Donnerstag, 23. März 2017

Sandro Magister über Neo-Papisten aus Bologna und anderswo und vier Kirschen

Sandro Magister kommentiert bei Settimo Cielo die teilweise auffälligen und merkwürdigen Reaktionen der Neo-Papolatriker in Theologie und Kirche auf Kritik am Pontifex und besonders auf die Dubia und ihre Autoren.
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"ERZBISCHOF FORTE, PROFESSOR MELLONI UND DIE UNVERDAUTEN VIER KIRSCHEN"

Forte
"Um zu verstehen, wie Franziskus mit seinen Widersachern umgeht, ist der Erzbischof und Theologe Bruno Forte ein zuverlässiges Orakel, besonders seit er öffentlich erzählt hat, was der  Papst ihm während der letzten Synode sagte, bei der er als Spezialsekretär agierte.
"Wenn wir ausdrücklich über die Kommunion für die wiederverheirateteten Geschiedenen sprechen, können Sie sich nicht vorstellen, welches Chaos diese Burschen für uns anrichten werden. Sprechen wir also nicht  direkt darüber, Sie sorgen für die Voraussetzungen und ich ziehe dann die Konsequenzen."

Wie man weiß, hat Franziskus die Konsequenzen gezogen- in der postsynodalen Exhortation "Amoris Laetitia" , aber in einer so mehrdeutigen Form, daß er unausweichlich den Widerstand und die Verwirrung in der ganzen Kirche verstärkt und dadurch vier Kardinäle dazu veranlaßt hat, ihn öffentlich zu bitten, Klarheit in die durch dieses sein flüssiges Lehramt  kreierten "dubia" zu bringen.

Für für Bruno Forte aber ist es nicht der Text von "Amoris Laetitia", der Zweifel erzeugt hat, sondern es sind diese letzteren und jene, die sie äußern, die Unsicherheit und Spaltung unter den Katholiken und anderen säen.

Das und mehr hat der Erzbischof und frühere Spezialsekretär der beiden Familiensynoden, der auch einer der Vertrauensmänner Jorge Mario Bergoglios ist, bei einer Pressekonferenz gesagt, die er am 9.März in Rom in der Kirche San Salvatore in Lauro gegeben hat- die vom Weihbischof der Papstdiözese, Gianrico Ruzza eingeleitet und deren weiterer Sprecher- direkt nach ihm- der Kirchenhistoriker Alberto Melloni, der leitende Kopf der berühmten "Schule von Bologna" war.

Das Hauptargument das Forte zur Unterstützung für die Position von Papst Franziskus vorbrachte, ist die Übereinstimmung zwischen dem, was in "Amoris Laetitia" geschrieben ist und den Propositionen,  über die bei der Bischofssynode abgestimmt wurde: ein "consensus fidelium"- fügte er hinzu- der von denen, die die "dubia" erhoben haben, fälschlicherweise verlassen worden ist.

Hier seine genauen Worte dazu, transskribiert nach einer Audioaufnahme der Konferenz:
"Die Schlusspunkte der Synode wurden von den Vertretern der Episkopate der gesamten Welt mit außerordentlicher Mehrheit angenommen: fast alle einstimmig und die delikateren zumindest von 
Zweidritteln.
Franziskus hatte klare Ideen, er wußte, wohin er gehen wollte. Als er mich zum Sekretär der Synode berief, sagte er zu mir: "Für mich ist es wichtig dort mit allen Bischöfen der Welt anzukommen, weil der Papst der Diener der Diener Gottes ist und ich will, daß wir zusammenwachsen.
Es ist für niemanden von uns wichtig, ob ein Dokument für die Kirche ohne die Reise, die wir gemacht haben, geschrieben wird. "
Das ist ein Aspekt, der nicht übersehen werden darf. Papst Franziskus hat die Kollegialität ernst genommen. Da sind diejenigen, die die ausgerechnet haben, daß 85% der postsynodalen Exhortation aus Texten der Schluss-Relatio der Synode stammen. Die Texte sind in Kollegialität mit den Episkopaten der Welt an der Seite des Nachfolgers Petri gereift.
Wir sehen uns  hier dem gegenüber, was ein veritabler "sensus" ist, ein beeindruckender "consensus fidelium" .
Das ist es, weshalb die dubia, im Untergrund Zweifel über jene, die sie geäußert haben aufkommen lassen, weil einige von ihnen bei der Synode nicht anwesend waren und nicht gesehen haben, welche große Kraft der Gemeinschaft es dort gab."




