Gaben kreativ einzusetzen, könnte dabei helfen, eine angespannte Situation zu entschärfen."

Quelle: Pater Drew, Catholic Herald

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