Dienstag, 21. Februar 2017

Kardinal Müller: "Kein Papst kann über die Sakramente verfügen"

Marco Tosatti kommentiert bei La Nuova Bussola Quotidiana das neue Buch von Kardinal Müller zum Thema Päpste und ihre Mission.
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           "KEIN PAPST KANN ÜBER DIE SAKRAMENTE VERFÜGEN"

"Gestern, am 20. Februar ist in Deutschland das vom Herder-Verlag herausgebrachte neue Buch des Präfekten der Glaubenskongregation, Kard. Gerhard Müller mit dem Titel "Der Papst-Sendung und Auftrag" erschienen. Auf mehr als 600 Seiten bietet der Purpurträger eine genaue Untersuchung der Rolle des Pontifex seit den ersten Tagen der Christlichen Ära an. Die Ursprünge, die Entwicklung seit der Zeit der Apostel, seine Mission, die Beziehung zum Katholischen Episkopat, seine lehramtliche Autorität, die Unfehlbarkeit und andere Aspekte.

Ein großer Teil des Werkes ist einem biographischen Exkurs des Kardinals selbst gewidmet, besonders seiner Beziehung zu den 7 Päpsten, deren Regierung er bis heute erlebt hat. In diesem Kapitel ist dem aktuellen Pontifikat ein Kapitel von 5 Seiten gewidmet (S, 100-105) , nicht erschöpfend, nicht so sorgfältig, wie zuvor die beiden päpstlichen Dokumente "Evangelii Gaudium" und "Laudato Si´" behandelt werden.
Das Vorwort des Werkes trägt das Datum vom 22. Februar 2016,aber Maike Hickson von OnePeterFive behauptet, nachdem sie mit Dr. Stephan Weber vom Herder-Verlag gesprochen hat, daß der Text Ende des Sommers, Anfang des Herbstes des vergangenen Jahres fertig war. Also als die Debatte über die sich widersprechenden Interpretationen von Amoris Laetitia (am 18. April veröffentlicht) bereits in vollem Gange war.
Müller führt seinen Beitrag bei der Bischofssynode an, die in zwei aufeinanderfolgenden Sitzungsperioden der Synode Probleme der Familie behandelt hatte. Es scheint klar zu sein, daß an diese Themen zu erinnern, in diesen Tagen eine verstörende Aktualität bekommen hat.

Der Kardinal erinnert daran, daß die Ehe "kein rein menschliches Ideal ist" sondern "eine unzerstörbare von Gott geschaffene Realität". Das eheliche Band ist- nach dem Präfekten- dem Band gleich, das zwischen Christus und seiner Kirche besteht. Er zählt die Wohltaten der Ehe -nach dem Hl. Augustinus auf (bonum fidei, bonum prolis, bonum sacramentum) und bekräftigt. daß der vollendete Sinn der Ehe die "Heiligung der Ehegatten auf ihrem gemeinsamen Weg bis zum ewigen Leben mit Gott ist".
Die Ehe, erklärt Müller, kommt kraft einer Weihe ins Sein, die sicher stellt, daß sie sich an der neuen Schöpfung, am Reich Gottes beteiligt. Das zeigt, warum die Ehe etwas anderes ist als eine einfache Segnung von Personen. Die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe und ihre anderen Wohltaten sind essentiell und wohnen dieser Weihe inne.

Nach dieser Prämisse erinnert der Kardinal daran, daß auch die höchsten Kirchenautoritäten "nicht in die Substanz eines Sakramentes eingreifen kann."
Die Kirche hat es vorgezogen und zieht es bis heute vor, sich eher ernsten Schwierigkeiten entgegen zu  stellen, als auch nur eine einzige gültige sakramentale Ehe aufzulösen, sei es im Fall eines Streites mit den Mächtigen oder mit der vorherrschenden öffentlichen Meinung (z.B. das Schisma zwischen der englischen Katholischen Kirche und Rom zur Zeit Heinrichs VIII).
Die Kirche- erinnert der Purpurträger- muß Gott mehr als den Menschen gehorchen und kann die Wahrheit oder das Evangelium nicht opfern. daß die natürliche Vernunft übersteigt oder rein menschliche Berechnungen.





Der Glaubenspräfekt spricht dann von der menschlichen Schwäche, die auch nach der Taufe bestehen bleibt und besonders in der Lust, die nicht als Ausrede dafür benutzt werden kann, die Göttlichen Gebote und die Verpflichtung zu relativieren, ein christliches Leben auf Basis der Sakramente zu leben.
Das ist eine irreversible katholische Doktrin: der Mensch- durch Christus gerechtfertigt- kann mit Hilfe der Gnade-die 10 Gebote und die ethischen Anforderungen der Sakramente erfüllen.