Natürlich hat Forte nicht den geringsten Hinweis darauf gegeben, wie die Doppelsynode von oben manipuliert wurde, was u.a. zu dem sensationellen Zwischenfall zur Hälfte der ersten Synodensitzung führte, als Forte selbst öffentlich von Kardinal-Relator Peter Erdo beschuldigt wurde, daß Teile der "relatio post disceptationem" gänzlich auf seiner eigenen Initiative beruhten- und zu einem noch sensationellerem Protest-Brief und Appell an den Papst von 13 Kardinälen zu Beginn der Zweiten Sitzungsperiode.

Auch hat er keinerlei Hinweis auf die angebliche Kollegialität gegeben, die abgelehnten Texte, die wegen ihrer höchst kontroversen Punkte von fast einem Drittel der Synodenväter abgelehnt wurden und nur äußerst knapp Dank ihrer Zweideutigkeit und Zurückhaltung in ihrer Sprache, die noch ausgeprägter war, als dann später in Amoris Laetitia. 
Anstatt in den Inhalt der Widersprüche einzutreten, bestritt Forte die gegen den Papst vorgebrachten Beschuldigung wegen des Relativismus und seines "Who am I to judge?"

Und das tat er indem er sich auf den "großen Jesuiten" Karl Rahner und auf den Hl. Ignatius von Loyola in dessen Spuren- sagte er- Franziskus gegen den Relativismus kämpft, weil er die Absolutheit der Wahrheit mit der Absolutheit der Barmherzigkeit kombiniert, in einem täglichen Bemühen der Differenzierung, von der sich niemand ausgeschlossen fühlen sollte."

Man kann mit einer gewissen Sicherheit annehmen, daß was Forte untermalt hat, auch das ist, was Papst Franziskus über die Einsprüche der vier Kardinäle denkt und nicht nur über diese.
Weniger direkt dem Denken von Franziskus zuzuordnen, aber auch Ausdruck der Gefühle des päpstlichen Hofes, ist der spöttische Ton, in dem- direkt nach Forte- Melloni die vier Kardinäle der "dubia" angeht.

"Die Spezialität bestimmter Teile der Kirche" sagte er auf sie anspielend" ist, daß sie glauben, die Hälfte der Kirche zu sein. Es ist als ob die Kirsche glaubt, der halbe Kirschbaum zu sein."

Und weiterhin sagte er, daß die "vier Kirschen, die ich zuvor zitierte" nichts verstanden haben, weder von dem berühmten Ausspruch Johannes XXIII "Es ist nicht  das Evangelium, das sich ändert, wir sind es, die sich mit der Zeit ändern." oder "von der authentischen doktrinalen Autorität" die Franziskus anerkennt, nicht nur in der Synode sondern auch in den Bischofskonferenzen.

Das Einzige, was die vier nach Melloni glauben, ist daß "die Funktion des Lehramtes ist, eine algebraische Summe zwischen den Aussagen der einen Enzyklika und der anderen zu bilden."

Unglücklicherweise jedoch, klagte der Professor, sind die vier mit einem einem überdimensionierten Lautsprecher ausgerüstet, die "ihre kleinen Dinge in eine halbe Realität verwandeln", Und er erzählte von einem Treffen mit den Seminaristen von Shanghai in China "die sehr wenig von "Amoris Laetitia" wußten, aber alles über die "dubia".
Für sie waren die dubia eine ernste und schwerwiegende Sache und der Text von Amoris Laetitia war dagegen ein bißchen ausgeflippt."
Melloni schloß:
"Das Auffälligste an den "dubia" ist nicht, daß jemand sie äußern sollte, sogar wenn ich sie für ein extrem unpassendes Instrument zur Befragung des Papstes halte. Die Bischöfe und Kardinäle haben jedes Recht und sogar die Pflicht, dem Papst zu sagen, was sie denken, aber den Papst wie einen Angeklagten zu behandeln -wie das bei Prozessen gemacht wird- dazu haben sie nicht das Recht, das hilft überhaupt nicht."

Quelle: Settimo Cielo, Sandro Magister


1 Kommentar:

  1. Ein zeitgemäßes Pontifikat: diffuse Diskussionslage, keine klare Orientierung vorgegeben, alles „komplex“, alles „schwierig“, alles im Fluß. Das real gezeigte Verhalten hat wenig bis nichts mit den offiziellen Verlautbarungen zu tun, ist demzufolge kaum aufzeigbar. Da aber zuviele der konservativen Konzilsbefürworter textfixiert ausschließlich auf die Änderung kirchlicher Regelwerke achten, haben sie keinen Blick für die immense Gefahr, welche vom derzeitigen Undercover-Lehramt ausgeht...

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