Dienstag, 17. März 2020

S. Magister als Frontberichterstatter im Krieg der Kardinäle um das das chinesisch-vaticanische Abkommen

Sandro Magister kommentiert bei Settimo Cielo den "Krieg der Kardinäle" über das vaticanisch-chinesische Abkommen, in den Kardinal Re jetzt auch den Papa emeritus hineingezogen hat.
Mit Hilfe der Dokumentation eines China-Experten widerlegt Magister die Behauptung des Kardinals, daß Papst Benedikt XVI seinerzeit dem Entwurf des jetzigen, umstirttenen Abkommens zugestimmt habe. Hier geht´s zum Original:klicken

"IM KRIEG ZWISCHEN DEN KARDINÄLEN RE UND ZEN- STEHT PAPST BENEDIKT IN DER MITTE.
ABER DER SIEGER IST CHINA"

Im Brief, den der Dekan des Hl. Kollegiums, Giovanni Battista Re am 20. Februar an alle Kardinäle geschrieben hat, als Erwiderung auf den vorhergehenden im September an sie adrressierten Brief von Kardinal Joseph Zen Zekiun gibt es einen Punkt, wo der Bruch zwischen den beiden Kardinälen vollkommen ist.

In seinem Brief hatte Zen in Bezug auf das vorläufige und geheime Abkommen über die Ernennung von Bischöfen zischen dem Hl. Stuhl und China vom 22. September 2018 geschrieben:

"Ich habe Grund zu glauben, ( und ich hoffe, das mit Archivdeokumenten beweisen kann) daß das unterzeichnete Abkommen das gleiche ist, das zu unterzeichnen sich Papst Benedikt zu seiner Zeit geweigert hatte."

Darauf erwiderte Re:
"Diese Behauptung entspricht nicht der Wahrheit. Nachdem ich persönlich die Dokumente im aktuellen Archiv des Staatssekretariates abgelegt habe. kann ich bezeugen, daß Papst Benedikt XVI dem Entwurf des Abkommens zur Ernennung der Bischöfe in China zugestimmt hat, das erst 2018 unterzeichnet wurde."

Zens Antwort kam am 1. März in einem offenen Brief an Re, in dem der chinesische Kardinal schreibt:

"Wenn Sie mir beweisen wollen, daß schon Benedikt XVI dem kürzlich unterschriebenen Abkommen ´zugestimmt habe, müssen Sie mir den Text des Abkommens zeigen, das ich bisher nicht sehen durfte und den Archiv-Beweis, den zu haben, Sie behaupten. Dann bliebe zu erklären, warum es nicht damals   unterschrieben wurde."

In Abwesenheit öffentlicher Dokumentationen ist es schwierig zu sagen, welcher der beiden Kardinäle eher im Recht ist.

Aber wir können die Wahrheit finden, wenn wir der gesamten Geschichte der Beziehungen zwischen dem Hl. Stuhl und China während der des Pontifikates von Benedikt XVI zwischen 2005 und 2013 nachgehen.





Das ist es. was der führende Experte für die chinesische Katholische Kirche , Gianni Criveller vor kurzem in seinem Kapitel "Ein Überblick über die katholische Kirche Chinas nach Mao" geschrieben hat, das im Band "Volk, Gemeinden und die Katholische Kirche in China" (Ed.  Cindy Yik-yi Chu and Paul P. Mariani, - in Singapur 2020 veröffentlicht) 
Criveller, 59, vom Päpstlichen Institut für Ausländische Missionen, lehrt an der Chinesischen Universität und am Hl. Geist-College für Theologie und Philosophie in Hong Kong - Sein Essay wurde in voller Länge übersetzt und in "Il Regno", der renommiertesten Zeitschrift des progressiven italienischen katholischen Lagers veröffentlicht,  

Crivellers Essay ist außerordentlich interessant, besonders da, wo er sich mit den Unterschieden zwischen den beiden Katholischen Gemeinschaften in China befaßt- der einen mit der offiziellen Aberkennung durch das Regime- massiv unterjocht und der hochgradig gefährdeten  "Untergrund"kirche  oder wo er die Gründe und Auswirkungen der "Chinesisierung" der Religionen und der vom Chinesischen Präsidenten Xi Jinping befürworteten Rückkehr zum Konfuzianismus erklärt. 

Aber wenn wir uns auf das beschränken, was Criveller über die Jahre des Pontifikates Benedikts XVI schreibt, zögert er nicht dem "Brief an die Chinesischen Katholiken", den der Papst 2007 geschrieben hat, als "historisch" zu bezeichnen. Und über das Schicksal der Bischöfe in diesem Land schreibt er: 

"Benedikt forderte die Machthaber auf, die Untergrundbischöfe anzuerkennen. Er gab jedoch zu, daß die offiziellen Bischöfe fast immer verpflichtet sind , Haltungen anzunehmen, Gesten zu vollziehen
und Verpflichtungen einzugehen, die dem, was ihr Gewissen ihnen aufgibt, widersprechen.
Seltsamerweise wurde "fast immer" in der ersten vom Vatican gelieferten Übersetzung ins Chinesische weggelassen; was den Protest von Kardinal Zen hervorrief. Der Papst überließ es den einzelnen Bischöfen, sich in ihrer spezifischen Situation für den bestmöglichen Weg zu entscheiden, d.h. öb sie die Anerkennung der Machthaber suchen wollten oder nicht., "

Criveller stellt fest, daß "die Chinesische Regierung alles Erdenklich tat, um die Bedeutung des Briefes herunter zu spielen"  Der Beweis dafür war die Beharrlichkeit des Regimes, weiterhin illegale Bischöfe zu ernennen, die von Rom nicht anerkannt wurden. 

