Samstag, 13. Januar 2018

Kardinal Beran kehrt auf Bitten der Tschechen nach Prag zurück. Ein Kreis schließt sich.


A. Gagliarducci berichtet in La Nuova Bussola Quotidiana über die bevorstehende Überführung der sterblichen Überreste Kardinal Berans aus Rom in seinen heimatlichen Veits-Dom in Prag.
Er fragt sich hoffnungsvoll, ob das vielleicht ein gutes Zeichen für das doch sehr entchristliche Tschechien sein könnte?
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"DIE STERBLICHEN ÜBERRESTE VON KARDINAL BERAN KEHREN NACH HAUSE ZURÜCK".

"Er hat das Lager Dachau überlebt, ist vom Sowjet-Regime verfolgt worden und im Exil in Rom gestorben, der einzige tschechische Kardinal, der in der Petersbasilika begraben ist.
Aber es wird Zeit, daß die sterblichen Überreste Kardinal Jozef Berans, Erzbischof von Prag, nach Hause zurückkehren.

Es war Pavel Vosalik, Botschafter der Tschechischen Republik beim Hl. Stuhl, der die Bitte, die sterblichen Überreste des Kardinals in die Tcheschiche Republik zurückzuführen, direkt in die Hände des vaticanischen Staatssekretärs Kardinal Pietro Parolins gelegt hat.
Eine Bitte, die von der Tatsache diktiert wurde, daß Kardinal Beran in seinem Geburtsort Plzen oder in Prag, wo er Erzbischof war, beerdigt werden wollte.
Und Dienstag hat Kardinal Dominik Duka, Erzbischof von Prag. angekündigt, daß die sterblichen Überreste im kommenden April ankommen werden und dort in der Kathedrale des Hl. Veith in der Grablege der Erzbischöfe beigesetzt werden, quasi wie um eine Wunde zu heilen, die dieser Kathedrale 1949 durch die Unterbrechung der Corpus-Christi-Feier durch die kommunistische Staatspolizei zugefügt wurde.

Man hat auch über die Möglichkeit gesprochen, Teile seiner sterblichen Überreste in Rom zu behalten, wo sein Grab zu den meistbesuchten Orten gehört und einen Teil in Prag.

Sicher ist, daß alle die Rückkehr der Überreste des Kardinals erwarten, eines der Märtyrer der Kirche des Schweigens, der drei Jahre in den Nazi-Lagern verbracht hatte und 14 Jahre der kommunistischen Verfolgung ausgesetzt war- Jahre während derer der Hl. Johannes XXIII ihn zum Kardinal in pectore kreierte. Der Seligsprechungsprozess für Kardinal Beran wurde 1988 eröffnet, weil alle Zeugnisse über sein Leben von seiner tiefen Spiritualität und Demut sprechen.





Am 29. Dezember 1888 in Plzen  in eine Familie mit langer christlicher Tradition geboren, wurde er 1911 in Rom zum Priester geweiht, wohin er zum Studium geschickt worden war und 1932 wurde er zum Rektor des erzbischöflichen Seminars von Prag ernannt.
1933, als Adolf Hitler die Macht in Deutschland ergriff und das Klima in Prag sich auf Grund der ethnischen Rivalitäten zwischen Tschechen und deutschsprachigen Sudeten veränderten -verschärft durch die Spannungen, die das Münchner Abkommen von 1938 brachten, die Deutschland erlaubte, große Teile der Tschechoslowakei zu annektieren und das Protektorat Böhmen und Mähren zu schaffen.

Beran geriet ins Visier der Gestapo, die seinen Widerstand gegen die Nazi-Ideologie und seine große Popularität nicht ertrug, 1942 wurde er verhaftet, "weil er subversiv und gefährlich" sei, nachdem Beran hatte wissen lassen. daß er eine Messe in tschechischer Sprache für die tschechoslowakischen Gefangenen der Deutschen zelebriert hatte- eine Reaktion auf die Massenverhaftungen nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich, den Repräsetanten des Reichsprotektorates Böhmen und Mähren.

Beran wurde zuerst verhört und dann in Pankrac eingekerkert, dann zu Zwangsarbeit in der Festung von Terzin verurteilt und von dort -am 4.September 1942 ins Konzentrationslager Dachau geschickt, wo 2720 Kleriker aus 134 Diözesen und 24 Nationen in den besetzten Gebieten eingesperrt waren.
Dort blieb er bis zum 29. April 1945 als das Lager von den amerikanischen Truppen befreit wurde.

