Freitag, 3. Februar 2017

Sandro Magister über die widersprüchlichen Rezepte von Ratzinger und Bergoglio


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"ÜBER DIE MEDIZIN FÜR SÜNDER DIE SICH WIDERSPRECHENDEN VERORDNUNGEN VON RATZINGER UND BERGOGLIO"

                                                       duepapi


"Angesichts der Instruktionen der Bischöfe der Region Buenos Aires-approbiert durch ein Schreiben von Papst Franziskus- der Bischöfe von Malta und zuletzt der Deutschen Bischofskonferenz, ist offensichtlich, daß von nun an der Satz als Hauptargument der Erneuerer zur Rechtfertigung der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen dienen soll, auf den in Amoris Laetitia hingewiesen wird, der Evangelii Gaudium entnommen ist, dem regierungsprogrammähnlichen Dokument des aktuellen Pontifikates:
"Die Eucharistie ist kein Preis für die Perfekten sondern eine machtvolle Medizin und Nahrung für die Schwachen."

Das ist ein Statement, das - einschließlich in den Predigten Jorge Mario  Bergoglios- häufig mit den Mahlzeiten Jesu mit Sündern assoziiert wird.

Das ist aber auch eine Feststellung, die in ihrem Kern von Benedikt XVI bloßgelegt und kritisiert worden ist.

Es genügt die Texte des einen und des anderen Papstes zu vergleichen, um festzustellen wie sehr sie einander widersprechen.

Bei Papst Franziskus wird die Gleichsetzung zwischen Eucharistie und Jesu Mahlzeiten mit Sündern in ansprechender Form und unter kalkulierter Benutzung unterstützender Fußnoten gefordert.
In "Amoris Laetitia" findet sich die Schlüsselpassage in § 305:

"Wegen bestimmter Voraussetzungen und mildernder Umstände ist es in einer objektiven Situation der Sünde für eine Person, die subjektiv nicht schuldig ist oder nicht ganz schuldig ist- möglich ist, in Gottes Gnade zu leben, lieben und auch in dem Leben der Gnade und Barmherzigkeit leben zu können und dazu die Hilfe der Kirche zu empfangen."

Dazu gehört die Fußnote 351:
"In bestimmten Fällen kann das die Hilfe der Sakramente einschließen. Daher also das "ich möchte die Priester daran erinnern, daß der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf sondern eher ein Begegnungsort mit der Gnade Gottes (apost. Exhortation Evangelii Gaudium [24. Nov. 2013] 44...)
Ich möchte auch darauf hinweisen, daß die Eucharistie "kein Preis für die Perfekten sondern eine machtvolle Medizin für die Schwachen ist" (ibid, 47, 1039)




Geht man zu Evangelii Gaudium zurück hier was § 47 sagt: 
"Jeder kann auf irgendeine Weise am Leben der Kirche teilnehmen, jeder kann Teil der Gemeinde sein und für niemanden sollten die Türen zu den Sakramenten  geschlossen bleiben- aus so gut wie keinem Grund [...] Die Eucharistie- obwohl sie die Fülle des sakramentalen Lebens ist, ist kein Preis für die Perfekten sondern eine machtvolle Medizin  und Nahrung für die Schwachen."

Auch hier gibt es einen Bezug zu einer Fußnote, zu Nr.51

"Cf.Saint Ambrose, De Sacramentis, IV,6, 28: PL 16, 464 : "Ich muß es immer empfangen. so daß es mir immer die Sünden vergeben kann. Wenn ich fortwährend sündige, muß ich fortwährend das Heilmittel bekommen".
"Jene die Manna aßen, starben; jene die seinen Körper essen, werden die Vergebung ihrer Sündern erlangen" .
Der Hl. Cyril von Alexandria in Joh. Evang. IV,2, S. 73 "Ich habe mich selber geprüft  und fand mich unwürdig. Denen, die so sprechen sage ich: wann wirst du würdig sein? Wenn du zuletzt vor Christus stehst? Und wenn deine Sünden dich hindern, dich ihm zu nähern , wirst du nie aufhören zu fallen-weil, so wie der Psalm sagt welcher Mann kennt seine Fehler? willst du für immer ohne die Heiligung bleiben, die das ewige leben gibt ?"
Bei Joseph Ratzinger als Theologen und Papst dagegen, finden wir uns einer geradliniegen Argumentation gegenüber, die darauf hinzielt, die Unhaltbarkeit des Vergleichs zwischen der Eucharistie und Jesu Mahlzeiten mit den Sündern zu beweisen, und den Resultaten, die daraus folgen.

