Samstag, 14. November 2015

Die unerwartete Rückkehr Don Camillos

Das sollte von Seiten des Papstes wohl postsynodal eine populistische Avance an die traditionstreuen italienischen Katholiken werden, den streitbaren Pfarrer Don Camillo, der seinen Heiland auch mal mit Fäusten oder Fußtritten verteidigt (nicht ohne sich nachher beim sanft tadelnden Herrn dafür zu entschuldigen), den glaubensfesten, von keinerlei Erneuerungsfuror oder Dialogwilligkeit angekränkelten Helden der Guareschi-Bücher aufzurufen. Nicht jeder war davon angetan.
Paolo Gulisano fragt bei la Nuova Bussola Quotidiana , ob Don Camillo wirklich zurück ist.
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                "DON CAMILLO IST ZURÜCK, ABER IST ES DER ECHTE?"
"Er ist zurück, Don Camillo. Und auf eine Weise, mit der man am wenigsten gerechnet hätte. Er wurde von keinem Geringeren als Papst Franziskus als Modell eines Priesters vorgestellt. Er der "pretone" aus der Bassa, der Po-Ebene, der talentierten Feder Giovanni Guareschis entsprungen, dem am meisten gelesenen und meistübersetzten, aber auch der in seinem Vaterland am meisten zensierten und als Reaktionär verhöhnte italienischen Schriftsteller.
Mit einer fast saisonalen Periodizität zeigt das Fernsehen Jahr für Jahr die Filme des Don-Camillo-Zyklus, frei- vielleicht zu frei- von den Geschichten Guareschis inspiriert.

Die Beliebtheit beim Publikum, oder -wenn Sie das vorziehen- in den Einschaltquoten ist immer groß und das erlaubt einerseits die Erhaltung der Popularität der ""Masken" von Don Camillo und Peppone über die Generationen hinweg, aber es wird andererseits nicht immer dem Verdienst ihres Schöpfers gerecht, bedenkt man, daß die Kinoadaptation den Originalgeist der Erzählungen auf breiter Strecke verraten hat- sodaß seinerzeit Guareschi sogar persönlich bei den Filmemachern und Drehbuchschreibern protestierte, weil das, was eine ehrliche, loyale aber auch harte und raue Konfrontation gewesen war, zwischen Christentum und der Ideologie, die die Herzen und Gemüter vergiftete (und immer noch vergiftet)  oft in lauem Irenismus aufgelöst wurde



Das Vorurteil, das 40 Jahre lang auf Guareschi lastete, wurde durch die Tatsache motiviert, daß er ein "engagierter" Autor war- ein "falsch engagierter" in den Augen der dominanten Kultur. Ein Reaktionär, ein Adept der Dreiheit "Gott, Vaterland, Familie".

Der Ausflug von Franziskus kann deshalb überraschen und man wüßte gern, was die kasperianischen, liberalen und Öffnungs-Katholiken von diesem Hinweis gehalten haben.
Don Camillo ist ein Priester, der den priesterlichen Habit trägt, der bei den Prinzipien niemals nachgibt, der mit den Weitentfernten nicht dialogisiert, aber sich jedem gegenüber sehr klar ausdrückt, gegenüber Peppone, den Kommunisten, um die Wahrheit zu verkünden und die gerechte christliche Barmherzigkeit walten zu lassen. Was werden sie dazu sagen, die den Papst in ihre Ränge einordnen wollen, die Scalfaris, aber auch die Prêt-a-porter-Theologen, die die Kirche "verjüngen" und sie an die Mode der Welt anpassen wollen?

Don Camillo hatte nicht viele Zweifel in dieser Hinsicht: die Geschichte ist ein Kampf zwischen der Kirche, die Christus im täglichen Leben gegenwärtig macht, und der Welt, die ihn zurückweist.
Don Camillo hatte kurz vor seinem Tod-mit seinem Autor Guareschi 1968- die Gelegenheit, seine Perplexität angesichts einer modernen Welt und auch der modernen Kirche auszudrücken, die im postkonziliaren Sturm lebt, mit den selbsternannten Interpreten des Konzilsgeistes- diesen Don Chichis, die er in seinem letzten Werk beschreibt, beinahe ein sprirituelles Testament.
Guareschi war ein Schriftsteller, der bezeugte und zeigte, daß das, was dem Plan Gottes entspricht, auch die wahre Natur der Dinge ist.
Guareschi hat zugehört und von Jesus die gute Antwort erhalten: "Die Wahrheit wird uns frei machen"
Er hat sie empfangen und wieder und wieder übersetzt in die Parabeln der "Kleinen Welt" und alle seine Geschichten. Es lohnt sich also, ihn für die zu erinnern, die heute angesichts des Vorschlags von Franziskus denken, daß im Grunde Don Camillo nur eine "macchietta" (eine Art komische Figur) ist, die man nicht zu ernst nehmen muß.
Don Camillo ist im Gegenteil die Art Priester, der zu begegnen, sich jeder Christ wünschen muß, in der Gemeinde, im Beichtstuhl, sogar in den Bischofssitzen."

Quelle: Paolo Gulisano, La Nuova Bussola Quotidiana







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