Mittwoch, 22. Februar 2017

Was in Antiochia geschah. Roberto de Mattei fordert die öffentliche Korrektur des Papstes.

Roberto de Mattei rechtfertigt die "öffentliche Korrektur" des Papstes, den die vier Kardinäle angekündigt haben,  anhand des historischen Beispiels des Briefes an die Galater.
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                               "DER VORFALL VON ANTIOCHIA"

                                                           

       "WENN DIE ÖFFENLTICHE KORREKTUR DRINGEND NOTWENDIG IST"

Darf man einen Papst öffentlich für sein verwerfliches Tun korrigieren?  Oder muß die Haltung eines Gläubigen die des bedingungslosen Gehorsams sein, bis zu dem Punkt, welches Wort oder welche Geste auch immer zu rechtfertigen, selbst wenn die offen skandalös sind?
Einigen Bestimmten zufolge, wie dem Vaticanista  Andrea Tornielli, darf man den Papst von Angesicht zu Angesicht sein Mißfallen ausdrücken, aber nicht öffentlich. Diese These enthält trotz allem ein wichtiges Eingeständnis.
Der Papst ist nicht unfehlbar. außer wenn er ex cathedra spricht.  Wenn nicht, wäre Dissens nicht erlaub , selbst nicht im Privaten, der einzige Weg wäre dann das Schweigen.

Im Gegenteil, der Papst, der nicht Christus ist, sondern lediglich sein Repräsentant auf Erden, kann sündigen und sich irren. Aber ist es wahr, daß er nur im Privaten und niemals öffentlich korrigiert werden darf?
Um darauf zu antworten, ist es wichtig, sich an das historische Beispiel zu erinnern, das uns die Goldregel für unser Verhalten gibt, -bekannt unter dem Namen "Vorfall von Antiochia"
Der Heilige Paulus erinnert mit diesen Worten im Brief an die Galater daran, der wahrscheinlich zwischen den Jahren 54 und 57 geschrieben wurde.

"[....] ...daß ich mit dem Evangelium für die Unbeschnittenen betraut bin, wie Petrus mit dem für die Beschnittenen. Denn der, der Petrus zum Aposteldienst unter den Beschnittenen befähigt hat, hat auch mich zum Aposteldienst unter den Heiden befähigt. Und als sie die mir zuteil gewordene Gnade erkannten, gaben Jakobus, Kephas und Johannes, die als Säulen gelten, mir und Barnabas die Hand zum Zeichen der Gemeinschaft. Wir sollten zu den Heiden, sie zu den Beschnittenen gehen.
Sie haben uns nur darum gebeten, uns an die Armen zu erinnern, was zu tun, ich mich auch sorgfältig bemüht habe."

                                     "Der Zwischenfall von Antiochia"   

"Als aber Kephas nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, weil er im Unrecht war.
Bevor nämlich einige Leute von Jakobus kamen, hielt er Tischgemeinschaft mit den Heiden. Als sie aber erschienen, zog er sich zurück und sonderte sich ab aus Furcht vor den Beschnittenen. An seiner Heuchelei beteiligten sich auch alle übrigen Juden, sodaß sich sogar Barnabas durch ihr heuchlerisches  Verhalten mitreißen ließ.
Aber als ich sah, daß sie von der Wahrheit des Evangeliums abwichen, sagte ich in Gegenwart aller zu Petrus : Wenn du als Jude heidnisch und nicht jüdisch lebst, wie kannst du da die Heiden zwingen, wie Juden zu leben? " (Gal. 2, 7-14)




Petrus, ängstlich die Gefühle der Juden zu verletzen, bezog durch sein Verhalten die Position der Judenchristen, die glaubten, daß man allen zum Christentum Bekehrten nach dem mosaischen Gesetz die Beschneidung auferlegen müsse.
Der Hl.Paulus sagt, daß der Hl. Petrus klar Unrecht habe und widersetzte sich ihm aus diesem Grund offen. das heißt öffentlich, damit Petrus für die Kirche, über die er die oberste Autorität hatte, nicht zum Skandal werde. Petrus akzeptierte die Korrektur durch Paulus und erkannte demütig seinen Irrtum an.


Der Hl. Thomas von Aquin erwähnt diese Episode in vielen seiner Werke. Vor allem bemerkt er, daß der Apostel sich Petrus in der Ausübung der Autorität entgegenstellt , nicht der Autorität des Amtes. Paulus anerkannte in Petrus das Oberhaupt der Kirche, hielt es aber für legitim. ihm zu widerstehen, angesichts der Schwere der Probleme. die das Heil der Seelen betrafen. Er stellt fest, daß  "Die Art der Ermahnung richtig war, weil sie öffentlich und sichtbar war" 
Diese Episode -bemerkt der Doktor Angelicus noch- enthält Lehren sowohl für die Prälaten als auch ihre Untergebenen:
"Für die Prälaten wurde ein Beispiel für Demut gegeben, damit sie sich nicht weigern, Warnungen ihrer Untergebenen und Gläubigen anzunehmen- und für die Untergebenen ein Beispiel für Eifer und Freiheit, damit sie keine Angst davor haben, ihre Prälaten zu korrigieren, wenn der Fehler öffentlich war - bevor er eine Gefahr für viele wird."
In Antiochia, zeigte Petrus eine tiefe Demut, der Hl. Paulus eine glühende Barmherzigkeit. Der Völker-Apostel zeigt sich nicht nur als gerecht sondern auch barmherzig, Unter den Werken der Barmherzigkeit ist auch die Ermahnung der Sünder, die von den Moralisten "brüderliche Korrektur" genannt wird. Sie ist privat, wenn die Sünde privat ist und öffentlich, wenn die Sünde öffentlich ist.