Hier folgt, wie er seine Argumentation auf den Seiten 422-424 in Band XI seiner Opera Omnia "Theologie der Liturgie" entwickelt, der 2008 vom Präfekten der Glaubenskongregation Kardinal Müller herausgegeben und veröffentlicht wurde:

"Der Gedanke nach dem die apostolische Eucharistie mit den täglichen gemeinsamen Mahlzeiten  der Gemeinschaft Jesu mit seinen Jüngern [...] in Verbindung steht, wird weiter radikalisiert in dem Sinn, daß die Eucharistie mehr oder weniger ausschließlich in den Mahlzeiten Jesu mit Sündern entstanden ist.

Bei solchen Standpunkten wird Jesu Absicht für die Eucharistie mit einer Ridigität der Lutherischen Rechtfertigungslehre in Übereinstimmung gebracht, als Lehre der dem Sünder garantierten Gnade. Am Ende werden die Mahlzeiten mit Sündern als einziges sicheres Element der Tradition des historischen Jesus zugelassen, das Resultat ist eine Reduzierung der gesamten Christologie und Theologie auf diesen Punkt."

"Was aber daraus folgt, ist eine Idee von Eucharistie, die nicht länger irgendetwas mit der Tradition der Urkirche gemein hat. Während Paulus berichtet, daß die Eucharistie in´m Stand der Sünde zu empfangen, bedeutet "die eigene Verdammung zu essen und zu trinken" (1 Kor. 11: 29) und die Eucharistie durch ein Anathema schützt (1 Kor.16:22), sieht es hier so aus, als könnte die Essenz der Eucharistie allen ohne jeden Unterschied oder vorausgehende Bedingung ausgeteilt werden.  Sie wird als Zeichen der bedingungslosen Gnade Gottes interpretiert, die sogar Sündern und de facto auch Ungläubigen gespendet wird. eine Position, die in jedem Fall sehr wenig mit der Konzeption Luthers von der Eucharistie gemeinsam hat.

Der Konflikt mit der gesamten neutestamentlichen Tradition der Eucharistie für die dieser radikalisierte Idee den Ausgangspunkt zurückweist: die  Christliche Eucharistie wurde nicht als auf Basis der Mahlzeiten Jesu mit den Sündern beruhend verstanden [....]
Ein Beweisstück gegen die Abstammung der Eucharistie von den Mählern mi Sündern ist ihr geschlossener Charakter, der in sich dem Pessach-Ritual folgt: genau wie das Pessach-Mahl in der streng umschriebenen häuslichen Gemeinschaft gefeiert wurde. so gab es auch ganz von Anfang an für die Eucharistie  Zugangsbedingungen, die gut etabliert waren. Sie wurde von Anfang an in der häuslichen Gemeinschaft Jesu Christi sozusagen gefeiert und baute so die Kirche auf.

Es ist offensichtlich, daß Ratzingers Argumentation das Verbot der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen und nicht nur für sie stützt: ein Verbot, das in  seinem Lehramt als Papst klaren Ausdruck fand, wie zuvor im Lehramt seiner Vorgänger.

Wie es auch nicht überrascht, daß die blumenreichen Äußerungen von Papst Franziskus Interpretationen zugunsten der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen unterstützen: Interpretationen die er selbst nicht nur erlaubt sondern denen er ausdrücklich zugestimmt hat.
Das ist der Konflikt.
Und nach Ratzingers Argumenten zu urteilen ist er nicht nur ein praktisch pastoraler sondern rührt an die Grundpfeiler des Christlichen Glaubens."

Quelle: Settimo Cielo, S. Magister

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