Wie alle Christen müssen verheiratete Personen ein Leben im Licht des Kreuzes leben, alle treu ihr persönliches Kreuz tragen " von dem keiner befreit ist, angesichts der vielen Herausforderungen unseres sterblichen Lebens". Mit einem direkten Hinweis auf Amoris Laetitia stellt Müller fest: "die Barmherzigkeit Gottes kann nicht als Ignorieren der Sünde interpretiert werden oder- und das besonders- als eine Erlaubnis zu einer zweiten Bindung ehelicher Art, wenn nach menschlichem Standard das Eheleben unerträglich und lästig geworden ist."

Wir erleben in diesen Wochen die kontrastierenden Interpretationen von Amoris Laetitia, von denen einige den Weg für die Sakramente für Personen öffnen, deren erste sakramentale Bindung noch gültig ist.  Und vielleicht hat der Präfekt auch im Licht dieser Situation geschrieben: "Die Kirche muß dem Wort Gottes in der Schrift und in der Tradition und in der Interpretation des verbindlichen Lehramtes treu bleiben- andernfalls macht sie sich im Hinblick auf die Rettung der Seelen schuldig.
In Christus- dem Meister der Wahrheit und dem Guten Hirten- sind die Lehre und das Leben seiner Kirche untrennbar verbunden."

Und er fügt hinzu: "Wenn die Kirche das Versöhnungssakrament und die Eucharistie nur deshalb spenden sollte, um nicht das Gefühl der Inklusion zu stören, ohne auf die objektiven und unüberwindbaren Hindernisse für den Empfang der Sakramente  hinzuweisen, würde sie den Menschen das falsche Gefühl einer im Wesentlichen sicheren Rettung geben. .. das Versöhnungssakrament ist nicht dazu da, um Personen aus ihrem Bewußtsein der Sünde zu führen sondern eher um in ihnen Reue und den Entschluss, das eigene Leben zu ändern zu bewirken, sodaß in der Absolution die Sünde wirklich getilgt wird.

Was das Lehramt angeht, erinnert er in einem anderen Punkt daran, daß auch der Papst sich irren kann, z.B. wenn er versäumt den Glauben zu lehren. Ein Papst kann nicht die "inhärenten Kriterien für die Zulassung zu den Sakramenten verändern" und "die sakramentale Absolution erteilen und die Hl. Kommunion für einen Katholiken zulassen, der ohne Reue im Stand der Todsünde ist oder ohne den festen Vorsatz ab jetzt diese Sünde zu meiden - ohne selbst in Beziehung zur Wahrheit und der Rettung jener Gläubigen, die so in die Irre geführt werden- zu sündigen."

Müller erinnert sich an Pius XII als an den Papst seiner Jugend. Die Familie des Kardinals, zutiefst katholisch und gegen Hitler hat ihre vier Kinder (zwei Jungen und zwei Mädchen) sanft zur Religion erzogen. Müller hat Worte der Dankbarkeit für die Priester, die ihn von Kindheit an geformt haben und für den Bischof seiner Stadt Mainz. Seit damals wurde er gelehrt zwischen der Figur und der Rolle des Papstes, des Hl. Petrus und seiner Nachfolger und dem Papst als Person zu unterscheiden, der Irrtümer begehen und Schwächen haben kann. Während des Pontifikates von Johannes XXIII las er zum ersten mal Henri de Lubac, SJ, der ihm half "meinen Weg aus der destruktiven Opposition zwischen Integralismus und Modernismus zu finden", der die " destruktiven und sterilen ideologischen Bemühungen" definierte, analog zu einer gnostischen Selbsterlösung.
Ein besonderes Kapitel ist der Rolle gewidmet, die Kardinal Karl Lehmann an seiner Formung hatte, der während 13 Jahren sein Dozent war und Betreuer seiner Habilitationsarbeit.

Die theologische Beziehung Müllers zu dem Befreiungstheologen Gustavo Gutierrez wird beschrieben. Es selbst zählt dann die Personen auf, die dazu beigetragen haben, sein Denken zu formen: Erich Przywara (1889-1972); Gustav Siewerth (1903- 1963); Karl Rahner (1904-1994); Hans Urs von Balthasar (1905-1988); Jean Daniélou (1905-1974); Henri de Lubac (1896-1995) und Louis Boyer (1913-2004).
Während des Pontifikates von Benedikt XVI hat Müller mit dem Papa emeritus zusammen gearbeitet, um die Opera Omnia Ratzingers zu sammeln und herauszugeben, den er als "einen der größten Theologen auf der Cathedra Petri" beschreibt.

  

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