Beran kehrte ins Heimatland zurück, nahm die Lehrtätigkeit wieder auf und wurde von Pius XII 1946 zum Erzbischof von Prag ernannt. Aber die Probleme für den neuen Erzbischof Beran waren nicht zuende.
1948 übernahm der Kommunismus die Macht in der Tschechoslowakei und Politik wurde, die Freiheit zu reduzieren, Abweichungen und die Religion zu eliminieren: Besitz und Schulen der Klöster wurden beschlagnahmt, die katholischen Zeitungen geschlossen, die Azione Cattolica eingeschmolzen, die Anwesenheit von Priestern in den Krankenhäusern abgeschafft und die Religionsfreiheit auf allen Gebieten des soialen Lebens annulliert.

Die fortdauernden Bemühungen um einen Dialog und die Proteste von Erzbischof  Beran- u.a. in einem Bischofsbrief "Non tacere" erhalten. der im Juni 1949 als Leitartikel in zwei Tageszeitungen veröffentlichr wurde- steigerten nur die Aufmerksamkeit des Regimes für ihn.
Er wurde im Juni 1949 verhaftet und im Erzbischöflichen Palais gefangen gehalten. Es gelang ihm zu fliehen und die Kirche von Sarakow zu erreichen, zu erklären, was ihm geschehen war und "feierlich vor Gott und der Nation zu erklären, daß er niemals einem Abkommen zustimmen werde, das die Rechte der Kirche angreifen würde. "
Die Polizei erschien kurze Zeit später, verhaftete Beran und den Abt, der ihn hatte sprechen lassen und hielt ihn zwei Jahre lang unter Hasuarrest und brachen ihn dann ins Schloss von Bozelow und eine andere Residenz außerhalb der Diözese Prag -ohne das Recht oder die Möglichkeit zum KOntakt nach außen, sodaß ein Brief, den ihm der Hl. Johannes XXIII zum 50. Jahrestag seiner Priesterweihe schickte. an den Absender zurückgeschickt wurde, während ein in Rot gebundenes Brevier verspätet bei ihm eintraf, das Erzbischof Beran  signalisierte, daß der Papst ihn zum Kardinal im pectore kreiert hatte.

Die Internierung dauerte nur bis 1963, nach langen Verhandlungen durch den Hl. Stuhl und den Vatican erhielt Erzbischof Beran die Erlaubnis, 1965 am II.Vaticanischen Konzil teilzunehmen- unter der Bedingung nicht zurückzukehren. Das war das Exil.

Paul VI kreierte in´hn beim Konsitorium von 22. Februar 1965 zum Kardinal und Kardinal Beran sprach beim Konzil über die Freiheit des Gewissens.
So begannen interessante Aktivitäten bei Begegnungen mit Landsleuten in Europa  und Übersee, er wandte sich über Radio Vatican an die Gläubigen jenseits des Eisernen Vorhangs, förderte die Veröffentlichung von Büchern und Zeitschriften für die tschechischen Katholiken.
Alles unter der fortwährenden Kontrolle durch die Kommuniten, die Frantisek Kuncik schickten, Priester des Päpstlichen Böhmen-Kollegs , der in Wahrheit ein Spion war.
Der trat nur sehr selten öffentlich auf.

Beran starb am 17. Mai 1969 auf Grund eines Tumorleidens, das sich unerwartet verschlimmert hatte.
Paul VI beschrieb ihn in seiner Predigt bei den Beerigungsfeierlichkeiten als "einen großen Märtyrer des Glaubens". Einen der vielen Märtyrer der Kirche des Schweigens, zu der in jenen Jahren außergewöhnliche Persönlichkeiten wie  Kardinal Stephan Wyszinski gehörten, dessen Seligsprechungsprozess kürzlich Fortschritte gemacht hat, Kardinal Josip Slipvi, der 18 Jahre Gulag in Sibirien überlebte, Kardinal Mindszenty, der in Ungarn gefanhen gehalten wurde, Kardinal Aloizje Stepinac, heute Objekt eines Streites mit der Orthodoxen Kirche über seine Kanonisierung.

Das ist die ganze Geschichte hinter dem Wunsch Kardinal Beran nach Hause zu bringen. Und wer weiß, ob diese Heimkehr nicht ein gutes Vorzeichen für die Rückkehr des Glaubens in die Nation, bei der 70% der Menschen sich als Atheisen bezeichnen und das Leben der Kirche nur am Rand stattfindet.




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