Donnerstag, 7. Januar 2016

Charlie Hebdo und der Sieg der Terroristen.

Mit der Gedenkausgabe von Charlie Hebdo zum Massaker in den Redaktionräumen des "Satire"-Magazins vor einem Jahr - und wie nach diesem einen Jahr die antichristliche Ideologie der Blattmacher über die Realität des Erlebten siegte, beschäftigt sich Stefano Magni bei  La Nuova Bussola Quotidiana. Dem was er sagt, kann man sich nur anschließen und es ist ihm nichts hizuzufügen. Nous ne sommes plus Charlie.
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"CHARLIE HEBDO BESCHULDIGT GOTT. DAS IST DER SIEG DER TERRORISTEN"

"Am 7. Januar, vor einem Jahr sind die Brüder Sherif und Said Kouachi, selbsternannte Integralisten des IS. in die Redaktion des Satire-Magazin Charlie Hebdo eingedrungen und haben mit ihren Kalaschnikows  12 Personen erschossen.

Die Opfer, derer die französische Regierung mit einer gestern enthüllten Steintafel gedachte, waren 2 Polizisten, Zeichner und Journalisten und zwei weitere Personen, die nicht zur Redaktion gehörten. Unter den Verletzten war auch der Zeichner Laurent Sourisseau ("Riss"), der derzeitige Direktor.
Ein Jahr danach-während der Gedenkveranstaltungen für die Opfer- hat Riss die französische Spezialausgabe in Schwarz-Weiß mit einer Auflage von 1 Million herausgebracht : "Ein Jahr danach, der Mörder ist noch auf der Flucht"
Der Mörder ist als ein Mann mit weißem Bart, blutiger Tunika ( das Rot ist die einzige Farbe) und Sandalen dargestellt, mit einer Kalaschnikow um den Hals. Über seinem Kopf das Dreieck mit dem Auge.  Das ist eine unmißverständliche Darstellung Gottes. Nicht des bis zur selbstmord-attentäterischen Obsession von den Terroristen-Brüdern Kouachi verehrten Gottes, sondern des Gottes der Christen.

Seit 2006 war Charlie Hebdo im Visier der integralistischen Islamisten. Zuerst hatten sie mit juristischen Mitteln versuch, es zum Schweigen zu bringen: französische muslimische Organisationen verklagten das Satire-Magazin, weil es die dänischen Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte.
2011 gab es den ersten gewaltsamen Zwischenfall: nach einer Spezialausgabe über den Islam ("Sharia Hebdo") wurden die Redaktionsräume von französischen Integralisten durch Brandbomben zerstört.
2012 wurde die Bedrohung größer: AlQaeda hatte die Zeichner und den Direktor von Charlie Hebdo auf seine Todesliste gesetzt. Schließlich passierte am 7. Januar 2015 das angekündigte Blutbad
Als Zeichen der Herausforderung und derWiderstandskraft hatte der Interimsdirektor Rénald Luzier ("Luz") eine Spezialausgabe mit Mohammed auf dem cover herausgebracht. "Alles ist verziehen"  war der Text auf einer Karte, die der Prophet in der Karikatur in der Hand trug.
Nach dem Massaker aber war nichts mehr wie vorher.
Luz, der nur deshalb gerettet wurde, weil er an dem Tag zu spät in die Redaktion kam- es war sein Geburtstag- hat mehrere Male bekannt, daß er sich nicht von den Geistern seiner getöteten Kollegen befreien könne. Daß er keine satirischen Karikaturen mehr zeichnen könne, viel weniger noch von Mohammed.
Nach einigen Monaten als Direktor hat er die Zeitung verlassen.


Nach der einhelligen Solidaritätskundgebung unter dem Zeichen von "Je suis Charlie" und den vielen Reden über die Meinungsfreiheit wurde die Zeitung für viele unbequem.
Die amerikanische Presse begann- auch wenn sie über die Nachrichten berichtete, die Islamkarikaturen zu zensieren: in den USA hätten sie als Verleumdung gelten können.
In der arabischen öffentlichen Meinung und besondes der französisch-islamischen, solidarisierte man sich immer stärker mit den Mördern: "Je suis Kouachi"  war das Graffito, das immer öfter auf den Mauern der Pariser Banlieus auftauchte.
Von Seiten der französischen Autoritäten kamen- nach soviel Solidarität, auch durch eine Finanzunterstützung des Zeitung in Millionenhöne,- nur Worte über die Bedeutung der "Laizität".
Und als der amerikanische PEN-Club sich vornahm, die Opfer zu ehren, bekundete eine Reihe von Autoren (so gut wie alle Nichtmuslime) -Unterzeichner eines Manifestes der Ablehnung, ihren Unwillen, einer "islamophoben" Aussage zuzustimmen.
Ein Jahr später- auf dem Titelbild der Spezialausgabe: "Der wahre Mörder ist noch auf der Flucht".
Und es ist der Gott der Christen, der Dreieinige. Im Editorial greift Riss, der sich im im Juli öffentlich vorgenommen hatte, Mohammed nie mehr abzubilden "die verrohten Fanatiker des Korans" und die "Betbrüder der anderen Religionen" an.

