Montag, 29. April 2019

Zum aktuellen Stand der Kurienreform

A. Gagliarducci befaßt sich in seiner montäglichen Kolumne in "Monday in the Vatican", die heute auch als Artikel in La Nuova Bussola Quotidiana erschienen ist mit dem aktuellen Stand der Kurienreform und stellt die Frage, ob der bisher bekannte Entwurf "Praedicate Evangelium"  wirklich am 29. Juni unterschrieben werden kann.
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"PAPST FRANZISKUS, WIE WIRD DIE KURIENREFORM AUSSEHEN?"
Wie wird die neue Kurie von Papst Franziskus sein? Laut erster Leaks sollte sie ein großes Missions-Dicasterium und ein großes Wohltätigkeitsdicasterium  umfassen, die Unterscheidung  zwischen Kongregation und Päpstlichem Rat soll abgeschafft werden und es soll großer Wert auf Kollegialität gelegt werden,.

Der Entwurf für Praedicate Evangelium, die neue apostolische Konstitution, die die Funktionen und Aufgaben der Kurienämter regeln wird, ist von den Präsidenten der Bischofskonferenzen, Leitern religiöser Gemeinschaften und der Kurienämter vorgelegt worden. Der Entwurf zirkuliert und das Datum, an dem Papst Franziskus die neue Konstitution unterzeichnen soll ist festgelegt: 29. Juni, am Fest der Hl.Petrus und Paulus. 

Genau an diesem Tag könnte Papst Franziskus auch ein Konsistorium zur Kreierung neuer Kardinäle abhalten und dem Kardinalskollegium seine endgültige Form geben. Konsistorium nach Konsistorium (er hat durchschnittlich ein Konsistorium pro Jahr gefeiert) hat Papst Franziskus 47 Prozent der Kardinäle im Kollegium kreiert, die unter 80 Jahre alt sind und somit im Konklave wählbar und wahlberechtigt. Diese Zahl wird sich vergrößern.

Die Leaks bestätigen, was bereits diskutiert wurde.
Das missionarische Superdicasterium könnte aus der Zusammenlegung der Kongregation für die Evangelisierung der Völker  (Propaganda Fide) und des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neu-Evangelisierung entstehen. Es muß noch entschieden werden, ob das neue Dicasterium die Wirtschafts- und Verwaltungsautorität, der sich Propaganda Fide seit ihrer Gründung erfreut hat, um ihre Arbeit in den Missionsländern angemessen erfüllen zu können.




Das neue Wohltätigskeitsdicasterium wäre nichts anderes als die Erhöhung des Amtes des Päpstlichen Elemoniers. In einem Interview mit Reuters 2018 hat Papst Franziskus bereits angekündigt, daß der Almosenier immer ein Kardinal sein werde und daß die Wohltätigkeit des Papstes von einem größeren Amt aus getätigt werden könnte. Jetzt it es wichtig zu verstehen, wie dieses Amt funktionieren soll und ob es die Funktionen des nicht länger bestehenden Päpstlichen Rates Cor Unum, das jetzt Teil des Dicasteriums zur Förderung der menschlichen Entwicklung ist, übernehmen wird.

Weil es keinen Unterschied zwischen Päpstlichen Räten und Kongregationen mehr geben wird, wird alles als Dicasterium neu benannt. Weil alle Dicasterien gleiche Bedeutung haben sollen, wird es kein Dicasterium geben, das wichtiger ist als andere. In ihren Kommentaren zur bevorstehenden Reform haben einige Kardinäle unterstrichen, daß das neue Missionsdicasterium wichtiger sein werde als die Glaubenskongregation. Ein solcher Standpunkt scheint ideologischer Natur zu sein.

Eine aus Dicasterien zusammengesetzte Kurie würde am Ende bedeuten, daß die Wichtigkeit der Dicasterien hauptsächlich davon abhängt, welches Gewicht der Papst ihnen gibt, z.B. bei Themen wie Glaubenslehre, Wohltätigkeit oder Armut.

Nicht alle diese Reformen sind aus dem Hut gezaubert worden. Einige Entscheidungen haben sie vorweggenommen.

Das Kommunikationssekretariat hat im vergangenen Jahr den Namen gewechselt - in Dicasterium für Kommunikation. Diese Änderung hat auch eine Verschiebung in der Rationale der Reform angezeigt.

Zuerst war da die Idee, die Macht des Staatssekretariates aufzusplittern. Einige Reden bei den Treffen im Präkonklave waren sehr deutlich gegen das damals von Kardinal Bertone geleitete Staatssekretariat gerichtet und das führte zu der Folgerung, daß das Problem im Staatssekretariat selber liege.

Am Anfang des Reformprozesses haben einige Leute spekuliert, daß an der Spitze der Kurie eine Gruppe von vier Sekretariaten stehen werde: Das Sekretariat des Papstes und das Sekretariat für die Beziehungen zu den Staaten (grob gesagt die beiden ersten Sektionen des Staatssekretariates); das  Wirtschaftssekretariat und das das Generalsekretariat für die Bischofssynode. 

