Mittwoch, 19. Juli 2017

Sind wir Kirche?

"Nein, es geht nicht um den galligen Seniorenverein, der seinen 60-er und 70-er Jahrephantasien von Kirche nachtrauert...hier schreibt ein Priester -Pastor in monte- auf der website "Aspicientes in Jesum", valleadurni, über das aktuelle Pontifikat und die Aufgaben eines Papstes.
Und hier geht´s zum Original:  klicken

                            "We are Church" oder

                            "Wir sind Kirche"


"Im Geiste habe ich den Gedanken, daß Papst Franziskus irgendeine Rolle der Vorsehung im Leben der Kirche zu spielen haben könnte hin und hergedreht. Ich muß klarkommen und sagen, daß ich mit dem Mann nicht warm werden kann. Aber in den Schriften und der Kirchegeschichte haben unkongeniale Leute  oft unangenehme aber notwendige Aufgaben erfüllt. die auf Dauer gesehen dem Volk Gottes zum Wohl dienen.

Diesen Morgen sah ich bei facebook eine Seite, die behauptete, daß Papst Franziskus den Gedanken, ein Christ könne eine persönliche Beziehung zu Jesus haben, verurteilt.
Um den Punkt zu unterstreichen, hat der Poster einen kurzen Video-clip von einer öffentlichen Audienz eingefügt, wo Papst Franziskus tatsächlich genau das sagte.....aber dann sofort fortfuhr "im Privaten, ohne Mitglied der Kirche zu sein, des Volkes Gottes."
Mit anderen Worten, er hatte vollkommen Recht und die Person, die diesen Post kreierte, hat etwas Böses getan, indem sie die Wort des Papstes verdrehte, um den Eindruck zu erwecken, er habe etwas ganz anderes gesagt.

Seit langer Zeit (vielleicht seit Mitte des 19. Jahrhunderts) haben wir einen sehr von oben-nach-unten Stil der Führung.  Der Papst gibt den Bischöfen Anweisungen, die den Priestern Anweisungen geben, die den Laien Anweisungen geben.
Ich denke, daß es Wilfried Ward war, der sich danach sehnte, jeden Morgen eine päpstliche Enzyklika auf seinem Frühstückstisch zu haben. Päpste wurden zu charismatischen Figuren, die über jedes Thema mit Autorität lehrten (man denke an jene tausende von Mahnungen die Papst Pius XII den Hebammen so gern zukommen ließ).





Die 60-er Jahre haben das alles verändert. Ich muß mein Ding machen! Die Leute hörten auf dem gestressten Gemecker Papst Pauls VI zuzuhören und jeder Mann (oder jede Frau) machte sich ein eigenes Bild. Wie der Hl. Paulus warnte, gingen sie mit juckenden Ohren umher, um passende Lehrer für ihre Phantasien zu finden.

Das änderte Papst Johannes Paul II bis zu einem gewissen Gradm hauptsächlich durch seine überwältigende Persönlichkeit.- und das mit Macht. Man sagt, daß als er seine Beine nicht mehr gebrauchen konnte, gefragt wurde, ob er jetzt noch die Kirche leiten könne. "Ich brauche keine zwei funktionierenden Beine um die Kirche zu leiten" soll er gegrollt haben. Zu der Zeit erschien mir diese Antwort verwirrend, aber es hat bis heute gedauer, daß mir einiges klar wurde.

Sollen Päpste absolute Monarchen sein, die kraft ihres Willens und ihrer Persönlichkeit regieren?
Ich denke, daß das vielleicht amerikanische Präsidenten während ihrer Jahre im Amt tun und sich deshalb so viele Amerikaner für Johannes Paul II erwärmten.

Vor einigen Tagen aß ich in einem Pub mit meinem Anglikanischen Gegenpart zu Mittag. Er ist mit einer Katholikin verheiratet und hat eine weibliche Hilfspriesterin. Er horchte mich sanft über Interkommunion und die Frauenorden aus- wie ich es mir vorgestellt hatte.
Glücklicherweise hatte ich meine Antwort vorbereitet, ich wußte, daß es keine harte Antwort sein durfte, weil das das Thema aus seinem Denken ausschließen würde.
Deshalb sagte ich einfach, daß das, was ich persönlich über die Sache denke, nicht wichtig ist, weil Theologie in der Katholischen Kirche nicht etwas ist, was ICH mache, sondern etwas, das WIR tun. Und daß das jedes ICH vom Papst abwärts bis zum letzten Neophyten ausschließt, wogegen das WIR jeden Katholischen Christen umschließt, nicht nur die jetzt lebenden sondern auch jene im Fegefeuer und jene im Himmel. Chesterton nannte das die "Demokratie der Toten".

Das gibt niemandem das Recht- in seinem eigenen Namen etwas zu erneuern, außer- vielleicht- das theoretische Recht des Papstes unter bestimmten, sehr umschriebenen Umständen unfehlbar zu lehren. Sogar die berühmten Proklamationen der Unbefleckten Empfängnis und der Himmelfahrt unserer Hl. Jungfrau waren Akte der "gesamten" Kirche: der Glaube der lebenden Kirche wurde abgewogen und die Diskussionen der Vergangenheit wurden untersucht.

Ich glaube, daß es das ist, warum Papst Benedikt versucht hat, den Charakter der Papsttums zu ändern. Er war nie ein Mann für äußerliche Show. Und ich  vermute, daß die roten Schuhe und Mozzetta eher eine Buße für ihn waren, als irgendewtas anderes. Aber er sah, daß er die Kirche niemals wie sein Vorgänger beherrschen könnte. Ein junger Amerikaner, ein Freund, der nicht viel darüber nachgedacht hat: kommentierte einmal zustimmend: "Papst Johannes Paul hat den LEuten wirklich in den Hintern getreten."


Das war nicht die Art Benedikts; er erinnerte uns daran, daß der Papst eher ein Gärtner als ein Ingenieur sein sollte. Er hat eine hieratische Funktion im Zentrum der Familie; er hat eine besondere Rolle - nach außen durch liturgische Riten und ein spezielles Gewand ausgedrückt. Aber er ist kein aboluter Monarch, nicht mal ein aufgeklärter.

Papst Franziskus sieht das anders; er hat zu praktisch jedem Thema etwas Autoritäres zu sagen.
Ist das wirklich seine Aufgabe? Ist das wirklich die Aufgabe irgendeines Papstes?
Das ist es, warum mir so unwohl wird, wenn ich Leute sagen höre, "du mußt dich dem Programm des Papstes anpassen: er ist immerhin der Papst und wenn du nicht tust, was er sagt, gehorchst du Christus nicht"
Vielleicht ist es das, warum wir Papst Franziskus haben: ich zögere das zu schreiben. aber vieleicht ist er eine Art "reductio an absurdum" der Wahrnehmung eines monarchischen Papsttums."

Quelle: Pastor in monte, Aspicientes in Jesum





Quelle: pastorinmonte, 

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