Warum aber den einen, Dreifaltigen Gott ein Jahr nach dem Blutbad angreifen?
Das fragt sich auch die französische Bischofskonferenz, die ihre Antwort einem kleinen Tweet anvertraut hat: "Wir kommentieren jemanden nicht, der nur versucht zu provozieren. Ist das die Art Polemik die Frankreich braucht?" Das fragt sich auch die französische katholische Zeitung "La Croix" in einem feinen Leitartikel
"Ein Mörder-Gott?"
Abt Pierre Hervé Grosjean hat es gestern bei Twitter gut ausgedrückt: "von der Krippe zum Kreuz, zeigt sich unser Gott entwaffnet. Und er läßt sich karikieren, ohne aufzuhören uns zu lieben."
Gott ist es nicht, der ein Mörder ist, es sind die Menschen. Und sie brauchen Gott nicht, um im großen Maßstab zu morden: die tödlichsten Ideologien des 20. Jahrhunderts -der Nazismus und der Stalinismus- brauchten keine Religio, sie waren antireligiös.
Härter dagegen der Osservatore Romano: "Der manipulierte Glaube: die Wochenzeitschrift respektiert den im Credo bekannten Glauben aller Gläubigen nicht.(....) Diese Episode ist nichts Neues, weil hinter dem betrügerischen Spruchband der "Laizität ohne Kompromisse"  Charlie Hebdo wieder vergißt, daß die Religionsführer aller Art seit Zeiten die Gewalt im Namen der Religion ablehnen : Gott zu benutzen um Haß zu rechtfertigen, ist eine wahre Gotteslästerung, wie Papst Franziskus mehrmals wiederholt hat."

Das warum dieser Ausgabe ist klar und deutlich. 
In der laizistischen Kultur sind alle Religionen in ihrem Obskurantismus gleich. Aber unter ihnen ist eine, die obskurantistischer ist als alle anderen: das Christentum.
Zählt man die antichrisltichen Karikaturen in der Geschichte von Charlie Hebdo zusammen, sieht man, daß sie auf exponentielle Weise die über den Islam übertreffen.
Das ist nicht nur eine Frage des fehlenden Mutes (die Christen richten bekannterweise keine Blutbäder wegen Blasphemien an) sondern ein ideologisches Programm: alle Schuld des Jahrhunderts wird auf die Schultern des europäischen Christentums geladen.
Immer ist es das Christentum, dem die Schuld der Zensur und Unterdrückung der Meinungsfreiheit zugeordnet wird.
Immer ist es das Christentum, dem Kolonialismus und Rassismus zur Last gelegt werden, die von der Linken als Ursprung des islamischen Terrorismus angesehen werden.
Das Blutbad des 7. Januars war ein brutaler Einbruch der Realität in die Fantasie der Linken: zwei integralistisch-muslimische Brüder, zwei "Unterdrückte", zwei "Mitglieder einer Minderheit", "Opfer des Rassismus" haben nicht Christen massakriert oder Rechtsextreme, sondern laizistische Karikaturisten, progressistische, anarchistische, antirassistische- unter dem Vorwurf zu laizistisch und zu liberal zu sein.
Es ist dieses  Ereignis, daß alle ein bißchen in Verlegenheit gebracht hat.
Dann aber- man weiß es- überwiegt zwischen Realität und Ideologie die Ideologie, auch wenn man die brutalste Realtität am eigenen Leibe erlebt hat. Und deshalb ist der aller Übel angeklagte Schuldige- immer Gott, der Gott der Christen.

Am Ende ist der einzige Gewinner dieses traurigen Ereignisses einzig und allein der islamische Terrorismus. Nachdem er 12 Menschen ermordete und selbst nur zwei Terroristen verlor, hat er nicht nur einer Satirezeitung das Maul gestopft, sondern seinen Kampf auch in einen neuen Hass gegen die Christen verwandelt."
Quelle: La Nuova Bussola Quotidiana, Stefano Magni


Das gleiche Phänomen haben in der Silvesternacht die deutschen Linken erleben müssen, als eine von  ihnen-weitab von jeder Realität idealisierte und gehätscheltee Minderheit zu den massiven sexuellen Übergriffen schritt. Die Reaktionen von Schockstarre hin zu Leugnung und Schuldumkehr folgen dem Mechanismus, wie ihn Stefano Magni oben so treffend beschrieben hat.




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