2006, ein Jahr bevor der Brief veröffentlicht wurde, hatte es drei illegitime Weihen gegeben, Danach, von 2007 bis zum Sommer 2010- wurden die Bischöfe in beiderseitiger Zustimmung ordiniert "auch wenn die Zustimmung" wie Criveller betont "immer ohne direkte Verhandlungen erteilt wurde." 

Im Herbst 2010 jedoch verschlechterte sich die Situation erneut. Die illegale Weihe von Guo Jincai als Bischof von Chengde, schreibt Criveller, "verursachte eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und China." Und zu Beginn des folgenden Sommers wurden zwei weitere Bischöfe ohne Zustimmung des Papstes geweiht: Lei Shiyin in Leshan und Huang Bingzhang in Shantou. Dieser Affront löste in Rom einen solchen Alarm aus, daß der Hl. Stuhl erstmals mit der öffentlich erklärten Exkommunikation der vom Regime eingesetzten Bischöfe reagierte. 


In der Zwischenzeit, im Dezember 2010, ereignete sich eine nicht weniger beunruhigende Episode, wie  Criveller sie beschreibt:
"Die Regierung hat mit Fanfarenklängen die achte Nationalversammlung Katholischer Repräsentanten abgehalten. Die Agenda des Treffens umfaßte die Wahl des neuen Vorsitzenden der Patriotischen Vereinigung und Bischofskonferenz ( also der beiden Körperschaften, über die das Regime mit eiserner Hand  die offizielle Katholische Kirche kontrollierte). Joseph Xing Wenzhi, Weihbischof von Shanghai , ging widerwillig zu dieser Versammlung . Einmal dort - nahm er in passiver Haltung teil. 
Er kehrte deprimiert nach Shanghai zurück und entschuldigte sich bei seinem Klerus dafür, daß er nicht stark genug gewesen war, die Versammlung zu boykottieren. Das Privatleben des Bischofs nahm sofort eine traurige Wendung. Bischof Xing wurde von der Geheimpolizei beschuldigt, eine Affäre mit einer Frau gehabt zu haben. Das war eine alarmierende Vergeltung gegen einen Bischof, der den Mut gezeigt hatte, sich der Politik der Regierung zu widersetzen. "

Im April 2012 gab es in Nanchong und Changsha zwei weitere Ordinationen, die von beiden Seiten genehmigt wurden, aber die neu Ordinierten „waren gezwungen, illegale Bischöfe bei der Weihe zu akzeptieren“.

Andererseits gab es am 6. Juli desselben Jahres eine weitere illegale Weihen 
Yue Fusheng wurde zum Bischof von Harbin geweiht, "trotz der Bitte des Heiligen Stuhls, die Wahl abzulehnen". Die Priester dieser Diözese, die sich dagegen ausgesprochen hatten, waren gezwungen, ein Unterwerfungsschreiben zu schreiben und mit dem illegalen Bischof zu konzelebrieren. Der Heilige Stuhl kündigte erneut öffentlich die Exkommunikation des neuen Bischofs an. Criveller schreibt: "Dies kann ein wichtiges Beispiel dafür sein, wie die chinesischen Behörden manchmal fähig sind, Menschen auf ihre Seite zu ziehen, die zuvor ausdrücklich dem Papst gegenüber loyal waren."

Tatsächlich war Yue Jahre zuvor, als er noch einfacher Priester war, Mitglied der Chinesischen Delegation gewesen, die an der am 15. Januar 1995 von Papst Johannes Paul II in Manila bei seinem Besuch auf den Philippinen zum WJT zelebrierten Messe teilnehmen durfte.
Und als zu Beginn der Messe die Fahnen der verschiedenen nationalen Delegationen gehißt wurden, auch die Taiwans, und die politischen Leiter der chinesischen Delegation in Vergeltung anordnete, die Zeremonie zu verlassen, gehörte kein anderer als Yue zu den sehr wenigen, die den Mut hatten, nicht zu gehorchen und zu bleiben. Heute ist er jedoch für seine Schwäche und Folgsamkeit gegenüber der Regierung bekannt."