Gemäß dieser ersten Projekte sollte die Koordination mit den Dicasterien vom Generalsekretariat der Synode übernommen werden.

Es ist kein Zufall, daß Kardinal Baldisseri, der Generalsekretär der Synode, mit der Koordination einiger erster Treffen der Leiter der Dicasterien betraut wurde. Es ist kein Zufall,
daß Baldisseri fast unmittelbar nach seiner Ernennung zum Generalsekretär der Synode zum Kardinal kreiert wurde. Und es ist schließlich kein Zudall, daß Kardinal Baldisseri bei diesem Konsistorium der Zweite auf der Liste war. Die Tatsache, daß er Zweiter hinter Kardinal Gerhard Ludwig Müller war, dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation,  war nicht nur ein Detail.

Papst Franziskus sagte am 18. Juni 2018 in einem Interview mit Reuters, daß die beiden Arme des Papstes Glaube und Wohltätigkeit sind. Also ist die Glaubenslehre essentiell. Als Papst Franziskus Luis Antonio Ladaria zum neuen Glaubenspräfekten ernannte, verliehen ihm die Medien sofort den
Kardinalshut.

Über jede ideologische Interpretation hinaus, schlug der Plan, das Staatsekretariat weniger zentral zu gestalten, fehl.
Einerseits hat das vom erfahrenen Kardinal Pietro Parolin geleitete Staatssekretariat den Übergang übernommen und für Kontinuität gesorgt, vom Papst eine Serie von Dokumenten - handgeschrieben und Erklärungen erbeten und erhalten, die Regeln und Situationen klarstellten. Andererseits wurde klar, daß eine zentrale Koordination nötig ist.

Papst Franziskus´ Reform besteht generell aus zwei Phasen: einer ideologischen und einer der realen Umsetzung, die über Ideologie hinausgeht.

Alle Reformen dieses Pontifikates folgten diesen zwei Phasen. Ein Beispiel ist die kürzliche Revision des Status des Wirtschaftsprüfers des Vaticans. Die Neuregulierung setzt ihn in ein Büro zwischen den Büros der Kurie - und ließ so die Ideologie der Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers, als einem Organ außerhalb des Vatican-Staates - hinter sich.

Wird dieser Prozess von Versuch und Irrtum für die neue Konstitution angewendet werden? Wahrscheinlich.

Viele sind über den Wunsch von Papst Franziskus überrascht, den Entwurf am 29. Juni zu unterzeichnen,. Man dachte, daß mehr Zeit nötig sei, um ein Feedback von den Bischofskonferenzen zu bekommen, das Feedback zu  diskutieren und es harmonisch in den Entwurf einzuarbeiten.

Jetzt sieht es so aus, daß der Entwurf veröffentlicht und dann weiter angepaßt werden wird, wie es für Reformen von Papst Franziskus üblich ist: das Kommunikationsdicasterium hat sich verändert und das Statut des Dicasteriums für Laien, Familie und das Leben ist up-gedatet worden.

Wir können also weitere motu proprio und Korrekturen erwarten - gemäß der Rationale von Papst Franziskus, daß Reformen im Gehen gemacht werden.

Der Moment in dem die Reform ihre endgültige Form annimmt ist auch ein Moment der Unschlüssigkeit. Die neue Struktur der Kurie soll für 25 Jahre gelten. Aber ein neuer Papst könnte alles umstoßen, weil kein Papst Entscheidungen für seinen Nachfolger treffen kann.

Die Reform wird sicher diskutiert werden, vielleicht in einem vor dem gerüchteweise zur Kreierung neuer Kardinäle einberufenen Konsistorium. Es ist klar, daß  Papst Franziskus´ Reform  das Profil der Bischöfe betrifft. Diese Reform könnte auch das Kardinalskollegium betreffen. 

Das Kardinalskollegium unter  Papst Franziskus ist nach Kontinenten das repräsentativste aller Zeiten und zugleich das unvorhersehbarste in Bezug auf die internen Gleichgewichte.

Seit 2015 hatten die Kardinäle keine Gelegenheit sich zu treffen. Bei der Wahl neuer Kardinäle ging Papst Franziskus über jede erwartete Wahl hinaus. Er hat eher auf das persönliche Profil als auf ihre Bischofssitze geschaut. Viele dieser neuen Kardinäle sind den Kollegen, die den roten Hut bereits hatten, unbekannt.

Das allgemeine Klima ist weltweit das der Unsicherheit. Es ist paradox, daß sich dieses Klima immer weiter ausbreitet, während Papst Franziskus eine Reform starten will, die die Kardinäle während der Treffen im Konklave lautstark verlangt haben.

Wird Papst Franziskus jeden enttäuscht hinterlassen? Wird er andererseits der Kirche wirklich eine neue Form geben?

Quelle: LNBQ, Monday in the Vatican, A, Gagliarducci 

  

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