"Wenn dein Bruder eine Sünde gegen dich begangen hat, wirf es ihm allein vor. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder gewonnen.  Wenn er dir nicht zuhört, nimm eine oder zwei Personen mit dir, damit die Sache geregelt wird -nach dem Wort von zwei oder drei Zeugen.  Wenn er sich weigert, ihnen zuzuhören, sag es in der Kirchengemeinde: wenn er sich dann weigert der Kirche zuzuhören, betrachte ihn als Heiden und Zöllner. Amen, ich sage euch: alles, was ihr auf der Erde gebunden habt ist auch im Himmel gebunden und alles was ihr gelöst habt, bleibt auch im Himmel gelöst." (Matth. 18, 15-18)
Man kann sich vorstellen, daß nachdem er versucht hat den Hl. Petrus im Privaten zu überzeugen. Paulus hat nicht gezögert hat, - sagt der Hl. Thomas- ihn öffentlich zu ermahnen, aber weil der Hl. Petrus vor aller Welt gesündigt hatte, mußte er vor aller Welt ermahnt werden.

Die brüderliche Korrektur -nach der Lehre der Theologen- ist keine optionale Vorschrift sondern eine obligatorische, besonders für die, die in der Kirche Verantwortung tragen, weil sie aus dem Naturrecht und aus dem positiven Göttlichen Recht kommt. Die Ermahnung kann sogar gegenüber einem Vorgesetzten durch Untergebene geschehen und auch von Laien gegenüber dem Klerus.
Auf die Frage ob man einen Vorgesetzten ermahnen dürfe, antwortet der Hl. Thomas im Kommentar zu den Sentenzen davon Pierre Lombard positiv  und bemerkt, daß man immer mit großem Respekt handeln muß. In der Konsequenz "sollen Prälaten nicht vor aller Welt korrigiert werden, sondern demütig im Privaten- es sei denn, daß ihre Verantwortung zu einer Gefahr für den Glauben wird; wenn er in den Unglauben rutschte, würde er in die Rolle des Untergebenen und der Untergebene in die Rolle der Vorgesetzten geraten."
In der Summa Theologiae drückt sich der Doktor Angelicus mit den selben Worten aus: [....] daß im Fall der immanenten Gefahr für den Glauben, die Prälaten auch ermahnt werden müssen-auch öffentlich- durch ihre Untergebenen.  Und so hat der Hl. Paulus, der dem Hl. Petrus unterstellt war, ihn öffentlich ermahnt, wegen einer immanente Gefahr des Skandals in Glaubensdingen. Und wie der Kommentar des Hl. Augustinus sagt: der selbe Hl. Petrus hat den Regierenden ein Beispiel gegeben, damit sie-wenn sie vom geraden Weg abweichen-nicht die Ermahnung und Korrektur zurückweisen.
"daß die Oberen ermahnt werden können, mit Demut und Barmherzigkeit durch ihre Untergebenen, damit die Wahrheit verteidigt wird, das erklärt sich auf der Basis dieser Passagen (Gal.2,11) des Hl. Augustins (Ep. 19) Hl. Cypriens, des Hl. Gregors, des Hl Thomas und anderer. 
Sie lehren ganz klar, daß der Hl. Petrus - auch wenn er der Obere war- durch den Hl. Paulus ermahnt wurde.[....] Aus diesen Gründen sagt der Hl. Gregor "Petrus hat geschwiegen, obwohl er der Erste in der apostolischen Hierarchie war, und auch der Erste in der Demut."  
Und der Hl. Augustin sagt "indem er lehrte, daß die Oberen sich nicht weigern sollen, sich ermahnen zu lassen, hat der Hl. Petrus der Nachwelt ein außerordentliches und heiliges Beispiel gegeben, mehr als der Hl. Paulus, der die Verteidigung der Wahrheit und der Barmherzigkeit auch gegenüber den Kleinsten lehrte, und den Mut zu haben, ohne Angst den Größten zu widerstehen."
Die brüderliche Korrektur ist ein Akt der Barmherzigkeit. Zu den schwersten Sünden gegen die Barmherzigkeit gehört das Schisma, das eine Trennung von der Autorität der Kirche oder ihrer Gesetze, Sitten und Traditionen ist. Selbst ein Papst kann in dieses Schisma verfallen. wenn er die Kirche spaltet, wie der Theologe Suarez erklärt und Kardinal Journet bestätigt. 

Heute regiert in der Kirche die Verwirrung. Einige mutige Kardinäle haben eine mögliche öffentliche Korrektur gegenüber Papst Bergoglio verkündet, dessen Initiativen jeden Tag beunruhigender und zu
Quellen der Spaltung werden. Die Tatsache, daß er sich weigert, auf die dubia der Kardinäle zum VIII. Kapitel der Exhortation Amoris Laetitia zu antworten, ermöglicht und ermutigt häretische oder nahe an der Häresie liegende Interpretationen zum Thema der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen. Die Konfusion -die so gefördert wird- ruft Spannungen und interne Kämpfe hervor, anders gesagt eine Situation eines religiösen Konflikts, der einem Schisma vorausgeht. 
Der Akt der öffentlichen Korrektur ist dringend und nötig.

Quelle: R.de Mattei, BenoîtXVI-et-moi

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