Noch aufschlussreicher ist jedoch die Verschlechterung der Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und China im Jahr 2012, die der letzte Blick auf das Pontifikat von Benedikt XVI. Ist. Dies geschah am 7. Juli in Shanghai mit durch die Weihe von Thaddeus Ma Daqin in der Kathedrale als neuer Weihbischof. Criveller schreibt:

„Er wurde mit Zustimmung beider Seiten ordiniert. Die chinesischen Behörden ordneten  jedoch die Anwesenheit eines illegalen Bischofs an, was die Bestürzung vieler Priester, Ordensleute und Laien hervorrief, die beschlossen, nicht an der Zeremonie teilzunehmen. Thaddeus Ma verhinderte in einem klugen Manöver, daß der illegale  Bischof während des Weihe-Ritus seine Hände auf ihn legte. Gegen Ende der Messe erklärte der neue Bischof, er wolle der Hirte aller Gläubigen sein, womit er nicht mehr Mitglied der Patriotischen Vereinigung sei. Ein Amateurvideo der kurzen Rede von Bischof Ma, die von den in der Kathedrale anwesenden Menschen öffentlich begrüßt wurde, erschien mehrere Tage lang auf verschiedenen Websites, bis sie entfernt wurde.

"Viele fanden die Geste des Bischofs mutig und prophetisch. Aber die bei der Messe anwesenden Regierungsbeamten gerieten in große Aufregung und nahmen ihn an diesem Abend mit Gewalt fest. Beamte untersuchten die Diözese und verhörten Priester und Nonnen. Nach acht Jahren steht Thaddeus Ma im Sheshan-Seminar immer noch unter Hausarrest. Seine „Geständnisse“ von 2016 wurden in Gefangenschaft geschrieben und wir wissen nicht, ob sie aufrichtig waren und ob er das, was er getan hat, bereut hat oder nicht. “


Wenn dies das bekannte öffentliche Geflecht der Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und China in Bezug auf die Ernennung von Bischöfen zwischen 2005 und 2013 ist, ist nicht klar, wie man die angebliche „Genehmigung“ von Benedikt XVI in dieses Gefüge des Abkommens einpassen will das 5 Jahre später unterschrieben wurde. 
Eine Vereinbarung, deren Inhalt noch geheim gehalten wird und die bisher, achtzehn Monate nach ihrer Unterzeichnung, keine neuen Bischofs-Ernennung hervorgebracht hat und im Gegenteil von einem weiteren „Durchgreifen“ begleitet wurde - wie Criveller zu Beginn seines Aufsatzes schreibt - in der Kontrolle des Regimes über die katholische Kirche.

Man sollte nicht vergessen, daß Benedikt XVI sich in Bezug auf China nicht nur des Staatssekretariates bediente, sondern auch einer Art "Ad-hoc-Kommission" auf die kardinal Zen großen Einfluss hatte, Eine Kommission, die während der Pontifikates von Papst Franziskus nie wieder einberufen wurde. 

Es ist daher nicht auszuschließen, daß Papst Benedikt die Entwürfe des Abkommens über die Ernennung von Bischöfen vorgelegt wurden. Ebenso kann nicht ausgeschlossen werden, daß die chinesische Seite im selben Jahr mögliche Vorschläge des Vatikans abgelehnt hat.

Was aber völlig zu beweisen bleibt, ist daß die Vereinbarung, die Kardinal Re als von Benedikt XVI. "genehmigt“ bezeichnet,  mit der im Jahr 2018 unterzeichneten identisch ist..


Und angesichts des Narrativs dieser Jahre, wie es zuletzt von Criveller berichtet wurde, erscheint das unplausibel. Umso mehr, wenn man es mit dem "historischen" Brief vergleicht, den Papst Benedikt an die chinesischen Katholiken geschrieben hat.

Es sollte hinzugefügt werden, daß der Brief von Kardinal Re in eine Phase der Intensivierung der Politik des Heiligen Stuhls zur dem chinesischen Regime "ausgestreckten Hand“ fällt.

Der Brief trägt das Datum des 26. Februar. Am 14. desselben Monats fand am Rande einer internationalen Konferenz in München erstmals seit dem Bruch der diplomatischen Beziehungen im Jahr 1951 ein Treffen der beiden Außenminister des Heilige Stuhls und Chinas, Paul Richard Gallagher und Wang Yi statt. 

Das Staatssekretariat des Vatikans unter der Leitung von Kardinal Pietro Parolin, den Zen als Hauptschuldigen der Kapitulation ansieht, gab bei diesem Anlaß eine Pressemitteilung mit sehr optimistischen Tönen heraus.

Und am 5. März drückte Papst Franziskus in einer in neun Sprachen ausgestrahlten Videobotschaft die Hoffnung aus, daß die "chinesische Christen wirklich Christen und gute Bürger sein können“. Mit einer Empfehlung, die auch eine Rüge gegen den Widerstand beinhaltete: „Sie sollten das Evangelium fördern, aber keinen Proselytismus betreiben, und sie sollen die Einheit der geteilten katholischen Gemeinschaft anstreben."

All dies bisher ohne Gegenleistung der Chinesen, die nur von der Offenheit des Vatikans profitiert haben, ohne den geringsten Preis zu zahlen. Genau wie bei der Vereinbarung von 2018, die Criveller zu Recht als "asymmetrisch“ bezeichnet."

Quelle: Settimo Cielo, S. Magister

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